100-Schlösser-Route100 Schlösser Route – Westkurs

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er Westkurs mit seiner ebenen Streckenführung ist mit 310 Kilometern der längste der vier Rundkurse. Der südliche Teil der Route führt bei Marl bis an das Ruhrgebiet heran und direkt am Haltener Stausee vorbei, im westlichen Routenteil fährt man ein Teilstück direkt auf der deutsch-niederländischen Grenze. Mit Dülmen, Bocholt, Coesfeld, Borken und Ahaus werden mehrere mittelgroße Städte passiert. Höhenpunkte auf dem Rundkurs sind Schloss Lembeck, Schloss Raesfeld, die Wasserburg Anholt, die Burg Gemen sowie Schloss Ahaus. Besonders sehenswert ist das Stiftsdorf Asbeck mit seinem zweigeschossigen Klosterkreuzgang.



Ortschaften entlang der Route

Coesfeld  /   Dülmen  /  Haltern am See  /  Dorsten  / Raesfeld  /  Rhede  /  Bocholt  /  Isselburg   /  Borken  /  Velen  /  Südlohn  /  Vreden / AhausHeek  /  Legden  /  Rosendahl  /  Aalten Dinxperlo

 

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Coesfeld

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ie Kreisstadt Coesfeld liegt ungefähr 35 km westlich von Münster. In unmittelbarer Nähe zum Naturpark Hohe Mark gelegen, befindet sich ein Teil des Stadtgebietes eingebettet in den malerischen Baumbergen. Die dort entspringende Berkel fließt durch die 800 Jahre alte ehemalige Hansestadt, wird aber zum großen Teil mit Hilfe von Stauanlagen um den Ortskern herumgeleitet. Inmitten des Münsterländer Kreidebecken gelegen, finden sich im Umland gehäuft Fossilien und Ammoniten als Zeugen des einstigen Meereslebens wieder. Das Coesfelder Kreuz aus dem 14. Jahrhundert, welches in der Wallfahrtskirche St. Lamberti aufbewahrt wird, wird alljährlich bei einer Prozession durch die Straßen Coesfelds getragen. In mehreren kleinen Museen werden liebevoll zusammengetragene Sammlungen präsentiert und bewahrt.

Sehenswertes:

In der Bauernschaft Sirksfeld, nördlich von Coesfeld, stand einmal die mächtige Schloßanlage der Loburg. Leider haben Bombentreffer in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges das Herrenhaus bis auf den Keller zerstört. Nur der zweistöckige Torflügel aus Backstein wurde wieder aufgebaut. Der lang gestreckte Bau mit der Tordurchfahrt besitzt zwei Dreistaffelgiebel und vermittelt noch einen Eindruck von der Prächtigkeit des ehemaligen Wasserschlosses aus dem 16. Jahrhundert.

  

Geschichtlicher Ablauf

1550-60

Die Loburg wurde durch die Adelsfamilie von Graes erbaut.

1912

Kauf des Schlosses durch Fürst Alfred zu Salm-Salm für seinen Sohn Franz Prinz zu Salm-Salm.

1945

Bei einem Bombenangriff blieb vom Herrenhaus nur noch der Keller erhalten.

1946-49

Wiederaufbau des Torflügels.
Haus Loburg befindet sich immer noch im privaten Besitz derer von Salm-Salm.

Mitten in einem Wohngebiet in Coesfeld steht die Ruine der Ludgerusburg. 300 Jahre nach der eigentlichen Abtragung der Burg stehen immer noch die letzten Backsteinreste der Torhausruine. Auch einige Schießscharten blieben erhalten, ansonsten hat die Natur von der Anlage Besitz ergriffen. Efeu wuchert um das Restmauerwerk. Ein Torbogen erinnert noch an die geplante Funktion, denn die Ludgerusburg wurde nie fertig gestellt. Fürstbischhof Bernhard von Galen, der gefürchtete ‘Kanonenbischof’ erwählte Coesfeld zu seiner Residenz und ließ ein Residenzschloss erbauen. Noch bevor es fertig wurde, verstarb der Bischof und die Bauarbeiten wurden eingestellt. Zwölf Jahre nach seinem Tod wurde der Torso zu größten Teil wieder eingerissen. Die Reste stehen bis heute und sind frei zugänglich. Durch die Ruine hindurch führt die kleine Gasse ‘Zur Schanze’.

  

Geschichtlicher Ablauf

1651

Der ‘Kanonenbischof’ Bernhard von Galen erwählte Coesfeld zu seiner Residenz.

1667-78

Der Fürstbischof ließ eine mächtige Zitadelle mit einem Schloss errichten. Als Baumeister hatte er Gottfried Laurenz Pictorius beauftragt.

1678

Fürstbischof Bernhard von Galen stirbt auf Schloss Ahaus, ohne dass seine neue Residenz fertig gestellt wurde. Sie wurde daraufhin auch nicht weiter gebaut und blieb ein Torso.

Um 1690

Der Torso der Ludgerusburg wird zum überwiegenden Teil wieder niedergerissen.

Am Marktplatz von Coesfeld steht die Lambertikirche. Ursprünglich im romanischen Stil errichtet, wurde sie später zur gotischen Hallenkirche umgestaltet. Der barocke Turmbau von 1703 wird den Brüdern Gottfried Laurenz Pictorius und Peter Pictorius dem Jüngeren zugeschrieben.

Die Lambertikirche besitzt das größte Gabelkreuz Deutschlands, Coesfelder Kreuz genannt, und ist alljährlich Ziel von Wallfahrern. Die bis vor einiger Zeit am Pfingstdiensttag stattfindende Kreuztracht findet nun am Sonntag nach der Kreuzerhöhung am 14. September statt. Die Prozession ist seit 1312 belegt und hat die Jahrhunderte bis heute überdauert.

