Sagenroute

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as Tecklenburger Land im Norden Westfalens ist bekannt für seine vielen schaurig-schönen Geschichten, Mythen und Legenden, die von Hexen, Geistern und Dämonen handeln. Die Gegend wird geprägt von der leicht hügligen Landschaft zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge. Dazwischen gibt es immer wieder ursprüngliche Moorlandschaften mit verwunschen erscheinenden Seen und Tümpeln. Kein Wunder also, dass beim Anblick von Nebelschwaden auf den Weihern oder in der Dämmerung am düsteren unheimlichen Waldesrand die Phantasie besonders angeregt wurde und dabei eine Vielzahl von geheimnisvollen Sagen entstanden.  Vielleicht haben sich diese schauerlichen Geschichten aber auch wirklich abgespielt – niemand vermag das genau zu sagen. Beruhigend ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass man als Fahrradfahrer auf der 210 Kilometer langen Sagenroute, die durch diese gespenstige Gegend führt, schon die Möglichkeit hat, schnell die Flucht zu ergreifen, denn bekanntlich sind Geister an den Ort gebunden, an dem sie spuken! Dennoch empfehlen wir, ausschließlich bei Tageslicht zu fahren – sicher ist sicher – und dem Logo mit der kleinen grünen Hexe zu folgen, dann wird (wahrscheinlich) auch nichts passieren! Vorbei an rauschenden Wassermühlen, stolzen Rittersitzen und altehrwürdigen Kirchen geht es  durch den herrlichen Naturraum des Tecklenburger Landes. Immer wieder ergeben sich wunderschöne Ausblicke über das nördliche Münsterland.

Besondere Highlights sind Schloss Iburg, das Kloster Grafenhorst in Hörstel, die Dörenther Klippen bei Ibbenbüren mit dem ‚hockendem Weib‘ sowie die historischen Ortskerne von Tecklenburg und Bad Iburg mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern und den kleinen verwinkelten Gässchen. Die Sagenroute ist ein Rundkurs, der an jedem Ort begonnen und beendet werden kann. Sie wurde 1998 als Themenroute vom ‚Tecklenburger Land Tourismus e.V.‘ in Zusammenarbeit mit den Kommunen an der Strecke entwickelt und bietet eine gelungene Mischung aus geschichtlichen und unterhaltsamen Informationen.


Charakteristik:

Die Sagenroute verläuft als Rundkurs überwiegend auf asphaltierten und verkehrsarmen Wirtschaftswegen und ist in beide Richtungen gut ausgeschildert. Nur innerhalb der Orte muss mit etwas erhöhtem Verkehr gerechnet werden. Das leicht hügelige Tecklenburger Land besitzt  doch einige beachtliche Steigungen, so dass der Schwierigkeitsgrad als ‚mittelschwer‘ umschrieben werden kann.

 


Ortschaften entlang der Route

Ibbenbühren / Hörstel  / Hopsten / Recke (Westfalen) / Mettingen / Westerkappeln / Lotte / Lengerich / Bad Iburg / Lienen / Ladbergen / Tecklenburg

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Ibbenbüren

I
bbenbüren ist eine Mittelstadt am nordwestlichen Ende des Teutoburger Waldes. Urkundlich wurde die Stadt erstmals 1146 erwähnt, doch Quellen belegen, dass die heutige Christuskirche bereits auf das Jahr 799 zurückgeht. Obwohl sie die Keimzelle der Stadt ist, gilt 1146 als offizielles Gründungsjahr der Stadt. Wirtschaftlich wurde Ibbenbüren durch den Steinkohlebergbau geprägt, dessen Abbau bis in das 16. Jahrhundert zurückgeht. Darüber hinaus wurde in mehreren Steinbrüchen der bekannte Ibbenbürener Sandstein abgetragen. Als Wahrzeichen der Stadt gilt das ‚Hockende Weib’, ein Felsen in den Dörenther Klippen oberhalb des Ortes. Die Sandsteinformationen sind ein beliebtes Wanderziel. Für Ausflüge eignet sich auch die unweit davon gelegene Sommerrodelbahn mit dem angegliederten Märchenwald. Mit dem Motorradmuseum, dem Bergbaumuseum und mehreren Heimatmuseen besitzt Ibbenbüren auch eine interessante Museumslandschaft.

Sehenswertes:

In der Turbinenhalle eines ehemaligen Kraftwerkes befindet sich das Bergbaumuseum. Der Steinkohleabbau in Ibbenbüren geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Zeitweilig besaß Ibbenbüren mit über 1500m Europas tiefste Steinkohlezeche. Das Bergbaumuseum geht auf diese lange Geschichte ein. Zu besichtigen gibt es Maschinen und Geräte aus der Arbeitswelt der Bergbaukumpel. Darüber hinaus wird der Strecken- und Strebausbau beschrieben und man erhält einen Einblick in die Anfänge des Bergbaus. Das Museum liegt innerhalb des Werksgeländes der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH und ist erreichbar über das Tor 2 (ersatzweise Tor 1). Der Zugang liegt an der Osnabrücker Straße.

In der ehemaligen Dorfschule des Ibbenbürener Ortsteils Lehen befindet sich heute das privat geführte Motorradmuseum. Robert Stockmann hat jahrelange diese Sammlung von über 170 Zweirädern zusammengetragen. Bei einer Besichtigung kann man die geschichtliche und technische Entwicklung des Motorrades gut nachvollziehen. Das älteste Exponat ist ein Hochrad von 1882, einige motorgetriebene Zweiräder stammen noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Besonderheiten sind ein Motorradbus aus den 50er Jahren und die Münch Mammut 1200 TTS, das schwerste je hergestellte deutsche Motorrad. Über Pfingsten findet in Ibbenbüren alljährlich das größte in Europa stattfindende Motorradveteranentreffen statt. Hierbei wird selbstverständlich auch das Museum angefahren.

Dörenther Klippen und das ‚Hockende Weib’ Im Grenzgebiet der Städte Ibbenbüren und Tecklenburg, am Südhang des Teutoburger Waldes befinden sich die Dörenther Klippen. Die Felsformationen aus Sandstein ist etwa vier Kilometer lang und wird durch zwei Täler, den Ibbenbürener Pass im Nordwesten und dem Bocketal im Südosten begrenzt. Die einzelnen Felsen sind bis zu 40 m hoch. Besonders bekannt sind der Dreikaiserstuhl und das Hockende Weib, welches auch zum Wahrzeichen von Ibbenbüren wurde. Die Sandsteinformationen sind ungefähr 120 Millionen Jahre alt und stehen heute unter Naturschutz. Das Gebiet zieht viele Wanderer an, da neben den interessanten Felsformationen bei klarem Wetter auch herrliche Ausblicke in die weite Parklandschaft des Münsterlandes möglich sind.

 

Hinter der Szenerie: Das hockende Weib

Der einst, als noch das große Meer bis an den Teutoburger Wald reichte, lebte eine Frau mit ihren Kindern unweit der Dörenther Klippen. Eines Tages stiegen die Wasserfluten ungewöhnlich schnell an, so dass die Kinder nicht mehr rechtzeitig nach Hause laufen konnten. Sie drohten zu ertrinken. Unter dem Einsatz ihres Lebens stapfte die Mutter durch die reißenden Fluten, um ihre Kinder zu retten. Sie trug sie auf den Schultern auf den Berg hinauf. Sie selbst hockte dabei schon sehr tief im Wasser. Sie betete und flehte zum Himmel, dass die Wasser wieder abfließen mögen und verharrte an ihrer gegenwärtigen Position. Endlich wurden ihre Gebete erhört, der Wasserspiegel sank und die Kinder waren gerettet. Das Weib aber wurde zu Stein und ist heute noch in den Dörenther Klippen als Sandsteinformation zu sehen.

Eingebettet in einem Hang des Teutoburger Waldes liegt in einem 100.000 m² Parkgelände, das sich zu einer großen Freizeitanlage entwickelt hat. Die älteste Attraktion ist die 120m lange Sommerrodelbahn. Einer sehr großen Beliebtheit bei Familien erfreut sich der angegliederte Märchenwald, in dem vertonte Märchenbilder die kleineren Besucher mit gespielten Geschichten verzaubern. Im Park ‚Reise durch die Welt’ fährt man durch das alte Ägypten, den Wilden Westen, in einen Dschungel und zum eisigen Nordpol. Große Spielplätze runden das Angebot für die Kinder ab.

