Erft RadwegErftlogo1

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m einen Fluss in seiner Entwicklung zu begreifen, muss man ihn mit dem Fahrrad abgefahren sein. So kann man beobachten, wie sich ein Rinnsal an der Quelle zu einem Bach vergrößert und irgendwann vielleicht einmal die Größe annimmt, um Schiffen einen Transportweg anzubieten, bevor er dann in den nächstgrößeren Fluss oder ins Meer mündet. Nun: Schiffe fahren auf der Erft nicht, dafür ist dieser Wasserlauf zu klein. Dennoch macht es Spaß, sich dieses Flüsschen einmal zu erfahren.

Als linker Nebenfluss des Rheins entspringt die Erft in der Eifel am Rande des Ahrgebirges bei Nettersheim und fließt dann in nördliche Richtung durch die Rheinische Bucht, um nach 107 Kilometern bei Neuss in den Rhein zu münden. Den Lauf des Flusses begleitet ein Fernradweg, der trotz seiner Kürze von 110 Kilometern sehr abwechslungsreich ist und sich in zwei bis drei Tagen bequem abradeln lässt. Die Strecke führt durch die wasserburgenreichste Gegend Deutschlands und mit Bad Münstereifel, Kaster und Bergheim kann man Städte entdecken, die ihren mittelalterlichen Charme noch bis heute bewahren konnten.

 

Neben wehrhaften Stadtbefestigungen, romantischen Burganlagen und stolzen im Wasser träumenden Schlössern finden sich sogar noch einige römische Spuren, aber auch gigantische Erdlöcher, die der modern Braunkohleabbau in die Landschaft gefräst hat. An der Quelle in Nettersheim-Holzmühlheim kann man sich zum Erft-Kadetten taufen lassen. So gesegnet radelt es sich noch mal so gut. Die Mündung wurde übrigens erst im 15. Jahrhundert aus militärtaktischen Gründen an diese Stelle verlegt.

Das Logo ist in beide Richtungen ausgeflaggt. Es zeigt einen roten Radfahrer auf weißen Grund in einem nach unten geöffneten grünen Dreieck, der auf einer geschwungenen doppelten blauen Linie, die den Fluss symbolisieren soll, fährt.

Zwischendurch bietet sich ein Abstecher nach Brühl an. Die Stadt mit dem Schlössern Augustusburg und Fakenburg liegt nur 15 Kilometer von der Hauptroute entfernt. Viele Radwanderer verbinden den Erft-Radweg mit dem Ahr-Radweg und dem Rhein zu einer Drei-Flüsse-Tour. Der dreieckige Kurs besitzt dann eine Länge von rund 300 Kilometern.


Charakteristik:

Auf den ersten 15 Kilometern zwischen Nettersheim und Bad Münstereifel gibt es einige leichte Steigungen. Danach ist die Strecke kontinuierlich abfallend und eben. Die Strecke verläuft flussnah auf überwiegend gut befahrbaren Oberflächen, meist Asphalt oder wassergebundenen Decken. Es werden fast ausschließlich autofreie Wirtschafts- und Radwege genutzt, so dass der Erftradweg auch gut für Familien mit Kindern geeignet ist.


 

Ortschaften entlang der Route

NettersheimBad MünstereifelEuskirchenWeilerswistErftstadtKerpen  /   Bergheim  /  Bedburg /   Bedburg-Kaster  /   GrevenbroichNeuss

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Nettersheim

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m Naturpark Nordeifel, schon zu Nordrhein-Westfalen gehörend, liegt der Ort Nettersheim. Das Gebiet der heutigen Gemeinde wurde bereits seit sehr langer Zeit besiedelt. Die ersten Spuren von Neandertalern sind bereits 80.000 Jahre alt. Der Homo Sapiens hat hier dann vor 35.000 Jahren gesiedelt. Im Jahre 53 v. Chr. eroberten die Römer unter dem Feldherren Julius Caesar die Gegend der Nordeifel und machten sie zur römischen Provinz ‚Niedergermania’. Die Via Agrippa, eine Fernstrasse von Köln nach Trier, führte durch das heutige Nettersheim und mit der ‚Villa Rustica’ und der Tempelanlage Görresburg finden sich noch immer Relikte der römischen Epoche. Nettersheim wird von der Urft durchflossen. Im Ortsteil Holzmülheim entspringt auch die Erft. Eine Vielzahl von Wanderwegen und Fahrradrouten wurden eingerichtet. Im Jahre 2011 erhielt Nettersheim beim Wettbewerb ‚Bundeshauptstadt für Biodiversität’ der Deutschen Umwelthilfe den 1. Platz in der Klasse bis 10.000 Einwohner.

Sehenswertes:

Die katholische Pfarrkirche St. Martin wurde 1784 fertig gestellt, nachdem ein kleinerer Vorgängerbau unbrauchbar geworden war. Der weißverputzte Bruchsteinbau mit seinem viergeschossigen, vorgebauten Westturm erhielt in den 1960er Jahren noch zwei Seitenschiffe als Anbau. Die Altäre stammen noch aus dem 17. Jahrhundert und sind damit älter als das Gotteshaus selber.

Der kleine Eifelort Holzmülheim liegt idyllisch in einem Talkessel am Nordwestrand des Ahrgebiges. Am Fuße des Himbergs entspringt aus mehr als 300 Millionen Jahren altem Kalkgestein auf 550 Metern Höhe die Erft. Die Quelle befindet sich innerhalb eines mit Natursteinen errichteten überdachten Mauerwerkes. Vorgelagert befindet sich eine Grünfläche mit Grillstelle und Spielplatz.

Ein besonderes Ritual wird hier an der Quelle in Holzmülheim durchgeführt. Jedermann kann sich mit Erftwasser zum ‚Erftkadetten’ taufen lassen. Dieser Tradition muss sich auch ein jeder neuer Bürgermeister von Neuss unterziehen, denn der Fluss mündet nach einer 107 Kilometer langen Reise bei Neuss in den Rhein. Die Freundschaft zwischen Quellort und Mündungsstadt wird sei langer Zeit gepflegt.

In der Römerzeit soll die Erft im Unterlauf sogar schiffbar gewesen sein. Leider wird der Fluss über weite Strecken in einem Betonbett kanalisiert, was ihr den despektierlichen Beinamen ‚Abwasserkanal’ einbrachte. Eine allmähliche Renaturierung in den nächsten Jahrzehnten ist aber bereits geplant.

Im Genfbachtal bei Engelgau steht an einem Berghang die Ahekapelle. Es ist nicht bekannt, wann das Kirchengebäude genau entstanden ist. Der Chor jedenfalls stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. Man nimmt an, dass sich an dieser Stelle einmal ein römischer Gutshof befunden hat. Das dem heiligen Servatius geweihte Gotteshaus ist schon seit langer Zeit eine Wallfahrtskapelle. An jedem 13. Mai eines Jahres findet eine Prozession zu der Ahekapelle statt.

