Weser-Radweg

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er Weser-Radweg gehört zu den beliebtesten Radfernwegen Deutschlands. Die Strecke entlang des Stroms könnte abwechslungsreicher und vielfältiger kaum sein. Am Zusammenfluss von Fulda und Werra in Hannoversch Münden beginnt die Oberweser ihren Lauf durch das malerische Weserbergland. Dort startet auch der den Fluss begleitende Radweg. Durch reizvolle, historische Fachwerkstädte, vorbei an zahlreichen Burgen, Schlössern und alten Klöstern führt der Fernradweg in Richtung Norden. Zahlreiche sehenswerte Gebäude der Weserrenaissance säumen den Weg. Die historischen Innenstädte von Hannoversch Münden, der Rattenfängerstadt Hameln, Höxter, Holzminden und Rinteln reihen sich wie Perlen entlang des Wesertals. Hier  erheben sich bis zu 500 m hohe Berge, die man als Radler aber glücklicherweise nicht erklimmen muss, denn der Radweg verläuft flach und weitgehend in Flussufernähe. Unterwegs stößt man immer wieder auf Orte, an denen aus alten Geschichten berühmte Märchen entstanden sind, darunter Dornröschen, Schneewittchen, Aschenputtel und der gestiefelte Kater. Und es ist die Gegend des berühmten Lügenbarons von Münchhausen, der in Bodenwerder geboren wurde und der hier noch immer allgegenwärtig erscheint. An der Porta Westfalica durchbricht die Weser das Wiehengebirge und die Mittelgebirgslandschaft ändert sich plötzlich zu der flachen Moor- und Marschlandschaft der Norddeutschen Tiefebene. Die Mittelweser wird geprägt durch idyllische Dörfer mit einer Vielzahl alter Bauernhöfe und Windmühlen. Ein technisches Highlight bietet Minden mit dem Wasserkreuz, wo der Mittellandkanal mittels eines gewaltigen Brückenbauwerkes über die Weser geführt wird. Neben der historischen Innenstadt Mindens sind die Fachwerkstadt Nienburg und die Pferdestadt Verden unbedingt sehenswert.

Bremen mit seiner Altstadt und dem Schnoor, dem Marktplatz mit Rathaus, Dom und Roland, Böttcher- und Sögestrasse, den vielen Museen, und der Weserpromenade Schlachte ist ein absolutes kulturelles Highlight der Tour. Nun geht es am Deich der Unterweser entlang und hier kann man schon die ersten riesigen Ozeanpötte beobachten, die sich ihren Weg zum Bremer Hafen bahnen. In Nordenham trennt sich der Weg. Entweder folgt man der Strecke nach Westen bis zum Jadebusen in Eckwarderhörne, oder man setzt mit der Fähre zur Seestadt Bremerhaven über, wo sich ein Besuch des berühmten Schiffahrtsmuseums und des Auswandererhauses lohnt. Dann folgt man, begleitet von Möwen und Schafen, der Außenweser und der Nordseeküste mit seinem von der UNESCO als Weltnaturerbe geschützten Naturpark Wattenmeer bis nach Cuxhaven. Der vielfach ausgezeichnete Weser-Radweg besitzt eine Länge von 500 km, der Abstecher nach Butjadingen ist ungefähr 35 km lang. Das gelb-blau-grüne Logo mit dem kleinen Radler und dem Slogan ‚Die schönste Reise entlang der Weser‘ weist dem Radwanderer den Weg, der vom WeserKontor als zentralen Informations- und Koordinationsbüro vermarktet wird.


Charakteristik:

Da der Radweg weitgehend in Flussnähe verläuft, gibt es nur wenige nennenswerte Steigungen. Diese befinden sich zwischen Hannoversch Münden und Porta Westfalica, sind aber alle sehr moderat. Die Strecke ist durchgehend gut befahrbar und gut ausgebaut. Straßen mit Autoverkehr werden zum überwiegenden Teil vermieden. Nur in den größeren Städten muss naturgemäß mit erhöhtem Verkehrsaufkommen gerechnet werden. Die Oberfläche ist entweder asphaltiert oder besitzt eine wasserabweisende Decke. Unbefestigte Abschnitte gibt es kaum. Obwohl die offizielle Route des Weser-Radweges in der Regel nur auf einer Seite des Flusses entlang führt, kann man häufig auch die andere Seite auf gut ausgebauten Radwegen nutzen. Mehrere Gierseilfähren bieten die Möglichkeit zum Wechseln der Flussseite. Der Weser-Radweg ist ausgesprochen familienfreundlich und kann auch von wenig geübten Radlern und Kindern problemlos befahren werden.



Ortschaften entlang der Route

Hannoversch Münden / Reinhardshagen / Oberweser / Wahlsburg / Bodenfelde / Bad Karlshafen / Beverungen / Boffzen / Höxter / Holzminden / Bevern / Bodenwerder-Polle  / Emmerthal / Hameln / Hessisch Oldendorf / Rinteln / Vlotho / Bad Oeynhausen  / Porta Westfalica / Minden / Petershagen / Mittelweser / Liebenau / Nienburg / Marklohe / Heemsen / Hoya / Dörverden  / Verden (Aller) / Langwedel (Weser) / Achim / Thedinghausen / Weyhe / Bremen / Bremen-Burglesum / Bremen-Vegesack / Lemwerder / Berne / Elsfleth / Brake (Unterweser) / Stadland  / Nordenham / Butjadingen / Bremerhaven / Langen (bei Bremerhaven)   / Wurster Nordseeküste / Nordholz / Cuxhaven

