Brühl


Brühl

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ie im Mittelalter noch ‚Brogolio’ genannte Stadt Brühl liegt in der Kölner Bucht am Rande des rheinischen Vorgebirges. Seit dem Mittelalter kam ihr eine größere politische Rolle zu, denn die kurkölnischen Erzbischöfe hielten sich hier häufig auf. Die Landesfürsten waren mit der Stadt Köln selber lange Zeit verfeindet. So wurde Brühl, das 1285 die Stadtrechte erhielt, 1469 offiziell zur Landeshauptstadt von Kurköln ernannt und infolge dessen besonders stark befestigt. Leider wurde die Stadt durch ein verheerendes Feuer im Jahre 1530 fast vollständig vernichtet. Kurz darauf wechselte der Hauptstadtsitz nach Bonn. Brühl blieb aber Sommerresidenz der Kölner Erzbischöfe. So entstand im 18. Jahrhundert auf Initiative von Kurfürst Clemens August die prunkvolle Doppelschlossanlage Augustusburg und Falkenlust mit ihrem wunderschönen französischem Garten und dem weitläufigen englischen Park. Das gesamte Areal wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.
Im Mittelalter gab es in der Stadt eine Vielzahl von Töpferwerkstätten. Die Erzeugnisse verhalfen der rheinische Töpferkunst zu überregionaler Bedeutung. Diese Tradition wird im BrühlerKeramikMuseum auf der Museumsinsel, zu der auch das Museum für Alltagsgeschichte gehört, dokumentiert. Das Max-Ernst-Museum ist einem der größten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts gewidmet. Der in Brühl geborene Weltbürger war Mitbegründer des Dadaismus und des Surrealismus. Zu den Hauptanziehungspunkten der Stadt zählt neben den Brühler Schlössern vor allem das Fantasialand, das zu den größten und beliebtesten Freizeitparks Europas gehört.
In Brühl begann der großflächige Braunkohleabbau im rheinischen Revier. Nach dem Ende des Tagesabbaus wurden die Gebiete im Westen der Stadt renaturiert. Heute dient diese unberührt erscheinende Wald- und Seenlandschaft der Naherholung.

Sehenswertes:

Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust mit ihrer weitläufigen Garten- und Parkanlage gehören zu den schönsten und bedeutendsten Schlossbauten sowie zu den herausragendsten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Seit 1984 sind die Brühler Schlösser UNESCO-Weltkulturerbe. Das dreiflüglige Schloss Augustusburg gilt als eines der großartigsten Bauwerke des Barock und Rokoko. Kurfürst Clemens August ließ das Prunkhaus durch den berühmten westfälischen Baumeister Johann Conrad Schlaun ab 1725 errichten. Zuvor hatte hier seit dem 13. Jahrhundert eine Wasserburg gestanden, die 1689 durch die Franzosen vernichtet wurde. Auf den Ruinen dieser Burg entstand nun das neue Prachtschloss. Es war als reine Sommerresidenz geplant. Kurfürst Clemens August bewohnte es nur wenige Wochen im Jahr. Namhafte Künstler sorgten bis 1768 für die Ausgestaltung das Brühler Schlosses mit Gemälden, Plastiken und architektonischen Elementen. Das von Balthasar Neumann geschaffene Treppenhaus gilt als eines der Hauptwerke des deutschen Rokoko.

Die ausgedehnte barocke Gartenanlage wurde durch Dominique Girard ab 1728 im französischen Stil erschaffen und blieb bis heute in der Grundstruktur erhalten.  Jenseits des Gartens in Richtung des Schlosses Falkenlust schließt sich ein englischer Park an, der vom berühmten preußischen Landschaftsplaner Peter Joseph Lenné um 1840 angelegt worden ist. Die Schlösser befinden sich im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen und sind als Museum öffentlich zugänglich. Garten- und Parkanlage können frei betreten werden.