Am heutigen Ortsausgang von Roderath befand sich einst ein römischer Gutshof. Er wurde wahrscheinlich vom Ende des 1. Jahrhundert bis in das 4. Jahrhundert hinein genutzt. Bei archäologischen Grabungen legte man die Überreste eines Haupthauses aus Fachwerk und mehrerer Nebengebäude aus Holz und Lehmfachwerk frei. Man fand die Reste einer Wasserleitung und die eines Ofens. Das Gehöft steht auf einer kreisrund gestalteten Fläche, in deren Zentrum heute Dorffeste und andere Veranstaltungen stattfinden.

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Nettersheim ist schon lange besiedelt. Im Jahre 1909 fand man auf einem Hügel am Rande des Urfttales drei Steine mit kleinen Frauenfiguren, die sich als Weihesteine aus der Zeit um 200 n. Chr. entpuppten. Bei den darauf folgenden archäologischen Grabungen fand man die Überreste einer gallo-römischen Tempelanlage. Insgesamt fand man im Tempelbezirk Görresburg 40 Inschriftensteine oder Bruchstücke. Offensichtlich handelte es sich um eine viel genutzte Kultstätte.

Die Römer nannten die Göttinnen Matronen, was soviel wie weise, ehrwürdige Frauen bedeutet. Daher wird für diesen Ort auch häufig der Begriff ‚Matronentempel’ genutzt. Niedrige Mauern zeigen heute den rekonstruierten Grundriss der Tempelanlage auf. Die Steine mit den Matronenfiguren sind Nachbildungen. Die Originalsteine werden im Rheinischen Landesmuseum in Bonn aufbewahrt.

Das Naturzentrum Eifel  ist ein dezentrales Museum, das in vier Häusern verschiedene Ausstellungen zu Natur und Geschichte der Region präsentiert. Ziel der Einrichtung ist eine erlebnisorientierte Bildungsarbeit und Umwelterziehung. Das Hauptgebäude beherbergt das Korallenriffaquarium, das den Beginn der Eifel vor ca. 380 Millionen Jahren sichtbar macht und beschäftigt sich mit der Siedlungsgeschichte der Neandertaler, der Römer und der hier einst ansässigen Franken. Hinter dem Museumsgebäude wurde ein Bauerngarten mit vielfältigen Pflanzen und Kräutern angelegt. Das historische Bauernhaus am Römerplatz zeigt Einrichtungsgegenstände aus dem 19. Jahrhundert und eine Getreidemühle. In der Alten Schmiede ist jetzt das Haus der Fossilien untergebracht, in dem auch die Ausstellung ‚400 Millionen Jahre Wald’ zu sehen ist. Sehenswert sind die beiden aus dem 19. Jahrhundert stammenden restaurierten Kalkbrennöfen am Steinbruch Kaninhecke, von denen der eine auch begehbar ist. In den Werkhäuser befinden sich die Geologische Ausstellung und das Mineralienkabinett.

Die römische Wasserleitung nach Köln war mit 95 Kilometern Länge eine der längsten Aquädukte des römischen Imperiums. Sie gilt als das größte antike Bauwerk nördlich der Alpen und beförderte täglich bis zu 20.000 m³ Trinkwasser in die damalige Provinzhauptstadt Niedergermaniens. Die Leitung wurde um 80 n. Chr. wahrscheinlich durch das römische Heer erbaut und förderte das Wasser allein durch ihr Gefälle. Somit war sie Ausdruck sowohl der damaligen technischen Leistungsfähigkeit als auch des gehobenen Lebensstandards. Der gemauerte Kanal befand sich meist in einer Tiefe von ungefähr einem Meter und begann bei Nettersheim im Urfttal. Am Grünen Pütz nahm die Leitung das erste Wasser aus einer Quelle auf, überquerte südlich von Euskirchen die Erft und führte über Rheinbach, Brühl und Hürth nach Colonia Claudia Ara Agrippinensium, dem heutigen Köln. Bis zum Jahr 260 war die Eifelwasserleitung in Betrieb. Nachdem sie durch Germanen zerstört wurde, baute man sie nicht wieder auf.

Ein 115 Kilometer langer Wanderweg, den man auch auf dem Fahrrad abfahren kann, folgt dem Römerkanal von Nettersheim bis nach Köln. Auf ihm kann man die verschiedenen noch erhaltenen Relikte dieses Bauwerkes entdecken und bestaunen.








Bad Münstereifel

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eine andere mittelalterliche Stadt in Nordrhein-Westfalen blieb so unversehrt erhalten wie Bad Münstereifel. Innerhalb der vollständig erhaltenen Stadtmauer mit ihren vier wuchtigen Toren und ihren 18 Wehrtürmen findet sich ein historisches Ensemble mit schmucken Fachwerkhäusern und verträumten Gässchen. An der Erft, die mitten durch die Stadt fließt, finden sich zahlreiche Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen. Mehrere kleine reizvolle Museen laden zu einem Besuch ein. Als bedeutendstes Baudenkmal innerhalb der Stadtumwehrung gilt die ehemalige Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria. Die romanische Basilika wurde bereits im 11. Jahrhundert gebaut und fällt durch ihr prägnantes Westwerk auf. Die Stadt verdankt dem ehemaligen Benediktinerkloster ihren Namen. Hoch über dem Ort thront die weiß verputzte Burg Münstereifel aus dem 13. Jahrhundert. Sie diente einst den Grafen von Jülich als Residenz. Heute steht die gesamte mittelalterliche Stadtanlage unter Denkmalschutz.
In der Region um Bad Münstereifel finden sich noch heute Zeugnisse der römischen Besiedlung, wie der so genannte Heidentempel bei Pesch oder die römische Kalkbrennerei in Iverseheim.
Bad Münstereifel ist ein bedeutender Standort der Radioteleskopie. Auf dem Stockert nahm 1956 das erste frei bewegliche Radioteleskop Deutschlands ihren Betrieb auf und das Radioteleskop bei Effelsberg war bis zum Jahre 2000 das weltweit größte dieser Art. 1974 wurde Münstereifel ein staatlich anerkanntes Kneippheilbad und trägt seit dem den Namenszusatz ‚Bad’.

Sehenswertes:

Hoch über der mittelalterlichen Stadt thront die weiß verputzte Burg Münstereifel. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und diente als Residenz der Grafen von Jülich. Später war die Anlage Sitz der Amtsmänner und Vögte des Herzogs. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Höhenburg durch französische Soldaten in Brand gesetzt. So das von der einst stolzen Burganlage nur eine Ruine erhalten geblieben. Die Reste der einstigen Wehranlage wurden zu private Wohnungen und einem Restaurant umgebaut, in dem neben typischen Eifeler Gerichten auch selbstgebrautes Bier gereicht wird. Auf der Terrasse hat man einen wunderschönen Blick über die historische Altstadt.

