Vechtetalroute

D

ie Vechte entspringt im tiefsten Münsterland bei Darfeld. Sie schlängelt sich zunächst in Richtung Norden ins Emsland, um hinter Nordhorn nach Westen abzubiegen. Hinter der deutsch-niederländischen Grenze heißt sie nun Overijsselse Vecht‘. Nordöstlich der alten Handelsstadt Zwolle mündet sie schließlich nach rund 180 km in das Zwarte Wasser und damit in das verzweigte Wassersystem der Ijssel. Die Vechte gilt als ein Fluss mit zwei Gesichtern. Erst windet sie sich  malerisch und beschaulich durch die grüne Parklandschaft des Münsterlandes, um ab Metelen kanalisiert im begradigten Bett ihren Weg fortzusetzen. Der Ursprung der Vechte ist nicht ganz eindeutig, da sie sich aus einem Geflecht von Gräben speist. Dennoch gilt heute die gut zugängliche Quelle in Darfeld als Beginn des Flüsschens. Hier startet auch die Vechtetalroute, die nun auf einer Streckenlänge von 225 km grob dem Verlauf des Flusses folgt. Ab dem niedersächsischen Nordhorn ist die Route fast identisch mit dem niederländischen Radfernweg ‚kunstwegen‘, und so kann man am Wegesrand immer wieder Kunstobjekte – durchaus von namhaften Künstlern – entdecken. Die ‚kunstwegen‘ wird auch gerne als das größte Freilichtmuseum Europas bezeichnet. Als doppelte Themenroute setzt der Radfernweg grenzüberschreitend seinen Weg in der niederländischen Provinz Overijssel fort. Durch die waldreiche Umgebung um Hardenberg, Ommen und Dalfsen führt der Weg schließlich nach Zwolle, die Hauptstadt der Provinz. Bereits im Jahre 1230 hatte die ehemalige Hansestadt die Stadtrechte erhalten. Sie erlebte im 15. Jahrhundert als Zentrum der Buchdruckerkunst eine Blütezeit. Die hier mündende Vechte war übrigens bis in das 19. Jahrhundert schiffbar, um den im Münsterland abgebauten Baumberger Sandstein in die Niederlande zu befördern.


Danach übernahmen neu angelegte Kanäle die Aufgabe des Transportweges. Die Beschilderung zeigt einen grünen Radfahrer und den Schriftzug ‚Vechtetalroute‘, teilweise ergänzt mit dem Zusatz ‚(von Darfeld nach Zwolle 225 km)‘, in den Niederlanden: ‚Vechtdalroute van Zwolle naar Darfeld 225 km). Teilweise sind die Wegemarkierungen der Vechtetalroute auch mit dem Logo der ‚kunstwegen‘ kombiniert. Der Radfernweg wurde vom ADFC mit dem Prädikat Qualitätsradroute mit drei Sternen ausgezeichnet und darf sich darüber hinaus auch ‚Premiumroute der Radregion Münsterland‘ nennen.

Um zur Vechtequelle zu gelangen, kann man gut vom Bahnhof Coesfeld aus der ‚RadBahn Münsterland‘ folgen. Der Radweg führt auf einer alten Bahntrasse von Coesfeld über Rosendahl-Darfeld, Horstmar und Steinfurt bis nach Rheine. Die Anfahrt zur Quelle hat eine Länge von 14,5 km.

Kunstroute Schöppingen

RadBahn Münsterland


Charakteristik:

Die Vechtetalroute ist ein leichter Radfernweg und auch für Familien mit Kindern sowie für Ungeübte geeignet. Die Landschaft ist überwiegend flach, nur zu Beginn ist es zwischen Rosendahl und Metelen noch leicht wellig. Der Radweg verläuft überwiegend auf gut ausgebauten Asphaltstraßen und ist vorwiegend verkehrsarm. Auch in Deutschland gibt es teilweise eine niederländische Beschilderung der Vechteroute. Die Streckenverläufe weichen an ein paar Stellen von der deutschen leicht ab.