In der Innenstadt von Ibbenbüren befindet sich die evangelische Christuskirche. Ihre Gründung geht auf das Jahr 799 zurück, womit sie als die älteste Kirche im weiteren Umkreis gilt. Es wird vermutet, dass sich bereits noch früher an gleicher Stelle eine heidnische Kultstelle befand. Die erste romanische Steinkirche wurde durch eine 1534 fertig gestellte gotische Hallenkirche ersetzt. Im Zuge von Reformation und Gegenreformation während des spanisch-niederländischen Erbfolgekrieges wechselte das Gotteshaus mehrfach zwischen den Glaubensrichtungen hin und her, bis es 1677 endgültig von der evangelischen Gemeinde übernommen wurde. Im Jahre 1846 zerstörte ein Großfeuer die Christuskirche. Sie wurde in der Folgezeit wieder aufgebaut und erhielt so ihr heutiges Erscheinungsbild.

In der 1892 erbauten Villa Többen, teilweise auch Haus Herold genannt, befindet sich das Stadtmuseum. Es zeigt Zeugnisse aus der Geschichte Ibbenbürens von frühester Besiedelung bis zur Neuzeit. Die Dauerausstellung des seit 2007 geöffneten Museums wird ergänzt durch verschiedene Sonderausstellungen, die Themen zur Stadtentwicklung behandeln.

Im Heimathaus Ibbenbüren zeigt der Verein zu Heimat- und Brauchtumspflege seine Sammlung von historischen Werkmaschinen, alten landwirtschaftlichen Geräten und altertümlichen Bauernmöbeln. Im Obergeschoss wurde eine Kleiderausstellung mit Exponaten aus den Jahren 1920 bis 50 eingerichtet.

Als in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts bei Ibbenbüren die Autobahn A30 gebaut wurde, entstand im Südosten der Stadt als Rückhaltebecken der Aasee. Heute dient er als Naherholungsgebiet. Das Befahren des Sees mit Tret- und Ruderbooten ist gestattet, das Fahren von Motorbooten und auch das Baden sind jedoch nicht erlaubt. Ein großer Skaterpark ist Anziehungspunkt für die jüngere Generation, Spatzierwege führen um das Gewässer. Unweit des Aasees befindet sich eine Haltestation der Teutoburger-Wald-Eisenbahn. In den Sommermonaten kann man mit einer historischen Dampflok bis nach Bad Iburg fahren.



Radrouten die durch Ibbenbüren führen:

100 Schlösser Route – Nordkurs
Rad-Route Dortmund-Ems-Kanal
Sagenroute
Töddenlandradweg




Hörstel

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ie Kleinstadt Hörstel liegt am nordwestlichen Ende des Teutoburger Waldes im äußersten Norden von Nordrhein-Westfalen. Von der ‚Schönen Aussicht’, einer denkmalsgeschützten Plattform im Ortsteil Riesenbeck, hat man einen prächtigen Blick über die weite Parklandschaft des Münsterlandes. Südlich der Stadt mündet der Mittellandkanal in den Dortmund-Ems-Kanal. Der für die Binnenschifffahrt bedeutende Abzweig wird ‚Nasses Dreieck’ genannt. Ganz in der Nähe befindet sich mit dem Torfmoorsee ein Naherholungsgebiet, wo man Spatzieren gehen, segeln und windsurfen kann. Mit Schloss Surenburg und dem Kloster Gravenhorst besitzt Hörstel zwei bedeutende geschichtsträchtige Bauwerke. Die Dreiflügelanlage von Schloss Surenburg gilt als bedeutendstes nichtkirchliches Bauwerk im Tecklenburger Land. Die Umgebung gilt als Mekka der deutschen Gespannfahrer, die hier regelmäßig Wettbewerbe und Meisterschaften veranstalten. Das Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst wurde bereits im 13. Jahrhundert gegründet. Das noch nahezu vollständig erhaltene Gebäude diente nach der Säkularisierung im 19. Jahrhundert vorübergehend als Jagdschloss und heute als zeitgenössisches Kunsthaus und als kultureller Veranstaltungsort.

Sehenswertes:

Inmitten eines ausgedehnten Waldgebietes liegt Schloss Surenburg. Das viel besuchte Ausflugsziel gilt als das bedeutendste nichtkirchliche Bauwerk des Tecklenburger Landes. Hohe Bäume säumen die Allee, die auf den Eingang des Renaissanceschlosses zuläuft. Die beiden Seitenflügel der imposanten Dreiflügelanlage werden jeweils bekrönt von einem im Münsterland typischen Dreistaffelgibel mit Halbkreisaufsätzen. Direkt an der Aussengräfte führt ein Weg um die gesamte Anlage herum und ermöglicht wunderschöne Einblicke auf das privat bewohnte Schloss.

 

Geschichtlicher Ablauf

1474

Erstmalige urkundliche Erwähnung der Surenburg, als die Herren von Langen, Ministeriale des Bischofs zu Münster, einen Hof in der ‚suren Wiese’ zur Wasserburg umbauten.

1580

Großangelegter Umbau des Schlosses, von dem Teile bis heute erhalten blieben.

1612

Tod des letzten männlichen Familienmitglieds derer von Langen auf Surenburg.

1652

Bischof Christoph Bernhard von Galen befreit die Surenburg von Oranischer Besatzung, der man während des 30jährigen Krieges ausgeliefert war.

1786

Kauf des Schlosses durch Carl Heinrich Heeremann zu Zydtwyck, einen niederländischen Landedelmann aus Roermond.

1790

Ausbau des Herrenhauses zur Dreiflügelanlage im Stil der Renaissance.
Schloss Surenburg wird immer noch von der Familie Heeremann zu Zydtwyck bewohnt. Auch Constantin Freiherr zu Heeremann, langjähriger Präsident des Deutschen Bauernverbandes, lebte auf dem Anwesen.

Über 500 Jahre lang diente Kloster Gravenhorst als Nonnenkloster, bis der von Napoleon initiierten Reichsdeputationshauptschluss das Ende des Zisterzienserinnenklosters besiegelte. Danach diente es verschiedenen Besitzern zu verschiedensten Zwecken, unter anderem auch als Jagdschloss für einen Konsul. Das Gebäude ist nahezu vollständig erhalten.

  

Geschichtlicher Ablauf

1256

Gründung des Zisterzienserinnenklosters durch Konrad von Brochterbeck und seiner Frau Amalgarde von Budde. Erste Äbtissin wurde ihre Tochter Oda.

18. Jhd.

Betrieb einer Mädchenschule bis zur Auflkösung des Klosters.

1811

Schließung des Klosters im Zuge der Säkularisierung.

19. Jhd.

Die Zeit nach der Schließung des Klosters wird geprägt durch häufigen Besitzerwechsel und verschiedenste Nutzungen. Es diente unter anderem als Lager, Werkstatt, Fabrik und als Jagdschloss für einen Konsul.

1986

Kauf der Anlage durch den Trägerverein Kloster Gravenhorst e.V.

1999

Übernahme durch den Kreis Steinfurt. Nach umfangreichen Renovierungen wird das ehemalige Kloster heute als Kunsthaus für zeitgenössische Kunst und als Veranstaltungsort für Theateraufführungen, Konzerte und Lesungen genutzt.

Knollmanns Mühle ist eine Doppelmühle, die durch das Wasser der Hörsteler Aa betrieben wird. Ihre Geschichte geht bis in das Jahr 1796 zurück. 1993 wurde das technische Denkmal umfassend renoviert und dient heute dem Heimatverein Hörstel für kulturelle Veranstaltungen. Bei Interesse werden auch Führungen gegeben.

Das Heimatmuseum im Ortsteil Bevergern geht auf eine Stiftung von Professor Dr. Anton Hilckmann zurück, der sein Geburtshaus zu diesem Zwecke dem Heimatverein Bevergern überließ. Am Kirchplatz entstand so in einem Ensemble von drei historischen Fachwerkhäusern das Heimatmuseum. Jedes dieser Häuser repräsentiert eine Berufsgruppe, die einst das Dörfliche Leben prägten. Das Handwerkerhaus von 1729, das Kaufmannshaus von 1742 und das Ackerbürgerhaus, in dem Bürger lebten, die zwar einem Handwerk oder Gewerbe nachgingen, nebenbei aber noch eine Landwirtschaft betrieben. Das Museum widmet sich der Wohn- und Arbeitswelt, der Geschichte und der Kultur von Bevergern.