Vom Schloss Augustusburg durch einen wunderschönen englischen Landschaftspark getrennt, steht das Jagdschloss Falkenlust. Es wurde zwischen 1729 und 1737 erbaut und zählt zu den Hauptwerken des deutschen Rokoko. Kurfürst Clemens August liebte die Falkenjagd und nutzte das Schloss als Ausgangspunkt für seine Leidenschaft. In dem kostbar ausgestatteten Prachtbau fanden nach der Jagd auch die üblichen ausgiebigen Feierlichkeiten statt. Schloss Falkenlust ist heute der Öffentlichkeit als Museum zugänglich.

In einem Nebengebäude wird eine Ausstellung über die Falknerei gezeigt. Etwas abseits im Park wurde 1730 eine außergewöhnliche Kapelle in Form einer Grotte errichtet.

Die spätgotische Schlosskirche stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. Sie diente zunächst als Klosterkirche eines Franziskanerordens, der im Zuge der Säkularisierung im Jahre 1802 aufgelöst wurde. Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war das Gotteshaus auf Veranlassung von Kurfürst Clemens August zur prachtvoll ausgestatteten Schlosskirche umgestaltet worden. Die Kirche wurde leider im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, danach aber wieder originalgetreu aufgebaut. 1958 wurde sie in den Rang einer eigenständigen Pfarrkirche erhoben. Das kostbare Inventar wurde während des Krieges ausgelagert und blieb daher erhalten. Zu den sehenswerten Einrichtungsgegenständen gehören die Marienkapelle (15. Jahrhundert), ein Schmerzenmann (ca. 1520) und die aufwendig geschnitzte Kanzel (1757). Der zentrale Verkündungsaltar ist das bedeutendste Stück der Inneneinrichtung. Er wurde durch Balthasar Neumann im Jahre 1757 geschaffen.

Der Rat der Stadt Brühl tagt seit 1987 in einem ehemaligen Kloster. Dieses war 1491 erbaut und 1718 durch Kurfürst Joseph Clemes zu einem dreigeschossigen Ensemble aufgestockt worden. Nach der Säkularisation im Jahre 1802 diente der Gebäudekomplex zunächst als katholisches Lehrseminar, später als berufsbildende Schule. Der Kreuzgang des ehemaligen Klosters ist noch erhalten.

Am Steinweg befindet sich in unmittelbarer Nähe zum heutigen Ratsgebäude das Alte Rathaus der Stadt Brühl. Bereits im 16. Jahrhundert ist ein Bürgerhaus an dieser Stelle belegt. Der heutige zweigeschossige Bau wurde 1858 errichtet und 1904 noch einmal ausgebaut. Bis zum Jahr 1987 diente das Gebäude als Verwaltungssitz der Stadt.

Der Maler Max Ernst gehört zu den einflussreichsten und wichtigsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit Hans Arp begründete er Anfang der 1920er Jahre den Dadaismus und später gemeinsam mit Salvatore Dalí der Surrealismus. Der 1891 in Brühl geborene Künstler war Autodidakt. Früh experimentierte er mit neuen Techniken. Sein Ziel war es nie, die Wirklichkeit abzubilden. Mit seinen Werken wollte er provozieren und bestehende gesellschaftliche Werte in Frage stellen. Neben der Malerei beschäftigte sich Ernst auch mit Collagen, dem Zeichnen und der Bildhauerei. Er zog 1922 nach Paris, musste aber 1941 aufgrund seiner deutschen Herkunft in die Vereinigten Staaten flüchten. 1953 kehrte er nach Paris zurück, wo er 1976 verstarb.

Das Max-Ernst-Museum in Brühl ist das erste Museum, das sich dem Werk dieses Ausnahmekünstlers verschrieben hat. Die Sammlung zeigt einen Querschnitt seiner Arbeiten aus rund siebzig Schaffensjahren. Darüber hinaus wird die Dauerausstellung durch wechselnde Leihgaben ergänzt, um die Vielschichtigkeit dieses Werkes hervorzuheben.

Das Geburtshaus von Max Ernst steht in der Schloßstraße 21. Das klassizistische Gebäude wurde 1885 erbaut.