Ortschaften entlang der Route

Rosendahl / Schöppingen / Metelen / Ochtrup / Wettringen / Ohne / Samern / Schüttorf / Quendorf / Engden / Nordhorn / Neuenhaus / Uelsen / Gölenkamp / Esche (Grafschaft Bentheim) / Hoogstede / Ringe / Emlichheim / Laar (Grafschaft Bentheim) / Gramsbergen / Hardenberg / Ommen / Dalfsen / Zwolle

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Rosendahl

R
osendahl ist eine Gemeinde, die 1969 aus dem Zusammenschluss der zuvor selbstständigen Dörfer Darfeld und Osterwick hervorging. Im Jahre 1975 kam auch das Dorf Holtwick hinzu. Der Name Rosendahl bezeichnete zuvor eine wenig bekannte Gemarkung zwischen den Dörfern Darfeld und Osterwick und diente als Kunstgriff für einen neu zu bildenden Gemeindenamen. Die Dörfer besitzen immer noch ihre eigene Identität und es gibt eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Insbesondere das Schloss Darfeld mit seinen doppelstöckigen venezianischen Bogenhallen und das ehemalige Kloster und heutige Schloss Valar mit seiner klassizistischen Fassade lohnen einen Besuch.

Sehenswertes:

Schloss Valar erinnert in keiner Weise mehr daran, dass sich hier vor gut 200 Jahren noch ein Kloster befand. Nach größeren Abriss- und Umbauarbeiten entstand eine der wenigen klassizistischen Schlossfassaden im Münsterland. Der Bauwille des Adels war nach den napoleonischen Kriegen im 19. Jahrhundert sicht mehr besonders groß, auch befürchtete man das Aufbegehren des Volkes gegen die Macht und den Prunk des Adels. So kann die von Adolf von Vagedes erschaffene Ostfront als die schönste und aufwendigste klassizistische Arbeit an einem Schloss im Münsterland gelten. Eine seenartig verbreiterte Gräfte umfließt die Residenz an der Ostseite und sorgt für einen harmonisch verträumten Gesamteindruck. Ein kleiner Park schließt sich außerhalb der Gräfte an die Schlossanlage an. Das Schloss Valar wird vom Fürsten von Salm-Horstmar bewohnt und kann daher nicht betreten werden.

  

Geschichtlicher Ablauf

11. Jhd.

Die Ursprünge des Schlosses liegen im Dunkeln, es muss jedoch hier an dieser Stelle bereits vor dem 12. Jahrhundert einen Oberhof mit einer Kirche gegeben haben, der sich im Besitz der Grafen von Cappenberg befand. Im 11. Jahrhundert wird ein Haupthof urkundlich erwähnt, dessen Besitzer eine Edelfrau namens Reimod, vermutlich eine Verwandte der Grafen von Cappenberg, war.

1121

Nachdem Graf Otto von Cappenberg den Gründer des Prämonstratenserordens, Norbert von Xanten, kennen gelernt hatte, stiftete er den Familienstammsitz, Burg Cappenberg, dem Orden.

1126

Auch Schloss Valar wird an den Prämonstratenserordens übergeben. Nur Adlige wurden aufgenommen. So wurde das Kloster zum Auffangbecken von letztgeborenen Mitgliedern fürstlicher Familien und gewann so schnell an Macht und Einfluß.

1687-1709

Die Propstei entsteht. Von ihr sind heute nur noch Süd- und Ostflügel erhalten.

1803

Mit dem Reichsdeputationshauptausschuß wurde das Kloster aufgelöst und der Besitz den Wild- und Rheingrafen vom Salm-Grumbach, die später den Titel Fürsten von Salm Horstmar erhielten, übereignet. Die Familie ist noch heute im Besitz des Schlosses.

1821

In der Folgezeit wurden große Teile des ehemaligen Klosters, wie Kirche und Kreuzgang, niedergerissen. Erhalten blieben lediglich der Westtrakt und der Südflügel mit dem so genannten „Rittersaal“.

1828

Unter der architektonischen Leitung von Adolf von Vagedes entstand die Ostfront des klassizistischen Gebäudes.

1896

Treppenbau im neubarocken Stil an der Hofinnenseite. Das Schloss erhielt ein Mansardendach.

1921

Abbruch des ehemaligen „Rittersaales“, der durch einen Neubau ersetzt wurde.