An einem Hang des Teutoburger Waldes befindet sich in 116m über NN oberhalb von Riesenbeck die ‚Schöne Aussicht’. Von der denkmalsgeschützten Plattform hat man bei klarem Wetter einen prächtigen weiten Blick über die flache grüne Parklandschaft des Münsterlandes. Daher wird diese Aussichtsstelle auch ‚Balkon des Münsterlandes’ genannt. Mit dem Fahrrad ist die ‚Schöne Aussicht’ über die Straßen ‚Am Teutohang’ und ‚Teutostraße’ zu erreichen.

Der Heimatverein Riesenbeck zeigt im Landmaschinenmuseum auf dem ehemaligen Hof Eggert seine Sammlung historischer Gerätschaften. Diese Maschinen und Geräte werden chronologisch im Jahresrhythmus präsentiert. Angefangen bei der Bodenbearbeitung, über das Säen und Pflanzen, dem Düngen und Ernten, bis zur Weiterverarbeitung mit Dresch-, Sortier und Zerkleinerungsmaschinen. Dabei werden sowohl einfache Gerätschaften aus längst vergangenen Zeiten, als auch moderne Maschinen ausgestellt. So ermöglicht das Museum einen Überblick über die Entwicklung der Technik der Landmaschinen, es zeigt aber auch die jahreszeitlich bedingten Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft.

Südöstlich der Stadt Hörstel befindet sich zwischen Bevergern und Riesenbeck befindet sich ‚Nasse Dreieck’. Hier zweigt der Mittellandkanal vom Dortmund-Ems-Kanal ab. Er mündet 320 km weiter östlich bei Magdeburg in die Elbe. Für die Binnenschifffahrt ist dieser Abzweig einer der bedeutendsten Knotenpunkte Deutschlands. Im Zuge der Regionale 2004 entstanden entlang des Mittellandkanals und des Dortmund-Ems-Kanals Ausstellungspavillons, auch Red Boxes genannt, in denen die Historie und die Technik der Wasserstraßen beschrieben und erläutert wird. Die Schleuse Bergeshövede wurde 1898 zusammen mit dem Dortmund-Ems-Kanal gebaut. Seit 2006 ist die historische Schleusenanlage als Denkmal geschützt, womit ein Teilabriss der für Schiffe nicht mehr nutzbaren Anlage verhindert wurde.

Der Torfmoorsee ist ein Naherholungsgebiet südwestlich von Hörstel, unmittelbar am Dortmund-Ems-Kanal gelegen. Am See wurde ein geologischer Lehrpfad eingerichtet. Insgesamt werden 23 Gesteine ausgestellt, unterteilt in Ergussgesteine vulkanischen Ursprungs, durch Ablagerungen entstandenes Sedimentgestein und Metamorphes Gestein. Besonders interessante Exemplare sind der vor 20 Millionen Jahre gebildete Marmor, das 500.000 Jahre alte Lavagestein, oder der aus den Alpen stammende Seritschiefer. Zu der Ausstellung der Ausstellung des Lehrpfades gehört auch ein alter Kohlehobel. Dieser diente einst der Preussag beim Kohleabbau unter dem Schafberg.



Radrouten die durch Hörstel führen:

100 Schlösser Route – Nordkurs
Rad-Route Dortmund-Ems-Kanal
Sagenroute




Hopsten

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ie Samtgemeinde Hopsten bildet die Nordspitze des Tecklenburger Landes und grenzt dort im Norden und Westen an das Emsland und im Osten an das Osnabrücker Land. Auf Grund dieser Lage wird Hopsten auch als das ‚Tor zu Westfalen‘ bezeichnet. Verwaltungssitz der Samtgemeinde ist das namensgebende Töddendorf Hopsten, die weiteren Ortsteile sind Halverde und Schale. Die Region wird stark von der Landwirtschaft geprägt. Eine Besonderheit bildet ein geologisches Senkungsgebiet, das Naturschutzgebiet ‚Heiliges Meer-Heupen‘ im Süden der Gemeinde.

Sehenswertes:

Die katholische Pfarrkirche in Hopsten war ursprünglich ein einschiffiger gotischer Bau aus dem 16. Jahrhundert. Das heutige dreischiffige barocke Gotteshaus wurde zwischen 1732 und 34 einfach darüber gebaut. So haben sich im Inneren der Kirche noch einige Elemente des alten Baus erhalten. Der Kirchturm wurde 1749 fertig gestellt und erhielt dabei auch seine barocke Haube. Die barocke Inneneinrichtung wurde 1867 durch eine neugotische ersetzt, wobei auch dieses Inventar inzwischen durch modernes Gestühl ausgetauscht wurde.

Als im 17. Jahrhundert zwei Tödden auf ihrer Handelsreise auf See in ein schweres Unwetter gerieten, schwuren sie in Todesangst, eine Kapelle zu errichten, sollten sie diesen Sturm schadlos überstehen. Sie überlebten und stifteten zu Ehren der hl. Mutter Anna im Ort Breischen eine Wallfahrtskapelle. Sie wurde 1694 fertig gestellt und in der Folgezeit mehrfach erweitert, um die damals immer größer werdenden Pilgerscharen aufnehmen zu können. Heute befindet sich neben der Kapelle auch ein Wallfahrtsplatz sowie einen Kreuzweg.

Das historische Haus gehört zu den ältesten Gebäuden von Hopsten und hat eine wirklich bewegte Geschichte hinter sich. Ein genaues Entstehungsjahr des ursprünglichen Kerngebäudes ist zwar heute nicht mehr nachvollziehbar, aber es wird vermutet, dass es bereits in der Karolingerzeit entstand. Zwischenzeitlich diente es als Wasserburg und als Pfarrhaus. In der Hochzeit der Tödden hatte es der Händler Poggemann zu einem Gutshaus mit Wehrturm ausbauen lassen. Deshalb wird das historische Gebäude Poggeburg genannt. Später übernahm dann die Familie Nieland das repräsentative Bauwerk. Zwischen 1912 und 1925 traf sich im Blauen Salon des Hauses ein Dichterbund, der sich ‚Bund der Werkleute auf Haus Nyland‘ nannte. Dieser Künstlerzusammenschluss und die Kultur der Tödden sind die Themen einer Ausstellung, die heute im noch bewohnten Haus Nieland zu besichtigen ist.

Zwischen den Gemeinden von Recke, Hopsten und Ibbenbüren erstreckt sich ein 260 ha. großes Naturschutzgebiet. Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen ist eine geologisches Senkungszone, in der sich vier Senken mit Wasser gefüllt haben. Der größte dieser Seen, das ‚Große Heilige Meer‘, gab dem Gebiet, das aus den vier Stillgewässern, Heideflächen und Wäldern besteht, seinen Namen. Mit seiner Fläche von 11 ha. ist er auch der größte natürliche See Westfalens. Der zweitgrößte See des Naturschutzgebietes, der Erdfallsee, entstand erst vor gut 100 Jahren, als 1913 der Erdboden plötzlich auf einer kreisförmigen Fläche mit einem Durchmesser von rund 100 m  um 10 Meter nachgab.

Die Außenstelle „Heiliges Meer“ des LWL-Naturkundemuseums in Recke sorgt für die Unterhaltung des Naturschutzgebietes und präsentiert eine Ausstellung über die Entstehungsgeschichte der Erdfallseen.

 

Hinter der Szenerie: Wie das ‚Heilige Meer‘ seinen Namen bekam

Nicht überall bestand in einst’ger Zeit das Klosterleben nur aus Beten und Arbeiten. In vielen Orden wurde das gottgefällige Möchsdasein recht freizügig interpretiert. Es gibt tatsächlich Berichte aus dem Münsterland, nach denen Ordensbrüder wiederholt angetrunken, grölend und pöbelnd durch den Ort zogen. Nach einer anderen historischen Darstellung hatten die frommen Mönche im Dorf Weib und Kinder und kümmerten sich einen Teufel um das Zölibat! Sodom und Gomorrah!