Die Stadt Bad Münstereifel hat ihre mittelalterliche Bausubstanz noch vollständig erhalten und bietet daher mit ihrer 1,6 Kilometer langen Stadtmauer, ihren vier Stadttoren, der Burg und den vielen Fachwerkhäuschen, Gässchen und Brücken über die Erft ein einzigartiges historisches Ensemble. Der gesamte Ort innerhalb der im 13. und 14. Jahrhundert durch die Grafen von Jülich erbauten Stadtmauer steht unter Denkmalschutz. Von 18 Wehrtürmen aus wurde einst die mittelalterliche Stadt bewacht. Ein Teil des Wehrganges ist auch heute noch begehbar. An zwei Seiten ist auch der alte Wallgraben noch zu sehen, der zum Schutz kurzfristig mit Wasser gefüllt werden konnte.

Den Eingang in die Stadt markieren vier mächtige Stadttore. Das Werther Tor im Norden diente zwischenzeitlich als Gefängnis und beherbergt heute eine Ausstellung zum Thema Natur- und Umweltschutz. Im Osten befindet sich das Johannistor, das nach der in unmittelbarer Nähe liegenden Pfarrkirche St. Johann benannt wurde, im Süden das Orchheimer Tor und im Westen das Heisterbacher Tor. Alle Stadteingänge sind noch im originalen Zustand erhalten.

In den historischen Räumen der alten Schwanen-Apotheke in Bad Münstereifel wurde ein sehenswertes Museum eingerichtet. Die Apotheke hatte von 1806 bis 1994 existiert und ist eng mit der Person Franz Maria Ferdinand Stephinsky (1823-1917) verbunden. Der Apotheker Stephinsky leitete den Betrieb in den 1850er Jahren und verdiente sich später um die Stadt als Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister. Er war Mitbegründer des späteren Eifelvereins und des Vereins für Denkmalpflege. Weithin bekannt wurde auch der von ihm kreierte Stephinsky-Magenbitter. Im Jahre 1912 erhielt er das Ehrenbürgerrecht der Stadt Münstereifel. Eine Stube vor dem eigentlichen Apotheken-Museum erinnert an diese Persönlichkeit. Das Museum selber zeigt eine historische Apotheke mit Labor und Materialkammer, wie sie um das Jahr 1806 ausgesehen haben mag. Zu der Einrichtung gehört auch ein Kräutergarten mit einer Vielzahl von Naturkräutern und Heilpflanzen.

An der Straße ‚Langenhecke’ steht eines der ältesten Häuser des Rheinlandes. Es wurde im Jahre 1167 für einen Geistlichen erbaut und beherbergt das lokale Heimatmuseum. Die ständige Ausstellung zeigt geologische Funde sowie archäologische Ausgrabungsstücke aus der Stein- und Bronzezeit und historische Urkunden aus der Geschichte der Stadt Münstereifel. In dem historischen Gebäude sind noch ein mittelalterlicher Herdraum sowie die Hauskapelle mit barockem Altar erhalten. Die Einrichtung wurde nach Karl Hürten (1856 – 1925) benannt, der sich bereits 1912 für ein Heimatmuseum einsetzte. Umgesetzt wurde diese Idee allerdings erst über 60 Jahre später.

Das bedeutendste Bauwerk innerhalb der historischen Stadtumwehrung von Bad Münstereifel ist die ehemalige Stiftkirche St. Chrysanthus und Daria. Die dreischiffige romanische Basilika wurde im 11. Jahrhundert gebaut und geht auf ein Benediktinerkloster zurück, das im Jahre 830 gegründet wurde. Dieses Kloster (lat.: monasterium) war die Keimzelle des Ortes und ihm verdankt die Stadt auch ihren Namen. Bereits im 9. Jahrhundert wurde die Kirche zu einer Pilgerstätte, da hier die Reliquien der römischen Märtyrer Chrysanthus und Daria aufbewahrt wurden. Auffälligster Bauteil der dreischiffigen Basilika ist das Westwerk mit seinen beiden Türmen und dem großen Eingangsbogen, das sehr wahrscheinlich dem Kölner St. Pantaleon nachempfunden wurde. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster 1803 aufgelöst und verfiel in den folgenden Jahren sehr. Erst Ende des Jahrhunderts wurde die katholische Kirche restauriert und vollständig wiederhergestellt. Sie besitzt heute eine reichhaltige und historisch bedeutsame Inneneinrichtung. Zu ihr gehört der Hochaltar aus dem frühen 11. Jahrhundert, ein 1480 gestiftetes Sakramentshaus und ein kunstvoll gearbeitetes Sandsteingrabmal von 1340, welches für den Burgherren Gottfried von Bergheim gefertigt wurde.  Auf acht Gemälden, die aus dem 18. Jahrhundert stammen, wird das Leben der Kirchenpatrone dargestellt. Das reich verzierte Taufbecken aus schwarzem Marmor wurde 1619 gestiftet. Im Grabraum der Krypta finden sich ein Schreingehäuse aus gotischer Zeit sowie eine hölzerne Marienstandfigur aus dem 14. Jahrhundert.

Am Markt von Bad Münstereifel steht die Jesuitenkirche. Das einschiffige Gotteshaus wurde zwischen 1659 und 1668 durch Mitglieder des Jesuitenordens errichtet und war Teil der ebenfalls ab 1659 neu erbauten Jesuitenschule. Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahre 1773 wurde die Schule von der Stadt und zwischenzeitlich auch vom Land als St. Michael-Gymnasium weiter betrieben. Auch heute noch dient das historische Haus als Schulgebäude.

Der Bereich der Orchheimer Straße war einst ein gewerbereicher Bezirk, in dem viele Händler ihren Waren feil boten. Hier befindet sich heute eine Gruppe alter Fachwerkhäuser, von denen das größte und schönste besonders auffällt. Das so genannte Windeckhaus wurde zwischen 1644 und 1664 erbaut und besitzt  reiche und beeindruckende Schnitzereien sowie zwei hervortretende Hängestubenerker. Das historische Gebäude beherbergt heute ein gehobenes Restaurant.

In der Marktstrasse, gleich neben dem Rathaus von Bad Münstereifel befindet sich das einstige Kloster der Karmelitessen. Das Gebäude wurde 1770 erbaut und nach einem schweren Brandschaden 1881 wiederhergestellt. Heute beherbergt das alte Gebäude eine Grundschule sowie Teile der Stadtverwaltung.

Das repräsentative rot getünchte Gebäude mit seinem vornehmen Stufengiebel und dem kleinen Bogengang diente nicht immer als Ratsgebäude. Es wurde im 15. Jahrhundert als Gewandhaus für die Tuchhändler erbaut und zunächst als Verkaufsstätte und Lagerhalle genutzt, ehe es zum Rathaus umgebaut wurde. Im 19. Jahrhundert machte man das Bauwerk wiederum zum Lager einer Mälzerei. In den 1930er Jahren zogen Stadtverwaltung und Stadtrat zum zweiten Mal in das historische Gebäude ein.