Die Jakobi-Kirche war im 12. Jahrhundert ursprünglich Bischofskapelle und wurde bald darauf Pfarrkirche. Im 15. Jahrhundert wurde sie erweitert, jedoch während eines Bombenangriffes während des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört. Unter den Trümmern konnte man den sehenswerten romanischen Triumphbogen aus dem 13. Jahrhundert bergen und rekonstruieren. Er befindet sich heute im Turm des in der Nachkriegszeit im neuromanischen Stil wieder aufgebauten Gotteshauses.

Das ursprünglich als Jesuitenkolleg genutzte Gebäude wurde in den Jahren 1664 bis 1666 nach den Plänen von Peter Pictorius errichtet. Nach der Säkularisierung wurde es seit 1803 als Schlossgebäude des späteren Fürsten zu Salm-Horstmar genutzt. Im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, wurde es mit der Straßendurchfahrt wieder neu aufgebaut und diente dann als Klostergebäude dem Schwesternorden ‚Unserer Lieben Frau’. Im Jahre 1977 erwarb die Stadt Coesfeld die Anlage und nutzt es heute als Verwaltungsgebäude.

Der Pulverturm ist ein Relikt aus der alten Stadtbefestigung. Diese war im 14 Jahrhundert als zweifachem Mauerring mit mehreren Türmen und Wallanlage errichtet worden. Der runde Pulverturm wurde aus Backsteinen errichtet und besitzt einen Mittelkamin.

Das Wallbrückentor ist ein dreistöckiger Ziegelbau und Relikt der alten Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Heute befindet sich in den Räumlichkeiten das Stadtmuseum ‚Das Tor’.

Das kleine Puppen- und Spielzeugmuseum befindet sich mitten im Zentrum von Coesfeld. Es zeigt die Sammlung von Konrad Werner, der in mühevoller Suche Puppen und Spielsachen aus der Zeit zwischen 1810 bis 1950, vom Biedermeier über die Gründerzeit und Jugendstil bis in die frühe Nachkriegszeit, zusammengetragen hat. Ausgestellt in historischen Puppenstuben, werden in chronologischen Abfolge Puppen aus Holz und Porzellan, Pappmaché und Wachs präsentiert.

Das Glasmuseum im Stadtteil Lette geht auf die Stiftung Lilly Erstings zurück. Diese hatte zwanzig Jahre lang Glas gesammelt, zunächst nur funktionale, später auch künstlerische Objekte. Die Sammlung, die ständig erweitert wird, zeigt die Entwicklung der zeitgenössischen europäischen Glaskunst in allen möglichen Erscheinungsformen, ob funktional, dekorativ oder skulptural und möchte so Interesse und Begeisterung für dieses Kunstmaterial erzeugen.

Im alten Empfangsgebäude des Bahnhofs Lette befindet sich heute ein kleines Eisenbahnmuseum. Die Strecke Dortmund-Lünen-Coesfeld-Gronau-Enschede war bereits 1875 eingerichtet worden und besteht bis heute unter den Namen ‚Westmünsterlandbahn’. Das in den Jahren 1904 – 1907 errichtete Bahnhofsgebäude mit seinem Warteraum und der Güterabfertigung wurde 1990 vom Museumsverein übernommen, Die Ausstellung möchte ein Bild davon vermitteln, wie sich ein Bahnhof und die Eisenbahngeschichte im Westmünsterland im Laufe der Zeiten verändert hat.



Radrouten die durch Coesfeld führen:

100 Schlösser Route-Westkurs
Sandsteinroute

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Dülmen

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ie ehemalige Hansestadt Dülmen liegt landschaftlich reizvoll eingebettet unweit des Naturparks Hohe Mark und den Baumbergen. Leider wurde die Stadt während des Zweiten Weltkrieges zu 92% zerstört. Nur wenige Gebäude wurden nach dem Krieg wieder aufgebaut. Als Relikt der alten Stadtbefestigung wurde das Lüdinghauser Tor aus dem 15. Jahrhundert mit seinen charakteristischen Rundtürmchen zum Wahrzeichen der Stadt. Zwei Persönlichkeiten erreichten besonderen Bekanntheitsgrad. Die stigmatisierte Mystikerin Anna Katherina Emmerick liegt in der Krypta der Hl. Kreuz Kirche begraben. Hier befindet sich auch ein Museum mit Reliquien der 2004 selig gesprochenen Nonne. Der als ‚tolle Bomberg’ bekannt gewordene Kammerherr und Baron Gisbert Freiherr von Romberg lebte auf Schloss Buldern. Seine Streiche machten ihn zu einer westfälischen Berühmtheit und führten zu einem Roman und zwei Verfilmungen, eine mit Hans Albers in der Hauptrolle. Bekannt geworden ist Dülmen auch als ‚Stadt der Wildpferde’. Im Merfelder Bruch lebt in einem Wildpferdgehege eine Herde von ungefähr 350 Wildpferden. Der Wildpferdefang im Mai zieht tausende von Besuchern an.

Sehenswertes:

Westlich von Rorup befindet sich das zweiflüglige Herrenhaus von Haus Schwickering. Die beiden schlichten zweistöckigen Flügelbauten sind im rechten Winkel zueinander angeordnet und besitzen jeweils ein Krüppelwalmdach. Ein Rundtürmchen verbindet beide Flügel in der inneren Ecke. Erbaut wurde Haus Schwickering durch die Herren von Wiedenbrück-Schorlemer. In den Jahren 1816 – 53 machte Josef von Wiedenbrück, der erste Amtmann des Verwaltungsbezirkes Rorup-Lette, das Anwesen zu seinem Amtssitz. Haus Schwickering befindet sich auch heute noch im Privatbesitz.