Auch bei Hopsten soll es ein Kloster mit unglaublicher Unzucht gegeben haben. Obwohl das Leben dort zunächst einen sehr gesitteten Gang nahm. Durch strenge Arbeit hatte man es zu einem gewissen Reichtum gebracht. Doch irgendwann wurde es den Mönchen zu langweilig. Man sprach dem selbstgebrauten Bier in Mengen zu und tanzte tagtäglich bis spät in die Nacht auf Tischen und Stühlen.

Da tat sich eines Tages ein großes Loch auf und mit einem ohrenbetäubenden Getöse verschwand das Kloster mitsamt den unzüchtigen Mönchen, dem gesamten Vieh und mit allem Reichtum in dem Krater. Und damit an dieser Stelle niemals wieder ein Kloster erbaut werden könne, ließ Gott an dieser Stelle einen See entstehen. Doch in mondhellen Nächten und zur Weihnacht kann man noch aus den Tiefen des Sees die Klosterglocken läuten und die Mönche singen hören. Deshalb erhielt das Gewässer den Namen ‚Heiliges Meer‘.



Radrouten die durch Hopsten führen:

Sagenroute
Töddenlandradweg




Recke (Westfalen)

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ie Tödden- oder Tüöttengemeinde Recke liegt im Tecklenburger Land an den Ausläufern des Teutoburger Waldes. Der 1189 erstmals erwähnte Ort wurde durch die Kultur der Leinenhändler (Tödden) und durch den Bergbau geprägt. Der Ort besitzt neben zwei Bürgerparks auch eine Schwefelquelle, wegen der hier seit 1823 Bade- und Trinkkuren gemacht werden. Recke besitzt gleich drei Dionysius-Kirchen: eine evangelische und zwei katholische. Das ältere der katholischen Gotteshäuser wird heute allerdings nur noch als Jugendheim genutzt.

Sehenswertes:

In der einstigen Wassermühle ist heute ein Heimat- und Korbmuseum untergebracht. Das Museum erklärt das alte Handwerk und geht besonders auf Geschichte und Kultur der Tüötten ein. Tüötten (oder auch Tödden) waren Wanderkaufleute aus dem Tecklenburger Land, die in ganz Europa ihre Leinenwaren verkauften. In der Alten Ruthemühle finden regelmäßig Vorführungen der alten Hand- und Kunsthandwerke statt und an Backtagen werden im angegliederten Café frischgebackene Brote und Kuchen verkauft.

Im westfälischen Recke gibt es gleich drei Dionysius-Kirchen. Das älteste dieser Gotteshäuser ist die heute evangelische Kirche, die bereits im 9. Jahrhundert als Saalbau im spätromanischen Stil errichtet wurde. Die kleine Kirche markiert auch heute noch das Ortszentrum von Recke.

Von den drei Dionysiuskirchen im westfälischen Recke gehören zwei Gotteshäuser zur Katholischen Kirche. Die ehemalige Pfarrkirche an der Hopstener Straße wird heute als Jugendheim genutzt. Zwischen 1953 und 55 entstand die neue moderne Pfarrkirche, in der einige der Kunstschätze aus der alten Kirche, wie beispielsweise der barocke Hochaltar von 1755, übernommen wurden.



Radrouten die durch Recke führen:

Sagenroute
Töddenlandradweg




Mettingen

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er Ort Mettingen war im 17. bis 19. Jahrhundert ein Zentrum des Töddenwesens und wird daher auch verbreitet als ‚Töddendorf‘ bezeichnet. Die Tödden (auch Tüötten) waren wandernde Tuchhändler aus Westfalen. Im Winter stellten sie Leinenstoffe her, die sie im Sommer auf ihren Reisen quer durch Europa verkauften. Das Tüöttenmuseum im Innenhof des Rathauses erzählt von diesem besonderen Handelsvolk, ihrem durchorganisierten System und ihrer eigenständigen Kultur. Bis heute haben sich im Ort zahlreiche Töddenvillen, mehrere historische Fachwerkhäuser und Sandsteinbauten erhalten. Das Zentrum Mettingens, das seit 1992 staatlich anerkannter Erholungsort ist, bildet der Marktplatz mit dem Michaelsbrunnen und der mächtigen St. Agathakirche, die das Wahrzeichen der Töddengemeinde ist.

Sehenswertes:

Die katholische Kirche St. Agatha ist mit ihrem 75 Meter hohen imposanten Turm schon von Weitem sichtbar und das Wahrzeichen von Mettingen. Sie wurde 1891 – 94 im neugotischen Stil als dreischiffige Basilika mit Querhaus gleich neben der kleineren Vorgängerkirche erbaut. Kurze Zeit standen beide Gotteshäuser nebeneinander, bevor die ältere Kirche abgebrochen wurde. Die ältesten Einrichtungsgegenstände der Agathakirche sind eine ursprünglich aus Ostdeutschland stammende Marienklage sowie eine auf einer Mondsichel stehende Marienfigur mit Granatapfel. Beide Skulpturen stammen aus dem 15. Jahrhundert.

Vor dem Portal der Pfarrkirche steht als zentrales Element des Marktplatzes der 1902 gebaute Michaelsbrunnen. Auf einem Sockel steht als Figur der Erzengel Michael. Genau an dieser Stelle hatte einst der Hochaltar der abgebrochenen kleineren Kirche gestanden. Der Brunnen dient auch als Denkmal für die in den Deutschen Einigungskriegen 1864 und 1870/71 gefallenen Mettingern.

Obwohl die evangelische Kirche von Mettingen das älteste noch bestehende Gebäude des Ortes ist, besaß sie bereits zwei Vorgängerbauten. Eine erste Kirche entstand bereits im 12. Jahrhundert, ein zweiter Bau ersetzte diesen Mitte des 13. Jahrhunderts. Der Unterbau des heutigen Turmes stammt noch von der ersten Kirche. Das dritte, gegenwärtige Gotteshaus wurde zwischen 1450 und 1500 als Saalkirche im spätgotischen Stil errichtet. Der älteste Einrichtungsgegenstand ist die hölzerne Renaissancekanzel.

Die Tüötten (auch Tödden) waren wandernde Leinenhändler aus Westfalen. Im Winter stellten sie ihre Stoffe her und im Sommer zogen sie quer durch Europa, um sie zu verkaufen. Die Hochzeit des Tüöttentums war das 17. und 18. Jahrhundert, danach sorgten maschinell gefertigte Textilien für den Untergang dieser Kultur, die ihr Zentrum im Tecklenburger Land, insbesondere in den Ortschaften Mettingen, Recke, Hopsten, Ibbenbüren und Rheine hatte. Die Tüötten waren eine relativ geschlossene Gesellschaft mit eigener Sprache. Aus Tüöttengemeinschaften entwickelten sich bedeutende Handelshäuser, wie Brenninkmeijer (C&A) und Peek & Cloppenburg (P&C). Im Hof des heutigen Rathauses von Mettingen wurden drei Fachwerkhäuser errichtet, in denen der örtliche Heimatverein die Wohnkultur der Tüötten mit Möbeln, Gebrauchsgegenständen, Geräten, Bildern und Karten zeigt. Daneben werden natürlich auch die berühmten Leinenprodukte präsentiert. Bei den Häusern handelt es sich um zwei originalgetreue Nachbauten und um ein umgesetztes historisches Haus aus der Bauernschaft Wiehe.

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts hatten die Bauernschaften in Deutschland noch alle ihre eigene Schule. Sie bestanden oftmals aus nur einer oder zwei Klassen, in denen Schüler verschiedener Altersstufen gleichzeitig unterrichtet wurden. Mitte der 60er Jahre begann man, diese Dorfschulen nach und nach zu schließen. Die Kinder wurden so zu so genannten ‚Fahrschülern‘, die mit dem Bus in die nächst größere Ortschaft gebracht wurden, wo es noch eine Schule gab.

In der Remise des Schultenhofes befindet sich heute das Schulmuseum Mettingen. Es geht auf die Sammlung des Schulleiters Horst Michaelis zurück und zeigt, wie der Alltag auf einer dörflichen Zwergschule um das Jahr 1930 ausgesehen hat. Anhand historischen Lehrmaterials wird erklärt, wie die damaligen und heute antiquiert erscheinenden pädagogischen Methoden ausgesehen haben.