Als äußeres Zeichen der städtischen Gerichtsbarkeit diente einst der Pranger, der sich heute wieder vor dem Bad Münstereifeler Rathaus befindet. An den hölzernen Schandpfahl wurden im Mittelalter die Verurteilten gefesselt, um sie öffentlich vorzuführen und dem allgemeinen Spott auszuliefern.

Iversheim liegt am Rande einer Eifelkalkmulde. Noch im 20. Jahrhundert wurde der zur Herstellung von Branntkalk notwendige Rohstoff Dolomit abgebaut. Doch schon in Römischer Zeit gab es hier eine Kalkbrennerei, in der sechs nebeneinander liegende Brennöfen betrieben wurden. Die Anlage war ungefähr von 150 n. Chr. bis 300 n. Chr. in Betrieb. Einer der Öfen wurde mit einer kompletten, noch nicht ausgeräumten Füllung vorgefunden. Dieser Umstand lässt vermuten, dass die Kalkbrennerei urplötzlich und fluchtartig verlassen worden ist.

Erst 1966 war man zufällig beim Bau einer Wasserleitung auf den historisch bedeutsamen Fund gestoßen. Über drei dieser antiken Öfen wurde ein Schutzbau errichtet, der besichtigt werden kann. Diese Öfen wurden in dem Zustand belassen, in dem sie gefunden wurden. Ein weiterer wurde rekonstruiert und ist außerhalb des Gebäudes frei zugänglich. In diesem Ofen wurden Brennversuche durchgeführt, die wichtige Erkenntnisse über die Kalkherstellung der Römer lieferten. Die beiden letzten Öfen wurden nach ihrer Dokumentierung wieder verschüttet.

Unweit der Landstraße zwischen Nöthen und Pesch befindet sich ein ehemaliger gallo-römischer Tempelbezirk mit einigen rekonstruierten Gebäuderesten. Die im Volksmund ‚Heidentempel’ genannte Anlage wurde im 1. bis 4. Jahrhundert nach Christus als Matronenheiligtum genutzt. Die Römer nannten ihre Göttinnen Matronen, was soviel wie weise, ehrwürdige Frauen bedeutete. Die Tempelruine wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und zwischen 1913 und 1918 archäologisch untersucht.

Der Michelsberg ist mit 588 Metern über NN der höchste Berg in Bad Münstereifel. Hier gab es bereits vor der Christianisierung heidnische Kultstätten der Kelten und Franken. Schon die Römer hatten den Berg als Aussichtspunkt genutzt und auch heute noch ist er bei Wanderern und Ausflüglern beliebt, denn bei guten Sichten kann man von hier aus sogar die Türme des Kölner Doms erspähen.

An jedem 29. September eines Jahres pilgern viele gläubige Katholiken auf der traditionellen Wallfahrt zur Kapelle auf dem Michelsberg. Ein Kreuzweg führt hinauf zu dem Gotteshaus, das sich auf dem Gipfel dieser Anhöhe befindet. Von der um 1500 erbauten spätgotischen Kapelle ist heute nur noch der Chorraum erhalten. Das Kirchenschiff und der Turm stammen aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert. Nach einem schweren Blitzschaden mussten in der Mitte des 19. Jahrhunderts wesentliche Teile der Kapelle neu aufgebaut werden.

Der massige dreigeschossige Wohnturm ist der älteste Teil der ehemaligen Wasserburg. Er wurde 1269 als freistehendes Bauwerk errichtet und ist noch im originalen Zustand erhalten. In seiner Konzeption ähnelt er sehr dem der Burg Kirspenich, die sich nur einen Kilometer entfernt befindet. Dem viereckigen Turm wurde 1699 ein Wohntrakt im barocken Stil vorgebaut. Die heute trockengelegten Gräben waren einst mit dem Wasser der unmittelbar vorbei fließenden Erft gefüllt. Der Fluss trieb auch die alte Mühle an, die damals noch zum Anwesen gehörte.

Die Wasserburg gehört zu den Anlagen des Zwei-Insel-Typs mit wasserumwehrter Haupt- und Vorburg. Heute wird allerdings nur noch die Vorburg von einem Wassergraben umgeben. Burg Kirspenich wurde Anfang des 14. Jahrhunderts zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Strategische Bedeutung erhielt die Wasserburg durch seine Lage an der damaligen Grenze zwischen dem Kurfürstentum Köln und der Grafschaft Jülich. Auffällig ist der massige, 28,5 Meter hohe, viereckige Turm, der sehr dem der nur wenig entfernten Burg Arloff ähnelt. Ursprünglich stand dieser Wohnturm frei, ehe im ausgehenden 17. Jahrhundert das neue barocke Schlossgebäude angebaut wurde. Die Burganlage befindet sich im Privatbesitz und wird häufig für Tagungen oder besondere Festlichkeiten genutzt.

Der Ort Rupperath ist bekannt für seine Handwebkunst. Das Robert-A. Esser-Handwebmuseum widmet sich der Geschichte dieser über Tausend Jahre alten Handwerkskunst. Die ausgestellten Spinnräder und Webstühle sind noch funktionsfähig und werden auch noch betrieben. In der angegliederten Handwebwerkstatt werden auch heute noch Webkunststücke gefertigt.

Die mittelalterliche Stadtumwehrung von Bad Münstereifel mit ihren vier wuchtigen Stadttoren und ihren Wachtürmen ist noch vollständig erhalten. Das im Norden der Stadt stehende Wehrter Tor wurde 1416 fertig gestellt. Zwischenzeitlich diente es im 19. Jahrhundert auch als städtisches Gefängnis. Inzwischen beherbergt das historische Gebäude eine interessante naturkundliche Ausstellung. Das Herzstück des Museums ist ein begehbares Diorama,  das die in der Region vorherrschenden Landschaftsformen mit ihrer vielfältigen Fauna und Flora zeigt.

In einem um 1780 erbauten Fachwerkhaus in der Altstadt von Bad Münstereifel befindet sich heute das Museum für Puppen und Spielzeug. Es präsentiert auf zwei Etagen, was die Eheleute Urbild in jahrelanger Sammelleidenschaft zusammengetragen haben. Hier findet man Puppen aus verschiedenen Epochen und Materialien, darunter Wachspuppen aus dem 18. Jahrhundert, Porzellan- und Celluloidpuppen, aber auch bezaubernde Puppenhäuser und andere Spielsachen.

Das reizvolle Holzspielzeugmuseum befindet sich in einem alten Fachwerkhaus in der historischen Altstadt von Bad Münstereifel. Hier wird die Ausstellung der Familie Kretzschmar gezeigt, die in jahrelanger Sammelleidenschaft Spielsachen aus Holz, vorwiegend aus dem Erzgebirge, zusammengetragen hat. Die Holzminiaturen stammen vornehmlich aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Hier finden sich die verschiedensten Figuren, Tiere, Fahrzeuge, Häuser, kunstvoll gestaltete Nussknacker und Räuchermännchen und Modelle ganzer Städte.

