EmsRadwegLogo_EmsRadweg

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ie Ems ist der kürzeste Strom Deutschlands. Trotzdem ist er stolze 371 Kilometer lang. Über 200 Kilometer davon sind schiffbar. Ihr Name bedeutet so viel wie ‚dunkler Fluss‘. Sie entspringt in der Senne zwischen Schloß Holte-Stuckenbrock und Hövelhof und mündet bei Emden in den Dollart, der aber offiziell noch zum Fluss gehört. Die Mündung in die Nordsee liegt nordwestlich von Emden zwischen Pilsen und dem niederländischen Eemshaven. Auf ihrem Weg zur Küste durchquert der Fluss in nordwestlicher Richtung die Westfälische Bucht mit den historischen Altstädten von Rietberg und Rheda-Wiedenbrück und das Münsterland mit seinen zahlreichen Wasserburgen und Wasserschlössern. Danach biegt die Ems nach Norden ab und bewegt sich weiter am Teutoburger Wald vorbei durch das weite grüne, weite Emsland bis nach Ostfriesland.

Der 375 Kilometer lange EmsRadweg (so die offizielle Schreibweise) folgt dem Flussverlauf von Hövelhof bis nach Emden. Dabei kann der Radwanderer die Wandlung eines kleinen Heidebaches zu einem breiten Wasserlauf verfolgen, auf dem sogar Ozeanschiffe verkehren. Bei Meppen vereinigt sich die Ems mit dem Dortmund-Ems-Kanal. Ab hier laufen auch die beiden Radfernwege ‚EmsRadweg‘ und ‚Rad-Route Dortmund-Ems-Kanal‘ nahezu parallel zueinander. Kurz vor Papenburg fallen die riesigen Hallen der Meyer-Werft ins Auge. Nördlich der Stadt sind dann auch bereits die Gezeiten mit Ebbe und Flut zu beobachten.


Mit den Schiffen und der salzigen Meeresbrise wird das Flair zunehmend maritimer, je näher man der Stadt Emden kommt. Wer dem EmsRadweg fahren möchte, muss dem Logo folgen, das ein grünes Doppel-E mit blauer Welle zeigt. Am Startpunkt des Radfernweges weckt das Informationszentrum EmsQuellen & EmsRadweg in Hövelhof bereits Vorfreude auf die Schönheit der Landschaften und die Sehenswürdigkeiten entlang des Stroms. Auf der Strecke vermitteln zahlreiche Infoblöcke Wissenswertes über die Region, die Natur und sonstige Besonderheiten. Dem EmsRadweg, der von der Emsland-Touristik betreut und gepflegt wird, wurde durch den ADFC das Prädikat ‚Qualitätsroute mit 4 Sternen‘ verliehen.


Charakteristik:

Zum größten Teil verläuft der EmsRadweg auf asphaltierten Wegen oder ruhigen Nebenstraßen. Die Route besitzt praktisch keine Steigungen, da die Ems von der Mündung bis zur Quelle nur durch flache Landschaften fließt. Verkehrsreiche Zonen in Städten werden gemieden. So ist der Radfernweg auch für Familien mit Kindern und für ungeübte Radler bestens geeignet. Auffällig sind die aufwendig gestalteten Rastplätze am Radweg. Diese besitzen häufig Aussichtsplattformen, von denen man weite Aussichten über die Emsauen genießen kann.


Ortschaften entlang der Route

Hövelhof / Schloß Holte-Stukenbrock / Rietberg / Delbrück / Wiedenbrück / Rheda / Gütersloh / Harsewinkel / Sassenberg / Warendorf / Telgte / Greven / Saerbeck / Emsdetten / Rheine / Salzbergen / Emsbüren / Lingen (Ems) / Geeste / Meppen / Haren (Ems) / Lathen / Dörpen / Rhede (Ems)  / Papenburg / Weener / Westoverledingen / Leer / Jemgum / Emden  

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Hövelhof

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ie Sennegemeinde Hövelhof liegt am Fuße des Teutoburger Waldes und grenzt auch an die Ausläufer des Eggegebirges. Dennoch ist das Gemeindegebiet ausgesprochen flach und wird von ausgedehnten Heideflächen und Kiefernwäldern geprägt. Das Naturschutzgebiet Moosheide ist mit seinen typischen Sanddünen die bedeutendste zusammenhängende Heidelandschaft Nordrhein-Westfalens. Hier entspringt auch die Ems, wobei sich die meisten der verschiedenen Quellen – wenn man genau ist – auf Stukenbrocker Gebiet befinden. Doch die ersten zehn Kilometer des Stromes verlaufen zunächst durch Hövelhof. In der Heidelandschaft der Senne, gleich am Rande des riesigen Truppenübungsplatzes, befindet sich eine Heidschnuckenschäferei. Die Herde umfasst rund 1000 Tiere, die die Heidelandschaft maßgeblich kultivieren. Auf einer 15 ha großen Wildbahn kann man, wenn man Glück hat, halbwilde Pferde beobachten. Sie sind bereits seit dem 12. Jahrhundert in der Senne und haben hier einen geeigneten Lebensraum gefunden.
Die Ortschaft Hövelhof geht auf den gleichnamigen Meierhof zurück, der bereits um das Jahr 1000 nachweislich existierte. Auf dem Gelände des alten Hofes im Ortskern steht heute das ehemalige Jagdschloss der Fürstbischöfe von Paderborn. Das Fachwerkgebäude aus dem 17. Jahrhundert ist das Wahrzeichen der Gemeinde und wird heute als Pfarrhaus genutzt.