An der westlichen Ortsgrenze von Rorup befindet sich das Haus Rorup. Dem schmucklosen zweistöckigen Bau wurde ein Krüppelwalmdach aufgesetzt. Die ehemalige Gräfte ist weitgehend verlandet, nur eine Ziegelsteinbrücke auf der Zufahrt erinnert noch an den ehemals wehrhaften Charakter der Anlage. Bei Haus Rorup wechselten häufig die Besitzer, meistens wurde das Gut als Lehen weitergegeben. Ihre Herren ließen dereinst die Marienkirche, die heute St. Agatha-Kirche erbauen und erhielten damit das Patronatsrecht im Ort Rorup. Mit dem Patronatsrecht übt der jeweilige Herr die Schirmherrschaft über die Kirche aus. Dieses Recht ging bei einem Besitzerwechsel auf den nächsten Burgherren über.

  

Geschichtlicher Ablauf

ca. 14. Jhd.

Bau einer Wasserburg durch die Herren von Merveld.

16. Jhd.

Haus Rorup wechselt in den Besitz der Familie von Kükelsheim.

1809

Nach dem Aussterben der männlichen Linie derer von Kükelsheim fiel das Anwesen an die Familie Amelunxen.

1838

Verkauf des Besitzes an den Herzog von Croy.

An der Landstraße zwischen Dülmen und Rorup befindet sich, weitgehend hinter Bäumen versteckt, das Haus Empte. Das Anwesen besteht aus einem eingeschossigen Herrenhaus aus Bruchstein mit Walmdach aus dem 18. Jahrhundert, einem bedeutend älteren, wuchtigen Torhaus mit großem Durchfahrtsbogen und mehreren Wirtschaftsgebäuden. Der Gutshof war einst von einer doppelten Wassergräfte umgeben, die aber heute nicht mehr existiert. Haus Empte befindet sich auch heute noch im Privatbesitz.

  

Geschichtlicher Ablauf

15. Jhd.

Stammsitz der Herren von Empte.

1450

Die Herren von Empte sterben aus.

1478

Ritter Dietrich von Horst übernimmt den vorübergehend das Anwesen.

1767

Genehmigung für den Bau des Fürstbischöflichen Schlosses durch den Kurfürsten von Köln und Fürstbischof von Münster, Maximilian Friedrich, auf dem Platz der alten Zitadelle. Mit der Ausführung des Baus wurde Johann Conrad Schlaun beauftragt. Es wird das Spät- und ein weiteres Meisterwerk des berühmtesten Baumeisters Westfalens.

1773

Schlaun stibt 76jährig, ohne sein letztes Bauwerk vollenden zu können. Nur der Außenbau war bis dahin fertiggestellt. Die architektonische Leitung des Baus übernahm Wilhelm Ferdinand Lipper, dessen Vorstellung allerdings nicht immer mit denen Schlauns übereinstimmte. Schlaun baute im Stil des Spätbarock, Lipper vertrat bereits die Epoche des Klassizismus und empfand Schlauns Pläne als altmodisch.

1784

Tod des Bauherren Fürstbischof Maximilian Friedrich.

1787

Das Residenzschloss wird fertig gestellt.

1802

Einzug der ersten Bewohner: Marschall Blücher und der Freiherr vom Stein, der Oberpräsident der späteren Provinz Westfalen.

März 1945

Bei einem Bombenangriff getroffen, brannte das Innere des fürstbischöflichen Schlosses völlig aus. Von der Inneneinrichtung konnte nichts gerettet werden. Nach dem Krieg wurde der alte äußere Zustand des Schlosses wieder hergestellt.

Heute

dient das Schloss als zentrales Verwaltungsgebäude der Westfälischen Wilhelmsuniversität.

Inmitten einer wunderschönen Parkanlage südlich von Dülmen-Buldern liegt das Schloss Buldern, der Stammsitz derer von Romberg. Von einer kleinen Anhöhe aus hat man einen wunderbaren Blick über die imposante spätklassizistische Schlossanlage aus dem 19. Jahrhundert, deren helle Fassade an beiden Seiten von runden Eckpavillons abgeschlossen wird. Schloss Buldern ist Geburts-, Wohn- und Sterbeort von Baron Gisbert Freiherr von Romberg, der durch seine Streiche als ‚toller Bomberg’ berühmt wurde. Die privat bewohnte Anlage wird heute auch als Internat genutzt. Hier leben und lernen jeweils bis zu 300 Schüler.

 

Hinter der Szenerie: Der tolle Bomberg Kammerherr und Baron Gisbert Freiherr von Romberg war seinerzeit eine berühmte Persönlichkeit in Westfalen. Seine derben Streiche und Geschichten führten zu einem Roman von Josef Winckler, der zweifach verfilmt wurde, unter anderem mit Hans Albers in der Hauptrolle. Er wurde 1839 auf Schloss Buldern geboren und starb 1897 auch dort. Eine Anekdote erzählt, dass er auf der Bahnstrecke von Münster zum Ruhrgebiet immer wieder in Buldern die Notbremse zog, um dort auszusteigen. Er zahlte jeweils kurzerhand die dafür festgelegte Strafe, um sich dann zu Fuß zu seinem Schloss aufzumachen. Das machte er so lange, bis die Bahn in Buldern schließlich eine kleine Station eröffnete.


  

Geschichtlicher Ablauf

1215

Erstmalige Erwähnung Die Herren von Buldern errichten eine Hofanlage.

17. Jhd.

Bau einer Wasserburg, die aber nur etwa 200 Jahre besteht.

18. Jhd.

Nach mehrwachem Wechsel der Eigentümer erwirbt die Familie von Romberg die Burganlage.