Bei Effelsberg, einem Ort im Ahrgebirge an der Grenze zu Rheinland-Pfalz, befindet sich ein riesiges Radioteleskop. Es wurde 1972 in Betrieb genommen und war mit seinem Durchmesser von 110 Metern bis zum Jahr 2000 das größte bewegliche Radioteleskop der Erde. Zu dem Großteleskop führt ein 770 Meter langer Planetenwanderweg. Schautafeln geben Informationen über die Gestirne unseres Sonnensystems und lassen die im Verhältnis stehenden Entfernungen zwischen den Planeten erfahren. Der Wanderweg endet an einem Sonnenmodell am Informationshäuschen der Teleskopanlage.

Der Stockert ist ein 435 Meter hoher Eifelberg bei Bad Münstereifel. Hier wurde 1956 das erste frei bewegliche Radioteleskop Deutschlands eingeweiht. Der Spiegel der Radiosternwarte besitzt einen Durchmesser von 25 Metern. Bis zum Jahr 1979 wurde die Anlage wissenschaftlich genutzt, danach diente sie bis 1993 nur noch zu Schulungszwecken. Nach einer umfassenden Sanierung kann der unter Denkmalschutz stehende Astropeiler wieder für astronomische Zwecke genutzt werden. Das Observatorium soll ein offener Lehr- und Lernort für alle an Astronomie, Physik, Technik und Naturwissenschaft Interessierten sein.






Euskirchen

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m südlichen Rheinland, in der Zülpicher Börde, liegt Euskirchen. Bereits 1302 erhielt der Ort das Stadtrecht verliehen. Teile der mittelalterlichen Stadtmauer und drei Wachtürme zeugen noch heute von diesem historischen Privileg. Seit 1827 ist Euskirchen, das man übrigens auf die erste Silbe betont, auch Kreisstadt. Die Gegend wurde allerdings bereits vor 5000 Jahren bewohnt. Durch Ausgrabungen konnte man keltische und fränkische Siedlungen aus vorchristlicher Zeit nachweisen. Auch eine Vielzahl römischer Hinterlassenschaften, wie die Eifelwasserleitung, wurden gefunden.
Euskirchen besitzt 22 Stadtteile. Jedes heute eingemeindetes Dorf besitzt seine eigene Geschichte. So befinden sich auf dem heutigen Stadtgebiet eine Vielzahl historischer Kirchen, die zum großen Teil noch aus dem Mittelalter stammen. Bedingt durch die frühere Grenzlage zwischen dem Herzogtum Jülich und dem Erzbistum Köln, sowie die Lage am Fluss Erft, gab es hier eine hohe Anzahl von Wasserburgen, von denen sich 12 in teils noch recht gut erhaltenem Zustand befinden.
Sehenswert ist die Kölner Straße mit ihrer Kunstmeile, auf der verschiedene Skulpturen und Plastiken im öffentlichen Raum zu sehen sind sowie das Industriemuseum ‚Tuchfabrik Müller’, das eine vollständig erhaltene Fabrikanlage aus der Zeit von um 1900 präsentiert.

Sehenswertes:

Als sichtbares äußeres Zeichen eines verliehenen Stadtrechtes diente im Mittelalter die Stadtumwehrung. Eine Stadtmauer durfte nur dann errichtet werden, wenn diese Rechte zuvor vom Landesherrn ausgesprochen wurden. So diente diese nicht nur dem Schutz vor Feinden, sie war auch ein besonderes Privileg.

Euskirchen, das seine Stadtrechte im Jahr 1302 erhielt, erbaute seine massive Stadtbefestigung ab 1355. Sie war etwa 1450 Meter lang und teilweise bis zu sieben Meter hoch. Vier wuchtigen Tore markierten die Eingänge in die Stadt, die von sieben Wehrtürmen bewacht wurde. Vor der Mauer wurde ein Wallgraben ausgehoben, der einen Angriff auf die Stadt noch erschweren sollte. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Franzosen im Jahre 1702 wurde die Wehranlage jedoch stark beschädigt und danach nicht wieder aufgebaut. Trotzdem sind bis heute noch Teile der alten Stadtmauer erhalten. Die Tore wurden aber inzwischen vollständig abgerissen. Die heutigen Wallstraßen markieren den alten Verlauf der Mauer, wo diese nicht mehr existiert. Von den einstigen Stadttürmen stehen noch drei. Der markanteste ist der Dicke Turm. Er ist der älteste der erhaltenen Türme und besitzt einen Durchmesser von 11,3 Metern. Seine Mauern sind mehr als 2,5 Meter stark.

Der Kahlenturm (auch Kallenturm genannt) erhielt seinen Namen aus dem Volksmund, da er lange Zeit kein Dach besaß. Dieses wurde ihm erst 1992 wieder aufgesetzt. Der runde Fresenturm im Süden Euskirchens steht in einer kleinen Parkanlage und wurde einst als Gefängnis genutzt.

Im Zentrum von Euskirchen steht die mächtige Martinskirche. Eine erste Kirche stand hier vermutlich bereits um 800. Im späten 12. Jahrhundert entstand ein neues Gotteshaus, von dem heute noch das Mittelschiff und das Untergeschoss des Turmes erhalten sind. Im 13. Jahrhundert wurde der Chor, im 14. Jahrhundert das Mittelschiff angefügt. Seit einem Erdbeben im Jahre 1951 steht die achtseitige schieferbedeckte Kirchturmspitze leicht schief. Zur Inneneinrichtung der katholischen Pfarrkirche gehören ein Schnitzaltar aus Flandern, ein Sakramenthäuschen (15. Jhd.), ein Renaissanceepitaph (16. Jhd.) und ein verzierter Taufstein (12. Jhd.)

Im einzigen privaten Feuerwehrmuseum Deutschlands wird die Sammlung von Franz Büllesfeld gezeigt. Jahrelang hatte er alte Spritzenwagen, verschiedenste Löschgeräte, Ausrüstungsgegenstände, Uniformen und Feuerwehrhelme zusammengetragen. Das älteste Exponat ist ein lederner Löscheimer aus dem Jahre 1745. Die Ausstellung kann man allerdings nur im Rahmen einer angemeldeten Führung bestaunen.

In einem alten Fabrikgebäudekomplex befindet sich ein außergewöhnliches Museum, das den Betrieb einer alten Tuchfabrik nachvollziehen lässt. Die ältesten Gebäude stammen aus dem Jahre 1801 und beherbergten zunächst eine Papierfabrik. Erst 1894 wurde die Fabrik durch Ludwig Müller erworben, der in den Hallen eine Tuchfabrik einrichtete. Hier entstanden bis zur Schließung im Jahre 1961 robuste Wolltuche und Uniformen. Eine Modernisierung des Betriebes fand kaum statt, so dass der überwiegende Teil der Maschinen noch aus der Anfangszeit der Fabrik um 1900 stammt und bis zuletzt mit Dampf betrieben wurde. Dieser Umstand kommt den heutigen Museum zugute, denn auch nach der Schließung der Fabrik wurde hier nichts mehr verändert. Die historischen Maschinen wurden wieder instand gesetzt und der Besucher kann anhand der laufenden Geräte die Produktion vom Wollfaden bis zum fertigen Tuch nachvollziehen. Die Maschinenvorführungen werden ergänzt durch eine Dauerausstellung, die sich mit der Geschichte der Tuchindustrie im Rheinland und der Geschichte der Fabrikantenfamilie Müller beschäftigt. In einem Neubau wird die Ausstellung ‚Vom Rohstoff zur Kleidung’ mit vielen verschiedenen textilen Beispielen präsentiert.