Sehenswertes:

Mit einer Größe von rund 4,5 ha ist die Moosheide das größte Naturschutzgebiet der Senne. Es besteht aus mehreren größeren Heideflächen, ausgedehnten Kiefernwäldern und der typischen Dünenlandschaft. Die Moosheide liegt im Grenzgebiet der Gemeinde Hövelhof und der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock. Während sich die Emsquellen offiziell auf dem Gebiet von Schloß Holte-Stukenbrock befinden, wurde das Infozentrum EmsQuellen & EmsRadweg auf Hövelhofer Terrain errichtet. Es markiert den Start des 370 km langen Radfernweges, der nach 375 km bei der Mündung der Ems in den Dollart in Emden endet. Dabei werden nützliche Informationen über touristische Angebote und landschaftliche Besonderheiten vermittelt und nicht zuletzt soll auch die Vorfreude auf eine interessante und reizende Radreise geweckt werden.

Das von einer Gräfte umflossene ehemalige Jagdhaus ist das Wahrzeichen der Gemeinde Hövelhof und dient schon seit 1715 als Pfarrhaus der Katholischen Kirche. Es wurde 1661 durch Fürstbischof Adolf von der Recke auf dem zu seinem Besitz gehörenden Hövelhof errichtet, aus dem sich zuvor einst die Ortschaft entwickelt hatte. Das ehemalige Jagdschloss ist ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit Satteldach und vier Standerkern.

Die alte Dorfschule in Riege wurde 1815 erbaut. Heute findet hier aber kein Unterricht mehr statt. Dafür kann man in einer Museumsausstellung nachvollziehen, wie einst die Schulordnung im alten Preußen gegen Ende des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Die Besucher können im alten Klassenzimmer an einem historischen Unterricht teilnehmen. Der Schulgarten ist noch original erhalten und auch die alte Schulglocke befindet sich noch immer auf dem Dach.

Das 1915 erbaute Kolleg ist eine katholische Erziehungseinrichtung mit 100 Heimplätzen. Bekannt wurde es durch die künstlerische Gestaltung der dem hl. Nikolaus geweihten und im Jugendstil ausgeschmückten Hauskirche. Mitte der 1920er Jahre schuf Heinrich Repke die eindrucksvollen Malereien. Im Zweiten Weltkrieg nahmen diese zwar leider einigen Schaden, doch nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten erstrahlen sie heute wieder im alten Glanz.

Die heimatkundliche Ausstellung besteht aus dem Heimathaus und dem Haus des historischen Handwerks. Das Heimathaus ist ein um 1900 erbautes typisches Hövelhofer Bauernhaus mit Backhaus, Scheune und einer Remise, in dem das ländliche Leben im anfänglichen letzten Jahrhundert wieder erfahrbar wird. Im Haus des historischen Handwerks kann man viel über traditionelle Handwerke lernen: wie haben die Menschen damals gesponnen und gewebt? Wie funktionierte das Besenbinden oder das Korbflechten? Was waren die Aufgaben des Schmiedes und des Seilers? Die Museumsanlage ist nur nach vorheriger telefonischer Absprache zu besichtigen.

Am idyllischen Furlbach stehen noch zwei gut erhaltene Wassermühlen aus alter Zeit. Die Henkenmühle wurde um 1700 errichtet, die Furlmühle, auch Hammersmühle genannt, geht sogar auf das Jahr 1591 zurück. Beide Anlagen dienten zunächst der Verarbeitung von Hanf und Flachs und später als Schrotmühle.



 



Schloß Holte-Stukenbrock

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ie Stadt Schloß Holte-Stukenbrock, die sich selber auch gern vereinfacht ‚SHS‘ nennt, entstand 1970 aus dem Zusammenschluss der beiden bis dahin selbstständigen Gemeinden Schloß Holte und Stukenbrock. Das Stadtgebiet liegt zum großen Teil in der Senne. An der Grenze zur Nachbargemeinde Hövelhof entspringt die Ems, die den gesamten umliegenden Naturraum entwässert.
Aus sechs Urhöfen entwickelte sich die Siedlungsgeschichte. In der Stadt stehen aber noch viele weitere alte und sehenswerte Fachwerkhöfe. Auf den Grundmauern vom Haus Holte, einer alten Wasserburg, wurde Anfang des 17. Jahrhundert das Jagdschloss Holte im Stil der Renaissance erbaut. Einen Besuch lohnen das Heimathaus im Schloss Holte-Stukenbrock und der Zoo-Safaripark.

Sehenswertes:

Die Ems ist der kürzeste Strom, der sowohl in Deutschland entspringt als auch in Deutschland ins Meer mündet. Der Fluss entspringt im Naturschutzgebiet Moosheide in der Senne. Im Grenzgebiet der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock und der Gemeinde Hövelhof gibt es gleich mehrere kleine Quellen, wobei die Hauptquelle der Ems auf dem Gebiet von Schloß Holte-Stukenbrock liegt. Nach 371 km mündet die Ems in die Nordsee. 206 km sind davon schiffbar.

Die Ems-Erlebniswelt beschreibt die Besonderheiten der Ems und der Emsquellregion. Ein Erlebnisparcour und der Ems-Erlebnisgarten laden zum ausprobieren und zum aktiv begreifen ein.

Das Heimatmuseum in Stukenbrock besteht aus einem Putzbau, dem so genannten Heimathaus I und einem Fachwerkgebäude, dem Heimathaus II. Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck über das ländliche Leben in der Region im 19. und 20. Jahrhundert und über die Geschichte der Senne. Sehenswert sind die Sammlung von Öfen der Holter Eisenhütte und das Uhrenzimmer mit der historischen Turmuhr der Pfarrei St. Johannes Baptist. Das Museum beherbergt darüber hinaus eine umfangreiche Heimatbücherei.

Auf einer kleinen Anhöhe im Zentrum Stukenbrocks steht die katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Die weiß verputzte Saalkirche wurde 1614 erbaut. Dreimal wurde sie erheblich erweitert und umgebaut. Nach der letzten Erweiterung 1936 erhielt sie das heutige Erscheinungsbild. Der Innenraum wird beherrscht vom barocken Hochaltar von 1683, der von Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg gestiftet wurde. Die beiden Rokoko-Seitenaltäre von 1774 stammen vom Paderborner Hofbildhauer Johann Jakob Putt. Berühmt ist die Orgel, die im Kern 1696 erbaut wurde und über drei Manuale, 32 Register und 1792 Pfeifen verfügt. Weitere bemerkenswerte Kunstschätze sind die geschnitzte Kanzel von 1666, der Taufstein von 1680 sowie die Skulptur der Mater Dolorosa von 1636.