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Hannoversch Münden

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o Fulda sich und Werra küssen, sie ihren Namen lassen müssen’. In Hannoversch Münden, umgangssprachlich Hann. Münden oder auch nur Münden genannt, entsteht durch das Zusammentreffen dieser beiden Flüsse der Weserstrom. Die Dreiflüssestadt ist geprägt vom Wasser: der Besuch des Wesersteins und der Weserliedanlage gehören zum touristischen Pflichtprogramm. Bereits im 13. Jahrhundert erhielt Hann. Münden das Stapelrecht. Mit diesem besonderen Handelsprivileg, nach dem alle durchreisenden Kaufleute für drei Tage ihre Ware Vorort anbieten mussten, begann der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt. Im Dreißigjährigen Krieg erlebte Hann. Münden seine dunkelste Stunde, als General Graf Tilly mit den Truppen der katholischen Liga im Jahre 1626 die Stadt belagerte, erstürmte und schließlich fast die gesamte Bevölkerung töten ließ. Auf eine Brandschatzung verzichtete er aber. So blieb die Altstadt mit über 700 Fachwerkhäusern, dem Weserrenaissance-Rathaus und dem Welfenschloss in seiner historischen Struktur fast vollständig erhalten. Sie liegt genau im Dreieck zwischen Fulda und Werra, eingebettet in die wunderschöne Landschaft des Weserberglandes. Hann. Münden ist aber auch ein echter Fahrradweg-Knotenpunkt: hier treffen die Fernradwege der Weser, Werra und Fulda sowie der Weser-Harz-Heide-Radweg aufeinander.

Sehenswertes:

Die Stadt Hann. Münden wird geprägt durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser. Damit ist die Weser der einzige deutsche Strom, der keine eigene Quelle besitzt. Hier beginnt die 450 Kilometer lange Reise des Flusses zur Nordsee. Bei Bremerhaven mündet die Weser dann in die Deutsche Bucht. Der Besuch der Weserspitze auf dem Tanzwerder, wo sich Fulda und Werra vereinen, gehört zum touristischen Pflichtprogramm in Hann. Münden. An dieser Stelle wurde 1899 ein Gedenkstein in Form eines Findlings eingeweiht. Auf ihm befindet sich die bekannte Innschrift:





 

Wo Werra sich und Fulda küssen
Sie ihre Namen büßen müssen,
Und hier entsteht durch diesen Kuss
Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.


Im Zuge der Weltausstellung ‚Expo 2000’ wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zum alten ein neuer Weserstein aufgestellt. Auch dieser Stein besitzt eine Innschrift, verfasst von dem bulgarischen Künstler Nedko Solakov. ‚Der enttäuschte Fluss’ ist eine liebevoll ironische Geschichte über das Verhältnis der drei Flüsse untereinander.

Wenige Städte besitzen ein solch geschlossenes Fachwerkstadtbild wie Honnoversch Münden. Im historischen Altstadtkern im Dreieck zwischen Fulda und Werra stehen mehr als 700 liebevoll renovierte Fachwerkbauten, die noch heute vom damaligen Wohlstand der Handelstadt zeugen. Einige Reste der alten Stadtumwehrung, innerhalb der sich die Altstadt einst befand, sind noch erhalten. Besonders sehenswert sind das Rathaus, eines der bedeutendsten Bauten der Weserrenaissance, und das Welfenschloss. Dazu kommen mit St. Blasius und St. Aegidien zwei Kirchen, die noch aus dem Mittelalter stammen. Die Aegidienkirche wurde allerdings inzwischen entwidmet. Weite Teile des Stadtkerns sind als Fußgängerzone ausgewiesen oder zumindest verkehrsberuhigt. So kann man als Besucher Hann. Münden mit seinen wunderschönen verwinkelten Gässchen und seinem historischen Stadtbild am besten zu Fuß erkunden.

Das Rathaus im Zentrum von Hannoversch Münden wurde 1603 bis 1608 erbaut und gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Weserrenaissance. Im Kern geht das Gebäude auf einen gotischen Vorgängerbau aus dem 14. Jahrhundert zurück. Beim Umbau erhielt das Ratsgebäude durch den Lemgoer Baumeister Georg Crossmann seine prächtige Schmuckfassade. Das untere Geschoss (Koph-Hus = Kaufhaus) diente einst als Börse, die obere Rathaushalle (Hochtiedhus) als Ort zum Feiern. Noch heute ist das Rathaus Verwaltungssitz des Bürgermeisters. Außerdem beherbergt das historische Gebäude das Standesamt und die Touristen-Information. Das Hochtiedhus wird häufig für Ausstellungen genutzt.

Dreimal am Tage erklingt auf dem Marktplatz am Rathaus ein Glockenspiel mit einem Spottlied auf den Doktor Johann Andreas Eisenbarth. Dieser war in der Zeit des Barock ein berühmter Wanderarzt. Im mittleren Giebel unter der Rathaustür öffnen sich dann zwei Türchen, und ein Figurenumlauf mit Szenen aus dem Leben des Doktors erscheint.

Herzog Erich I. von Lüneburg-Braunschweig hatte ein erstes Mündener Schloss erbauen lassen, das 1501 im gotischen Stil vollendet wurde und fortan sowohl als fürstliche Residenz als auch als Verwaltungssitz genutzt wurde. Der Prachtbau wurde jedoch 1560 durch ein verheerendes Feuer fast vollständig zerstört und daraufhin durch Herzog Erich II. im Stil der frühen Weserrenaissance wieder aufgebaut. Ein weiterer Brand beschädigte den Südflügel im Jahre 1849 so stark, dass er abgetragen werden musste. Seit dem 17. Jahrhundert diente das Welfenschloss nur noch gelegentlich als Aufenthaltsort für die Landesfürsten. Zwei Gemächer mit eindrucksvollen Wandmalereien aus der Zeit der Renaissance sind noch erhalten.