Der Mettinger Schultenhof beherbergt neben dem Schulmuseum auch das Postmuseum. Die Sammlung wurde durch den Postbeamten Clemens Beckemeyer in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen. Zu den Exponaten gehört eine Vielzahl von Dokumenten, Fernsprechgeräten, alte Poststempel und Briefmarken, darunter auch die erste Briefmarke der Welt. Die englische ‚One Penny Black‘ von 1840 besaß noch keine Zacken und bildet die damalige englische Königin Victoria im Profil ab.

Die geologische Sammlung, die sich gegenüber vom Hintereingang vom Rathaus befindet, zeigt Steine des erloschenen Vulkans ‚Bramscher Pluto‘, verschiedene Gesteine, die den Kreislauf des Werdens und des Zerfalls dokumentieren, Fossilien aus der Karbonzeit sowie eine umfangreiche Mineraliensammlung.

Daneben zeigt ein großes Modell das Aussehen Mettingens in der Zeit um 1945/48. Das Museum ist nur nach vorheriger Anfrage zu besichtigen.

Der Begriff ‚Draiflessen‘ stammt aus dem alten Sprachgebrauch der Tödden und bedeutet übersetzt ‚Drei Leinen‘. Die Draiflessen Collection präsentiert Zeugnisse aus der Firmen- und Familiengeschichte der Unternehmerfamilie Brenninkmeijer, Gründer des Textilunternehmens C&A. Die Brenninkmeijers sind eine alte Töddenfamilie und tief in der Kultur der Tödden verwurzelt. Neben der ständigen Sammlung werden auch regelmäßig Sonderausstellungen präsentiert.



Radrouten die durch Mettingen führen:

Sagenroute
Töddenlandradweg




Westerkappeln

Z
wischen den Ausläufern von Wiehengebirge und Teutoburger Wald liegt im hügligen Tecklenburger Land Westerkappeln. Der landwirtschaftlich geprägte Ort wurde im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Eine erste Kapelle wurde wahrscheinlich schon durch Karl den Großen gegründet. Daher leitet sich auch der Name ab. Aus ‚Capellun‘ wurde im Laufe der Jahrhunderte ‚Westerkappeln‘. Im Ortskern finden sich schmale Gässchen, schmucke Fachwerkhäuser und die gotische Stadtkirche. Sehenswert ist auch das Rittergut Cappeln.

Sehenswertes:

Im Kern stammt das Gotteshaus noch aus dem 12. Jahrhundert, möglicherweise sogar noch aus dem ausgehenden 11. Jahrhundert. Die ursprünglich im Stil einer romanischen Basilika erbaute Kirche wurde in der Zeit der Gotik mehrfach umgebaut. Das Kirchenschiff wurde nach Norden hin stärker vergrößert als zur südlichen Seite. Daher wirkt es so, als wäre der Kirchturm leicht versetzt zur Längsachse erbaut worden. Der 43 m hohe Turm war zunächst als Wehrturm konzipiert worden und sehr viel kleiner. Mit einer Wandstärke von bis zu 1,8 m konnte er manchem Angreifer Widerstand leisten. Anfänglich besaß er nur einen Eingang in 4,5 m Höhe, um eine bessere Verteidigung zu ermöglichen. Die Spitzhaube erhielt er während der gotischen Umbauphasen. Nach der Reformation, die 1527 in der Grafschaft Tecklenburg Einzug hielt, ging das damalige Inventar verloren. Einige spätgotische Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert sowie drei Epitaphe aus dem 16. und 17. Jahrhundert haben sich dagegen noch erhalten. Bemerkenswert ist die reich verzierte Barockkanzel (1701), der Opferstock (1632) sowie drei Kronleuchter aus der Barockzeit.

 

Hinter der Szenerie: Die Sage von der frommen Reinhildis

In den Gemeinden Westerkappeln und Riesenbeck erzählt man sich eine Sage, die hier jedes Kind kennt. Die Geschichte handelt vom Leben der gottestreuen Reinhildis, im Niederdeutschen auch Sünte Rendel genannt. Reinhildis, die heute als Märtyrerin verehrt wird, wurde vor langer Zeit auf dem Hof Knüppenhaus in Düte geboren. Ihre Kindheit war sehr beschwerlich. Bei ihrer hartherzigen Mutter und ihrem brutalen Vater musste sie schwerste Arbeiten verrichten. Aber des Sonntags, wenn die Glocken zum Gottesdienst läuteten, ließ sie ihre Arbeit liegen und eilte zum Gottesdienst in die Kirche. Der Glaube an Gott und Jesus Christus ließ sie alle Beschwerlichkeiten ertragen. Es hieß, dass Engel herbeieilten, um ihre Arbeit zu vollenden, damit sie in die Kirche gehen konnte. Die bösen Eltern sahen es gar nicht gerne, dass Gott Wohlgefallen an ihrer Tochter fand und so verboten sie ihr den sonntäglichen Gang in die Kirche. Aber Reinhildis hielt sich nicht daran! Da stieß sie die Mutter eines Tages voller Wut und Zorn in den tiefen schwarzen Brunnen, als Reinhildis grade Wasser holen wollte. Doch am nächsten Morgen saß das Mädchen unversehrt wieder auf dem Brunnenrand. Da stürzte die Mutter wütend auf sie zu, erwürgte sie und verscharrte das arme Ding im Stall bei den Tieren. Und es begab sich, dass zur gleichen Zeit der Stiefvater im Galopp vom Pferd fiel und sich dabei das Genick brach! Der Stall wurde derweil in gleißendes Licht gehüllt, so dass die böse Tat der Mutter schon bald entdeckt wurde und sie ihrer gerechten Strafe zugeführt wurde.

Die beiden Toten wurden in einem Grab begraben, aber die Leiche Reinhildis lag am nächsten Morgen außerhalb im Freien. Man begrub sie am gleichen Ort wieder und wieder, aber an jedem neuen Morgen lag der Körper wieder vor dem Grab. So legte man die tote Reinhildis auf einen Karren und die Ochsen trabten ungeführt nach Ibbenbüren, wo bei der Ankunft die Kirchenglocken wie von Geisterhand zu läuten begannen. Man begrub das fromme Mädchen schließlich in Riesenbeck. Als die Ochsen in der Nähe ihres Grabes im Boden scharrten, entsprang an dieser Stelle eine Wasserquelle aus dem Erdreich. Der Reinhildisquelle wurde eine besondere Heilwirkung nachgesagt.

Die neuen Wirtschafter des verwaisten Knüppenhofes verpflichteten sich noch über Generationen, sich um das Grab der jungen Frau zu kümmern, um die Schuld an ihrem Tod zu sühnen. Später soll über ihrem Grab die St. Calixtuskirche gebaut worden sein. Eine Grabplatte aus dem 13. Jahrhundert mit der bildlichen Darstellung der Reinhildis gilt als eines der wenigen erhaltenden Grabbildnisse romanischer Kunst.

Nach einer anderen Legende wird als Mordmotiv Neid genannt, da die Mutter dem Mädchen ihren Erbteil vom leiblichen Vater missgönnte.

Der 6,5 km lange Naturerlebnisweg ist ein interessanter Rundkurs, auf dem man viel Wissenswertes über die Pflanzen- und Tierwelt der Region erfährt. Auf 12 Schautafeln wird auf die Besonderheiten von Feuchtwiesen und Gewässern hingewiesen und es werden die Lebensräume der hier lebenden Tierarten beschrieben. Der Rundweg führt auch an den Megalithgräbern ‚Sloopsteine‘ vorbei. Die ca. 4000 Jahre alten Großgräber stammen noch aus der Jungsteinzeit. Der Anfang des Naturerlebnisweges befindet sich am Schulzentrum.

Um das Jahr 1100 wurde das Rittergut, das sich heute am Nordwestrand des Ortes Westerkappeln befindet, als Nebenburg der Grafen von Ravensberg erbaut. Die Ritter von Cappeln erhielten das Anwesen als Lehen. Zwischen 1777 und 1779 wurde das Gut zu einer Dreiflügelanlage ausgebaut. Der repräsentative Herrensitz wurde in den 1960er Jahre noch einmal umfangreich renoviert und befindet sich auch heute noch im privaten Besitz.