Das um 1730 entstandene Gotteshaus gehörte einst zum Brinkhof und wurde dem hl. Antonius von Padua geweiht. Der hübsche Fachwerkbau trägt ein kleines Glockentürmchen auf dem roten Dach und wurde in den 1980er Jahren umfangreich renoviert und nach alten Plänen wieder original hergestellt. Die Altarbilder, die Bodenplatten und mehrere Skulpturen haben sich noch aus dem 18. Jahrhundert erhalten.

Am Ostrand des Holter Waldes steht das Wasserschloss Holte mit seinen drei charakteristischen Türmen. Eine alte Wehrburg hatte hier bereits im 14. Jahrhundert gestanden, doch 1556 wurde es bei einer Fehde nahezu vollständig zerstört. Auf den alten Fundamenten ließ das Grafenehepaar von Rietberg zwischen 1608 und 1616 ein Jagdschloss im Stil der Renaissance erbauen. Später wurde zwischen 1842 und 1966 im damaligen Schlossgarten eine Eisenhütte betrieben. Daran erinnert heute jedoch nichts mehr. Das Wasserschloss befindet sich im privaten Besitz und beherbergt mehrere Mietwohnungen. Daher ist das Anwesen nur von außerhalb des Schlosshofes zu besichtigen.

Der Safaripark ist ein Zoo, bei dem man die Tiere nicht nur in Käfigen beim Vorbeigehen beobachten kann. Hier ist man mittendrin! In diesem Vergnügungs- und Freizeitpark kann man zahlreiche wilde Tiere in weitläufigen Freigehegen direkt bei der Durchfahrt aus dem sicheren Auto heraus verfolgen, darunter Löwen und Tiger, Elefanten, Zebras und Giraffen, Dromedare und Trampeltiere.

Nach der Safaritour bieten mehrere Fahrgeschäfte, darunter auch eine Achterbahn, die Möglichkeit, einen aufregenden Tag spektakulär ausklingen zu lassen.

Das dem Kirchenpatron Achatius geweihte Gotteshaus wurde 1896 fertiggestellt. Doch schon bald musste der Kapellenbau erheblich erweitert werden, um die stark wachsende Gemeinde vollständig aufnehmen zu können. So entstand nach Norden der rote Ziegelbau mit dem markanten Tonnengewölbe. Die Kirche ist nur nach Voranmeldung zu besichtigen.






Rietberg

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er staatlich anerkannte Erholungsort liegt am Oberlauf der Ems. Aufgrund seiner sieben Stadtteile wählte man den Slogan ‚Siebenmal sympathisch‘. Die ‚Stadt der schönen Giebel‘ besitzt einen wunderschönen historischen Stadtkern mit zahlreichen liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern. Das Wahrzeichen der Stadt ist das mitten im Zentrum stehende Rathaus. Rietberg war einst Landeshauptstadt und Grafschaftsresidenz.  Der bekannteste Landesvater war Fürst Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg (1711 – 1794), gleichzeitig Staatskanzler der österreichischen Kaiserin Maria Theresia und Gründer des österreichischen Staatsrats. Im Jahre 2008 hatte Rietberg die Landesgartenschau ausgerichtet. Der Gartenschaupark mit der größten spielbaren Freiluftorgel Europas, einem Hochseilgarten und mehreren Spiellandschaften ist auch heute noch ein beliebter Ausflugsort. Ein berühmter Sohn der Stadt ist der Künstler und Kunsthistoriker Wilfried Koch. Ihm sind die Ausstellung im Kunsthaus sowie ein Skulpturengarten gewidmet. Mit den Rietberger Emsniederungen, dem Emssee und den Rietberger Fischteichen befinden sich gleich mehrere bedeutende Naturschutzgebiete auf dem Gemeindegebiet, in denen viele bedrohte Vogelarten ihr Zuhause gefunden haben.
Für Radler ist die ländliche Umgebung Rietbergs ein Paradies. Mehrere Rundtouren, die jeweils am Rathaus beginnen, führen in das grüne Umland der beschaulichen Stadt.

Sehenswertes:

Der 1929 in Duisburg geborene Künstler Wilfried Koch lebt seit 1971 in Rietberg. Zu seinem Werk gehören über 1000 Portraits, zahlreiche Zeichnungen, Gemälde und Bronzeskulpturen. Als Kunsthistoriker erwarb er sich einen bedeutenden Ruf. Seine Bücher über Baustilkunde gelten als Standartwerke für Architekten und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Darüber hinaus machte er sich auch als professioneller konzertanter Flötist einen Namen. In einem schmucken Ackerbürgerhaus aus dem Jahre 1767 wird das malerische und zeichnerische Werk Kochs in wechselnden Ausstellungen gezeigt. In dem Museum finden auch kleinere Veranstaltungen, wie Vorträge, Lesungen und Konzerte statt.