Heute befinden sich im Schloss das Stadtarchiv, die Stadtbücherei, das Amtsgericht und das Städtische Museum. Dieses zeigt Dokumente zur Geschichte der Stadt mit seinem bedeutenden Handelsverkehr, archäologische Fundstücke aus der Frühgeschichte und eine Sammlung alter Keramik aus der ortsansässigen Fayence-Manufaktur Hanstein, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestand.

Östlich vom Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser befindet sich der 374 km² große Naturpark Münden. Er verläuft an der Landesgrenze zu Hessen und zieht sich vom Kaufunger Wald, wo er an den Naturpark Meißner-Kaufunger Wald grenzt, über Hann. Münden bis zum Bramwald bzw. zum Dransfelder Stadtwald. Großflächige Waldgebiete und natürlich die Flusslandschaften von Werra, Fulda und Weser bestimmen den Charakter des bergigen Naturparks, der im Gegensatz zu vergleichbaren Einrichtungen durch einen eingetragenen Verein organisiert wird. Viele Wander- und Radwanderwege laden die Gäste ein, diese wunderschöne Landschaft zu erkunden. Besondere Anziehungspunkte sind dabei das Römerlager bei Hedemünden und das Bioenergiedorf Jühnde, welches seinen gesamten Wärme- und Strombedarf aus erneuerbaren Energien deckt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt Hannoversch Münden durch das Heer des berühmten Feldherren Graf Johann t’Serclaes von Tilly (1559 – 1632) belagert und schließlich gestürmt. Ein Grossteil der Einwohner wurde dabei getötet, aber die Stadt entging der Brandschatzung.

Graf Tilly war Oberbefehlshaber der Truppen der katholischen Liga, später auch Oberkommandierender des Kaiserlichen Heeres. Neben Wallenstein gilt er als bedeutendster militärischer Führer im Dreißigjährigen Krieg. Er starb 1632 selber an den Folgen einer Kriegsverwundung.

Als Erinnerung an die Belagerung Hann. Mündens wurde 1885 im Reinhardswald oberhalb der Stadt mit der so genannten Tillyschanze ein heute viel besuchter Aussichtsturm erbaut. Nach heutigen Erkenntnissen hatten sich die Kanonen Tillys allerdings an ganz anderen Positionen befunden. Dafür hat man von hier aus einen lohnenswerten Blick über die Altstadt und den Zusammenfluss von Fulda und Werra.

Am Hang des Questenberges, oberhalb der Stelle, wo Fulda sich und Werra küssen und sich damit zur Weser vereinen, befindet sich die Weserliedanlage. Dabei handelt es sich um ein gemauertes Denkmal, in das zwei Bronzeplatten eingelassen wurden. Diese zeigen die Köpfe von Franz von Dingelstedt, dem Dichter des Weserliedes, sowie von Gustav Pressel, der die Melodie dazu schrieb. Das Musikstück entstand 1835 und hat sich inzwischen zum bekannten Volkslied entwickelt. Im Jahre 1931 wurde das Denkmal eingeweiht. Von der Anlage hat man einen prächtigen Überblick über den Zusammenfluss, die Insel Tanzwerder und die Altstadt von Hannoversch Münden.

 

Weserlied

Hier hab’ ich so manches liebe Mal
mit meiner Laute gesessen,
hinunterblickend ins weite Tal
mein selbst und der Welt vergessen. 

Refrain:

Und um mich klang es so froh und hehr
und über mir tagt es so helle
und unten brauste das ferne Wehr
und der Weser blitzende Welle.

Wie liebender Sang aus geliebtem Mund,
so flüstert es rings durch die Bäume
und aus des Tales off’nem Grund
begrüßten mich nickende Träume.

Da sitz’ ich aufs neue und spähe umher
und lausche hinauf und hernieder,
die holden Weisen rauschen nicht mehr,
die Träume kehren nicht wieder

Die süßen Bilder, wie weit, wie weit!
Wie schwer der Himmel, wie trübe!
Fahr wohl, fahr wohl, du selige Zeit!
Fahrt wohl, ihr Träume der Liebe.


Als Teil der alten Stadtbefestigung von Hann. Münden wurde der Fährenpfortenturm im 14. Jahrhundert erbaut. Im 19. Jahrhundert wurde hier Bleischrot im Turmgießverfahren hergestellt. Dabei wurde im oberen Teil des Turmes Blei geschmolzen und daraufhin durch ein Sieb gegossen. Es fiel wie Hagel in den unten befindlichen Brunnen und wurde dort erkaltet wieder aufgenommen. Auf Grund dieses Verfahrens wird der Turm auch Hagelturm genannt.

Heute befindet sich im Fährenpfortenturm das Museum der Arbeit. Neben einigen alten Gerätschaften kann man auch die alte Bleischrotanlage besichtigen. Von der Aussichtsplattform hat man einen prächtigen Blick über die Altstadt von Hann. Münden und die Umgebung.

Als Hannoversch Münden im 12. Jahrhundert die Stadtrechte erhielt, errichtete man schon bald danach eine wehrhafte Stadtbefestigung mit Stadttoren und Wehrtürmen. Im 15. Jahrhundert wurde die 6 Meter hohe und bis zu 1,5 Meter dicke Mauer ausgebaut und mit Vorbauten für Kanonen versehen. Nachdem die städtische Wehrhaftigkeit an Bedeutung verloren hatte, wurde die Stadtumwehrung im 19. Jahrhundert weitgehend abgetragen. Einige wenige Fragmente blieben dennoch bis heute erhalten.

Die Rotunde ist ein altes Stadttor dieser ehemaligen Stadtbefestigung. Der Rundbau mit der Kegelhaube entstand zwischen 1502 und 1579. In ihr befindet sich heute eine Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege. An der Außenseite wurde ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus eingerichtet.