 

Hinter der Szenerie: Im Spiel die Burg verloren

Diese wahre Geschichte begab sich im frühen 19. Jahrhundert. Der junge Freiherr von Loen, Burgherr von Haus Cappeln, ging an den französischen Hof in Paris. Dort traf ihn fast der Schlag, denn das ausschweifende Leben am Hofe mit Frauen, Spiel und Spaß entsprach nun gar nicht seinen beschaulich geprägten münsterländischen Vorstellungen. Empörte Briefe zeugten von seinem entschiedenen Missfallen. Aber mit der Zeit änderte sich seine ablehnende Haltung immer mehr und er fing an, sich an das zuvor von ihm verurteilte Leben zu gewöhnen – es sogar zu schätzen. Er beschwerte sich auch nicht mehr und ließ sich immer mehr Geld aus der Heimat schicken, denn Spiel, Weib und Gesang hatten ihren Preis! Inzwischen hatte er sich mit dem vornehmen Baron von Lange angefreundet, mit dem er ausgiebig feierte. Das Leben in der Stadt der Liebe wurde immer teurer und bald schon reichten die Einkünfte aus der Heimat nicht mehr, um seinen neuen und ausschweifenden Lebenswandel zu finanzieren. So versuchte der Freiherr von Loen, das Geld im Spiel zu vermehren – aber das ging schief! Er verspielte fast sein gesamtes Vermögen. Der Streit um eine Frau führte dann zu einem verhängnisvollen Kartenspiel gegen seinen bisherigen Freund, den Baron von Lange. Es muss eine Dramaturlogie wie in einem spannenden Krimi gewesen sein: Der Freiherr setzte seinen gesamten Westkappelner Besitz mitsamt des Rittergutes auf eine Karte – und verlor! Seitdem war der Baron Carl Christian Friedrich von Lange Burgherr auf Haus Cappeln. Der Besitz blieb bis 1889 Eigentum der Familie.

Wer von ländlichen Zugmaschinen fasziniert ist, der sollte sich unbedingt das Traktorenmuseum in Westerkappeln-Düte anschauen, denn bei diesem Museum handelt es sich um eine der umfangreichsten Treckersammlungen Nordwestdeutschlands. Hier lässt sich die technische Entwicklung von land- und forstwirtschaftlichen Schleppern beispielhaft nachvollziehen. Angefangen hatte es in den 1960er Jahren mit einem Lanz-Bulldog, den der Landwirt Friedrich Frehmeyer restauriert hatte. Die Sammlung wuchs stetig und heute befinden sich in zwei Gebäuden über 30 historische Dieselrosse verschiedener Hersteller. Glanzstücke der Ausstellung sind unter anderem die Lanz Lokomobile von 1890, der 12er Lanz Bulldog von 1922, der Kleinschlepper Hagedorn, der Kramer ‚Allesschaffer‘ und die Dreschmaschine Ködel-Böhm.

Nach dem Museumsbesuch kann man sich im Bauerncafé mit selbstgebackenem Kuchen stärken.

Die früher zum Rittergut Velpe gehörende Wassermühle wurde 1560 erbaut und befand sich lange im Besitz der Adelsfamilie von Velpe. Seit einer umfangreichen Sanierung ist die Gutsmühle seit 1990 wieder voll funktionsfähig. Zu jedem Wochenende wird hier biologisch hergestelltes Getreide vermahlen, das gleich danach zu Vollwertbroten verarbeitet und im Steinofen gebacken wird. Der Mühlenraum wird häufig für Feierlichkeiten, aber auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Im oberen Stockwerk werden die Werke des einheimischen Künstlers Gustav Künnemann (1906 – 1998) präsentiert. Der Maler hatte in den 30er Jahren in Bochum studiert und lange Zeit in Westerkappeln gelebt und gewirkt.

Die Herren von Velpe waren Burgmänner im Dienste der Grafen von Tecklenburg. Als unfreie Ritter gehörten sie dem niederen Landadel an. Ihr Rittergut wurde vermutlich im 13. Jahrhundert erbaut. Es bestand im 18. Jahrhundert aus einem Herrenhaus und zwei Nebengebäuden und war von einer Wassergräfte umgeben. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Adelssitz jedoch aufgeteilt und das inzwischen baufällig gewordene Herrenhaus abgebrochen. Von dem einst stolzen Rittergut blieb nur das um 1700 errichtete Torhaus sowie Teile des Wassergrabens erhalten.






Lotte

D
ie Gemeinde Lotte liegt malerisch und ruhig im hügligen Tecklenburger Land, gehört aber dennoch bereits zum Ballungsraum Osnabrück. Die Samtgemeinde setzt sich aus dem bis 1975 selbstständigen Gemeinden Lotte und Wersen zusammen. Lotte selber wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Beide Ortsteile besitzen uralte Kirchen, die ihren Ursprung bereits in romanischer Zeit haben. In Wersen haben sich gleich drei historische Wassermühlen erhalten. Sehenswert sind die Sloopsteine. Die Megalithgräber aus der Jungsteinzeit sind die am besten erhaltendsten in Westfalen und gelten als die größten prähistorischen Kulturstätten in ganz Nordwestdeutschland.

Sehenswertes:

Die evangelische Pfarrkirche wurde zwischen 1312 und 1315 erbaut und gilt als typisches Beispiel münsterländischer Dorfgotik. Auffällig ist ihr nach Westen geneigter schiefer Turm. Weitere besondere Merkmale der Kirche sind mehrere Jugendstilfenster, ein flämischer Leuchter von 1777 sowie ein barockes Orgelprospekt von 1684. An der Westseite des Gotteshauses steht die im Jahre 2000 entstandene Skulptur ‚Begegnung‘ des Künstlers Rudolf Breilmann.

Die Dorfkirche in Wersen fällt durch ihren imposanten Turm auf. Dieser wurde erst 1886 im neoromanischen Stil errichtet und gehört neben dem 1906 angefügten Südschiff zu den neueren Bauteilen der evangelischen Pfarrkirche. Der gesamte übrige Teil ist sehr viel älter, denn der romanische Gewölbebau wurde bereits 1271 fertig gestellt. Damit ist das Gotteshaus das älteste Gebäude der Gemeinde Lotte.

Eines der größten und besterhaltendsten prähistorischen Grabdenkmäler befindet sich in Wersen. Das Megalithgrab stammt aus der Jungsteinzeit (ca. 3.000 – 2.000 v.Chr.) und ist mit seinen Trag- und Decksteinen noch fast vollständig erhalten. Ursprünglich waren die Findlinge noch mit Erde überdeckt, doch Wind und Wetter trugen diese äußere Schicht wieder ab. Die Anlage ist ungefähr 24 x 8 m groß, die Grabkammer selber misst 19 x 2 m. Neben den Großen Sloopsteinen (niederdeutsch auch: Sloopsteene) befindet sich nicht weit entfernt mit den Kleinen Sloopsteinen noch ein weiteres Kollektivgrab aus Findlingen mit einer Größe von 20 x 7 m. Auch dieses Megalithgrab ist als Bodendenkmal geschützt.

Im Lotter Orsteil Wersen gibt es noch drei historische Wassermühlen. Die dreistöckige Mühle Bohle steht hier bereits seit dem späten 17. Jahrhundert. Eine Vorgängermühle bestand hier sogar mindestens seit dem 14. Jahrhundert. Als Sägemühle war sie noch bis 1975 in Betrieb. Die zweistöckige Mühle Kluth an der Düte diente als Bokel-, Öl- und Getreidemühle. Sie befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Mühle Tüchter. Diese wurde 1689 erbaut und war noch bis in die 1950er Jahre als Kornmühle in Betrieb.