Während die historische Tuchfabrik nur im Rahmen einer regelmäßig stattfindenden Führung besichtigt werden kann, sind die ständigen Ausstellungen, das alte Kontor und das Farb- und Tuchlager frei zugänglich.

Das Museum besitzt auch eine eigene Verleihstation für Fahrräder.

Zwischen dem Alten Markt und der Martinskirche steht das ehemalige Rathaus der Stadt Euskirchen. In seiner Geschichte wurde es zweimal durch Brände weitgehend zerstört, aber jeweils wieder im Stil der Zeit wiederaufgebaut. Im Kern stammt das Gebäude wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert. Das heutige Bauwerk mit seinem Bogengang wurde Mitte des 18. Jahrhundert errichtet, wobei der markante wuchtige Turm erst um 1900 entstand. Bis in die 1970er Jahre diente das Alte Rathaus noch als Verwaltungsgebäude, heute beherbergt es das Bürgerbüro und die Volkshochschule.

Das Stadtmuseum macht die kulturelle und historische Heimatgeschichte Euskirchens erfahrbar. In der ständigen Ausstellung werden unter anderem Motorräder der Neander Fahrzeug GmbH aus den 1920er Jahren und die geistige Schatzkammer der St. Martin Pfarrei gezeigt. Daneben runden wechselnde Ausstellungen die Präsentation ab.

Ende 2010 wurde das Museum an der Kirchstraße 12 geschlossen. Es soll seinen neuen Standort im neu errichteten Kulturhof in der Wilhelmstraße finden. Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest.

Seit vielen Jahren wird in Euskirchen das Thema ‚Kunst im öffentlichen Raum’ groß geschrieben. An vielen Orten der Innenstadt findet man Skulpturen und Plastiken. Nachdem man die Kölner Straße am Rande der Fußgängerzone umgestaltet hatte, richtete man dort im Jahre 2008 die Kunstmeile ein, auf der elf Werke international renommierter Künstler zu bestaunen sind.

Ein großer Weiher vor dem Anwesen erinnert daran, dass es sich beim Schloss Flamersheim um eine ehemalige Wasserburganlage handelt. Das heutige barocke Landschloss wurde 1776 inmitten eines weiten Schlossparks erbaut und um 1860 im frühviktorianischen Stil umgestaltet. Die fünfachsige Front des zweigeschossigen Herrenhauses wird von zwei Ecktürmen flankiert. Die beiden vorgelagerten Gebäude der Vorburg rahmen den Schlossplatz ein.

Burg Flamerheim wurde bereits 1358 erstmals urkundlich erwähnt. Das Anwesen beherbergt heute ein gehobenes Restaurant.

Schloss Flamersheim ist eine zweiteilige Wasserburganlage. Das zweigeschossige Herrenhaus ist gegliedert in 5 Achsen und wird flankiert von zwei Ecktürmen. Die in der 2. Hälfte des 18. Jhd. erbaute Anlage mit älterem Kern besitzt eine Vorhalle und ein Mansarddach. Um 1860 wurde das Schloss im Stil frühviktorianischer Schlossbauten neugestaltet.

Von den vielen Umbauten Ihrer langen Geschichte lässt die weiträumige Schlossanlage auf den ersten Blick nichts erkennen. Unmittelbar an den Dorfplatz und die Kirche schließt sich der große Schlosspark an, der nach Norden und Westen von einer hohen Mauer mit schmiedeeisernen Toren umgeben ist und mit seinen dendralogischen Seltenheiten und geschwungenen Teichen ein klassischer Vertreter der romantischen Landschaftsparks zu sein scheint.

Von der einstigen Wasserburg Großbüllesheim sind nur noch Reste erhalten. Der Torturm mit seinem Rundbogenportal stammt aber noch aus dem 16. Jahrhundert. An ihn schließt sich ein Wohnhaus der Vorburg an.

Erstmals erwähnt wurde das Anwesen bereits im Jahre 1402. Es war als Rittersitz landtagsfähig und blieb bis in das 19. Jahrhundert hinein Lehen des Herzogs von Jülich. Danach verfiel das Herrenhaus zusehends und wurde schließlich abgetragen. Auch die Wassergräben der einst stolzen Burg wurden zugeschüttet. Der Besitz wurde geteilt und heute befinden sich auf dem ehemaligen Anwesen zwei voneinander unabhängige landwirtschaftliche Betriebe, die durch eine mitten durch die Vorburg verlaufende Mauer getrennt sind.

Im idyllischen Hardtwald bei Kreuzweingarten steht die Ruine der Hardtburg. Obwohl sie sich auf einer Höhe von 250 Metern befindet, handelt es sich bei ihr um eine Wasserburg. Eine erste Wehranlage entstand wohl im 11. Jahrhundert. Diese wurde aber zerstört und bald danach wiederaufgebaut. Der heutige Umfang der Hardtburg zeugt in ihren Ausmaßen von der Größe im 14. Jahrhundert, denn die mittelalterliche Burganlage mit ihrem viereckigen Bergfried, den Ringmauern und der Vorburg wurde im Aufbau nicht mehr verändert. Das Anwesen diente als Sitz eines kurkölnischen Amtmannes, wurde aber wegen seiner Lage selten als Wohnsitz genutzt. So verfiel die Oberburg immer mehr zur Ruine. Die Vorburg dagegen blieb gut erhalten, da sie weiter als Gehöft genutzt wurde. Seit 1815 befindet sie sich im Landesbesitz und beherbergt das staatliche Forstamt.

Die rot getünchte Kessenicher Burg wurde 1339 erstmals urkundlich erwähnt. Nach größeren Umbauarbeiten im 16. und 17. Jahrhundert erhielt sie ihr heutiges Aussehen. Der Wassergraben, der einst die Vorburg von dem Herrenhaus trennte, wurde inzwischen zugeschüttet. Noch heute befindet sich die Niederungsburg im privaten Besitz.