2007 erwarb die Stadt Rietberg den Klostergarten des ehemaligen Franziskanerklosters und richtete dort einen Skulpturenpark mit Werken des ortsansässigen Künstler Wilfried Koch ein. Noch bis 1975 hatte dieser den Franziskanermönchen gedient und fiel danach in einen Dornröschenschlaf. Heute stehen hier 11 Bronzeskulpturen von Koch. 8 weitere seiner Plastiken stehen im Garten des nicht weit entfernten Kunsthauses. Der 1929 geborene Künstler Willfried Koch lebt seit 1971 in Rietberg. Zu seinem Werk gehören über 1000 Portraits, zahlreiche Zeichnungen und Gemälde. Seit 1982 betätigt er sich verstärkt auch als Bildhauer. Als Kunsthistoriker erwarb er sich einen bedeutenden Ruf. Seine Bücher über Baustilkunde gelten als Standartwerke für Architekten und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und besitzen eine Gesamtauflage von über 1 Million Exemplaren. Wilfried Koch ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Im Jahre 2008 fand in Rietberg die Landesgartenschau statt. In einem 40 ha großen Park entstand ein Blumen-, Blüten-und Gartenparadies mit Themengärten, Mitmachelementen, Spiellandschaften und Spielplätzen für Kinder, einem Hochseilklettergarten, einem Fitnessparcours und zwei Veranstaltungsstätten. Hier steht die größte spielbare Freiluftorgel Europas und zwei Seen bieten mediterrane Strandatmosphäre. Das Areal zieht sich vom Süden der Stadt zum historischen Stadtkern und entlang der Rietberger Emsniederung bis nach Neuenkirchen.

2011 wurde der Klimapark Rietberg eröffnet. Das Informations- und Technologiezentrum bietet interessante Informationen zum Thema Klimaschutz, Klimawandel und Klimaanpassung.

Fahrräder dürfen leider nicht auf das Gelände.

Das Wahrzeichen der Stadt ist das Rathaus. Es steht mitten in der historischen Altstadt und wurde 1805 als zweistöckiges Fachwerkgebäude erbaut. Der markante geschlossene Treppenaufgang wurde 1915 ergänzt. Das baufällige Gebäude wurde allerdings 1977 abgetragen und danach in ursprünglicher Form wiederaufgebaut.

Das Langhaus der dreischiffigen Hallenkirche ist noch gar nicht so alt. Es entstand erst 1896 im neugotischen Stil. Dagegen blieben der mittelalterliche Westturm sowie der Chor noch vom Vorgängerbau erhalten. Sehenswerte Einrichtungsgegenstände in der katholischen Pfarrkirche sind der ehemalige Hochaltar und die Figuren Maria und Johannes (um 1720), die Kanzel aus dem frühen 18. Jahrhundert und der Taufstein von 1515.

Das um 1626 erbaute Fachwerkgebäude diente ursprünglich als Hofbeamtenhaus. Hier erblickte der bekannte Barockbaumeister Franz Christoph Nagel (1699 – 1764) das Licht des Lebens. Später diente das stattliche Gebäude als Brauerei, Gasthof und Posthalterei, ehe es 1903 zur evangelischen Kirche umgebaut wurde.

In einem hübschen Ackerbürgerhaus in der Altstadt von Rietberg befindet sich heute das Heimathaus. Das Fachwerk-Dielenhaus, in dem die originale Raumaufteilung noch erhalten geblieben ist, besitzt zur Straße hin eine für die Stadt typische Utlucht. Eine Utlucht (auch Auslucht) ist ein bis zum Boden reichender Erker an der Gebäudefront. Das Heimatmuseum präsentiert eine umfangreiche Vogelsammlung sowie typische Beispiele der westfälisch-ländlichen Wohnkultur im 19. Jahrhundert. Das historische Gebäude wird teilweise noch als privates Wohnhaus mitbenutzt.

Noch bis zum Jahre 1979 waren die Klostergebäude mitsamt der Kirche St. Katherina durch die Franziskaner genutzt worden. Die Klosterkirche wurde zwischen 1618 und 1629 auf dem Platz einer alten Burg im gotischen Stil erbaut und 1725 noch einmal erweitert. In der Krypta sind die Mitglieder des Grafenhauses Kaunitz – Rietberg beigesetzt. Sehenswert sind der Hochaltar von 1629 sowie die für Franziskanerkirchen typischen Seitenaltäre. Der Großteil des Inventars, wie der kunstvolle Orgelprospekt und das barocke Chorgestühl stammt aus dem 18. Jahrhundert. Auch der außerhalb der Kirche befindliche Kreuzgang stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert, ist aber heute durch eine Trennmauer unterbrochen. Die Klostergebäude werden gegenwärtig durch das Jugendwerk der katholischen Kirche genutzt, die ehemalige Klosterkirche dient der katholische Gemeinde als Gotteshaus.

Die stolze Dreiflügelanlage wurde 1743 als Lateinschule errichtet. Das Gebäude ist eines der ältesten und hübschesten Häuser der Stadt Rietberg. Nach einer grundlegenden Sanierung wird es heute als Bibliothek genutzt.

Das Herrschaftliche Haus entstand zwischen 1744 und 1746 als zweistöckige Dreiflügelanlage im barocken Stil. Das stattliche gelb verputzte Gebäude diente als Sitz der gräflichen Regierung und als Wohnstätte für den höchsten Verwaltungsbeamten der Grafschaft. Im Vorgängergebäude hatte sich die gräfliche Münzprägestätte befunden, denn Rietberg war vor 400 Jahren das Münzrecht verliehen worden.

An der Auffahrt des inzwischen abgetragenen Schlosses entstand zwischen 1747 und 1753 die Johanneskapelle. Das gräflich gestiftete weißverputzte Gotteshaus gehört zu den bedeutendsten spätbarocken Zentralbauten Westfalens. Der Brückenheilige St. Johannes von Nepomuk, dem die Kapelle 1748 geweiht wurde, wird seit dem 18. Jahrhundert auch als Patron der Grafschaft Rietberg verehrt.

Das Rietberger Drostenhaus entstand um 1640. Das hübsche Fachwerkhaus wurde aber seitdem mehrfach verändert, erweitert und erneuert. Die letzte umfangreiche Renovierung hatte 1951 stattgefunden. Doch Anfang des Jahrtausends war das einst stolze Patriziergebäude stark heruntergekommen und musste daher erneut von Grund auf renoviert werden. Nachdem die rund 1.700 m² große Gartenfläche im Jahre 2008 nach barocken Vorbildern wieder neu angelegt worden war, wurde ein Jahr später auch das Drostenhaus wieder bezugsfertig. Der Drostengarten ist öffentlich zugänglich. Das historische Gebäude wurde im Laufe seiner Geschichte von zwei Drosten sowie mehreren hochrangigen Beamten bewohnt.