Der Maler und Grafiker Alfred Hesse (1889 – 1955) wurde in Hannoversch Münden geboren und studierte an der Kunstgewerbeschule in Kassel sowie der Kunstakademie in Köln. Ab 1920 lebte er als freischaffender Künstler in Hannover. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog es ihn in seine Heimatstadt zurück. Dort setzte er sich als Ortsheimatpfleger prägend für die Erhaltung des historischen Stadtbildes Mündens ein. Er galt als treibende Kraft bei der Sanierung von über 100 Fachwerkhäusern in der Altstadt.

Die Alfred Hesse Galerie zeigt einen Überblick über das Werk des Mündener Künstlers. Seine Lieblingsmotive waren Stadtansichten und Landschaften. Ein Großteil der ausgestellten Ölbilder, Aquarelle und Lithographien stammt aus dem privaten Nachlass Hesses. Die Galerie wird auf Anfrage bei der Alfred-Hesse-Stiftung geöffnet.

Im Jahre 2003 machte man bei Hedemünden unweit der Werra eine sensationelle Entdeckung, als man am Burgberg eine frührömische Befestigungsanlage fand. Das Militärlager wurde um das Jahr 10 v. Chr. errichtet, bestand aber nur für wenige Jahre. Der leicht erhöhte Ort war strategisch klug gewählt, denn von hier aus konnte man den Übergang über die Werra und auch die Wasserstrasse Werra/Weser kontrollieren, die schon zu dieser Zeit flussaufwärts schiffbar gewesen war. Sechs Gebäudekomplexe wurden bis heute freigelegt, wobei das Lager I mit einer Grundfläche von 1300 m² das größte war. Die Anlage wurde von einem Erd- und Holzwall umgeben, besaß vier Tore und mehrere Wachtürme. Die innere Bebauung bestand aus Holzhäusern und Zelten. Man schätzt die damalige Stammbesetzung auf 300 bis 500 Soldaten.

Planungen zufolge soll das Römerlager in der Zukunft für Besucher zugänglich gemacht werden. Eine touristische Erschließung der Fundstelle stößt jedoch auf Kritik seitens der Archäologen, da das Gelände noch immer ein erhebliches Forschungspotential bieten würde.

Stolz erhebt sich die alte Klosteranlage Bursfelde unweit der Weser über die sie umgebene Ebene. Der Konvent wurde 1093 als Benediktinerabtei gegründet. Aus dieser Zeit stammt auch die alte Klosterkirche St. Thomas und Nikolaus. Ihre charakteristische Doppelturmspitze erhielt sie allerdings erst im 19. Jahrhundert. Das Adelskloster wurde 1542 evangelisch und diente fortan als geistliches Zentrum. Das Gutshaus entstammt der Zeit des Barock und wird heute für Tagungen genutzt.  Im westlichen Kirchenteil sind noch romanische Wandmalereien erhalten. Die Glocke der Kirche stammt übrigens vom Königsberger Dom und fand über Umwege nach dem Zweiten Weltkrieg den Weg nach Burfelde.

Die gotische St. Blasiuskiche im Zentrum der Altstadt von Hann. Münden stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Zuvor stand hier an gleicher Stelle bereits eine romanische Basilika, auf deren Grundmauern das heutige Gotteshaus errichtet wurde. Der Bau zog sich allerdings bis in das 16. Jahrhundert hin. Erst 1584 wurde der Turm der Hallenkirche fertig gestellt. Er wird bekrönt von einer markant geschwungenen Haube.

Die mittelalterliche Kirche St. Aegidien ist das älteste Gotteshaus in Hann. Münden. Allerdings hat sie nicht die Größe der Pfarrkirche St. Blasius. Vermutungen gehen so weit, dass es die Kirche bereits vor der Stadtgründung im 12. Jahrhundert gegeben hat. Seit dieser Zeit ist sie aber urkundlich nachweisbar. Als im Jahre 1626 während des Dreißigjährigen Krieges Graf Tilly die Stadt erstürmte, explodierte in unmittelbarer Nähe ein Pulvermagazin. Dabei wurde St. Aegidien weitgehend zerstört. Nur die Sakristei und die Apsis blieben erhalten. Erst zwanzig Jahre später wurde das Kirchenschiff wieder aufgebaut. Der Fachwerkturm wurde 1729 fertig gestellt. Im Jahre 2006 wurde die evangelische Pfarrkirche schließlich entwidmet und beherbergt heute ein uriges Café, bei dem der kirchliche Charakter erhalten blieb.

Der in der Barockzeit berühmte Wanderarzt Doktor Johann Andreas Eisenbarth verstarb 1727 auf der Durchreise in Hann. Münden und wurde in der Aegidienkirche beigesetzt. Seine Grabplatte befindet sich an der Nordseite des ehemaligen Gotteshauses.

Von der Vorstadt Blume führt eine über 700 Jahre alte Steinbrücke über die Werra in die Altstadt von Hann. Münden. Sie gehört zu den ältesten Steinbrücken Norddeutschlands. Von den sieben Bögen sind noch fünf in originalem Zustand erhalten. Die beiden anderen Bögen wurden im 19. Jahrhundert ergänzt. Das Bauwerk war einst überdacht. Am Brückenkopf befanden sich im Mittelalter Türme, die als Teil der Stadtumwehrung der Verteidigung dienten.

Der Forstbotanische Garten in Hannoversch Münden wurde 1868 als Bestandteil der Königlich Preußischen Forstakademie angelegt. Der Baumgarten ist für seine außergewöhnliche Artenvielfalt bekannt, denn hier gedeihen über 750 verschiedene Bäume und Sträucher aus aller Welt. Das fast 3 ha große Gelände ist täglich für Besucher geöffnet.

