Helmpflicht – Pro und Contra, eine Diskussion

Helmpflicht – Pro und Contra, eine Diskussion

Eine gesetzlich vorgeschriebene Helmpflicht gibt es für Radfahrer in Deutschland nicht und auch die indirekte Helmpflicht wurde erst kürzlich vom Bundesgerichtshof BGH verhindert. Trotzdem ist es unbestritten, dass das Tragen eines Helmes Leben retten kann. Darüber hinaus sind Radfahrer mit ihren bunten Kopfbedeckungen, die teilweise auch mit Reflektoren ausgestattet sind, viel besser zu sehen. Die inzwischen sehr leicht gewordenen Helme werden gut belüftet und bieten durchaus einen angenehmen Tragekomfort – so heißt es von den Helmtrage-Befürwortern. 75% der acht bis zehnjährigen Kinder tragen einen Helm – dagegen aber nur 15% der Erwachsenen! Warum ist das so?

Der Helm stört gerade bei Stadtfahrten viele Radler. Sie empfinden ihn immer noch als unbequem und lästig. Er fördert das Schwitzen auf dem Kopf und eitle Radfahr-Zeitgenossen beschweren sich über zerdrückte und entstylte Frisuren. Und das Tragen eines Helmes führt  aktuellen Erhebungen zufolge zu einem falschen Sicherheitsgefühl – sowohl bei den Radfahrern als auch bei den Autofahrern, der dazu neigt, helmtragende und damit professionell wirkende Radler in ihrem Fahrverhalten zu überschätzen. Ein weiteres Argument gegen eine offizielle Helmpflicht sind die drohenden Bußgelder, die den Radverkehr auf unseren Straßen unpopulär machen würde. Viele Helmmuffel würden (angeblich) auf das Radfahren verzichten, wenn sie eine Strafe wegen Nichthelmtragens befürchten müssten. Aus diesem Grunde sieht auch unser hochgeschätzter Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in dieser Frage derzeit keinen wirklichen Handlungsbedarf, wie er erst unlängst betonte. Schließlich hat der Politiker kein Interesse daran, dass der Radverkehr auf unseren Straßen wieder abnimmt. Vielleicht fürchtet er aber auch nur den drohenden Wiederstand der erbosten Radlergemeinschaft, der dann auf ihn zurollen würde! Er möchte bei dieser Diskussion halt nicht unter die Räder kommen! Nebenbei – das größte Sicherheitsproblem für Radfahrer würde mit einer Helmtragepflicht auch nicht gelöst werden: das mitunter gefährliche Miteinander auf der Straße. Radfahrer sind auch mit Helm sehr viel schutzloser dem Verkehr ausgeliefert als Autofahrer!

Wenn man diese Diskussion von ober betrachtet, merkt man, wie typisch deutsch sie doch geführt wird. Die einen stellen die erzwungene Sicherheit über alles, die andern fordern die bedingungslose Freiheit. Sicherlich sind einige Argumente für das Für und Wider der Helmtragepflicht richtig und überlegenswert – andere dagegen scheinen an den Haaren herbeigezogen, um die eigene Meinung auf Teufel heraus zu unterstützen! Derzeit bleibt die gesetzliche Helmpflicht aber tabu und jeder muss bis auf Weiteres für sich selber entscheiden, was er für vernünftig und vertretbar hält – und was nicht. Ist ja schließlich der eigene Kopf!

Ich für meinen Teil trage einen Helm – zugegeben: nicht immer, aber immer öfter…

2 Kommentare

  • geschrieben 9. Juli 2014

    Jakob Weber

    Für eine generelle Helmpflicht bin ich nicht. Aber es gibt gute Gründe, einen zu tragen. Ein weiterer an Hitzetagen ist, dass man sich nicht so schnell einen Sonnenstich holt. Eine unterschätzte Gefahr!

  • geschrieben 16. Juli 2018

    ProHelm

    Also ich finde, dass die Argumente gegen eine Helmpflicht überwiegen. Gerade, weil dadurch weniger Leute Fahrrad fahren würden, was zwar schade ist, aber das muss man akzeptieren. Für Kinder finde ich aber, dass es eine Helmpflicht bis zu einem gewissen Alter geben sollte. Angemessen ist vielleicht so bis 12 Jahre. Ich finde die Argumente, die zumindest für eine Helmpflicht für Kinder sprechen (also, dass die nicht selbst entscheidungsfähig sind zB), durchaus nachvollziehbar.

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