Das Bibeldorf der evangelischen Kirchengemeinde versteht sich als pädagogischer und erlebnisorientierter Lernort. Hier soll der Besucher die Welt der Bibel und das alltägliche Leben zur Zeit der Bibelentstehung hautnah selber erfahren. Das Bibeldorf mit seinem Freilichtmuseum zählt alljährlich über 10.000 Gäste.

In einem 1845 errichteten schmucken Fachwerkhaus im Rietberger Stadtteil Mastholt ist seit 1990 ein kleines Heimatmuseum eingerichtet. Zuvor war das Gebäude durch Mitglieder des Heimatvereins und durch Mastholter Bürger grundlegend saniert worden. Das Museum zeigt typische Beispiele der früheren ländlichen Wohnkultur. Im Außenbereich vermitteln die Remise, der Ziehbrunnen, der Brotbackofen, ein typischer westfälischer Bauerngarten und das stille Örtchen einen Eindruck vom damaligen Leben. Das Museum ist nur auf Voranmeldung zu besichtigen.



Radrouten die durch Rietberg führen:

EmsRadweg
LandesGartenSchauRoute




Delbrück

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n der flachen Landschaft zwischen Lippe und Ems liegt Delbrück. Sie ist die zweitgrößte Stadt im Kreis Paderborn. Neben der Kernstadt besitzt Delbrück neun Stadtteile und wirbt daher mit dem Slogan ‚Zehn Orte – eine Stadt‘. Erste Siedlungsspuren lassen bereits auf eine Besiedlung vor 3000 Jahren schließen. In Anreppen befand sich einst ein römisches Versorgungslager, in dem kurzzeitig bis zu 6000 Soldaten stationiert waren. Delbrück selber wurde im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt und besaß bereits im 15. Jahrhundert weitreichende politische und wirtschaftliche Freiheiten. Das Wahrzeichen ist der schiefe Turm der romanischen Kirche St. Johannes Baptist. Auffällig ist die erhaltene historische Ringbebauung um die zentrale Pfarrkirche. Die Stadt ist Namengeberin für das Delbrücker Land, einem Paradies für Radfahrer. Die platte Landschaft besitzt eine maximale Höhendifferenz von insgesamt nur 37 Metern und bietet zehn kleinere und mit der 33 km langen Spargelroute und dem 45 km langen Kapellenweg zwei längere Radtouren an.

Sehenswertes:

Der schiefe Kirchturm der katholischen Pfarrkirche Johannes Baptist ist das Wahrzeichen der Stadt Delbrück. Die hölzerne Turmspritze hat sich witterungsbedingt im Laufe der Jahrhunderte beträchtlich geneigt.

Das Gotteshaus entstand als massive Wehrkirche um 1180. Möglicherweise stand hier bereits ein Vorgängerbau an gleicher Stelle. 1340 erhielt der romanische Bau ein gotisches Schiff und einen gotischen Chor. Der Turmhelm entstand gegen 1400.

Die bedeutendsten Kirchenschätze stammen zumeist aus der Zeit des Barock, wie der Hochaltar, die Doppelmadonna und die Figur der hl. Agatha. Dagegen wurde die wertvolle Pietà bereits gegen 1400 erschaffen.

Auffällig ist die erhaltene historische Kirchenringbebauung um die zentrale Pfarrkirche. Die Fachwerkgebäude stammen alle aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Das Pfarrhaus wurde 1716 nach Pläne des berühmten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun (1695 – 1773) erbaut. Das Fachwerkgebäude mit dem Mansardendach befindet sich knapp außerhalb der Kirchringbebauung.

Am Kirchplatz, mitten im Städtchen Delbrück, steht das Heimathaus. Der hiesige Heimatverein zeigt in zwei Räumen Gegenstände und Dokumente aus der Geschichte Delbrücks, darunter historische Trachten und alte Fahnen. Außerdem unterhält der Karnevalsverein ‚Eintracht‘ hier im Gebäude ein eigenes Museumsstübchen und auch die ‚Johannes-Schützenbruderschaft‘ zeigt in seinem Schützenzimmer eine kleine Ausstellung.

Im oberen Stockwerk des Feuerwehr-Gerätehauses im Stadtteil Ostenland hat der Heimatverein ein kleines Museum eingerichtet. Neben geologischen Fundstücken werden in der Ausstellung heimatkundliche Gegenstände, Trachten und Dokumente aus der Geschichte der ehemals selbstständigen Gemeinde Ostenlands präsentiert. Das Museum kann nur auf vorherige Anfrage besichtigt werden.

Die romanische Gewölbebasilika in Boke stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Sie beherbergt die Reliquien des hl. Landelin von Crespin, dem auch die Kirche geweiht ist. Landelin von Crespin lebte im 7. Jahrhundert und war Klostergründer und Abt im Hennegau. Wahrscheinlich stand zuvor an der Position der heutigen Kirche bereits zuvor ein Vorgängerbau. Im Inneren der Bruchsteinkirche wurden in den 1960er Jahren Fresken freigelegt, die noch aus romanischer Zeit stammen. Zu der Ausstattung gehört ein Taufstein aus dem 13. Jahrhundert, eine Pietà (um 1430), ein Sandsteinrelief (um 1560), eine Doppelmadonna (um 1700) und die barocke Orgel. Die älteste Glocke wurde im Jahre 1669 gegossen.

Der auch kurz ‚Boker Kanal‘ genannte Wasserlauf ist ein 1853 fertig gestellter künstlicher Bewässerungskanal. Er gilt als wichtiges Kulturdenkmal Ostwestfalen und führt über 32 Kilometer von Schloß Neuhaus durch die Boker Heide bis auf die Höhe von Lippstadt. Dabei verläuft er parallel zur Lippe, die den Kanal auch mit Wasser versorgt. 16 immer noch funktionsfähige Wehre regulieren den Wasserstand des Kanals. Drei Überführungen leiten den Wasserweg über natürliche Flussläufe. Ziel beim Bau des Kanals war, die sandig-karge  und trockene Heidelandschaft für die Landwirtschaft zu kultivieren. Die historischen Wasser-Entnahmerechte besitzen auch heute noch ihre Gültigkeit, obwohl der Boker-Heide-Kanal inzwischen fast nur noch der Grundwasserregulierung dient.