Hann. Münden gehörte im Jahr 2000 zu den Außenstellen der Weltausstellung ‚Expo 2000’ in Hannover. In diesem Zusammenhang entstanden mehrere Kunstprojekte und Installationen, die alle einen Bezug zum Wasser besitzen. Das Projekt ‚Wasserspuren’ wurde auf drei Plätzen der Innenstadt installiert und besteht aus Brunnen, kleinen Wasserläufen und einem Wasserspielplatz.

Darüber hinaus entstanden unter dem Motto ‚3 Räume – 3 Flüsse’ mehrere Kunstwerke, von denen sich fünf Installationen bis heute erhalten haben. Zu diesen öffentlich zugänglichen Skulpturen gehören der neue (traurige) Weserstein auf dem Tanzwerder und das ‚pila bautismal’ (Taufbecken) von Riccardo Brey.

Auf dem Doktorwerder wurde zur gleichen Zeit der ‚Expo-Themenpfad Wasser’ eingerichtet.

Nur noch wenige Mauerreste sind von der alten Laurentiuskirche erhalten, die schon seit mehreren Jahrhunderten nicht mehr als Gotteshaus dient. Ursprünglich entstammt die zum ehemaligen Dorf Gimundi gehörende Kirche vermutlich aus dem 11. Jahrhundert. Die dicken Mauern deuten auf eine Verwendung als Wehrkirche hin. Sie wurde im 13. Jahrhundert erweitert und besaß wahrscheinlich keinen Kirchturm. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche zum großen Teil abgetragen, da man das Steinmaterial für andere Kirchenbauwerke benötigte. Seit dieser Zeit wurde das Gelände als Garten genutzt, einige Mauerreste wurden in ein Gartenhaus integriert.

Von den vielen pittoresken Fachwerkhäusern innerhalb der Altstadt von Hann. Münden heben sich die beiden alten Packhöfe von Gestalt und Größe deutlich ab. Sie entstanden erst im 19. Jahrhundert auf den mit Pfählen und Mauern befestigten Flussufern, den so genannten Schlagden. Hier wurden einst die Waren umgeschlagen, die auf den Flüssen angeliefert wurden.

Der Packhof an der Wanfrieder Schlagd entstand 1840 im klassizistischen Baustil. Heute finden hier Ausstellungen statt. An der Bremer Schlagd befindet sich der andere Packhof. Er wurde 1837 errichtet und beherbergt heute ein Hotel.






Reinhardshagen

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wischen den malerischen Hängen des Reinhardwaldes und dem Ufer der Weser liegt die Gemeinde Reinhardshagen. Sie besteht aus den zuvor unabhängigen Orten Vaake und Veckerhagen. Erst 1971 erfand man in Anlehnung an den Reinhardswald den neuen Gemeindenamen. Die Weser bildet hier auch die Grenze Hessens zu Niedersachsen. Die alte Burgruine, Vorgängerbau des barocken Jagdschlosses Veckerhagen, diente einst der Sicherung der Staatsgrenze. In beiden Ortsteilen stehen noch viele alte Fachwerkhäuser. Sehenswert sind auch die beiden evangelischen Kirchen. Die rustikale romanische Wehrkirche in Vaake stammt noch aus dem 13. Jahrhundert, das Gotteshaus in Veckerhagen vereint in ihrem Bau barocke und klassizistische Stilelemente.

Sehenswertes:

Nahe der Weser steht die trutzig wirkende evangelische Kirche von Vaake. Die romanische Backsteinkirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts als Wehrkirche erbaut. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das einschiffige Gotteshaus schwer beschädigt, bald darauf aber etwas verändert wieder aufgebaut. Im Inneren der Kirche befinden sich noch alte Fresken, die um das Jahr 1400 entstanden.

Die Evangelische Kirche in Veckerhagen fällt durch ihre ungewöhnliche Bauform auf. Sie wurde von 1778 bis 1780 auf einem kreuzförmigen Grundriss angelegt und vereint Elemente des Barock mit den gradlinigen Stilmitteln des damals gerade aufkommenden Klassizismus. Im Schnittbereich der Kreuzarme erhebt sich mittig der Kirchturm über das restliche Gebäude. Die Rokoko-Orgel im Inneren des Gotteshauses ist ein besonderer Blickfang. Sie stammt aus der Werkstatt des Johann Stephan Heeren und wurde 1787 erbaut.

Am Hang des Reinhardswaldes steht eine denkmalgeschützte stillgelegte Maschinenfabrik. Sie entstand 1666 als ‚landgräfliche Eisenhütte Veckerhagen’. Bis zum Jahr 1903 wurden hier hochwertige Gusswaren hergestellt. In dieser Fabrik entstand um 1706 der erste Dampfzylinder der Welt. Hier wurden auch die Stahlseile für die Gierseilfähre nach Hemeln produziert.

In der heute noch bestehenden Anlage soll in naher Zukunft das EcoMuseum Reinhardswald eingerichtet werden.

Am linken Ufer der Weser steht stolz das Schloss Veckerhagen. Das barocke Gebäude wurde 1689 direkt neben der ‚Alten Burg’ als Jagdschloss durch den Landgrafen Karl von Hessen-Kassel erbaut. Im Jahre 1431 war die Burganlage vor allem aus militärischen Gründen errichtet worden, denn die Weser fungierte damals als natürliche Staatsgrenze. Das gesamte Anwesen kam 1810 in den Besitz des Unternehmers G.E. Habich, der in der Alten Burg eine Farbenfabrik einrichtete. Als das Gemäuer 1914 bei einem Großfeuer nieder brannte, wurde sie danach nicht wieder aufgebaut. Nach einem weiteren Feuer 1967 blieben nur noch wenige Mauerreste stehen. Südlich des Barockschlosses, das man heute auch Habichs Schloss nennt, wurden auf einem großen Gelände neue Fabrikhallen errichtet. Die Firma ‚Habich Farben’ ist heute der größte Arbeitgeber in Reinhardshagen. Sowohl das Schloss als auch die Fabrik befinden sich noch immer im Familienbesitz.