Nicht nur Berlin und Bonn haben eine Museumsinsel. Auch Brühl besitzt eine solche im nordwestlichen Viertel der Altstadt – nur in etwas kleinerem Maßstab. Heute steht das gesamte Gebiet um die Kempishofstraße unter Denkmalschutz. Hier befindet sich in einem Fachwerkgebäude aus dem 19. Jahrhundert das Keramikmuseum. Brühl besitzt eine sehr alte Töpfertradition, denn zwischen dem 7. und 16. Jahrhundert gab es hier viele Werkstätten, die der rheinische Töpferkunst zu ihrer damaligen überregionalen Bedeutung verhalfen. Insbesondere der Stilwechsel von der Romanik zur Gotik im 13. Jahrhundert wird im Museum durch zahlreiche Beispiele anschaulich verdeutlicht. Die hier ausgestellten Gefäßkeramiken gehören zu den bedeutenden Kulturgütern des Rheinlandes. Im Dachgeschoss ist eine Töpferwerkstatt untergebracht, in der auch heute noch Keramik hergestellt wird. Hier kann man auch Unterricht an der Töpferscheibe erhalten. Im Museumscafé wird Geschirr aus dieser Töpferwerkstatt genutzt, das nach den Vorbildern der mittelalterlichen Formen gestaltet worden ist.

 Auf der Brühler Museumsinsel im nordwestlichen Viertels der Altstadt befindet sich das Museum für Alltagsgeschichte. Während im Brühler Schloss Augustusburg pompös der ‚ewige Sonntag’ durch den Hochadel zelebriert wurde, wohnte im Ort die normale Unterschicht in ganz anderen Lebensumständen.

In einem 1744 erbauten Fachwerkgebäude wurde die einzigartige kultur- und sozialgeschichtliche Sammlung von Günter Krüger untergebracht. Der 2009 verstorbene Krüger war langjähriger Direktor und maßgeblicher Initiator der beiden Brühler Museen „Keramikmuseum“ und „Museum für Alltagsgeschichte“. Seine Sammlung repräsentiert das Leben abseits der reichen Aristokratie. Die Ausstellung mit zahlreichen historischen Gegenständen des alltäglichen Lebens setzt den vielen namenlosen Menschen aus den vergangen Jahrhunderten ein Denkmal und stellt einen besonderen Anziehungspunkt in der Stadt Brühl dar.

 

Das Steuermuseum zeigt in seiner ständigen Schau die Geschichte der öffentlichen Finanzen in den letzten 5000 Jahren. Trotz des eigentlich spröden Themas versucht das Museum erfolgreich, eine lebendige und interessante Ausstellung zu präsentieren, bestehend aus Dokumenten, Bildern, Texten, Amtsschildern, Uniformen, Schreibutensilien und Rechengeräten.

Man versucht, die Sicht des Fiskus zu verdeutlichen, der auf die Steuern der Bürger angewiesen ist, zeigt aber auch Verständnis für den Steuerzahler, der die Abgaben meist nur als eine lästige Verpflichtung wahrnimmt.

Die Sammlung entstand ursprünglich in Freudenstadt und wurde im Zuge des Umzuges der Bundesfinanzakademie nach Brühl im Jahre 1993 mitgenommen.

Das dreigeschossige, verputzte Fachwerkgebäude ist das älteste Wohnhaus in Brühl. Es wurde 1530/31 als Teil eines ländlichen Anwesens erbaut, das aber nicht mehr erhalten ist. Das Gebäude diente in seiner frühen Geschichte einflussreichen Bürgern als Wohnstatt, später wurde das Erdgeschoss als Ladenlokal genutzt. Den Namen erhielt es wahrscheinlich wegen des Sternes, der zwischen den oberen Fenstern im 19. Jahrhundert aufgehängt wurde.

 

Das aufwendige Bahnhofsgebäude in Kierberg wurde 1875 an der Bahnstrecke Köln – Trier errichtet. Es gehört zu den prachtvollsten und schönsten in Deutschland. Kaiser Wilhelm I. nutzte den Bahnhof regelmäßig, um von hieraus zum Brühler Schloss zu gelangen. Von dort aus besuchte er die damals jährlich stattfindenden Kaisermanöver.

