Von Bonn nach Berlin – der Radweg Deutsche Einheit

Von Bonn nach Berlin – der Radweg Deutsche Einheit

An dieser Stelle möchten wir einen noch sehr jungen Radfernweg vorstellen, der seinem Namen alle Ehre macht, denn er besitzt eine Länge von über 1000 km besitzt und sich einmal quer durch die Bundesrepublik zieht: der Radweg Deutsche Einheit – ein Prestigeprojekt des Bundesministeriums für Verkehr.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus Deutschland ein geteiltes Land. 40 Jahre lang gingen die Bundesrepublik und die DDR getrennte Wege. Getrennt im politischen und gesellschaftlichen System, getrennt durch den Eisernen Vorhang, der sich mit Stacheldraht, Wachtürmen, Selbstschussanlagen und dem Todesstreifen einmal längs durch das Land zog – von der Ostsee bis zur tschechoslowakischen Grenze. Nirgendwo aber war die deutsche Teilung so unmittelbar spür- und erlebbar wie in Berlin, die damalige Enklave in der DDR, durch deren Stadtgebiet eine kaum zu überwindende Mauer gezogen wurde – Sinnbild der Menschenverachtung und der Machtdemonstration dem Klassenfeind gegenüber. Während die DDR ihre Regierung in Ost-Berlin installierte, musste sich der Westen eine neue Hauptstadt suchen, und fand sie im rheinischen Bonn. Nach der friedlichen Revolution in der DDR kam es zum Zusammenbruch des kommunistischen Staates und zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990. Seither wird der 3. Oktober als Nationalfeiertag, als ‚Tag der Deutschen Einheit‘ gefeiert. Das ist inzwischen lange her und die alten Wunden sind verheilt. Pessimisten, für die ein jedes Glas halbleer ist, betonen zwar, dass tiefe Narben bis heute zurückblieben, doch die Bundesregierung beschreibt die Einheit – mit einigem Recht – eine Erfolgsgeschichte. Um diese zu dokumentieren, wurde im Jahr 2016 durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur der fast 1100 km lange ‚Radweg Deutsche Einheit‘ geschaffen. Er soll sowohl die Wiedervereinigung als auch das Zusammenwachsen der deutsch-deutschen Infrastruktur symbolisieren und führt an mehr als 100 historischen Orten vorbei, an denen man die deutsche Einheit und das Zusammenwachen des deutschen Volkes erleben kann. Und das gemeinsam mit den fortschrittlichen Innovationen unserer modernen Zeit, wie aktuelle Routenplanungen, Navigations-Aps, Radstätten mit WLAN und E-Bike-Ladestationen – mit dem Rad in die Zukunft, mit Hightech auf den Sattel! Ein Wiederspruch? Nicht unbedingt, denn der Radfernweg soll als zukunftsorientierter Beitrag für die Infrastruktur von morgen begriffen werden – er soll neue Standards für das neuartige Radwandern setzen. Und er soll den Entwicklungsprozess sowie den Stand der Deutschen Einheit veranschaulichen.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat auch heute noch zwei verschiedene Sitze. Und so führt der Radweg Deutsche Einheit vom Dienstgebäude am Robert-Schumann-Platz in Bonn bis zum Hauptsitz in der Berliner Invalidenstraße nahe des Brandenburger Tores. Dabei werden die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und schließlich Berlin durchfahren. Stationen unterwegs sind Koblenz, Limburg an der Lahn, Gießen, Marburg, Bad Hersfeld, Kassel, Einbeck, Goslar am Harz, Bernburg, Dessau, die Lutherstadt Wittenberg, Bad Belzig und Potsdam. Zahlreiche kulturelle Highlights und vielfältige Landschaften warten auf den Radtouristen, ehe mit der Durchfahrt des Brandenburger Tores, das Symbol der Deutschen Einheit, das Finale eingeläutet wird.

Für den Radweg Deutsche Einheit wurden überwiegend die Trassen bereits bestehender Radfernwege genutzt, sodass kaum neue Radwege gebaut werden mussten. Die Routenbeschilderung zeigt das Vorderteil eines weißen Fahrrades auf hellblauem Grund mit den Landesfarben schwarz-rot-gold (gelb) als gekrümmte Linien innerhalb des Rades, die die Bewegung symbolisieren sollen.

Da der Radweg Deutsche Einheit vornehmlich auf die Infrastruktur bereits bestehender Radfernwege zurückgreift, sind sowohl die Befahrbarkeit der Radwege als auch die Streckenauswahl vorbildlich. Es gibt immer wieder auch hüglige Passagen, insgesamt müssen in beiden Richtungen rund 7100 Höhenmeter erklettert werden, die sich allerdings auch auf die lange Strecke von insgesamt 1100 Kilometer verteilen.

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