Direkt am südlichen Ufer der heutigen Lippe bei Anreppen befand sich einst ein 23 ha großes Römerlager. Es beschrieb die Form eines unregelmäßigen Längsovals und wurde 1968 wiederentdeckt. Eine Holz-Erde-Mauer diente der Befestigung. Zusätzlich wurde das Lager von Gräben gesichert. Man nimmt an, dass es sich bei dem Lager um eine Versorgungsbasis handelte, denn neben dem Kommandohaus, einigen repräsentativen Wohngebäuden, einer Therme und den Mannschaftsunterkünften konnten ungewöhnlich viele Vorratsspeicher nachgewiesen werden.

Vermutlich war das Lager Anreppen nicht sehr lange in Betrieb. Es wurde römischen Quellen zufolge im Jahre 4 n. Chr. erbaut, wobei wohl bereits zuvor an gleicher Stelle eine militärische Anlage bestand. Wahrscheinlich wurde das Lager bereits im Jahre 9 n. Chr. nach der vernichtenden Niederlage der Römer gegen die Germanen in der Varusschlacht wieder aufgegeben.  Zwischenzeitlich waren hier rund 6000 Soldaten stationiert.

Ein archäologischer Lehrpfad führt von der Informationshütte aus zu den ehemaligen Bauten des Römerlagers.

Die vermutlich aus fränkisch-sächsischer Zeit stammende mittelalterliche Wallanlage wurde 1867 bei Grabungen wiederentdeckt. Die Fliehburg besaß einen rechteckigen Grundriss von 65 x 90 m und hatte im Westen einen durch einen Graben geschützten Zugang.

Auf einer Fläche von 8 ha werden im privat geführten Tierpark Nadermann in modernen Tiergehegen rund 650 Tiere aus allen Erdteilen präsentiert, darunter verschiedene Raubtierarten, wie Löwen, Jaguare, Geparde und Ozelote, und Kamelarten, wie Dromedare und Trampeltiere. Innerhalb des Zoos stellt ein Kamel-Museum das Leben und die Lebensräume dieser gemütlichen Tiergattung näher vor. Sehr beliebt bei den Kindern ist der Streichelzoo und die verschiedenen Fahrgeschäfte, die den aufregenden Zoobesuch abrunden.

Das Gastliche Dorf besteht aus mehreren Bauernhöfen aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Sie wurden an ihren ursprünglichen Standorten abgebaut und hier wieder originalgetreu wiederhergestellt, wo sie gemeinsam mit einem Backhaus und einer Hirtenkapelle ein bemerkenswertes Ensemble darstellen. Das Gelände besitzt einen hübschen Bauerngarten und lädt sowohl zu einem kleinen Rundgang als auch zum Verweilen in einer Kaffeestube oder im Biergarten ein.

Die romanische Gewölbebasilika wurde vermutlich im 12. Jahrhundert als Nachfolgekirche eines älteren Gotteshauses erbaut. Im späten 19. Jahrhundert wurde die Bruchsteinkirche um ein Querhaus und einen Chor mit Apsis erweitert. Bei Renovierungen in den 1960er Jahren entdeckte man im Bereich des Südportals Wand- und Gewölbemalereien, von denen sich allerdings nur Fragmente erhalten hatten. Zu der Ausstattung gehört ein romanischer Taufstein aus dem 13. Jahrhundert, eine Pietà (um 1430), ein Sandsteinrelief, das Jesu im Grab darstellt (um 1560), eine Doppelmadonna mit Strahlenkranz (um 1700) sowie eine barocke Orgel.

Im südlichen Querhaus werden in einem goldenen Schrein die Reliquien des hl. Landelinius bewahrt.



Radrouten die durch Delbrück führen:

EmsRadweg
Römer-Lippe-Route
LandesGartenSchauRoute




Wiedenbrück

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heda-Wiedenbrück ist eine Doppelstadt im östlichen Westfalen, die im Jahre 1970 durch die Zusammenlegung der vormals selbstständigen Städte Rheda und Wiedenbrück entstand. Die Ems verbindet beide Stadtteile. In der Emsaue zwischen Rheda und Wiedenbrück fand 1988 die Landesgartenschau statt. Heute wird der frei zugängliche Landschaftspark ‚Flora-Westfalica-Park’ genannt. Wiedenbrück wurde erstmals 785 urkundlich erwähnt. Im Jahre 952 erhielt es durch Kaiser Otto das Markt-, Münz- und Zollrecht. Möglicherweise hat es hier einen Königshof gegeben. Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung blieb jedoch nur die Ruine des so genannten Pulverturms erhalten. Dafür bewahrte man einen wesentlichen Teil der historisch gewachsenen Innenstadt mit seinen reich verzierten Fachwerk- und Dielenhäusern. Die sehenswerte Altstadt gruppiert sich um das Alte Rathaus von 1619 und den Marktplatz herum. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Wiedenbrück zu einer Künstlerstadt. Zeitweilig wurden in 30 Werkstätten und Ateliers Ausstattungsgegenstände und sakrale Kunstwerke für die neu errichteten Kirchen im weiteren Umkreis geschaffen. Für diese kunsthandwerklichen Arbeiten wurde der Begriff ‚Wiedenbrücker Schule’ geprägt.