Gierseilfähren nutzen die Strömung des Flusses, um diesen zu überqueren. Die technische Idee zu dieser Antriebsform stammt aus dem 17. Jahrhundert. Auf der Weser haben sich noch ein paar Fähren dieses Typs erhalten. Bei der Fähre Veckerhagen hängt das Boot an einem starken Drahtseil, das in wenigen Metern Höhe quer über die Weser gespannt ist. Nur der Anstellwinkel zur Strömung wird noch durch eine Motorwinde eingestellt, ansonsten funktioniert der Fährbetrieb ohne Motorantrieb. Die Verbindung zwischen Veckerhagen und Hemeln existiert bereits seit über 670 Jahren. Damals allerdings wurde die Fähre noch mit reiner Muskelkraft betrieben.






Oberweser

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ie Gemeinde Oberweser liegt in einer der schönsten Mittelgebirgslandschaften Deutschlands. Der hier noch sehr verträumt wirkende Weserstrom liegt eingebettet zwischen Solling, Kiffing, Bramwald und Reinhardswald. Erst 1971 entstand ‚Oberweser’ als neues politisches Kunstgebilde und vereinte mehrere kleinere zuvor selbstständige Gemeinden. Oberweser liegt an der Deutschen Märchenstrasse und ist Ursprung zweier berühmter Märchen, die von den Gebrüdern Grimm niedergeschrieben wurden. ‚Schneewittchen und die sieben Zwerge’ stammt aus dem Ortsteil Gieselwerder, die Geschichte vom ‚Gestiefelten Kater’ kommt aus Oedelsheim. Außerdem liegt das Dornröschenschloss ‚Sababurg’ nur wenig entfernt im gemeindefreien Gebiet des Rheinhardswaldes. Die alte Gierseilfähre bei Oedelsheim wird in Anlehnung an das Märchen ‚Gestiefelter Kater’ genannt.
Die Franzosendörfer Gewissensruh und Gottstreu sind alte Kolonien der Waldenser. Die aus den französischen Alpen stammende Glaubensgruppe erreichte im frühen 18. Jahrhundert nach einer längeren Odyssee das Wesertal, um hier schließlich sesshaft zu werden.
Die Samtgemeinde Oberweser besitzt eine stattliche Anzahl von kleineren interessanten Museen. Ein besonderer Anziehungspunkt ist das Freilichtmuseum Mühlenplatz in Gieselwerder mit seinen originalgetreuen Miniaturnachbildungen von zahlreichen historischen Bauwerken. Beeindruckend ist auch der Anblick des bergauf fließenden Baches im Reinhardswald an der Straße nach Gottsbüren – wobei es sich hierbei nur um eine optische Täuschung handelt.

Sehenswertes:

Wo einst im Mittelalter eine alte Wasserburg stand, befindet sich heute das schmucke Rathaus der Samtgemeinde Oberweser. Bevor diese 1971 gegründet wurde, beherbergte das Gebäude vier Jahre lang die Gemeindeverwaltung von Gieselwerder. Schon im 11. Jahrhundert diente dieser Ort als Amtssitz der Grafen von Werder. Das heutige Fachwerkhaus mit dem steilen großflächigen Dach stammt erst aus dem letzten Jahrhundert, da der Vorgängerbau aus dem 18. Jahrhundert durch ein Feuer zerstört wurde.

Von der ehemaligen Burganlage sind noch Teile der Umfassungsmauer sowie Fundamentreste erhalten. Ein Modell der Wasserburg befindet sich vor dem Rathaus.

Wenn das Wasser beginnt, durch das kleine, aber weit verzweigte Kanalsystem zu laufen, fangen lauter kleine Wasserrädchen an, sich stetig zu drehen. Diese kleinen Räder gehören zu Miniaturwassermühlen, die als Modelle originalgetreu ihren großen Vorbildern nachempfunden wurden. Vor dem Besucher liegt eine bezaubernde Spielzeuglandschaft, in der es überall plätschert und rotiert. Jede kleine Mühle besitzt ihren eigenen Reiz.

Das Freilichtmuseum Mühlenplatz entstand 1969, als Richard Wittich, der in liebevoller Kleinarbeit die Modelle im Maßstab 1:25 bzw. 1:40 erschaffen hatte, seinen Mühlenplatz der Öffentlichkeit zugänglich machte. Neben der zentralen Mühlenlandschaft stehen auf einem 3000 m² großen Gelände Miniaturmodelle von Burgen, Schlössern, Kirchen und Rathäusern. Die Sammlung von inzwischen über 60 Bauwerken wird ständig erweitert.

In einem 200 Jahre alten Fachwerkhaus in Arenborn hat der hiesige Heimatverein ein kleines Museum eingerichtet. Die Ausstellung widmet sich dem bäuerlichen Leben und historischen Handwerksberufen. In der alten Spinn- und Webstube oder in der Schusterwerkstatt erhält der Besucher einen Eindruck, wie in vergangenen Jahrhunderten gearbeitet wurde. Das Heimatmuseum zeigt eine Vielzahl von damals gebräuchlichen Geräten und Werkzeugen. Typisch eingerichtete Wohnräume beschreiben das ländliche Leben abseits der beschwerlichen Arbeit.

Die Waldenser sind eine mittelalterliche reformierte Glaubensgemeinschaft, die ursprünglich aus dem französischen Piemont stammt. Von dort aus wurden sie zunächst nach Württemberg vertrieben. Im frühen 18. Jahrhundert versuchte eine größere Waldensergruppe, weiter nach Ostpreußen zu ziehen. Doch auch dort waren sie nicht willkommen und so endete ihre Reise schließlich im Tal der Weser, wo sie 1722 die beiden Siedlungen Gewissensruh und Gottstreu gründeten. Die Waldenserkolonien werden noch heute ‚Franzosendörfer’ genannt.