Die Kleeburg bei Weidesheim ist eine Wasserburg des Zwei-Insel-Typs mit einer weitläufigen dreiflügligen Vorburg und einem eher klein wirkenden Herrenhaus. Das Anwesen war ein landtagsfähiges Rittergut mit dazugehöriger Wassermühle. Eine erste Burg wurde bereits im 14. Jahrhundert auf einer Motte errichtet. Das heutige Herrenhaus wurde 1747 fertig gestellt. Teile der großen Vorburg, wie die beiden Rundtürme und die bruchsteinerne Wehrmauer stammen noch aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Nachdem die Kleeburg im Jahre 1894 durch einen Brand stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, wurden wesentliche Teile der Vorburg, wie die Scheune und das Fachwerkgebäude, neu aufgebaut. Heute wird die Anlage gewerblich genutzt.

Bei der ‚Große Burg’ genannten Anlage in Kleinbüllersheim handelt es sich um eine barocke Schlossanlage, deren zweigeschossiges Herrenhaus vom berühmten westfälischen Baumeister Johann Conrad Schlaun erbaut wurde. Der mittelalterliche Vorgängerbau war zuvor im Jahre 1728 abgerissen worden. Im Südwesten des Herrenhauses schließt sich eine große Vorburg an, zu der man über ein gotisches Torhaus gelangt. Auf ihr befinden sich die Wirtschaftsgebäude. Nach einem Brand im Jahre 1756 wurde sie weitgehend neu aufgebaut.

Die ländliche Burganlage entstand im 11. Jahrhundert als Wasserburg der reichsunmittelbaren Abtei Kornelimünster und blieb bis zur Sekularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts im kirchlichen Besitz. Der Wehrturm aus dem 12. Jahrhundert ist das älteste erhaltene Bauteil des Anwesens. Die aus Bruchstein bestehende Hauptburg wurde winkelförmig angelegt und im 18. Jahrhundert durch die Propstei ergänzt. Seit dieser Zeit wurde die aus Vor- und Hauptburg bestehende Anlage nicht mehr wesentlich verändert.

Inmitten von flachen Feldern und weithin sichtbar erhebt sich bei Flamersheim ein stolzes Schloss aus der Landschaft. Das einst dazugehörige Dorf ging schon im 17. Jahrhundert unter und die Wasserburganlage blieb alleine stehen. Der Rittersitz wurde erstmals im Jahre 1249 urkundlich erwähnt. Damals war es ein kurkölnisches Lehen. Seine Geschichte ist geprägt von vielen Besitzerwechseln. Das prächtige barocke Herrenhaus stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und wurde auf die Reste des alten Mauerwerkes aus dem 13. Jahrhundert aufgesetzt. Der zweigeschossige Mittelflügel wird von zwei Ecktürmen flankiert, die jeweils von einer markanten Schieferhaube bekrönt werden. Zu der Burganlage gehören zwei Vorburgen. Die innere Vorburg wurde im 19. Jahrhundert neu aufgebaut. Von den Gebäuden der äußeren Vorburg sind nur noch Mauerreste erhalten.

Das Schloss wird privat bewohnt und ist daher nur von außen einzusehen.

Über die Geschichte von Burg Schweinheim ist recht wenig bekannt. Sie wurde erstmals im Jahre 1333 in einem alten Dokument erwähnt. Damals war es ein Lehen des Herzogtums Jülich. Von der ehemaligen zweiteiligen Wasserburg sind nur noch Teile der Vorburg und ein Eckturm erhalten. Der Rest wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen. Heute wird der ehemalige Rittersitz landwirtschaftlich genutzt.

Die größte und ehemals mächtigste Burganlage in der Euskirchener Region ist die Burg Veynau bei Wißkirchen. Das Anwesen im Veybachtal wurde um 1340 erbaut und hat seinen mittelalterlichen Baubestand im Wesentlichen erhalten, obwohl es mehrfach in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt war. So wurde die Wasserburg im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt und 1708 durch die Franzosen niedergebrannt, unmittelbar danach aber gleich wieder aufgebaut.

Die Hauptburg besteht aus einem eindrucksvollen zweigeschossige Palais aus Bruchstein, der von je einem eckigen und einem runden Turm flankiert wird. Auf der inneren Vorburg stehen noch zwei runde Schalentürme und die Gebäude der äußeren Vorburg wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Burg Veynau ist nur von außen zu besichtigen, dennoch aber gut einsehbar. Auffällig ist dabei der Kontrast zwischen bereits verfallenen und ruinösen sowie den sanierten und bewohnten Burgelementen.

Auf dem Gelände des Industriemuseums ‚Tuchfabrik Müller’ befinden sich die Reste einer mittelalterlichen Burganlage. Man vermutet, dass es an dieser Stelle bereits im 11. oder 12. Jahrhundert eine Turmhügelburg aus Holz auf einer aufgeschütteten Motte gegeben haben könnte. Eine erste schriftliche Erwähnung findet sich im Jahre 1259. Von der zweiteiligen Wasserburg sind heute nur noch ein Rundturm aus dem 14. Jahrhundert, einige Mauerreste, ein Brückenfundament und der Burggraben erhalten. Der übrige Rest wurde Mitte des 19. Jahrhunderts abgetragen, als das Anwesen als Produktionsstätte einer Tuchfabrik diente und die historischen Häuser anderen Gebäuden weichen mussten. Erst im Jahre 2002 wurde der dreigeschossige Turm unter Denkmalschutz gestellt.

Dort, wo früher ein Wassergraben Vor- und Hauptburg der Unteren Burg Kuchenheim voneinander trennte, führt heute eine Straße mitten durch das ehemalige Anwesen am Erftmühlenbach. So befinden sich die Reste der 1482 erstmals erwähnten Wasserburg auf zwei gegenüber liegenden Straßenseiten. Auf der einen Seite befindet sich der Südflügel der Vorburg und das 1573 erbaute Torhaus, auf der anderen Seite das aus Bruchstein errichtete ehemalige Herrenhaus.

Bei der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus fällt auf, dass die Bauteile augenscheinlich aus zeitlich weit auseinander liegenden Epochen stammen. Während der romanische Westturm noch aus dem Mittelalter stammt, errichtete man das klassizistische Langhaus erst im 18. Jahrhundert. Das neugotische Querhaus schließlich wurde sogar erst im frühen 20. Jahrhundert angefügt.

Die Geschichte des Gotteshauses wurde lange durch die Grenzlage Kuchenheims bestimmt, denn der Ort entwickelte sich aus zwei zuvor getrennten Siedelungen. Das eine Dorf gehörte zum Herzogtum Jülich, das andere zum Erzbistum Köln. So entstanden bereits im Mittelalter zwei Kirchen: St. Lambertus und St. Nikolaus. Die zum Kölner Gebiet gehörende St. Nikolauskirche war 1798 nieder gebrannt. Nur der romanische Westturm blieb nahezu unversehrt erhalten. Erst in den Jahren 1815 bis 1822 kam es zum Wiederaufbau im klassizistischen Stil. Zwischenzeitlich wurden die Gottesdienste in der benachbarten St. Lambertuskirche abgehalten. Aber auch sie war zu diesem Zeitpunkt stark baufällig. Als St. Nikolaus schließlich fertig gestellt war, wurde St. Lambertus abgetragen. Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt St. Nikolaus, als Anfang des 20. Jahrhundert das neugotische Querhaus angebaut wurde. Das Interieur stammt überwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Wann die mittelalterliche Kapelle erbaut wurde, ist nicht mehr genau bekannt. Man vermutet, dass sie wohl aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stammt. Der dreischiffige verputzte Bruchsteinbau besitzt einen achtseitigen schiefergedeckten Kirchturm. Im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes haben sich einige Fresken aus gotischer Zeit erhalten.