Lengerich

L
engerich liegt direkt am Südhang des Teutoburger Waldes. 1727 wurde dem Ort durch Wilhelm I. von Preußen die Stadtrechte verliehen. Die erste urkund- liche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1147, aber bereits um 1050 wurde hier die erste Bauernschaft urkundlich erwähnt. Ausgrabungen, Urnenfunde sowie das Megalithgrab in Wechte beweisen, dass hier bereits vor 4000 Jahren gesie- delt wurde. Zwischenzeitlich zog Lengerich als Wallfahrtsort viele Pilger an, so dass die spätgotische Pfarrkirche bereits 1497 ihre heutige Gestalt erhielt. Während des Dreißigjährigen Krieges erhielt Lengerich besondere Bedeutung, da hier in den letzten Jahren der kriegerischen Auseinandersetzung wichtige Vorverhandlungen geführt wurden. Daran erinnert der Friedensreiterbrunnen in der Altstadt, einer von mehreren interessanten Brunnenanlagen. Neben dem alten Rathaus, wo sich heute die Tourist Information befindet, und dem alten Heimathaus, fällt in der Altstadt besonders das alte Torhaus, genannt ‚Römer’ auf, der bereits um 1250 erbaut wurde und heute eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Lohnend für einen Abstecher ist auch der Alva Skulpturenpark auf dem Gelände der beiden Lengericher Kliniken im Norden der Stadt. Für die Skulpturbiennale 2001 hatte der amerikanische Künstler einen kunstvollen Garten angelegt, welchen er ‚Lengerich Garden Projekt’ nannte und der für jedermann frei zugänglich ist.

Sehenswertes:

Das Wasserschloss Haus Vortlage ist ein ehemaliger Rittersitz, der auf einem aufgeschüttetem Erdwall, einer so genannten Motte errichtet wurde. Das heutige klassizistische Hauptgebäude aus dem 18. Jahrhundert ist bereits die dritte Anlage dieser Art, sie wird aus diesem Grunde auch kurz ‚neue Vortlage’ genannt. Die beiden vorigen Burgen lagen in unmittelbarer Nähe, wurden aber wieder abgebaut. Haus Vortlage dient auch heute noch als Wohngebäude und befindet sich im privatem Besitz. So ist die Schlossanlage nur von außerhalb des Tores zu besichtigen. Vor der Brücke zum Innenhof befindet sich eine alte, sanierte Wassermühle, die ebenfalls privat bewohnt wird.

  

Geschichtlicher Ablauf

um  1000

Ursprung der Schlossanlage auf einen Motte, dessen Reste noch heute an der vorbeiführenden Straße sichtbar sind. Später entsteht in unmittelbarer Nähe eine zweite Burg, die ‘alte Vortlage’. Auch sie existiert heute nicht mehr.

14. Jhd.

Das Rittergut Haus Vortlage wird zum Adelssitz.

18. Jhd.

Anfang des Jahrhunderts entsteht im barocken Stil unweit der alten Anlage auf einer quadratischen Insel eine neue, die nunmehr dritte Wasserburg, die ‘neue Vortlage’.

1730

Bau der aufwendigen Brückenanlage
Bei neuere Umbauarbeiten wurde dem Gebäude ein Mansardendach aufgesetzt und ein Dreiecksgiebel angebaut.

Als Rathaus dient das Gebäude schon lange nicht mehr. Aber das 1897 erbaute Alte Rathaus war seinerzeit das erste Verwaltungsgebäude der Stadt Lengerich. Mehrfach wurde es umgebaut und heute dient es als Kulturtreff und Bibliothek sowie als Tourist-Information.

Der Römer ist das Wahrzeichen Lengerichs. Die ältesten teile des Gebäudes werden auf die Zeit um 1250 datiert. Urkundlich erwähnt als ‚Römer’ wurde es erstmals 1723.Im Jahre 1852 erwarb die Stadt das alte Torhaus. Zwischenzeitlich diente unter anderem als Rathaus und als Klassenraum für die Rektoratsschule. Heute ist hier ein Restaurant untergebracht.

Nahe der Rathausfreitreppe befindet sich der 2003 geschaffene Brunnen ‚Friedensreiter’ von Volker Johannes Trieb. Die eiserne Skulptur ähnelt frappierend dem Logo der Friedensroute und stellt ebenfalls einen Friedensreiter dar, der die Botschaft vom Ende des dreißigjährigen Krieges verkündet.

Der vom Osnabrücker Künstler Gerd Ruwe geschaffene Brunnen ‚Der Zwischenfall’ stellt eine witzige Begebenheit dar: Ein Mann versucht mit Hilfe seines Gehstockes seinen ins Wasser gefallenen Hut zu angeln. Dabei wird er am Rockzipfel von einer Frau gehalten, die wiederum von einem Jungen, der wiederum von einem Hund. Gemeinsam halten sie das Gleichgewicht. Die humorvolle Plastik wirkt sehr dynamisch und ist ein visueller Anziehungspunkt in der Fußgängerzone.

Die Stadtkirche wurde um 800 als Urkirche des nordwestfälischen Raumes gegründet. Besonders beachtenswert ist das romanische Portal. Nach der Dionysiuskirche in Rheine ist die Evangelische Stadtkirche das größte Gotteshaus im Kreis Steinfurt.

Das vom Heimatverein Lengerich verwaltete Heimathaus war einst ein für die Region typisches Ackerbürgerhaus aus dem 17. Jahrhundert. Sein heutiges äußeres Erscheinungsbild erhielt das Haus mit seiner klassizistischer Werksteinfassade erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auf telefonische Anfrage ist eine Innenbesichtigung möglich.

Ein weiterer künstlerisch interessanter Brunnen ist der 1990 von der Künstlerin Christine Rostalski aus Beton geschaffene und von der Dyckerhoff AG gestiftete Brunnen am Wapakoneta-Platz. Die nach außen geschlossene und innen durchbrochene Skulptur symbolisiert die Harmonie zwischen Wasser und Design. Der Platz wurde anlässlich der zehnjährigen Partnerschaft 2004 nach der Partnerstadt Wapakoneta in Ohio benannt.

Die Drahseilfabrik Gent wurde im Jahre 1856 gegründet. Ihre Produktionshallen und der markante, 60 Meter hohe Schornstein mit seinem 150.000 Liter fassenden Kühlwasserbehälter wurden 1919 fertig gestellt. Zwischenzeitlich wurden die Hallen von 1957 bis 2002 als Gießerei und Lager von einer Maschinenbaufirma genutzt. Nach einem kompletten Umbau wird der Komplex seit 2004 schließlich als Veranstaltungszentrum genutzt.

Im Park um die beiden Lengericher Kliniken wurde der Alva-Skulpturenpark eingerichtet. Hier sticht besonders ein Werk hervor: das ‚Lengerich Garden Projekt’ des amerikanischen Künstlers Ronald Jones. Er schuf es im Zuge der Skulpturbiennale 2001. Ein wasserspeiender Steinbrocken in einem kleinen Wasserbassin bildet das Zentrum einer kleinen, kunstvollen Gartenanlage, die zum Verweilen einlädt.

In der Bauernschaft Wechte an der Landstraße nach Brochterbeck entdeckte man1928 ein 4000 Jahre altes Megalithgrab. Das Hünengrab ist frei zugänglich und liegt an der Brochterbecker Straße.

Ein weiteres prähistorisches Grab in der Bauernschaft Wechte ist das Steinhügelgrab an der Straße nach Ladbergen. Das Grab wird auf etwa 1700 v. Chr. Datiert und stammt aus der späten Stein- oder frühen Bronzezeit.



Radrouten die durch Lengerich führen:

Friedensroute
100 Schlösser Route – Nordkurs
Sagenroute




Bad Iburg

H
och über Bad Iburg thront das Wahrzeichen der Stadt, das Schloss. Die Anfänge dieser Festungsanlage stammen aus dem 11. Jahrhundert, aber schon im Jahre 772 hatte Karl der Große hier eine Burganlage gegen seinen Wider- sacher Herzog Widukind erobert. Fürstbischof Philip Sigismund von Wolfen- büttel-Braunschweig ließ die vierflügelige Renaissanceanlage im 17. Jahrhundert errichten, der mächtige achteckige Bergfried stammt als ältestes Gebäudeteil aus der Zeit Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert. Auf dem Schloß wurde 1668 Sophie Charlotte geboren, die später erste preußische Königin wurde und Mutter Frie- drichs des Großen war. Nach ihr wurde hier unter anderem der Charlottensee benannt, in Berlin das Schloss Charlottenburg samt Stadtteil. Da Iburg an einem Einschnitt des Teutoburger Waldes liegt, war es immer auch strategisch wichtig. Genau im Grenzgebiet liegend zwischen Osnabrücker Land im Norden und Münsterland im Süden, wechselten nach der Besetzung der Schweden im Dreißigjährigen Krieg die Katholischen und Evangelischen Fürstbischöfe ein- ander ab. Und noch heute liegt Bad Iburg in Niedersachsen direkt an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. 1953 schließlich wird Bad Iburg Kneipp-Kurort und erhält 1959 aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung die Stadtrechte wieder- verliehen.

