BahnRadweg Hessen (Vulkanradweg)
nde des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Eisenbahnverkehr seine Hochzeit. Immer mehr Bahnstrecken wurden quer durch Deutschland angelegt, immer mehr Lokomotiven quälten sich über die neuen Schienenwege, die sich teilweise abenteuerlich über hohe Viadukte und durch düstere Tunnel durch die Mittelgebirge wanden. Doch mit dem Automobil kam die Mobilität. Viele Bahnstrecken rentierten sich schon bald nicht mehr und wurden folglich eingestellt. Was tun mit diesen Bahntrassenruinen?
Ideenreiche Verkehrsplaner hatten die Lösung: sie ließen diese ehemaligen Eisenbahnrouten zu Radwegen umbauen. Radelspaß für die ganze Familie, denn die Strecken verlaufen fast vollständig autofrei, sind meistens mindesten 2,50 Meter breit und die Steigungen überschreiten selten 3%, weil die Lokomotiven keine steileren Anstiege schafften. Wo sonst kann man sein Rad einmal so richtig rollen lassen?
Inzwischen gibt es fast 500 solcher Freizeitrouten mit verschiedensten Längen: manche sind nur wenige hundert Meter lang, andere besitzen Radfernwegcharakter. Ein solches Vorzeigeprojekt ist der BahnRadweg Hessen. Er wurde aus mehreren Bahntrassenwegen zusammengestellt und führt über 245 Kilometer von Hanau bis nach Bad Hersfeld, kann aber auch als Rundkurs befahren werden – dann wären es fast genau 400 Kilometer.
Auf der landschaftlich abwechslungsreichen Tour kann der Radwanderer tolle Panoramen in den Mittelgebirgen von Spessart, Vogelberg und Rhön erleben. Es geht durch die Wetterau und Waldhessen sowie durch die Flussauen von Nidder, Schlitz, Fulda, Ulster und Kinzig. Auch dem hessischen Nachbarland Thüringen wird ein kurzer Besuch abgestattet.
Weitere sehenswerte Highlights sind das Schloss Philippsruhe und die ehemalige Kuranlage Wilhelmsbad bei Hanau, die Kur- und Festspielstadt Bad Hersfeld, das Schloss und der Vogelsberger Dom in Birstein, die Kaiserpfalz in der Barbarossastadt Gelnhausen, die Burgenstadt Schlitz, die Barock- und Bischofsstadt Fulda, Lauterbach mit seiner historischen Altstadt, der Luftkurort Tann und die Keltenwelt am Glauberg, ein archäologischer Park mit angeschlossenem Museum.
Zwischen Fulda und Hilders wird die Route durch den 1173m langen Milseburgtunnel geführt, in dem ganzjährig Temperaturen von gerade einmal 8 – 10°C herrschen. Zum Schutz von Fledermäusen bleibt dieser Tunnel allerdings zwischen November und März/April gesperrt.
Die Hauptstrecke beginnt direkt am Main am Schloss Philippsruhe und führt dann über Gedern, Lauterbach, Schlitz, Fulda, Tann und Philippsthal nach Bad Hersfeld. Eine alternative Route führt vom Schloss Philippsruhe über den Vogelberger Südbahnradweg und den Hessischen Radfernweg R3 über Langenselbold, Wächtersbach und Birstein bis nach Grebenhain-Hartmannshain, wo sich beide Streckenführungen wieder vereinigen. Zwischen Schlitz und Bad Hersfeld kann man auch dem Fuldaradweg (R1) folgen, der etwas kürzer als die Hauptroute ist und der sich auch als Ergänzung für diejenigen anbietet, die die Route als Rundkurs fahren möchten.
Der rund 95 km lange Vulkanradweg verläuft von Altenstadt nach Schlitz auf der Trasse der ehemaligen Oberwaldbahn durch die offene Wald- und Wiesenlandschaft des Vogelberges, dem größten Vulkanmassiv Mitteleuropas. Die Streckenführung entspricht dabei fast vollständig der des BahnRadweges Hessen.
Der BahnRadweg Hessen wurde 2010 als Teil des hessischen Radwegenetzes eröffnet und bereits zwei Jahre später vom ADFC als Qualitätsroute mit vier Sternen ausgezeichnet. Das routenbegleitende Logo zeigt einen stilisierten Radler auf einem Schienenstrang vor rot-weißem Hintergrund, darunter die Routenbezeichnung ‚BahnRadweg HESSEN‘ in schwarz-roter Schrift. Der Radfernweg wird durch die ‚Region Vogelsberg Touristik‘ betreut.
Charakteristik:
Der BahnRadweg Hessen verläuft auf Bahntrassen, deren Steigung 3% nicht überschreitet. Das bedeutet aber nicht, dass die Route die ganze Zeit flach ist – schließlich befinden wir uns hier in der Region der Mittelgebirge. Die Anstiege können teilweise recht lange dauern, so dass eine gewisse Kondition durchaus vorhanden sein sollte. Der Aufstieg in den Vogelsberg auf Höhe des Vulkanradweges gehört dazu. Darüber hinaus gibt es immer wieder auch kurze Anstiege, aber auch längere flache Passagen.
Die Alternativroute zwischen Hanau und Hartmannshain ist in nördlicher Richtung als recht sportlich zu bezeichnen, da auf einer Länge von 67 km insgesamt 760 Höhenmeter zu erklimmen sind.
Die Streckenführung führt größtenteils über befestigte Asphalt- oder gut befahrbare Schotterwege, die teilweise eigens als Radweg angelegt wurden.
Die Verkehrsbelastung ist gering, auf den Bahntrassen gibt es mit der Ausnahme von wenigen Kreuzungen überhaupt keinen Autoverkehr.
Veröffentlichung der Fotos mit freundlicher Genehmigung der ‚Region Vogelsberg Touristik‘ und Konrad Fahrheimer.
Ortschaften entlang der Route
BahnRadweg Hessen (Hauptroute)
Hanau / Bruchköbel / Nidderau / Altenstadt (Hessen) / Glauburg / Ortenberg (Hessen) / Hirzenhain / Gedern / Grebenheim / Herbstein / Lauterbach (Hessen) / Wartenberg (Hessen) / Bad Salzschlirf / Schlitz (Vogelbergskreis) / Fulda / Petersberg (Hessen) / Hofbieber / Hilders / Tann (Rhön) / Schleid / Geisa / Buttlar / Unterbreizbach / Philippsthal (Werra) / Hohenroda / Schenklengsfeld / Bad Hersfeld
BahnRadweg Hessen (Variante über Vogelberger Südbahnradweg und R3)
Hanau / Erlensee / Gründau / Gelnhausen / Wächtersbach / Brachttal / Birstein / Grebenhain
Vulkanradweg
Altenstadt (Hessen) / Glauburg / Ortenberg (Hessen) / Hirzenhain / Gedern / Grebenheim / Herbstein / Lauterbach (Hessen) / Wartenberg (Hessen) / Bad Salzschlirf / Schlitz (Vogelbergskreis)