Die gotische Kapelle in Schweinheim entstand im 15. Jahrhundert. Man vermutet aber, dass es bereits vorher einen romanischen Vorgängerbau gegeben hat, auf dessen Fundamenten das heutige Gebäude steht. Das katholische Gotteshaus ist ein weißverputzter Saalbau aus Bruchstein, an den im 18. Jahrhundert noch eine Sakristei angebaut wurde. Bei Renovierungsarbeiten konnte man einige Fresken aus spätgotischer Zeit freilegen. Der Altar, der die heilige Dreifaltigkeit bildlich darstellt, stammt aus der Zeit des Barock.

In Elsig steht eine katholische Kirche mit dem ungewöhnlichen Namen ‚Kreuzauffindung’. Diese Bezeichnung geht auf eine Legende zurück, nach der die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, die hl. Helena, das Kreuz Christi wieder auffand. Die Pfarrkirche stammt im Kern wahrscheinlich aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, wurde aber im 14. und 15. Jahrhundert im gotischen Stil weitgehend umgestaltet. Der Westturm wurde dagegen erst 1868 erbaut. Das heutige Gotteshaus präsentiert sich als dreischiffige Hallenkirche mit einem von drei Seiten geschlossenem Chor. Als bedeutendster Einrichtungsgegenstand gilt der nördliche Seitenaltar, der auf die Zeit um 1485 datiert wird. Bei Renovierungsarbeiten in den 1950er Jahren legte man gotische Gewölbemalereien frei, die aus dem 14. bis 16. Jahrhundert stammen.

Die katholische Pfarrkirche St. Georg in Frauenberg wurde bereits im 10. Jahrhundert im romanischen Stil errichtet, in den folgenden Jahrhunderten aber mehrfach umgebaut, was auch der Grund für ihr heutiges asymmetrisches Erscheinungsbild ist. Aus der ersten Bauphase ist noch das Mittelschiff erhalten, um 1100 wurde das südliche Seitenschiff angebaut. Ungefähr hundert Jahre später folgte ein nördliches Seitenschiff, das aber im 15. Jahrhundert durch ein neues im gotischen Stil ersetzt wurde und das das heutige Hauptschiff darstellt. In der Zeit um 1230 wurde ein neuer Chor erbaut. Einige Fresken aus neugotischer Zeit haben sich noch erhalten. Der bedeutendste Einrichtungsgegenstand ist ein gemalter Flügelaltar, dessen Entstehung auf das Jahr 1480 geschätzt wird. Erwähnenswert sind noch ein in originaler Farbfassung erhaltenes hölzernes Kruzifix (um 1160), eine Madonnenfigur (14. Jhd.) und eine hölzerne Statue des Bischofs Anno (15.Jhd.). Die Orgel stammt vom Orgelbauer Johann Heinrich Brinkmann und wurde 1843 aufgestellt.

Der genaue Name der Kreuzweingartener Kirche lautet eigentlich ‚Auffindung des Hl. Kreuzes’. Das katholische Gotteshaus steht auf einem kleinen Hügel, der wohl bereits zu römischer und fränkischer Zeit als Kultstätte diente. Die ältesten Teile der heutigen zweischiffigen Saalkirche stammen wohl noch aus dem 13. Jahrhundert. Der Chor und der Westturm mit seiner achtseitigen Schieferpyramide wurden im 14. Jahrhundert hinzugefügt. Bei Umbauarbeiten im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Erscheinungsbild des Kirchengebäudes erheblich verändert. Dabei entstand das neue nördliche Seitenschiff und auch das Langhaus wurde weitgehend umgestaltet.

In Wißkirchen, einem Stadtteil von Euskirchen, steht die alte katholische Pfarrkirche St. Medardus. Vermutungen zufolge wurde hier bereits Mitte des 6. Jahrhunderts ein erstes Gotteshaus errichtet. Der heutige Bau stammt noch aus dem 11. Jahrhundert und wurde ursprünglich als Saalkirche im romanischen Baustil errichtet.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich allerdings das Erscheinungsbild der unter Denkmalschutz stehenden Kirche erheblich geändert. So entstand im frühen 16. Jahrhundert der Chor und im 18. Jahrhundert das heutige Langhaus. Der Westturm wurde erst 1880 im neoromanischen Stil fertig gestellt.







Weilerswist

I
nmitten der fruchtbaren Bördelandschaft um die Flüsse Erft und Swist liegt die Gemeinde Weilerswist. Der Ortsname leitet sich von ‚Weiler an der Swist’ ab. Bereits in der Steinzeit war diese Gegend besiedelt. Auch Kelten, Römer und Franken hinterließen ihre Spuren. So wurden bei archäologischen Grabungen Reste eines großen Matronentempels aus der Römerzeit freigelegt. Im Zuge der regionalen Neugliederung im Jahre 1969 wurden die zuvor selbstständigen Gemeinden Lommersum, Metternich, Müggenhausen, Vernich und Weilerswist zur heutigen Gesamtgemeinde zusammengefasst. Wahrzeichen ist der romanische Swister Turm auf dem Swister Berg, der auch das Wappen des Ortes ziert. Daneben sind insbesondere die Wasserburgen Kühlseggen, Bodenheim und Metternich sehenswert.

Sehenswertes:

Das Wahrzeichen der Gemeinde Weilerswist ist der Swister Turm. Er gehörte einst zur Pfarrkirche des lange untergegangenen Dorfes Swist. Die Kirche wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut. Archäologische Fundstücke stützen die Vermutung, dass sich hier bereits zuvor eine römische Kultstelle befunden hatte. Im 16. und 17. Jahrhundert war die Kirche ein beliebtes Wallfahrtziel. Danach aber verfiel das Gotteshaus. Im Jahre 1830 wurde es schließlich bis auf den Turm abgetragen. Dieser wurde wenig später umfassend saniert. Im Inneren richtete man einen Betraum ein, so dass das romanische Bauwerk auch heute noch im kirchlichen Sinne genutzt wird.

Um die imposante und hoch aufragende Burg Kühlseggen bei Weilerswist führt ein kleiner Rundweg, der einen guten Überblick auf den immer noch bewohnten Adelssitz ermöglicht. Die zweistöckige Hauptburg und der Eckturm stammen noch aus dem Mittelalter. Die restlichen Burgteile sind jüngeren Datums, da die Anlage immer wieder stark verfiel und danach wieder neu aufgebaut werden musste. Ursprünglich befand sich die Wasserburg, die vermutlich aus dem 14. Jahrhunde