Dreikönigstag auf Mallorca

Dreikönigstag auf Mallorca

Januar. Die Luft ist klar, der Himmel blau. Die Temperaturen liegen bei 20 Grad in der Mittagssonne. Mallorca lädt dazu ein, die Insel mit ihren unterschiedlichen Landschaftsbildern per Rad zu erfahren. Der dichte Autoverkehr in Palma verflüchtigt sich auf den Landstraßen.

Die Nebenstraße zwischen dem Cabo Blanc und Ses Salines bis Santanyi verläuft in einem etwas weiteren Abstand parallel zur Südküste. Sie ist gut ausgebaut und erscheint teilweise schnurgerade wir mit dem Lineal gezogen. Nur hier und da ändern lang gezogene Kurven den Verlauf. Die Fahrbahn ist flach und anspruchslos. Sie verführt dazu, einmal so richtig die Sau raus zulassen, in die Pedalen zu treten und Tempo zu machen, vorbei an Olivenhainen und ausgedehnten Weiden. Nur hier und da grüßen kleine Ortschaften in der leicht gewellten weiten Ebene. So wie Sa Sorda oder Es Palmer mit ihrem sandfarbenen Häusergeschachtel, aus dem auch immer ein schlanker Kirchturm in die Höhe ragt. Zuweilen gibt die Landschaft den Blick aufs Meer frei, das am Horizont mit dem Himmel im Dunst verschwimmt.

Der rechte Fahrbahnrand ist für die Radfahrer bestimmt. Die hasten in Rudeln zielstrebig über die Piste. Die farbigen Helme und Trikots glänzen in der Sonne. Hier ist Geschwindigkeit angesagt, wird Leistung gefordert.

Bei der Ankunft in Santanyi krachen mächtige Böller. Es ist der 6. Januar, 12 Uhr, Dreikönigstag. Drei Prunkwagen, gezogen von prächtig geschmückten Pferden, nähern sich von der Kirche her dem Marktplatz. In jedem der Wagen thront ein Heiliger König – Kaspar, Baltasar und Melchior. Auf dem Markt hat sich die halbe Stadt versammelt. Sie empfängt die Heiligen mit lautem Beifall. Die Könige lassen sich von ihren Begleitern den Weg durch die Menge bahnen und teilen mit vollen Händen Süßigkeiten an die Kinder aus. Die stolzieren im Sonntagsstaat über den Markt und sammeln emsig die „Bonschen“ in kleinen Beuteln. Am Rand des Platzes sitzen die Erwachsenen bei Kaffee, Wein oder frisch gepresstem Orangensaft. Fernab von städtischer Unrast und Touristennepp pflegen die Menschen auf dem Lande noch ihre Traditionen und bewahren das kulturelle Erbe ihres Volkes. Als Radfahrer erlebt man das unmittelbar und hautnah.

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