Sehenswertes:

Die St.-Aegidius-Kirche in Wiedenbrück besitzt eine lange Geschichte. Wiedenbrück gehörte zu den Urpfarren des Bistums Osnabrücks und war Zentrum der christlichen Missionierung des Emslandes. Um 785 wurde bereits eine erste Kapelle gebaut, mehrere Kirchenneu- und Umbauten folgten. Die heutige Pfarrkirche ist im unteren Teil noch romanisch gestaltet und schließt im oberen Teil mit gotischen Elementen ab. Der 54 m hohe Turm entstand erst Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem der alte wegen Baufälligkeit abgebrochen worden war. Er dominiert das äußere Erscheinungsbild des Gotteshauses und wird von einer neobarocken Haube bekrönt.

Die katholische Pfarrkirche befindet sich im Ortskern von Wiedenbrück. Sie wurde den Heiligen Ursula und Maria geweiht und wird von den Mönchen des angrenzenden Franziskanerklosters betreut, daher sind für das Gotteshaus auch die Namen Franziskanerkirche, Paterskirche und St-Ursula-Kirche gebräuchlich. Die heutige Marienkirche besaß einen romanischen Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert, auf dessen Resten sie 1470 errichtet wurde. Noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde sie vom Jesuitenorden genutzt, ehe sie 1644 mit der Gründung des Klosters den Franziskanern übertragen wurde. Kurz darauf entstand der über die Strasse führende markante Verbindungsbogen, der Klostergebäude und Kirche miteinander verbindet. Trotz des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803, der zur Auflösung der meisten Klöster führte, blieb das Franziskanerkloster in seiner Funktion erhalten und wurde Ende des 19. Jahrhunderts sogar noch ausgebaut. Heute beherbergt das Franziskanerkloster Wiedenbrück ein bundesweites Noviziat. Junge Männer, die dem Franziskanerorden beitreten, verbringen hier ihre ersten Jahre.

Das historische Rathaus von Wiedenbrück befindet sich direkt am Marktplatz. Der zweistöckige Fachwerkbau mit seinem Krüppelwalmdach entstand 1619 und wurde im Jahre 1790 noch einmal umgebaut. Dabei erhielt es seine marktseitige Fassade, über dessen Portal sich das Wappen des Fürstbischofs von Osnabrück befindet. Noch heute dient das Rathaus der Stadtverwaltung und für standesamtliche Trauungen. Um das Alte Rathaus und den Marktplatz herum gruppiert sich die sehenswerte Altstadt mit ihren vielen reich verzierten Fachwerkhäuschen. Charakteristisch für Wiedenbrück sind die so genannten Dielenhäuser. Ihre wuchtigen, der Straße zugewandten Tore erstrecken sich über zwei Stockwerke und bilden den Zugang in den hohen Dielenraum.

Das einzige Relikt der ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauer von Wiedenbrück ist der so genannte Pulverturm. Aber auch von ihm ist nur noch eine Ruine erhalten. Einige Schießscharten zeugen noch von seiner ehemaligen Wehrhaftigkeit. Aus Backsteinen errichtet, war der Turm einst doppelt so hoch und nach oben hin geschlossen. Der Pulverturm liegt direkt an der Ems und am Mühlenwall und stammt aus dem 15. oder frühen 16. Jahrhundert. Ein genaueres Datum seiner Erbauung ist nicht bekannt. Entgegen seinem Namen wurde er aber wohl nie als Lagerstätte für Schießpulver genutzt.

Nach 1850 kam es, bedingt durch die stark steigende Bevölkerungszahl, zu einem vermehrten Bau von Kirchen. Kleine Gotteshäuser wurden vergrößert, neue Pfarren wurden zusätzlich geschaffen, um alle Gemeindeglieder aufnehmen zu können. Aber die neuen Kirchen brauchten auch eine neue Ausstattung: Altäre und Altarbilder, Kanzeln, Chorgestühl und Beichtstühle, aber auch Kreuzwegbilder. So bildete sich ab 1864 in Wiedenbrück eine Ansammlung von Werkstätten und Ateliers, die dieser Nachfrage nachkamen und sich auf die Inneneinrichtung von Kirchen und auf sakrale Kunst spezialisierten. Zeitweilig firmierten in der Stadt 30 Werkstätten. Für diese kunsthandwerklichen Arbeiten bildete sich der Begriff ‚Wiedenbrücker Schule’. Sie machte Wiedenbrück weithin als Künstlerstadt berühmt und hatte seine Hochzeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Einer der bekanntesten und bedeutendsten Künstler der Wiedenbrücker Schule war Bernhard Hoetger. Er leitete zwei Jahre lang eine Werkstatt und machte sich dann später als Worpsweder Künstler und als Erbauer der Bremer Böttcherstrasse einen Namen. Beispiele für die Wiedenbrücker Schule finden sich auch in der St-Aegidius-Kirche und der St.-Marienkirche in Wiedenbrück sowie der St. Clemenskirche in Rheda. Das Wiedenbrücker Schule Museum geht auf diese kunsthandwerkliche Stilrichtung ein. Es beschreibt ihre Entwicklung, widmet sich den Künstlern und zeigt eine Vielzahl von Exponaten. Darüber hinaus hat auch der Bestand des ehemaligen Heimatmuseums Wiedenbrück mit seiner umfangreichen Ausstellung zur Stadtgeschichte in diesem Museum neue Präsentationsräume gefunden.

Ein Verstärkeramt hatte in der Anfangszeit der Telefontechnik die Aufgabe, die Lautstärke der eingehenden akustischen Signale zu erhöhen. Anfangs arbeitete man noch mit Röhrenverstärkern, später übernahmen andere Technologien und Gerätschaften diese Arbeit. Im Jahre 1995 wurde die Anlage abgeschaltet.

Heute erinnert in den alten Räumlichkeiten das Radio- und Telefonmuseum an diese alten Vermittlungstechniken und Übertragungsarten. In Wohnzimmern und Küchen, die im Stile der 30er und 50ger Jahre eingerichtet sind, finden sich alte Radios, Fernseher, Telefone und Tonbandgeräte.

Dem Museum ist ein Café angegliedert.

