
Der Berg hört nicht auf!
Der Beginn einer neuen Tour: mit dem ‚Lieblichen Taubertal‘ habe ich mir einen Radwander-Klassiker vorgenommen. Ich startete in Wertheim und folgte zunächst dem wunderschönen Main nach Westen. Die Sonne lachte, mein Drahtesel rollte leicht durch die idyllische, grüne Berglandschaft – es ging mir gut. Der ‚Sportive‘ sollte zum Teil hüglig sein, aber das schreckte mich nicht. Gerade in der letzten Zeit war ich einige bergige Abschnitte gefahren.
In Freudenberg stärkte ich mich noch einmal, bevor ich den Main verließ und die Ausläufer des Odenwaldes anging. Noch im Ort ging die Steigung los – oha! Mit Gepäck schon recht anspruchsvoll! Egal, das schaff ich schon, so schlimm kann’s ja nicht sein. Weiter ging es auf einem unbefestigten Pfad in einen Wald – und der Berg hört nicht auf. Gut, damit habe ich gerechnet: weiter! Es wurde steiler, aber auch das gehört zum Radwandern dazu. Anderen Radfahren bin ich seit dem Ort nicht mehr begegnet, anders als am Main. Nur zwei verzweifelt nach dem Weg suchende Wanderer fragten mich nach dem ‚D2-Weg‘. Eine willkommene Pause! Aber helfen konnte ich Ihnen nicht. Meter um Meter kämpfte ich mich weiter, aber der Berg hörte nicht auf! Der Durst lässt mich zur Wasserflasche greifen – und weiter und weiter. Hinter der nächsten Kurve muss es doch einmal abflachen, ganz bestimmt tut es das! Aber nein, es wurde noch steiler – und der Berg hörte einfach nicht auf! Schieben? Nein, das lässt mein Stolz nicht zu, also weiter, Tritt für Tritt! Meter für Meter, kleinen Ästen ausweichend auf dem langen Weg nach oben. Mehrfach versuche ich, den Gang herunter zu schalten. Aber ich habe den niedrigsten Gang schon längst erreicht – noch weiter herunter schalten geht nicht. Diese drückende Schwüle! Und diese unerträgliche Hitze! Ich schaue auf das Thermometer. Gerade einmal 23°C – naja, die Temperatur kann da wohl nicht als Ausrede gelten. Ich entledige mich meines Hemdes. Das T-Shirt ist nass geschwitzt. Der Berg hört immer noch nicht auf! Reiß dich zusammen und kämpfe! Ich denke an Radprofi Udo Bölts und seinen gut gemeinten Motivationsspruch, als er seinen Teamkollegen Jan Ullrich auf der Tour de France in den Vogesen anspornen wollte: „Quäl‘ dich, du Sau!“ Und mir gingen noch ganz andere verbale Entgleisungen durch den Kopf, die ich an dieser Stelle nicht wiederholen möchte. Also: für Familien mit Kindern ist diese Strecke nix!! Hätte ich doch eine Pedelec – diese verdammte Schotterpiste! Meinen Lammspieß aus Freudenberg hatte ich inzwischen abgearbeitet – so viel ist sicher! Also weiter, vorwärts, höher!
Endlich eine Lichtung und ein altes Gehöft, der Dürrhof – geschafft!!! Geht doch! Und oben werde ich mit einem prachtvollen Weitblick über die hüglige Landschaft belohnt.
Nach diesem schier endlos wirkenden Berganstieg schaue ich auf meinen Kilometerzähler: gerade mal 5 Kilometer – knapp! Na, ganz toll…