1830-38

Neubau des heute noch existierenden Herrenhauses im spätklassizistischen Stil durch die Herren von Romberg.

1839-97

Wohnsitz des Kammerherrn und Baron Gisbert Freiherr von Romberg, der als ‚der tolle Bomberg’ durch seine Streiche weltberühmt und auch berüchtigt wurde.

1950er Jahre

Im Herrenhaus ist eine Außenstation des Max-Planck-Instituts für Meeresbiologie untergebracht. Hier forschte unter anderem Konrad Lorenz. Das noch immer im Privatbesitz der Familie vom Romberg befindliche Schloss wird heute noch von der Familie bewohnt. Darüber hinaus dient es auch als Landschulheim.

Nordwestlich der Stadt Dülmen, im Stadtteil Merfeld gelegen, befindet sich das Haus Merfeld. Von der ehemaligen Doppelburg sind nur noch Reste erhalten. Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert wurde aus rotem Backstein erbaut, besitzt die für das Münsterland typische helle Sandsteingliederung und einen bemerkenswerten Stufengiebel. Das von außen schlecht einsehbare Anwesen befindet sich im privaten Besitz der Herren von Croy.

  

Geschichtlicher Ablauf

1315

erstmalige urkundliche Erwähnung des Gutes.

1466

Bau der heute noch existierenden Burgkapelle.

1547

Errichtung des Torhauses.

1755

Bau des schlichten Herrenhauses.

Haus Visbeck liegt südöstlich der Stadt Dülmen unweit der Landstrasse nach Lüdinghausen. Das alte Rittergut war im Besitz der Abtei Werden und wurde jeweils als Lehnsgut weitergegeben. Ursprünglich handelte es sich um eine wehrhafte Burganlage des Zwei-Insel-Typs, aber das Hauptgebäude brannte 1639 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Auch von den in Hufeisenform angelegten Wirtschaftgebäuden der Vorburg blieb nur noch der westliche Teil erhalten. Er stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde aus rotem Backstein errichtet. Ein kleines Türmchen begrenzt das lang gestreckte Gebäude im Süden. Beachtenswert ist die kleine, achteckige Kapelle aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurde vom berühmten westfälischen Baumeister Johann Conrad Schlaun entworfen.

 

Hinter der Szenerie: Der Ritter von Visbeck

Einst soll zu Beginn des 18. Jahrhundert ein jähzorniger, unbarmherziger und gottloser Ritter auf der Burg Visbeck gelebt haben. Seine Frau dagegen war eine gutherzige und gottesfürchtige Person. An einem sehr kalten Wintertag des Jahres 1736 gewährte nun die Schlossherrin einer armen, schwangeren Frau Unterkunft. Als dies ihr Mann erfuhr, verjagte er zornig das hilflose Wesen von seiner Burg. Sie erfror jämmerlich und wurde von der Rittersfrau am nächsten Morgen unter einer dichten Schneedecke gefunden. Der Ritter seinerseits reagierte erschüttert und schuldbewußt, ließ zum Gedenken an diese Begebenheit einen Bildstock aus Sandstein auf dem Gelände von Haus Visbeck errichten und richtete sein Leben fortan gottesergeben aus.


  

Geschichtlicher Ablauf

1186

Urkundliche Erwähnung einer Villa Visbeck.

1338

Erstmalige Erwähnung der Herren von Visbeck als Bewohner des Rittergutes Visbeck

1540

Die Familie derer von Visbeck stirbt aus.

1548

Vorübergehende Belehnung des Gutes durch Jost von Mecheln zu Sandfort.
1555 Die Familie von Ketteler übernimmt das Lehnsgut.

1631

Verkauf an Lambert von Oer zu Kakesbeck.

1636

Erneuter Verkauf an Reiner von Raesfeld zu Empte.

1639

Das Herrenhaus und die Witschaftsgebäude werden bei einem Großbrand zerstört.

1657

Belehnung durch die Familie Droste Vischering, die Haus Visbeck noch bis in das 20. Jhd. besaß.

1736

Errichtung eines Doppelbildstockes aus Sandstein.

1752

Bau einer von Christoph Bernhard von Galen durch Erbschaft gestifteten achteckigen Kapelle. Baumeister war Johann Conrad Schlaun.
Das Gut beherbergt heute eine Pferdezucht.

Im 14. Jahrhundert wurde die damalige Siedlungsfläche der Stadt Dülmen mit einer Stadtmauer umgeben. Eine Wallanlage zur Verteidigung gab es wahrscheinlich bereits sehr viel eher. Die Stadtmauer wurde durch Wehrtürme an den empfindlichen Punkten verstärkt, Stadttore markierten die Eingänge. Obwohl man bereits im 17. Jahrhundert mit dem Abbruch der Verteidigungsmauer begann, kann man Anhand der Ringstrassen noch genau deren Verlauf nachvollziehen. Drei Elemente aus der alten Stadtbefestigung haben sich noch erhalten. Das Lüdinghauser Tor ist das einzige noch existierende Stadttor. Mit seinen zwei charakteristischen Rundtürmen wurde es zum Wahrzeichen der Stadt. Unweit des Lüdinghauser Tores befindet sich der Nonnenturm. Erbaut im 16. Jahrhundert auf quadratischem Grundriß, diente er ursprünglich als Pulverturm, bevor er 1730 in Privatbesitz gelangte und noch heute als Wohnung genutzt wird. Im Bereich der nördlichen Stadtmauer erhielt sich der Lorenkenturm, der lange Zeit als Gefängnisturm und später als Transformatorstation diente.

Die Ursprünge der Pfarrkirche St. Viktor gehen bis in das 8. Jahrhundert zurück. Im 11. Jahrhundert wurde ein Steinbau im romanischen Stil errichtet, der zwischen 1351 und 1443 zu einer gotischen Hallenkirche umgestaltet wurde. Der quadratische Turm stammt aus dem Jahre 1601. Nach schwersten Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche aus Kostengründen leicht verändert wieder aufgebaut.