Der Gräftenhof Haus Aussel besteht schon seit dem 12. Jahrhundert. Damals diente er den Herren von Oldesloe als Burgmannshof. Sie waren im Dienst des Grafen von Rietberg. 1580 entstand das imposante Herrenhaus im Stil eines Adelspalais. Der aus rotem Backstein bestehende Fachwerkbau wurde mit überkragenden Geschossen errichtet. An den Hausecken lassen vier symmetrisch errichtete Ausluchten das Gebäude noch mächtiger und damit auch standesgemäßer erscheinen. Die Hofanlage besitzt noch zwei weitere Fachwerksbauten, die als Wirtschaftsgebäude genutzt wurden: das Bauhaus sowie das Brauhaus. Haus Aussel kann nur von außerhalb der Gräfte eingesehen werden.

  

Geschichtlicher Ablauf

1197

Haus Aussel wird als Burgmannshof der Herren von Odesloe, die im Dienst des Grafen von Rietberg stehen, erwähnt.

15. Jhd.

Durch Erbschaft kommt der Besitz an die Herren von Hachmester.

16. Jhd.

Anfang des Jahrhunderts erwirbt Moritz I. von Amelunxen das Anwesen.

1580

Bau des heute noch bestehenden Herrenhauses im Stile eines Adelspalais.

17. Jhd.

Durch Erbgang gelangt das Rittergut in den Besitz der Familie von Hanxthausen.

18. Jhd.

Die Familie Rübell von Biberach übernimmt Haus Aussel.

1830

Verkauf an Conrad Schäfer, der es an die Familie Henckelmann vererbt. Lange Zeit wird das Gut landwirtschaftlich genutzt.


Radrouten die durch Wiedenbrück führen:

Werse Rad Weg
EmsRadweg
LandesGartenSchauRoute




Rheda

R
heda-Wiedenbrück ist eine Doppelstadt im östlichen Westfalen, die im Jahre 1970 durch die Zusammenlegung der vormals selbstständigen Städte Rheda und Wiedenbrück entstand. Die Ems verbindet beide Stadtteile. In der Emsaue zwischen Rheda und Osnabrück fand 1988 die Landesgartenschau statt. Heute wird der frei zugängliche Landschaftspark ‚Flora-Westfalica-Park’ genannt. Der Stadtteil Rheda wird geprägt durch sein prächtiges Wasserschloss. Der älteste Teil des auf einem großen Erdhügel errichteten fürstlichen Anwesens ist der wuchtige romanische Torturm, der noch aus der Stauferzeit stammt. Danach haben mehrere Epochen, wie Renaissance und Barock, ihre baulichen Spuren hinterlassen. Leider sind im Zuge der baulichen Neugestaltung der des Zentrums Anfang der 1970er Jahre einige historische Bauten unwiederbringlich verloren gegangen. Dennoch blieben einige schmale Gässchen abseits des Verkaufstreibens mit Fachwerkhäuschen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert im ursprünglichen Zustand erhalten.

Sehenswertes:

Die fürstliche Residenz Schloss Rheda gehört zu den schönsten Wasserschlössern Westfalens. Das Anwesen wurde auf einem riesigen aufgeschütteten Erdhügel, einer Motte, errichtet. Die Bausubstanz entstammt verschiedenen Epochen. Der wuchtige ehemalige Torturm beherbergt eine Doppelkapelle und stammt noch aus der Stauferzeit. Nach 1400 wurde der ‚lange Turm’ im Osten der Anlage errichtet. Der südliche Flügel mit der zum Innenhof offenen Galerie wurde im Renaissancestil erbaut. Die daneben liegende Torhalle entstammt dem 18. Jahrhundert, wie auch der repräsentative Haupttrakt in seinen zurückhaltenden barocken Formen. Das Schloss wird noch heute von der Fürstenfamilie zu Bentheim-Tecklenburg bewohnt, ist aber im Zuge von Gruppenführungen zu besichtigen. Dabei werden auch der Weiße Saal und die Tapetenzimmer im Barocktrakt sowie das Spielzeug- und Kutschenmuseum gezeigt. Die Orangerie im Schlosspark steht für standesamtliche Trauungen zur Verfügung und kann, ebenso wie die Schlossmühle, für Veranstaltungen angemietet werden. In der Schlossmühle befindet sich heute ein Café.

  

Geschichtlicher Ablauf

11.Jhd.

Auf einer riesigen Motte wird eine Burg zur Sicherung des Emsüberganges errichtet.

12./13. Jhd.

Das Anwesen kam an den Edelherren Bernhard II. zur Lippe. Dessen Sohn Hermann II. zur Lippe baut die Burg zur Familienresidenz aus. Der romanische Torturm mit seiner Doppelkapelle stammt noch aus dieser Zeit.

1365

Durch Heirat fällt die Burg dem Haus Tecklenburg zu. Rheda wurde nur als Nebensitz genutzt.

Nach 1400

Bau des Wohnturmes, auch ‚langer Turm’ genannt, im Osten der Anlage.

16. Jhd.

Graf Konrad von Tecklenburg führt die protestantische Lehre in Rheda ein.

1557

Die Grafen von Bentheim erben die Herrschaft Rheda.

17. Jhd.

Ausbau des Schlosses zur gräflichen und später fürstlichen Residenz durch die Familie Bentheim-Tecklenburg. Der südliche Renaissanceflügel entsteht mit der offenen Galerie zum Innenhof und dem doppelgeschossigen Erker.

1719

Bau der Torhalle zwischen Stauferkapelle und dem Renaissanceflügel. Dieses Tor löste den vorherigen Haupteingang unterhalb der Kapelle ab, der daraufhin zugemauert wurde.

1745-56

Bau des repräsentativen Barocktraktes mit Mittelrisalit und Freitreppe.

1780

Das Hoftheater entsteht.

1808

Die Herrschaft Rheda wird dem Großherzogtum Berg zugeschlagen.

1817

Graf Emil Friedrich zu Bentheim-Tecklenburg wird von König Friedrich Wilhelm III. in den erblichen preußischen Fürstenstand erhoben.