Im Vergleich zu anderen Schlössern im Münsterland fällt Schloss Darfeld völlig aus dem Rahmen. Erbaut wurde es im venezianischen Stil Anfang des 16. Jahrhunderts. Besonders die markanten Arkardengänge fallen ins Auge. Schloss Darfeld wurde aus rein repräsentativen Gründen erbaut, blieb aber ein Torso. Geplant vom Architekten und Bildhauer Gerhard Gröninger als Achtflügelanlage mit vier Türmen, wurden aber nur zwei Flügel fertig gestellt. Es war zum heftigen Streit zwischen Gröninger und dem Bauherren Ritter Jobst von Vörden gekommen, und so blieb der Schlossbau unvollendet. Trotzdem ist Schloss Darfeld mit seiner südländischen Leichtigkeit ein wahres architektonisches Schmuckstück. Das barocke Gartenhäuschen im Schlossgarten, die Antoinettenburg, wurde von Johann Conrad Schlaun im Jahre 1767 erschaffen. Von den umherlaufenden Wegen kann man die privat bewohnte Schlossanlage gut einsehen.

 

Hinter der Szererie:

Die 1863 geborene Ordensschwester Maria vom Göttlichen Herzen, geborene Gräfin Droste zu Vischering verbrachte ihre gesamte Kindheit und Jugend auf Schloss Darfeld. Sie wurde 1975 durch Papst VI. selig gesprochen.


  

Geschichtlicher Ablauf

13. Jhd.

Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts war das Haus Darfeld der Dienstadelssitz der Herren von Darfeld. Dann wurde die Anlage an die Herren von Vörden vererbt.

1612-16

Jobst von Vörden veranlasst den Neubau durch den münsteraner Baumeister und Bildhauer Gerhard Gröninger. Von der ursprünglich geplanten pompösen Acht-Flügel-Anlage wurden jedoch nur zwei fertiggestellt. Nach einem unversöhnlichen Streit zwischen Architekten und Bauherren blieb das Schloss Darfeld unvollendet. Wegen finanzieller Probleme übergab Jobst wenig später seinem Bruder Heinrich.

1651

Verkauf an den Grafen Adrian von Flodorf, der Schloss Darfeld aber bald schon dem Bischof von Münster überließ.

1680

Übernahme des Schlosses durch die Familie Droste zu Vischering, die bald darauf von der Burg Vischering nach Darfeld übersiedelte.

1767

Bau der Antoinettenburg als barockes Gartenhäuschen im Schlossgarten durch Johann Conrad Schlaun.

1873

Nach den Plänen von Hilger Hertel, dem Älteren entsteht die Kapelle als Anbau.

1899

Durch einen Brand wird das Schloss weitgehend zerstört.

1902-04

Wiederaufbau teils orginalgetreu, teils im Stil der Neorenaissance durch Hermann Schaedler.
Das Schloss Darfeld befindet sich immer noch im Besitz vom Drosten zu Vischering und ist privat von der Familie bewohnt.

Verträumt am Wegesrand liegen die Reste des Hauses Burlo. Von der alten Klosteranlage, die der Säkularisation zum Opfer fiel, sind lediglich das alte Brauhaus auf dem Hof Laukötter und die restaurierte alte Wassermühle erhalten.

  

Geschichtlicher Ablauf

14. Jhd.

Der Burgmann Konrad von Strick zu Horstmar gründet Haus Burlo als Wilhelmitenkloster.

1448

Umwandlung in ein Zisterzienserkloster.

1803

Im Zuge des Reichsdeputationshauptausschusses wird das Kloster aufgelöst.
Die Gebäude existieren heute, bis auf das Brauhaus und die alte Wassermühle, nicht mehr.

Etwas abseits der Route befindet sich der alte Gräftenhof von Haus Rockel. Besonders imposant erscheint das mächtige Torhaus aus rotem Backstein mit seinen Schießscharten. Die früher auch Valckenburg genannte Anlage gehört einem Zweig der Familie Droste zu Vischering.