Die katholische Heilig-Kreuz-Kirche wurde als zweite Pfarrkirche neben der St.-Viktor-Kirche errichtet und im Jahre 1938 durch Clemens August von Galen, den Bischof von Münster, geweiht. Der wuchtige, monumentale Sakralbaus wurde während der Kriegszeit sehr stark beschädigt, aber in den 50ger des letzten Jahrhunderts Jahren wieder aufgebaut. In der Krypta der Kirche befinden sich die Grabstätte der Anna Katherina Emmerick und ein Museum, welches Andenken und Schriftstücke von ihr und über sie bewahrt. Anna Katherina Emmerick wurde 1774 im benachbarten Coesfeld geboren. Die tiefgläubige ‚Nonne von Dülmen’ besaß ab 1812 Wundmale an den Händen, so genannte Stigmata, die an die Kreuzigungswundmale Jesu Christi erinnerten. Im Jahre 2004 wurde die Mystikerin selig gesprochen.

Das Anfang des 15. Jahrhunderts erbaute Rathaus steht am Marktplatz genau gegenüber der Pfarrkirche St. Viktor. Es besitzt einen Durchgang, Scharre genannt, und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, wie fast die gesamte Stadt Dülmen, weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau begann schleppend und so wurde das Rathaus erst in den 50ger Jahren des letzten Jahrhunderts wieder hergestellt.

Nicht weit entfernt vom Stadtzentrum befindet sich der Wildpark. Das 250 ha große Gelände wurde im 19. Jahrhundert im Auftrag des Herzogs von Croy im Stile einer englischen Parkanlage angelegt und befindet sich auch heute noch im Besitz der herzoglichen Familie. Inmitten des Parkgeländes mit seinem Eichen- und Buchenbestand leben eine Vielzahl von Wildtieren, wie Hirsche und Rehe, Schafe und Heidschnucken.

Eine besondere und bekannte Attraktion Dülmens ist das Wildpferdegehege im Merfelder Bruch. Einige Kilometer westlich von Dülmen an der Straße über Merfeld nach Borken befindet sich das einzige Wildpferdgestüt Europas. Hier lebt auf einem weitläufigen und naturbelassenen Gelände eine Herde von ungefähr 350 Wildpferden. Berühmt geworden ist der jeweils am letzten Samstag im Mai stattfindenden traditionellen Wildpferdefang, der alljährlich tausende von Besuchern anlockt.

Nordwestlich von Dülmen, direkt an der Hundert-Schlösser-Route, liegt das ehemalige Kloster Marienburg. Das Karthäuserkloster ging aus dem Rittersitz der Herren von Weddern hervor, und wurde im Zuge der Säkularisierung wider aufgelöst. Einige Wirtschaftsgebäude der einst mächtigen Anlage blieben noch erhalten, in ihnen ist heute ein Café untergebracht. Die ehemalige Klosterkirche wurde Ende des 15. Jahrhunderts gebaut. Heute dient sie als Pfarrkirche. Die Ausstattung der St. Jakobus Kirche besitzt ein sehenswertes schmiedeeisernes Chorgitter aus dem Jahre 1757 sowie ein reich verziertes Chorgestühl aus Eichenholz, das aus der Zeit um 1350 stammt.

In den Jahren 1856 bis 1873 entstanden auf dem Gut Hamicolt ein Kloster und eine Kirche im klassizistischen Stil. Über 100 Jahre lang diente das Gebäude einer benediktinischen Schwesterngemeinschaft, bis diese aus Altersgründen im Jahre 2008 den Betrieb des Klosters aufgaben. Seitdem führt die ‚Gemeinschaft des neuen Weges vom hl. Franziskus’ das Kloster weiter. In ihm befinden sich eine Hostienbäckerei sowie ein Gästehaus.






Haltern am See

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altern am See liegt am Mündungsbereich der Stever in die Lippe am nördlichen Ruhrgebiet und wird geprägt durch den Halterner Stausee. Dieser dient sowohl der Trinkwassergewinnung als auch als Naherholungsgebiet für das gesamte Ruhrgebiet und zieht im Sommer täglich tausende von Ausflüglern aus dem Umland an. In der unmittelbaren Umgebung Halterns befinden sich mit der Haard, der Hohen Mark und den Borkenbergen naturgeschützte weitläufige Wald- und Heidelandschaften, so dass die Region auch oft als ‚grüne Lunge des Ruhrgebietes’ bezeichnet wird. Das hiesige Wasserwerk versorgt 2 Millionen Menschen mit Trinkwasser und gilt damit als das Größte Europas. Die Geschichte Halterns ist über 2000 Jahre alt. Hier befand sich zu Zeiten von Kaiser Augustus einer der wichtigsten militärischen Stützpunkte des Römischen Reiches mit entsprechend vielen hier stationierten Legionären. An der Stelle des einstigen Feldlagers befindet sich heute das LWL-Römermuseum, welches eine Vielzahl von Grabungsfunden präsentiert und das alltägliche Leben der römischen Legionäre erfahrbar macht. Im Mittelalter hatte Haltern durch die geographische Lage an der Lippe, wo sich die Grenze zwischen Westfalen und dem Rheinland befand, eine bedeutende, strategische Rolle inne. Bereits im Jahr 1289 erhielt es die Stadtrechte und somit das Recht, einen befestigten Schutzwall zu errichten. Bis 1929 gehörte die münsterländisch geprägte Stadt dem Kreis Coesfeld an, dann wurde sie dem Kreis Recklinghausen zugeschlagen. Seit dem Jahre 2001 trägt Haltern den Zusatz ‚am See’.