Im alten, 1826 erbauten Schulgebäude von Gottstreu befindet sich heute ein Museum, das die Geschichte der Glaubensbewegung, ihre Odyssee durch Mitteleuropa sowie ihre immer noch bestehende und an die Lehre Calvin angelehnte Werte- und Lebensordnung dokumentiert.

In der Ortsmitte von Oedelsheim haben sich eine ganze Reihe von liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern erhalten. In einem dieser Gebäude, einem 1656 errichteten Ständerbau, wurde 1996 das Dorfmuseum eingerichtet. Die Ausstellung widmet sich der Geschichte Oedelsheims, der Flößerei und Schifffahrt auf der Weser sowie dem traditionellen Handwerk, insbesondere der Weberei und Textilherstellung. Sonderausstellungen zu aktuelle Themen ergänzen die ständige Ausstellung.

Der Weserstrom hat als Transportweg auch an der Oberweser bereits eine lange Geschichte. Das Schiffermuseum widmet sich der Dokumentation der Binnenschifffahrt. Neben Modellen von historischen Raddampfern und alten Kähnen finden sich allerlei Exponate rund um den Wasserstrassenverkehr. Dazu gehören auch originale Schiffsteile, wie Anker, Schiffsschrauben und sogar ein echtes Steuerhaus. Auf Schautafel werden das beschwerliche Leben eines Schiffers sowie seine Ausbildung beschrieben.

Die Region der Oberweser wurde wirtschaftlich nicht nur durch die Flussschifffahrt, sondern auch durch die Weberei und Textilherstellung entscheidend geprägt. In einem alten Fachwerkhaus am Schneewittchenplatz gab es früher einmal eine Schneiderei. Heute beherbergt dieses ‚Kleiner Schneider’ genannte Weser-Diemelhaus ein Museum, das sich der Dokumentation dieses traditionellen Handwerks verschrieben hat. Hier werden sowohl Webgeräte und Spinnräder als auch handgewebte Produkte präsentiert. In der Webstube steht noch ein 200 Jahre alter betriebsbereiter Webstuhl. Das Museum ist nach der Familie Kircher benannt, aus deren Mitte Generationen von Webmeistern stammen. Ein Ausstellungsbereich befasst sich auch mit der Geschichte der Firma Kircher.

Jeden Mittwoch von 15:00 bis 17:00 Uhr findet im Weberei-Museum eine Handarbeitsrunde statt, zu der ein jeder kommen und mitarbeiten kann.

Im Zentrum der Ortschaft Gieselwerder steht die evangelische Christuskirche. Sie wurde 1813 als Fachwerkbau mit Walmdach errichtet, wobei das Fachwerk zunächst unter Putz lag und erst im letzten Jahrhundert freigelegt wurde. Im Inneren des Gotteshauses fällt das außergewöhnliche Farbenspiel der Fenster auf. Das Taufbecken und das Altar-Kruzifix sind Werke des aus der Region stammenden Bildhauers Wilhelm Hugues (1905 – 1971).

Im Jahre 1722 wurde die Waldenserkolonie Gewissensruh gegründet. Die Waldenser waren eine reformierte Glaubensgruppe, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem französischen Piemont geflüchtet war. Ihre kleine Dorfkirche erbauten sie 1779 aus Weser-Sandstein. Die französische Inschrift über dem Kircheneingang lautet: ‚Certes leternel est en çe lieu et je n´an savoie rien’ (Gewiss ist der Ewige an diesem Ort, und ich wusste es nicht. 1. Mose 28, 16). Das Innere der Kirche fällt nach der Lehre Calvins, an die sich die Waldenser anlehnen, eher schlicht aus. Bis 1825 wurden die Gottesdienste in der Waldenserkirche in Französisch abgehalten.

Die Waldenser waren eine christlich-reformierte Glaubensgruppe, die aus dem französischen Piemont stammte und von dort Ende des 17. Jahrhunderts vertrieben wurde. Nach einer längeren Odyssee ließ sich ein Teil von ihnen im Wesertal nieder. Hier gründeten sie 1722 die Kolonie Gottestreu. 1730 erbauten sie sich aus Weser-Sandstein eine eigene kleine Saalkirche, deren Innenausstattung nach der Lehre Calvins sehr schlicht gehalten ist. Bis 1825 wurden die Gottesdienste in der Waldenserkirche in Französisch abgehalten.






Wahlsburg

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n einem malerischen Talkessel des Weserberglandes, eingerahmt vom Solling im Norden, dem Reinhardswald im Westen und den Kiffing im Süden befindet sich im äußersten Nord-Osten von Hessen die Gemeinde Wahlsburg. Sie vereint seit der Gemeindereform die beiden zuvor selbstständigen Ortsteile Lippoldsberg und Vernawahlshausen. Im Westen bildet die Weser die natürliche Gemeindegrenze. Der namensgebende Berg ‚Wahlsburg’ liegt genau zwischen den beiden Ortsteilen, gehört aber bereits zum Gemeindegebiet von Oberweser. Die im 12. Jahrhundert erbauten Klosterkirche St. Georg und Maria zählt zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken der Region. Das damalige Benediktinerinnenkloster bildete die Keimzelle für das Dorf Lippoldsberg. Sehenswert ist aber auch die Margarethenkirche in Vernawahlshausen mit ihren romanischen und gotischen Wandmalereien.