Im Jahre 1878 wurde eine Eisenbahnlinie eröffnet, die Oberhausen mit Rheine verband. Auch das Dorf Darfeld bekam so seinen Bahnhof. Nach über 100 Jahren aber wurde die Strecke stillgelegt. Heute dient das historische Bahnhofsgebäude als Kulturzentrum. Unter dem Motto ‚Kultur im Wartesaal’ finden hier wechselnde Ausstellungen statt. Ein Bühnensaal wurde eingerichtet, der insgesamt 120 Zuschauern Platz bietet. Er wird für Lesungen und niederdeutsche Theateraufführungen der ‚Spielschar Darfeld’ genutzt.

Im Dorf Osterwick, nordöstlich des ehemaligen Klosters Valar, befindet sich die mächtig wirkende Pfarrkirche St. Fabian und Sebastian. Der mittelalterliche Kernbau mit einem romanischem Längshaus und gotischem Treppengiebel aus dem 13. Jahrhundert ist immer noch erhalten, wurde aber um 1900 noch einmal erheblich im neuromanischem Stil erweitert. Das äußere Erscheinungsbild änderte sich durch diese Umbauarbeiten vollständig. Der Sandsteinbau bekam eine große Kuppel aufgesetzt und ein neues Querschiff entstand. Auch die 30 m hohen Doppeltürme im Westen des Gotteshauses stammen aus dieser Bauperiode. Die Dächer von Kuppel und Türmen sind mit grau-grüner Patina überzogen und verleihen der Kirche etwas Erhabenes. Teile der Inneneinrichtung, wie Kruzifix und Kronleuchter, stammen noch aus dem Kloster Valar.

Bereits von weitem sichtbar ist die alte Windmühle des Dorfes Höpingen, nordöstlich von Darfeld. Sie stammt bereits aus dem frühen 18. Jahrhundert, ist aber seit langer Zeit schon nicht mehr im Betrieb. Heute wird die denkmalgeschützte Anlage privat bewohnt.

Das Heimathaus im Rosendahler Ortsteil Holtwick ist in einem ehemaligen Ackerbürgerhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts untergebracht. Es gehört zur alten Kirchringbebauung des Ortskernes und ist als einziges seiner Art im ursprünglichen Zustand erhalten. Ackerbürger nannte man zu Beginn des 19. Jahrhundert diejenigen, die bereits einem Handwerk oder einem anderen Gewerbe nachgingen, nebenbei aber auch zur Ernährung der Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb führten. Diese Lebensform war zu dieser Zeit durchaus üblich. Die Räumlichkeiten des Heimathauses vermitteln noch heute einen guten Eindruck, wie die Ackerbürger damals lebten.

Das Torhaus von Haus Holtwick ist das älteste Gebäude des Dorfes Holtwick. Das 1670 errichtete Gebäude gehörte zu einem alten Gräftengutshof, dessen Geschichte bis in das 9. Jahrhundert zurückgeht und der dem Dorf seinen Namen gab. Von der einstigen burgähnlichen Anlage ist nur noch das Torhaus erhalten. Es ist heute das Wahrzeichen von Holtwick und beherbergt seit 2004 eine Begegnungsstätte.

Im Rosendahler Ortsteil Holtwick, südöstlich von Legden, befindet sich der drittgrößte Findling des Münsterlandes, das so genannte Holtwicker Ei. Umgangssprachlich wird der Granitzklotz ‚Alter Schwede’ genannt. Der ovale Granitstein ist etwa 1,8 m hoch und wurde während der Saale-Eiszeit vor etwa 240.000 Jahren von Gletschern aus dem Bereich des heutigen Südschweden an seine heutige Position verschoben. Man schätzt den Koloss auf ein Gewicht von 300 Zentner. Möglicherweise befindet er sich insgesamt noch 3m tief in der Erde.

Die Barenborg nahe dem Dorf Holtwick ist eine der besterhaltenen Turmhügelburen im Münsterland und ist ein Bodendenkmal geschützt. Turmhügelburgen sind die Vorläufer der später im Münsterland errichteten Wasserburgen. Sie bestanden zumeist aus einem von einer Gräfte und einem Erdwall gesicherten Wehr- und Wohnturm aus Stein, der auf einer aufgeschütteten Motte errichtet wurde. Über die Geschichte der Barenborg kann nur spekuliert werden. Es wird vermutet, dass sie den Herren von Ahaus diente und durch den Bischof von Münster Ende des 14. Jahrhunderts zerstört wurde. Der noch erhaltene Turmhügel ist drei Meter hoch und ungefähr 25 m breit. Er wurde zweifach von einer Gräfte umgeben. Zwischen den Wassergräben befand sich ein weiterer schützender Erdwall.

