Rhein-Main-Kinzig-Radweg (Hess. Radfernweg R3)

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och im 18. Jahrhundert benötigten die Winzer eine bischöfliche Erlaubnis, um mit der Traubenlese beginnen zu dürfen. So begab es sich anno 1775, dass der Traubenkurier der Fuldaer Abtei, der dem klösterlichen Weingut Johannisberg im Rheingau die Leseerlaubnis überbringen sollte, sich um zwei Wochen verspätete. Inzwischen waren die Trauben jedoch mit Edelfäule befallen – und so entdeckte man rein zufällig die Spätlese.

Der Hessische Radfernweg R3 lässt den Weg des bischöflichen Reiters für Radwanderer auf ihren Stahlrössern nachvollziehen. Die Route wird deshalb auch manchmal ‚Spätlesereiterweg‘ genannt, aber diese Bezeichnung konnte sich bislang nicht richtig durchsetzen. Geläufiger ist dagegen der Begriff ‚Rhein-Main-Kinzig-Radweg‘, der allerdings unvollständig erscheint, denn die Flüsse Fulda und Ulster, an denen der Radfernweg ebenfalls verläuft, bleiben einfach unerwähnt – wahrscheinlich wäre der Begriff als Radwegbezeichnung einfach zu lang geworden! Sei’s drum: alle Bezeichnungen meinen den gleichen, rund 230 km langen Radfernweg, der von Rüdesheim am Rhein durch die bereits erwähnten Flusstäler bis an die thüringische Grenze bei Tann in die Rhön führt. Als Wegweiser dienen die standardisierten weißen Schilder mit dem hessischen Landeswappen und der Bezeichnung ‚R3‘. Wo einst das Ziel des bischöflichen Reiterkuriers war, dort beginnt heute der Radfernweg. Und gleich beim Start in Rüdesheim muss sich der Radwanderer zwischen zwei Varianten entscheiden. Die eine führt flach und ufernah am Rhein entlang, die andere durch die Weinberge des Rheingaus über das Kloster Eberbach. Im hübschen Eltville vereinigen sich beide Alternativen wieder, bevor es in die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden mit seinem imposanten Barockschloss Biebrich geht. Gegenüber von Mainz wird nun die Mündung vom Main erreicht, dem man nun flussaufwärts bis Hanau folgt. Das Highlight ist hierbei natürlich die Skyline der Metropole Frankfurt. Auch ein kurzer Abstecher in die Innenstadt und zum Römer, dem berühmten Rathaus der Stadt, ist möglich: man muss nur kurz die Mainseite wechseln.


Vorbei an Offenbach, Sitz des Deutschen Wetter Dienstes, geht es in die Brüder-Grimm-Stadt Hanau, wo man nun das industrialisierte Rhein-Main-Gebiet langsam wieder verlässt und fortan dem beschaulicheren Kinzigtal folgt. Hier warten geschichtsträchtige Städte wie die Barbarossastadt Gelnhausen, die Kur- und Gesundheitsstadt  Bad Soden-Salmünster sowie Steinau an der Straße mit seinen zahlreichen Gässchen und vielen gut erhaltenen Fachwerkbauten auf einen kleinen Besuch. Hinter dem Schlüchterner Landrücken erreicht man nun die beeindruckende Dom-, Bischofs- und Barockstadt Fulda, einst Sitz des Klosters Fulda. Neben dem Dom St. Salvator sind das Paulustor, das Alte Rathaus, die Alte Universität, der Adelspalast sowie das Stadtschloss mit seinem Park und der Orangerie sehenswert. Von hier aus war der oben erwähnte Reiterkurier einst gestartet, aber der Radfernweg geht noch weiter. Hinter Fulda ist der Rhein-Main-Kinzig-Radweg identisch mit dem Milseburgradweg, der auf der ehemaligen Trasse der Rhönbahn über viele Brückenbauwerke verläuft und hinauf in den Naturpark Hessische Rhön führt. Dabei passiert er als spektakuläres Highlight auch den 1,2 km langen beleuchteten Milseburgtunnel. Zum Schutz von Fledermäusen ist der Tunnel allerdings in den Wintermonaten von November bis März, manchmal sogar bis in den April hinein, gesperrt. Nördlich von Tann in der Rhön endet der R3 recht unvermittelt an der Grenze zu Thüringen. Die Radreise kann aber auf dem Rhönradweg, dem Ulster-Radweg oder etwas nördlich auf dem Werra-Radweg fortgesetzt werden.

Für die Pflege der Hessischen Radfernwege zeigt sich die HA Hessen Agentur GmbH verantwortlich.

Charakteristik:

Der Rhein-Main-Kinzig-Radweg ist überwiegend flach. Selbst der Aufstieg in die Rhön ist sehr moderat, da die Wegführung über eine ehemalige Bahntrasse verläuft. Steigungen von über 3% sind selten. Im Rheingau ist lediglich die Variante R3b über das Kloster Eberbach anspruchsvoll. Die Hauptroute verläuft aber flach am Rheinufer. Die Wegführung erfolgt fast ausschließlich über asphaltierte Rad- und Wirtschaftswege. Nur in Hanau und Fulda werden vermehrt Straßen genutzt, ansonsten ist die Verkehrsbelastung aber gering. Rund ein Viertel der  Route verläuft über Wald- und Feldwege, die sich aber im gut zu befahrendem Zustand befinden. Für Rennräder ist die Route dagegen eher ungeeignet. Der Radfernweg kann für Familien und Kinder weitestgehend empfohlen werden.

Zwischen Rüdesheim und Fulda bestehen überall Bahnanschlüsse. Alle Bahnhöfe auf der Strecke liegen im Tarifgebiet des RMV, bei dem die Fahrradmitnahme kostenlos ist. Hinter Fulda bis nach Hilders kann man den RhönBus nutzen, der zwischen Anfang Mai und Anfang Oktober an Sams-, Sonn- und Feiertagen im Zweistundentakt verkehrt. Auch hier ist die Fahrradmitnahme kostenlos. Hinter Hilders gibt es keinen Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz mehr.



Ortschaften entlang der Route

Rüdesheim am Rhein / Geisenheim / Oestrich-Winkel / Kiedrich (R3b) / Eltville am Rhein / Walluf / Wiesbaden / Hochheim am Main / Flörsheim am Main / Hattersheim am Main / Kelsterbach / Frankfurt am Main-Schwanheim / Frankfurt am Main-Sachsenhausen / Offenbach am Main / Mühlheim am Main / Hanau / Erlensee / Langenselbold / Gründau / Gelnhausen / Wächtersbach / Bad Soden-Salmünster / Steinau an der Straße / Schlüchtern / Flieden / Neuhof bei Fulda / Fulda / Petersberg (Hessen) / Hofbieber / Hilders / Tann (Rhön)

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