Das Gebäude beherbergt heute ein Restaurant. Regelmäßig finden hier auch besondere Veranstaltungen wie der so genannte ‚Jazz-Brunch’ statt.

 

Der Verein ‚Köln-Bonner Eisenbahn-Freunde e.V.’ hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Eisenbahnen und Waggons zu sammeln und zu restaurieren. Inzwischen gehören über 30 Originalfahrzeuge zu dem Bestand, darunter eine Dampfspeicherlokomotive, die Güterzuglokomotive ‚Krokodil’ und fünf historische Schienenbusse, auf denen man auch Gesellschaftsfahrten buchen kann. Die Fahrzeuge stammen überwiegend von der KBE oder aus der Region. Das Betriebsgelände ist allerdings nur nach vorheriger Absprache zu besichtigen, da es nicht öffentlich zugänglich ist.

Der Verein betreibt in Wesseling auch ein kleines Museum, in dem eine Vielzahl von Dokumenten und Utensilien aus der 100jährigen Geschichte der ‚Köln-Bonner-Eisenbahn AG’ bewahrt werden: historische Uniformen, alte Fahrkarten, verschiedene Modelle und sonstiges Eisenbahnmaterial. Die hier ausgestellten Signale sind noch funktionsfähig. Der Besucher kann und soll sie auch bedienen.

Die Geschichte der Schallenburg reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Das heutige Herrenhaus mit seinen beiden runden Ecktürmen und dem markanten Stufengiebel wurde allerdings erst 1694 erbaut. Die Fachwerk-Wirtschaftsgebäude auf der Vorburg stammen aus dem 19. Jahrhundert. Die zweiteilige Wasserburg ist bis heute ein privat bewohnter Adelssitz.

Zunächst gab es nur ein Marionettentheater und einige Boote auf einem See, als das Phantasialand 1967 in Brühl eröffnet wurde. Heute gehört diese Einrichtung zu den größten und beliebtesten Freizeitparks Europas und zählt jährlich mehr als 1,5 Millionen Besucher. Den Gästen werden über 100 Attraktionen und Shows geboten, vom 3D-Fun-Ride über außergewöhnliche Achterbahnen bis zum Fantasy-Themenpark. Und wer an einem Tag nicht alle Attraktionen geschafft hat, kann im Hotel übernachten und am nächsten Tag mit dem Spaß weitermachen….

Im Brühler Stadtteil Heide befinden sich die Reste eines ehemaligen Zisterzienserklosters. Der Orden wurde Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet. Der älteste noch erhaltene Flügel aus Backstein wurde im 18. Jahrhundert auf den Resten eines 200 Jahre älteren Vorgängerbaus errichtet. Im Zuge der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Kloster aufgelöst, die Klosterkirche und der Wirtschaftshof abgebrochen und das Anwesen zu einem privat genutzten Landsitz umgebaut.

Die dreischiffige, spätgotische Basilika mit dem markanten Backsteinturm wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Vermutlich stand an dieser Position bereits zuvor eine romanische Kapelle aus dem 12. Jahrhundert. Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt das Kirchengebäude im Jahre 1887, als es um ein zweischiffiges Querhaus erweitert wurde. Zur Inneneinrichtung gehören eine Barockkanzel von 1752, eine um 1500 geschaffene Steinmadonna sowie Ölgemälde und Reliquiare aus dem 16. Jahrhundert.

Der 45 Meter hohe weithin sichtbare Wasserturm ist ein Wahrzeichen der Stadt Brühl. Der eckige Ziegelsteinbau auf dem Villerücken wurde 1950 errichtet und besitzt ein Fassungsvermögen von 1500 m³ Wasser. In den unteren Stockwerken sind private Wohnungen untergebracht und im Erdgeschoss befindet sich ein beliebtes Ausflugslokal mit Biergarten.



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