Die Vechte entspringt im Münsterland und mündet nach ungefähr 180 Kilometern im niederländischen Zwolle als ‚ Oberijsseler Vecht‘ in das Zwaarte Water, die zum Wassersystem der Ijssel gehört – soweit die nüchterne Betrachtungsweise. Wo die eigentliche Quelle der Vechte liegt, ist nicht ganz so eindeutig, denn der Rockeler Mühlenbach der nach vier Kilometern in die Darfelder Vechte mündet, ist eigentlich der viel größere Quellfluss. Eine andere Definition beschreibt den Anfang der Vechte bei Eggerode, wo der Rockeler Mühlenbach und der Buloer Bach zusammenfließen – eine schwierige Frage, die schon sein Jahrhunderten diskutiert wird!

Tatsache aber ist, dass heute die Quelle  am Ortsrand von Darfeld in der Gemeinde von Rosendahl als die ‚eigentliche Quelle‘ angesehen wird. Diese ist auch gut zugänglich, da sie sich direkt an einem asphaltierten Wirtschaftsweg befindet. Und an dieser Stelle startet auch der Radfernweg ‚Vechtetalroute‘ (niederländisch: Vechtdalroute LF16) seinen 225 Kilometer langen Weg zur Mündung nach Zwolle.



Radrouten die durch Rosendahl führen:

100 Schlösser Route – Westkurs
100 Schlösser Route – Nordkurs
Sandsteinroute
Vechtetalroute




Metelen

M
etelen ist eine Gemeinde in Nordwesten von Nordrhein-Westfalen. Die Geschichte der münsterländischen Gemeinde geht einher mit der des Nonnenklosters und späteren Damenstiftes. Dieses wurde 889 gegründet und war gemeinsam mit der sich in der Umgebung entwickelnden Siedlung reichsunmittelbar. Die ehemalige Stiftskirche aus dem 12. Jahrhundert mit ihrer Stiftskammer sowie die Stiftsgebäude von 1720 sind sehenswert. Aus dem ehemals größten Vogelpark Nordrhein-Westfalens wurde in der Metelener Heide der Abenteuer Zoo – ein Wunderland für Kinder.

Sehenswertes:

Die katholische Kirche St. Cornelius und Cyprianus in Metelen ging aus einem Kloster hervor, dass bereits 889 gegründet wurde. Die Geschichte der Stadt ist eng mit der des Nonnenklosters und späteren Damenstiftes verbunden. Der Westbau der heute noch existierenden Kirche entstand im 12. Jahrhundert und erhielt im 13. Jahrhundert das Hallenlanghaus als größeren An- und Ausbau. Das äußere Erscheinungsbild blieb bis heute weitgehend erhalten. Im 15. Jahrhundert wurde der Kanonissenstift, der zu dieser Zeit fast nur noch adlige Damen aufnahm, in einen freiweltlichen Damenstift umgewandelt. Die Stiftsdamen lebten in Kurien, die ihren adligen Familien gehörten und die sich um einen Kreuzgang gruppierten. Später brauchten sie auch keine Stiftskleidung mehr zu tragen. Die 1720 neu errichteten Abteigebäude und das Stiftshaus sind heute noch erhalten. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster 1803 offiziell aufgelöst. Die Auflösung wurde aber erst sieben Jahre später durchgesetzt. Der Stift war nach außen abgeschlossen durch Mauern und Tore, die nach der Säkularisierung im 19. Jahrhundert abgerissen wurden. Die Kirche erhielt eine neue Sakristei und wurde zur Pfarrkirche.

An der Bahnstrecke zwischen Münster und dem niederländischen Enschede liegt der Bahnhof ‚Metelen Land’. Die Haltestation liegt etwas außerhalb der Gemeinde im Nordosten am Rande der Metelner Heide, einem ausgedehnten Waldgebiet. Obwohl der Bahnhof noch existiert, wird das ehemals dazugehörende Bahnhofsgebäude inzwischen als Museum genutzt. Die Eisenbahn-Interessengemeinschaft Metelen e.V. präsentiert in diesen Räumlichkeiten seit 1988 eine Sammlung von technischen Geräten, historischen Uniformen, alten Wagons, Signale, Gleise und Schranken. Unter anderem werden das noch funktionsfähige alte Stellwerk des Bahnhofs und eine nachgebaute Hebeldraisine gezeigt.