Sehenswertes:

Oben auf einem Vorsprung des Teuteburger Waldes gelegen, trohnt das ehemalige Residenzschloss Iburg. Die Aussenfassade ist weiss verputzt und wirkt recht uneinheitlich, ein Zeugnis vieler Umbauten. Durch einen breiten Torboge erreicht der Besucher über Kopfsteinpflaster den Innenhof. Hier befindet sich auf der linken Seite der achteckige Bergfried, der auf den Resten einer sächsischen Fliehburg aus dem 11. Jahrhundert errichtet wurde und der damit den ältesten noch erhaltenden Teil der gesamten Schlossanlage bildet. Der die gesamte Anlage überragende Turm wurde in seiner heutigen Form um 1500 erbaut. Im Volksmund wird er ‚Bennoturm’ genannt, nach dem Bennedektiner und Klostergründer Benno. Denn ursprünglich diente die Iburg sowohl als Schloss als auch als Kloster. Auf der rechten Seite befindet sich die katholische St. Clemenskirche. Das aus Bruchstein errichtete Gotteshaus stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Innerhalb des Gebäudes befindet sich auch eine evangelische Schlosskirche, denn nach der in Osnabrück eingeführten ‚alternierenden Sukzession’ mussten katholische und evangelische Landesherren jeweils einander ablösen. Zunächst hatte die evangelische Schlosskirche nur als Hofkapelle für den Bischof gedient, später wurde sie auch dem Volk zugänglich gemacht. Ihre barocke Erstausstattung ist weitgehend erhalten geblieben. Heute ist das Iburger Schloss ist Sitz des Amtsgerichts Bad Iburg sowie seit Mai 2005 Sitz der Niedersächsischen Schulinspektion. Im Rittersaal wird die Ausstellung Zwischen Prunkgeschirr und Wäscheleine – die Rekonstruktion des Rittersaales der Iburg gezeigt. Er ist bei Schlosskonzerten und bei Führungen sowie anderen öffentlichen Veranstaltungen zugänglich.

  

Geschichtlicher Ablauf

1070 Ursprünglich existierte hier auf der Anhöhen des Teuteburger Waldes eine sächsische Fluchtburg. Die Bischöfe Benno I. (1052-1067) und Benno II. (1068-1088) errichteten an deren Stelle eine feste Burganlage mit Holzkapelle und bauten diese zur Residenz der Fürstbischöfe von Osnabrück aus. 600 Jahre lang diente Schloss Iburg sowohl als Residenzschloss als auch als Kloster.
1080 Gründung eines Benediktinerklosters durch Benno II. Auf ihn geht auch die St. Clemens-Kirche zurück.
13. Jhd. Die St. Clemens Kirche wird in seine heutige Form umgestaltet.
um 1500 Errichtung des achteckigen Bergfrieds auf den Resten des aus dem 11. Jahrhundert stammenden Gebäudes durch Bischof Konrad von Rietberg. Der Turm bildet heute den ältesten erhaltenen Teil der Schlossanlage und wird in der Bevölkerung ‘Bennoturm’ genannt.
1534 Gefangenhaltung von Angehörigen des Täuferreichs von Münster (die sogenannten ‘Wiedertäufer’ im Bennoturm. Nach Verhör und Folter, welche einem der Gefangenen bereits das Leben kostete, wurden bis auf einen alle enthauptet.
17. Jhd. Umgestaltung von Burg und Kloster zu einer gegliederten Schlossanlage durch Fürstbischof Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591 bis 1623). Der heutige Rittersaal entsteht als Jagd- und Speisesaal.
1621, 23, 33 Schwere Schäden durch Plünderungen während des Dreißigjährigen Krieges
1632 Besatzungen durch die Niederländer
1634–50 Besatzung durch die Schweden. Sie vertrieben die Mönche, die erst 1645 wieder zurückkehren konnten und ließen das Schloss stark verfallen. Beim Abzug schließlich hinterließen sie die Anlage in einem miserablem Zustand.
1650 Rückkehr von Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg auf das Schloss, der zuvor vor dem Schwedenheer geflohen war. In den folgenden Jahren ließ er ganze Gebäudeflügel von Grund auf erneuern.
1656/57 Johannes Crafft gestaltete den Rittersaal. Mit seiner Deckenmalerei von Andrea Alovisii in perspektivischer Scheinarchitektur bietet er eine herausragende Besonderheit. Sie zeigt den Göttervater Zeus im Mittelpunkt, umrahmt von den Heldentaten des Herakles. Das Gemälde ist das einzige dieser Art, das nördlich der Alpen noch im Original erhalten geblieben ist. An den Wänden zeigen 73 Porträtgemälde die Osnabrücker Bischöfe und Landesherren in der Iburg. Der Steinfußboden besteht aus in Rautenform verlegten blau-schwarzen und weiß-grauen Fliesen. Sie symbolisieren das bayrische Wappen Franz Wilhelm von Wartenbergs.
1664 Integration der evangelischen Schlosskirche im ersten Obergeschoss des Südflügels oberhalb des Tores durch Ernst August I., dem ersten lutherischen Bischof aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg. Zunächst diente sie nur als Hofkapelle für den Bischof. Die barocke Erstausstattung ist weitgehend erhalten geblieben. Im Fürstbistum Osnabrück war die alternierenden Sukzession eingeführt worden. Diese besagte, dass katholische und evangelische Landesherren jeweils sich einander ablösen mussten.
1668 Geburt von Sophie Charlotte als Tochter von Ernst August I. und Sophie von der Pfalz auf Schloß Iburg. Sie wurde 1701 erste preußische Königin.
1673 Umzug der fürstbischöfliche Familie in das neu gebaute Schloss Osnabrück, das damit neues Residenzschloss wurde. Damit endete die 600 Jahre lange Ära der Bischöfe von Osnabrück auf Schloss Iburg.
1674 Vollendung der Wiederaufbauarbeiten.
18. Jhd. Klosterneubau durch den westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun. Die Innenausstattung der St. Clemens-Kirche wird barock umgestaltet.
1716 Nach dem Tode Ernst August I. ließ dessen katholischen Nachfolger die evangelische Schlosskirche schließen. Als mit Ernst August II. wieder ein evangelischer Landesherr die Regentschaft übernahm, ließ dieser die Kirche wieder öffnen und renovieren.
1781 Fertigung des schmiedeeisernen Eingangstors an der so genannten ‘Klotzbahn’.
1803 Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster am 13. Februar als erstes im Fürstentum Osnabrück aufgehoben. Zu dieser Zeit hatte das Konvent noch 22 Mitglieder.
1803–07 Die St. Clemens-Kirche diente als Pulvermagazin.
1836 Übertragung der St. Clemens Kirche der katholischen Kirchengemeinde.
1890 Umgestaltung der St. Clemens-Kirche im Neo-Gotischem Stil.
1913 Anbau eines Treppenvorbaus im Stil der Neurenaissance. Er dient als Aufgang für die evangelische Schlosskirche. Gestiftet wurde dieser durch Berta von Bardeleben. Ihr Wappen befindet sich im Bleiglasfenster des Treppenvorbaus.
1885-1932 Sitz der Kreisverwaltung Iburg.
1934–39 Sportschule der Sturmabteilung der NSDAP.
1942–45 Nutzung als ‘Deutsche Heimschule Schloss Iburg‘. Das Internat war die erste Oberschule im damaligen Flecken Iburg.
1948–71 Als ‘Niedersächsische Heimschule Iburg’ sollten die Schule jetzt vor allem dazu dienen, Kindern aus Flüchtlings- und Vertriebenenfamilien den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen.
1971 Umwandlung in eine Halbtagsschule, das Internat wurde geschlossen.
1971–2004 Nutzung als Polizeischule. Danach ging die Liegenschaftsverwaltung an das Niedersächsische Kultusministerium über.