Odenwald-Madonnen-Weg
er Odenwald-Madonnen-Weg gehört zum gut ausgebauten Radwegenetz Baden-Württembergs. Der rund 175 km lange Radfernweg führt quer durch das nördliche Baden von Tauberbischofsheim über Walldürn, Mosbach und Heidelberg bis nach Speyer am Rhein. Dabei durchquert er das Madonnenländle und den Odenwald und gelangt über das Neckartal in die oberrheinische Tiefebene.
Was aber ist das Madonnenländle? Der Begriff ‚Madonnenländchen‘ wurde einst erdacht und beschrieben durch den badischen Heimatschriftsteller Hermann Eris Busse (1891 – 1947). Er bezeichnete damit den Landstrich zwischen dem östlichen Odenwald bis zum Taubergrund, da es in dieser Gegend so viele Bildstöcke gab. In der badischen Mundart wurde aus dem Madonnenländchen schließlich das ‚Madonnenländle‘. Es handelt sich also nicht um ein in festen Grenzen bestimmtes Gebiet, sondern eher um eine geografisch nicht genau definierte Region, die – der Name verrät es bereits – sehr katholisch geprägt ist. Überall stehen Heiligenfiguren, Gnadenbilder, Feldkreuze und Bildstöcke. Und in den Kirchen finden sich ungezählte künstlerische Darstellungen der Gottesmutter, ob auf Gemälden oder in Form von Figuren oder Standbildern.
Der Verlauf des Radfernweges gliedert sich in zwei charakterlich völlig unterschiedliche Abschnitte: zwischen Tauber-Bischofsheim und Mosbach bzw. Zwingenberg ist es sehr bergig. Ständig geht es entweder mühsam aufwärts oder in rasanter Sausefahrt hinab. Im Neckartal ändert sich dann das Bild: fortan bleibt es bis in das Rheintal hinein flach.
Start der Tour ist Tauberbischofsheim im ‚Lieblichen Taubertal‘. Die Kreisstadt ist das Zentrum des deutschen Fechtsports und besitzt eine wunderschöne historische Altstadt mit zahlreichen fränkischen Fachwerkgebäuden, engen Gässchen und Kirchen. Besonders sehenswert ist der Marktplatz mit dem neugotischen Rathaus sowie natürlich das Kurmainzische Schloss mit dem Türmersturm, das Wahrzeichen der Stadt.
Über Hardheim erreicht man den bereits im Odenwald liegenden berühmten Wallfahrtsort Walldürn. Ziel der Pilger ist bis heute der Heilig-Blut-Altar in der Wallfahrtskirche St. Georg, in der eine Altardecke aus Leinen mit dem Bild des Gekreuzigten bewahrt wird. Die jährliche Hauptwallfahrtszeit beginnt immer am Sonntag nach Pfingsten mit dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit und dauert dann vier Wochen an. Wenige Kilometer südlich erreicht der Radwanderer Buchen. Die Stadt gilt als das Herz des Madonnenländle, da der Ort mit seiner sehenswerten Altstadt im Zuge der Gegenreformation zum Zentrum der Marienverehrung wurde. Bei Mudau teilt sich nun die Strecke in eine recht sportliche Westroute entlang des Katzenbuckels, einem erloschenen Vulkan und höchste Erhebung des Odenwalds, sowie eine moderate, aber etwas längere östliche Variante. Die Ostroute erreicht kurz vor Mosbach das Neckartal und folgt diesem nun für ungefähr 65 Kilometer. Mosbach zählt zu einem der schönsten Ausflugsziele im Odenwald. Die Kreisstadt liegt inmitten von bewaldeten Bergen und besitzt eine hübsche historische Altstadt mit liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern und mittelalterlichen Straßenzügen.
Bei Zwingenberg vereinen sich die beiden Routenvarianten wieder. Oberhalb der Gemeinde thront das im 15. Jahrhundert erbaute Schloss Zwingenberg. Die beeindruckende Festung gilt als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Deutschlands und ist seit 1808 in Markgräflich Badischem Familienbesitz. An der Burg befindet sich der Ausgang der sagenumwobene Wolfsschlucht. Das Wanderparadies soll Carl-Maria von Weber zu seiner romantische Oper ‚Der Freischütz‘ inspiriert haben.
Entlang des Neckars, vorbei an steilen Hängen und erhabenen Burgruinen geht es nun über Eberbach, Hirschhorn und Neckargemünd in die Universitätsstadt Heidelberg. Die Ruine des Schlosses thront majestätisch über der berühmten Altstadt. Das ehemalige Residenzschloss der Kurfürsten von der Pfalz gilt als Inbegriff der deutschen Romantik.
Hier verlässt der Neckar den Odenwald und tritt in die weite und flache Oberrheinebene ein. Nun ist es nicht mehr weit zum Rhein und zu der Dom- und Kaiserstadt Speyer, dem Zielort der Tour. Speyer wurde bereits vor über 2000 Jahren als römische Siedlung gegründet und ist damit eine der ältesten Städte Deutschlands. Im Mittelalter stieg es zur bedeutenden freien Reichsstadt auf. Der Kaiser- und Mariendom ist die weltweit größte noch erhaltene romanische Kirche und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Natürlich kann der Odenwald-Madonnen-Weg auch in umgekehrter Richtung befahren werden. Das Routenlogo zeigt das standardisierte Piktogramm der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg in orangener Farbe, dass einen weißen Radfahrer sowie die Aufschrift ‚Odenwald-Madonnen-Weg‘ trägt. Der Radweg wurde vom ADFC als Qualitätsroute mit vier Sternen ausgezeichnet.
Charakteristik:
Der Odenwald-Madonnen-Weg gilt vom Schwierigkeitsgrad als mittelschwer. Das liegt vor allem an den vielen Steigungen im Odenwald. Zwischen Tauberbischofsheim und kurz vor Mosbach bzw. Zwingenberg geht es permanent hoch und wieder herunter. Daher ist dieser Streckenabschnitt eher etwas für sportliche Radler und weniger für Kinder oder Ungeübte geeignet. Insbesondere die Westroute, die mit dem Katzenbuckel über die höchste Erhebung des Odenwalds führt, ist von starken Steigungen geprägt. Nach Erreichen des Neckartales bleibt es bis zum Ziel im Oberrheintal flach.
Die Streckenführung folgt überwiegend asphaltierten Wegen, nutzt aber auch unbefestigte Waldwege. Das Verkehrsaufkommen ist außerhalb der Städte gering.
Ortschaften entlang der Route
Tauberbischofsheim / Königheim / Hardheim / Höpfingen / Walldürn / Buchen (Odenwald) / Mudau / Limbach (Baden) / Fahrenbach / Mosbach / Obrigheim (Baden) / Neckargerach / Zwingenberg (Baden) / Eberbach / Hirschhorn (Neckar) / Neckarsteinach / Neckargemünd / Heidelberg / Leimen (Baden) / Nußloch / Walldorf (Baden) / Reilingen / Neulußheim / Altlußheim / Speyer
Westroute:
Waldbrunn