Plagemanns Mühle ist eine historische Wassermühle im Ortsgebiet Metelen. Ihr Name bezieht sich auf den letzten Müller, bevor zunächst der Fürst von Salm-Horstmar und schließlich die Gemeinde Metelen die Anlage erwarb. Eine Mühle hat an dieser Stelle vermutlich bereits seit dem 9. oder 10. Jahrhundert bestanden. Im Jahre 1902 wurde das Wasserrad durch eine effizientere Turbine ersetzt. Der Fachwerkbau mit den roten Backsteinen steht heute unter Denkmalsschutz und wurde 1984 umfassend renoviert, bevor es als Heimatmuseum wiedereröffnet wurde. Die Bürger Metelens hatten für die Ausstellung alte Acker-, Haushalts- und Handwerksgeräte gestiftet. Der das Museum betreibende Heimatverein konnte auch das angrenzende, noch bis 1986 im Betrieb befindliche Sägewerk übernehmen und so das Museum erweitern.

Westlich von Metelen im Naturschutzgebiet der Metelener Heide befindet sich der Abenteuerzoo. Insbesondere für Kinder ist diese Einrichtung ein Paradies, denn der 24 ha große Park bietet die Möglichkeit, verschiedene Kontinente spielend zu entdecken und daneben viele Tiere zu beobachten. In dem ehemals größten Vogelpark Nordrhein-Westfalens sind heute auch Luchse, Wölfe und Waschbären zu Hause. Darüber hinaus gibt es auch einen Streichelzoo. Ein Rundweg führt durch Afrika, Südamerika und die Karibik, ein Spielplatz mit Hüpfburg, Kletterbaum und Karussells lädt zum Toben und Spielen ein. An manchen Wochenenden wird das Angebot durch eine Falknershow ergänzt.


Radrouten die durch Metelen führen:

100 Schlösser Route – Nordkurs
Vechtetalroute




Ochtrup

O
chtrup wurde lange Zeit durch das Töpfer- und Textilgewerbe geprägt. In der ‚Pottbäckerstadt’ wird das Handwerk des Töpferns immer noch gepflegt. Das Töpfereimuseum geht auf diese Tradition ein. An die ehemalige Stadtbefestigung aus dem 16. Jahrhundert erinnert noch der Stüwwenkopp am Westwall. Aber in Ochtrup hat sich noch eine Vielzahl von historischen und sehenswerten Gebäuden erhalten. Herausragend sind das Wasserschloss Haus Welbergen aus dem 16. Jahrhundert, die Villa Winkel im Stadtpark sowie die ehemalige Stiftskirche St. Johannes im Ortsteil Langenhorst.

Sehenswertes:

Die Besonderheit bei dieser Wasserschlossanlage ist der große Barockgarten, der von einer backsteinernen, direkt an der Gräfte stehenden Mauer begrenzt wird. Das aus dem Wasser aufragende Herrenhaus, im 16. Jahrhundert im Stil der Renaissance erbaut, wirkt trotz seines Dreistaffelgiebels als eher schmucklos und klobig. Dennoch versprüht Haus Welbergen dank des gepflegten Gartens und seinen direkt an die Gräfte ragenden türmchenförmigen Pavillons einen bezaubernden Flair, der viele Spatziergänger und Besucher anlockt. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch zur Rosenblüte. Zu der Anlage gehören zudem noch ein Torhaus mit einer Zugbrücke, sowie eine alte Wassermühle aus dem 17. Jahrhundert und ein Getreidespeicher. Die Außenanlage und der Park sind während des Tages jederzeit zugänglich. Eine Innenbesichtigung ist in größeren Gruppen nach vorheriger Anmeldung möglich.

  

Geschichtlicher Ablauf

1282

Erstmalige urkundliche Erwähnung der Herren von Welbergen, die dem Hof den Namen gaben.