Sehenswertes:

Vom ehemaligen Wasserschloss Sythen, nördlich vom Haltener Stausee im gleichnamigen Stadtteil gelegen, sind nur noch zwei Gebäudeteile erhalten. Das schlichte Torhaus aus dem 17. Jahrhundert besitzt einen Rundbogendurchgang, die Zufahrt davor lässt noch eine ehemalige Brücke über eine inzwischen zugeschüttete Gräfte erahnen. Der untere Teil des Torhauses besteht aus altem Bruchstein, darüber schließt sich roter Backstein an. Mehrere Schießscharten belegen die einstige Wehrhaftigkeit der Burg. Im hinteren Bereich schließt sich ein Fachwerk an. Etwas zurückversetzt steht noch ein weiteres, freistehendes Gebäude. Die Außenwand besteht auch hier im unteren Teil aus Bruchstein, weiter oben aus roten Backsteinen. Die gesamte Fassade trägt Spuren von Veränderungen: Fenster wurden versetzt, Stellen am Mauerwerk wurden ausgebessert. Im Jahre 1971 wurde das Herrenhaus abgerissen, um ein modernes Erholungsheim bauen zu können. Dieses Vorhaben wurde letztlich nicht realisiert, das Haupthaus des Schlosses ging damit unwiderruflich verloren.

  

Geschichtlicher Ablauf

758

Unter König Pippin wir die Burg Sythen erstmalig urkundlich als ‚Sitina’ erwähnt. Als germanische Wallburg war sie am Krieg zwischen Sachsen und Franken beteiligt.

805

Karl der Große übergibt Liudger, dem ersten Bischof von Münster, weitreichenden Besitzungen, darunter auch Burg Sythen.

1268-1301

Ritter Diederich ist als Bewohner der Anlage belegt.

1301-1450

Die Ritter von Hagenbeck bewohnen die Burg.

1331

Erstmalige Erwähnung der wassermühle als Bestandteil der Burganlage.

1450

Übernahme der Burganlage durch Johan von Besten.

1530

Konrad von Ketteler zu Assen übernimmt das Anwesen durch Heirat.

1704

Die Schlossanlage fällt an Anton von Galen zu Bisping durch Heirat.

1728

Der Besitz fällt an Christian Franz von Fürstenberg durch Heirat.

1821-1965

Schloss Sythen wird von der Familie der Grafen von Westerholt und Gysenberg übernommen.

1946

Verpachtung an den Caritasverband Recklinghausen. Dieser richtet auf dem Schloss ein von Oberschwestern betriebenes Kindererholungsheim ein.

1965

Der Caritasverband Recklinghausen erwirbt Schloss Sythen.

1971

Abriss des Herrenhauses. Geplante Bauvorhaben wurden aber nicht realisiert.

1979

Verkauf des Besitzes an den Makler Winfried Humberg.

1989

Kauf der inzwischen stark verfallenen Anlage durch die Stadt Haltern.

Im Halterner Stadtteil Lippramsdorf liegt unten an der Lippe das Haus Ostendorf. Erhalten haben sich nur noch ein Teil der Wirtschaftsgebäude, das Herrenhaus wurde 1934 bei einem Großbrand vernichtet und nicht wieder aufgebaut. Nähert man sich der Anlage von der höher gelegenen Freiheit aus, fällt einem gleich die wuchtige Vorburg auf. Sie lässt erahnen, welche Ausmaße die gesamte Burganlage einmal gehabt haben muss. Das lang gestreckte, einstöckige Wirtschaftsgebäude wird flankiert von zwei mächtigen Türmen. Der linke Turm besitzt eine Durchfahrt auf den Innenhof, der einst zum Herrenhaus führte. Die Gebäude dort sind neueren Datums, die gesamte Anlage ist im privaten Besitz.

  

Geschichtlicher Ablauf

1316

Ritter Bernhard Bitter und seine Frau Getrude von Ostendorf machen die Burg zum Offenhaus für den Bischof von Münster. So wurde das Rittergut zum Lehnsbesitz des Bischofs von Münster, was es bis in das 19. Jahrhundert hinein blieb. Im Gegenzug erhielt der Ritter Ländereien zum Lehen.

1325

Übernahme der Wasserburg durch die Herren von Raesfeld zu Ostendorf durch Heirat. Die Familie von Raesfeld blieb über 400 Jahre im Besitz des Gutes.

1803-1815

Haus Ostendorf ist Lehn der Fürsten Salm-Salm, Landesherr im Amt Ahaus.

1825

Graf August Ferdinand von Merfeldt zu Lembeck übernimmt Haus Ostendorf.

1934

Das Herrenhaus brennt vollständig ab und wird nicht wieder aufgebaut.

Die Gewerkschaft Auguste Viktoria erwirbt die Reste des Anwesens und die Ländereien für den Ausbau der Aussenschachtanlage.

Haus Ostendorf ist heute im Privatbesitz.

Bei heißem Wetter im Sommer hat man das Gefühl, dass das ganze Ruhrgebiet zum Haltener Stausee hinaus fährt. Der See ist ein viel genutztes Naherholungsziel und besitzt einen etwa 1000 m langen Sandstrand. Hier kann man baden und schwimmen, segeln und surfen, Tret- und Ruderboot fahren. Um den See herum sorgen Restaurants und Cafés für das leibliche Wohl, mehrere Campingplätze bieten Übernachtungsmöglichkeiten. Das 182 personen fassende Fährgastschiff ‚Möwe’ bietet während der Sommermonate stündlich Rundfahrten auf dem See an. Anlegestellen sind ‚Seehof’, ‚Stadtmühle’ und ‚Haus Niemen’.