Sehenswertes:

Der Ursprung des Klosters Lippoldsberg liegt im 11. Jahrhundert, als hier an einer Weserfurt eine hölzernde Kirche entstand, die aber noch im gleichen Jahrhundert durch eine erste Steinkirche ersetzt wurde. Bald danach wurde das Benediktinerinnenkloster gegründet. Die heutige Klosterkirche St. Georg und Maria wurde 1151 geweiht. Die Basilika aus Buntstein wurde dem Mainzer Dom nachempfunden und gilt als eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke der Region. Im Zuge der Reformation nahm das Kloster keine neuen Novizinnen mehr auf, so dass die Nonnen schließlich 1569 ausstarben. Damit endete das Klosterleben und das Anwesen wurde evangelisch. Das ehemalige Klostergebäude diente dann zunächst als Kammergut, später als hessische bzw. preußische Domäne.

Anfang des 18. Jahrhunderts baute Landgraf Karl von Hessen den Westflügel des Klosters zu seinem Jagdschloss um und der Kirchturm erhielt eine neue barocke Haube.

Bemerkenswert ist der reich verzierte Taufstein, der aus der Zeit um 1235 stammt.

Im Ortskern von Vernawahlshausen steht die evangelische Margarethenkirche. Der Chorraum stammt noch aus der romanischen Zeit um 1100. Vermutlich gab es bereits im 10. Jahrhundert eine Vorgängerkapelle am gleichen Ort. Besonders beeindruckt der einzigartige Fachwerkturm mit seiner außergewöhnlichen geschwungenen Haube. Als in den 1950er Jahren das Innere der Margarethenkirche renoviert wurde, konnte man romanische und gotische Wandmalereien freilegen, die man Anfang dieses Jahrhunderts aufwendig sanieren ließ. Darüber hinaus befinden sich auch im Kirchenschiff beeindrucke Fresken, die in die Zeit der Renaissance datiert werden.

Dem ehemaligen Kloster Lippoldsberg zugewandt, steht an der Straße ‚Schäferhof’ eine sehenswerte Häuserzeile mit mehreren historischen Längsdielenhäusern. Eines dieser so genannten ‚Weser-Diemel-Häuser’ ist das Schäferhaus, das einst im Stall den Gemeindeziegelbock beherbergte. Heute befindet sich hier ein kleines Heimatmuseum mit einem altertümlichem Kaufmannsladen, einer Schmiede und einem Backhaus. Mehrere alteingerichtete Wohnräume spiegeln das Leben der Dorfbevölkerung in der vergangenen Zeit wieder.

Bereits im Mittelalter betrieb das Kloster Lippoldsberg eine eigene Wassermühle. Ein etwa 2,5 km langer Mühlengraben leitete einen Teil des Wassers der nahen Schwülme zu der Anlage um. 1908 ersetzte der damalige Müller das Wasserrad durch eine Turbine. So konnte er die Wasserkraft sehr viel effizienter nutzen. Nachdem die Mühle im Ersten Weltkrieg abgebrannt war, wurde 1922 ein verbessertes Kraftwerk aufgebaut, dass 1929 von der Energie-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) übernommen wurde. Die EAM richtete in dem Gebäude ein Museum ein, dass die Funktion des Wasserkraftwerkes beschreibt, auf die Geschichte der Anlage eingeht und über Stromnutzung und erneuerbare Energien informiert.

Das Werk wird seit 1999 wieder privat betrieben und inzwischen ging die EAM in der Gesellschaft E.ON auf. Aber das Museum ist nach vorheriger Vereinbarung weiterhin zu besichtigen.




 

Bodenfelde

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n der malerischen Solling-Vogler-Region des Weserberglandes liegt direkt am Ufer der Oberweser der Flecken Bodenfelde. Er besteht aus den Ortschaften Bodenfelde, Wahmbeck und Nienover und ist geprägt von historischen Fachwerkhäusern und einer noch unverfälschten, waldreichen Hügellandschaft. Auf vielen Wanderwegen kann man zu Fuß oder per Rad diese traumhafte Gegend erkunden. Insbesondere der nahe Solling mit seinen lichten Waldgebieten und seinen herrlichen Ausblicken lädt zu einem Ausflug ein. Das Fachwerkschloss Nienover, das auf einem Hügel des Sollings steht, ist nur von außen zu besichtigen. Auf dem Anwesen befindet sich heute ein Pferdegestüt.
Eine kleine Rast sollte man an der Weserpromenade von Bodenfelde machen, denn der Fluss entfaltet hier eine geradezu romantische Schönheit. Ein Stückchen flussabwärts verbindet eine Gierseilfähre den Ortsteil Wahmbeck mit dem hessischen Ufer bei Gewissensruh.
Im Mittelalter wurden die Solequellen bei Bodenfelde noch zur Salzgewinnung genutzt. Den Status als staatlich anerkannter Erholungsort verlor der Flecken allerdings im Jahre 2010.

Sehenswertes:

Auf einem kleinen Hügel im Solling befindet sich ein außergewöhnliches Fachwerkschloss. Es wurde 1640 als ‚Berg- und Jagdhaus’ errichtet, nachdem die Vorgängerburg aus dem 12. Jahrhundert im 30jährigen Krieg zerstört wurde. Die Dreiflügelanlage besteht im unteren Teil aus festem Naturstein. Darüber befindet sich eine Etage aus Fachwerk. Das Innere des Gebäudes ist reich mit Schmuckelementen aus dem Barock und Rokoko ausgestattet. Nachdem das Anwesen im letzten Jahrhundert der Universität Göttingen als Außenstelle diente, wurde es 2005 privat verkauft. Heute befindet sich hier ein Schlossgestüt.

Die Geschichte von Nienover ist aber noch älter. Bereits im 11. Jahrhundert hatte es eine weitere Vorgängerburg gegeben. Bei archäologischen Grabungen entdeckte man die Überreste einer mittelalterlichen Stadt unweit des Adelssitzes. Diese Stadt besaß eine zu dieser Zeit beachtliche Größe. Warum sie Mitte des 12. Jahrhunderts unterging, ist heute nicht mehr bekannt.