Der offiziell Stevertalsperre Haltern genannte Bereich besteht aus zwei Seen: dem Südsee und dem größerem Nordsee, der sogar eine 30 ha großen Insel besitzt. Obwohl der Stausee zur Trinkwasserversorgug genutzt wird, sind Freizeitaktivitäten erlaubt. Das liegt daran, dass nur versickertes und gefiltertes Wasser entnommen wird. Die Talsperre versorgt weite Teile des Westmünsterlandes sowie des nördlichen Ruhrgebietes mit Trinkwasser. Mit Ausnahme des Fährgastschiffes Möwe, sowie Boote des Betreibers Gelsenwasser und der DLRG sind keine Motorboote erlaubt.

Der Haltener Stausee wurde bereits 1930 erbaut, 1972 aber von der Größe her auf ein Volumen von 20,5 Millionen m3 Wasser verfünffacht. Er wird aus dem Fluß Stever gespeist, seine Staumauer hat eine Länge von 1300 Meter und eine Höhe von 8,9 Metern. Kurz nach dem Abfluss über die Staumauer mündet die Stever in die Lippe.

Ungefähr 2 km oberhalb des Halterner Stausees befindet sich mit dem Hullener See ein weiterer, etwas kleinerer Stausee. Auch er wird zur Trinkwassergewinnung genutzt. Die Talsperre Hullern lädt zum Spatzieren gehen ein, hier geht es bedeutend ruhiger zu als an der Talsperre Haltern.

Zwischen Dülmen und Haltern befindet sich der Seenverbund der Silberseen. Einige der Seen sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen, der Silbersee IV dient Quarzsandgewinnung. Darüber hinaus sind die Silberseen ein viel frequentiertes Naherholungsgebiet. Der Silbersee II besitzt im südlichen Teil einen 800 Meter langen Sandstrand und zählt an heißen Spitzentagen bis u 15.000 Badegäste. Neben dem Surfen ist in bestimmten Bereichen auch FKK erlaubt.

Was viele nicht wissen: vor 2000 Jahren waren in Germanien mehr römische Legionäre stationiert als irgendwo sonst im gesamten römischen Reich. Entlang der Lippe entstanden zahlreiche römische Feldlager für Tausende von Legionären. Das Römerlager Haltern zählte zu den wichtigsten Stützpunkten des Römischen Reiches. 28 Jahre lang hielten sich die Römer in Germanien auf, bis sie durch die so genannte Varusschlacht im Jahre 9. nach Christus jäh vertrieben bzw. ausgelöscht wurden. Um diesen Tatsachen gerecht zu werden, und um die Geschichte der Römer in Westfalen lebendig werden zu lassen, entstand auf dem Gelände des ehemaligen Feldlagers Haltern das Römermuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). In dem 1993 fertig gestellten Museum werden auf 1000 m2 Ausstellungsfläche Funde aus allen Römerlagern an der Lippe gezeigt. Man erhält einen Überblick über das tägliche Leben der Legionäre und erfährt etwas über die Lippe als unentbehrlichen Transport- und Versorgungsweg. Die Ausgrabungen finden seit dem Jahre 1899 statt und ein erstes Römisch-Germanisches Museum war bereits 1907 eröffnet worden. Dem heutigen flachen Museumsbau sind gläserne Lichtkuppeln aufgesetzt, die an ein römisches Zeltlager erinnern sollen.

An der nördlichen Seite des viel belebten, zentralen Marktplatzes befindet sich das Alte Rathaus. Es wurde in den Jahren 1575 -1577 errichtet, nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg jedoch nur vereinfacht wieder aufgebaut. Die Giebel besitzen den typisch münsterländischen Dreistaffelgiebel, an einem zusätzlichen Giebel zur Marktseite befinden sich ein Glockenspiel mit 15 Glocken, eine Uhr und darunter das Stadtwappen. Das Erdgeschoß des zweistöckigen Gebäudes besitzt an der Hauptfront einen Arkadengang mit Spitzbögen.

Das Alte Rathaus wird auch heute noch für standesamtliche Trauungen genutzt, darüber hinaus dienen die historischen Räumlichkeiten kulturellen Veranstaltungen sowie ordentlichen Empfängen.

Am zentralen Marktplatz Halterns befindet sich die katholische Stadtkirche St. Sixtus. Die nach einem Papst und Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert benannte dreischiffige Hallenkirche wurde 1879 im neugotischen Stil errichtet, besaß aber an gleicher Stelle mehrere Vorgängerbauten. Bereits im 9. Jahrhundert stand hier wohl eine Holzkirche, später ein romanischer Steinbau. Das im Inneren des Gotteshauses bewahrte Gabelkruzifix stammt wohl bereits aus der Zeit um 1340. Darüber hinaus sind das Antwerpener Retabel, ein Flügelaltar vom Anfang des 16. Jahrhunderts sowie das im Jahre 1710 errichtete Epitaph von Galen beachtenswert.

Der Siebenteufelsturm ist das einzige Relikt der mittelalterlichen Stadtbefestigung, die bereits im 18. Jahrhundert wieder abgetragen wurde. Der 1502 fertig gestellte Rundturm besitzt einen Spitzbogenfries und wurde aus Ziegelsteinen errichtet.

Im Halterner Ortsteil Lippramsdorf befindet sich das Heimathaus Lippramsdorf. Das niederdeutsche Bauernhaus stammt vermutlich bereits aus dem 16. Jahrhundert. Noch bis 1974 wurde es bewirtschaftet. Inzwischen wurde es vom Heimatverein Lippramsdorf liebevoll renoviert und dient seit 1995 als kulturelle Begegnungsstätte für Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Heimatabende. Im Dachgeschoß wurde ein kleines Handwerksmuseum eingerichtet.

Flaesheim, ein Ortsteil der Stadt Haltern am See, liegt direkt am Wesel-Datteln Kanal und an der Lippe. Die ehemalige Stiftskirche wurde im 12. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut und später gotisch ergänzt. Zunächst diente sie als Kirche eines Prämonstratenser-Nonnen-Klosters, der im Zuge der Reformation im Jahre 1550 zu einem freiweltlichen Damenstift umgewandelt wurde, das noch bis 1803 bestand.

Zur heutigen Ausstattung gehört ein prächtiger Hochaltar aus Sandstein, Marmor und Alabaster aus dem Jahre 1658.



Radrouten die durch Haltern am See führen:

100 Schlösser Route – Westkurs
Römer-Lippe-Route
Rundkurs Ruhrgebiet




Dorsten

D
ie ehemalige Hansestadt Dorsten liegt südlich der Lippe im nördlichen Ruhrgebiet am Rande zum Münsterland. Das im Renaissancestil erbaute Rathaus dominiert den zentralen Marktplatz und erinnert noch an die alte Hansezeit. Bereits im Jahre 1251 hatte Dorsten das Stadtrecht erhalten. Bereits vor über 2000 Jahren hatte es hier mit dem Römerlager Holsterhausen einen bedeutenden Stützpunkt der Römer im damaligen Germanien gegeben. Das Bergwerk Fürst Leopold, welches Arbeitgeber für tausende von Dorstener war, stellte im Jahre 2001 die Förderung ein. Die Siedlung Fürst Leopold im Ortsteil Hervest gilt als eine der schönsten Gartenstadt-Kolonien des Ruhrgebietes. Mit der Angliederung der ‚fürstbischöflich-münsterischen Herrlichkeit Lembeck’ im 20. Jahrhundert gehört zu Dorsten im Norden auch ein Stück dörflich geprägtes Münsterland.

Sehenswertes:

Das Schloss Lembeck gehört zu den schönsten und bedeutendsten Schlössern im Münsterland. Ende des 17. Jahrhunderts in seiner heutigen Form erbaut, liegt es im nördlichen Teil des Landkreises Recklinghausen zwischen den Ortschaften Wulfen und Lembeck. Die imposante Schlossanlage wurde auf zwei Inseln errichtet. Eine lang gezogene Wegachse führt geradewegs auf das Schloss zu, durch das Torhaus der Vorburg hindurch, durch eine gewölbte Durchfahrt der Oberburg hindurch, durch die Parkanlage bis zum Parkausgangstor. Dabei überquert sie mehrere Brücken. Die gesamte Anlage ist symmetrisch entlang dieser Achse angelegt worden. Die Flügel von Vor- und Oberburg wurden hier nicht nach vorne gebaut, wie sonst häufig bei barocken Dreiflügelanlagen, sondern sie führen einrahmend nach hinten, so dass sich eine fast zu allen Seiten geschlossene Schlossanlage ergibt. Die Hauptburg war als symmetrische Dreiflügelanlage geplant, aber aus nicht bekannten Gründen wurde Schloss Lembeck nicht vollendet und verblieb so als Zweiflügelanlage. Beachtenswert sind die Ecktürme mit ihrer welschen Haube sowie das von Johann Conrad Schlaun geschaffene hintere Barocktor mit den Wappen haltenden Putten. Schlaun schmückte auch den Großen Saal, den mit 120m² größten Raum von Schloss Lembeck, im spätbarocken Stil aus. Im Stockwerk darüber befindet sich eine Galerie mit einer ständigen Ausstellung des Malers Hanns Hubertus Graf von Merveld, ein Mitglied der das Schloss besitzenden Familie. Darüber hinaus werden Sonderausstellungen zu Themen zeitgenössischer Kunst präsentiert. Im Dachgeschoß befindet sich zusätzlich noch ein Heimatmuseum.

  

Geschichtlicher Ablauf

1017

Verfügung des Laibrechtes über den Ort Lembeck durch den Ottonischen Kaiser Heinrich II. zugunsten des Paderborner Domes.

1177

Erstmalige urkundliche Erwähnung der Herren von Lembeck

Um 1230

Bezeichnung des Besitzers des Haupthofes von Lembeck als Ritter und als Ministerialer des Landes. Verwandt waren diese mit den Herren von Gemen und Raesfeld. Bei kriegerischen Streitigkeiten verbündeten sie sich miteinander.

14. Jhd.

Erichtung eines Zwei-Kammer-Hauses auf einer Motte

15. Jhd.

Ausbau zum Drei-Kammer-Haus mit Turm. Die Turmhügelburg wurde bereits als ‚Herrlichkeit’ bezeichnet.

1528

Mit Johann von Lembeck starb das Familiengeschlecht aus. Übernahme der Herrlichkeit Lembeck durch Bernhard von Westerholt, einem Vertrauten des Fürstbischofs von Münster. Seine Kinder jedoch traten später zum Kalvinismus über und wenden sich damit vom Fürstbischof ab.

1621

Nach der Gegenreform findet der erste katholische Gottesdienst auf Lembeck statt.

1670-92

Ausbau der Hauptburg zur barocken Zwei-Flügel-Anlage unter Dietrich Dietrich Conrad Adolf von Westerholt-Hackfurt. Die südlichen Bauten entstanden sowie zwei Pavillontürme. Die Fassade wurde angeglichen.

1702

Mit dem Tode von Dietrich Conrad Adolf von Westerolt-Hackfurt starb auch die männliche Linie des Familiengeschlechtes aus.

1708

Ferdinand Dietrich Freiherr von Merveldt zu Westerwinkel übernimmt das Schloss Lembeck.

1726

Stiftung der Michaeliskirche in Lembeck durch die Witwe des letzten Westerholt-