1339

Übernahme des Hofes durch die Herren von Blome. Der Hof wurde fortan ‘Blomenhues’ genannt.

um 1400

Durch Heirat erhält Johann de Blome Lehensgüter in Welbergen.

um 1500

Entstehung des älteren Kernbaus vom Herrenhaus.

1505

Ende der männlichen Erblinie derer von Blome. Durch Heirat übernimmt Morbeck von Oldenhuis den Besitz und mehrt diesen noch durch Liegenschaften bei Enschede.

16. Jhd.

Morbecks Sohn Christian heiratet Agnes von Steenwijk, die weitere Besitztümer aus den Niederlanden in die Familie mit einbrachte.

1550

Errichtung einer ersten Mühle.

um 1565

Das Herrenhaus wird durch Christian von Oldenhuis von Grund auf umgestaltet und erhält seine heutige Renaissanceform.

1604

Mit dem Tode Johann von Oldenhuis sirbt das Geschlecht aus. Seine Frau stiftete ihm das große Epitaph in der Kirche. Den Besitz übergab sie ihrem Bruder Sweder Scheele.

1625-32

Bau der Mühle durch Sweder Scheele.

1688

Verkauf des Wasserschlosses an den Metelener Richter Roje, den ersten bürgerlichen Besitzer, der im Dienst des Fürstbischofs stand.

1699

Bau einer weiteren Papiermühle.

1730

Der durch Erbschaft in den Besitz des Gutes gekommene Heinrich Franz Buchholtz begann, die gesamte Anlage im barocken Stil umzugestalten. Eine außen angebrachte Wendeltreppe wird abgerissen und ein Barockgarten angelegt.

1744

Fertigstellung der neu geschaffenen Räume mit Stuckdecke sowie des Kamins im Saal. Von der Vorburg blieben nur noch Reste des Torhauses erhalten, weil der Verteidigungscharakter der Anlage in den Hintergrund rückte. Die einstigen Wehrtürmchen wurden zu Eckpavillons umgewandelt. In der Mitte der ehemaligen Wehrmauer entstand eine neue Kapelle. Gegenüber des Gauxbaches, der vor der Vorburg fließt und das Gräftensystem mit Wasser speist, entstand ein großer umgräfteter Garten mit einem 1730 entstandenen schmiedeeisernen Tor.

1832

Medizinalrat Franz Ferdinand von Druffel übernimmt Haus Welbergen durch die Heirat der letzten Buchholz-Tochter.

1840

Auf dem Vorplatz entstehen ein eingeschossiger Backsteinbau sowie der hohe Kornspeicher.

1910

Der Betrieb der Mahlmühle, entstanden aus der alten Öl- und der Papiermühle, wird eingestellt.

1929

Nachdem das Anwesen längere Zeit leer stand, wird es von Jan Jordaan, einem niederländischen Bankier erworben.

1959

Jordaans Witwe Bertah errichtet die Bertha-Jordaan-van Heek Stiftung, die sich der Heimatpflege, und des Kunst- und Wissenschaftsaustausches zwischen Deutschland und den Niederlanden verpflichtet hat. Haus Welbergen ist bis heute im Besitz der Stiftung.

Die ‚Pottbäckerstadt’ Ochtrup wurde lange Zeit durch das Töpfergewerbe geprägt. Zeitweilig gab es bis zu 23 Töpfereien in der Stadt und das Handwerk des Töpferns wird hier immer noch gepflegt. Das Töpfereimuseum geht auf diese Tradition ein und dokumentiert die Geschichte Ochtrups als Töpferstadt. Schüsseln, Töpfe, Tassen und Teller aus verschiedenen Epochen werden gezeigt, das älteste Exponat stammt aus dem 14. Jahrhundert. Auch töpferische Besonderheiten aus Ochtrup werden vorgestellt: Der Ochtruper Siebenhenkeltopf ist eigentlich ein Nachttopf mit sieben gleichmäßig verteilten Henkeln. Die Ochtruper Nachtigall ist ein Flötengefäß, das beim Hineinblasen Vogelgezwitscher ertönen lässt. Die Blauweiße Keramik ist eine Pinselmalerei, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte.

Die Villa Winkel gehört zu den schönsten und eindrucksvollsten Bauwerken in Ochtrup. Sie wurde 1899 im Stil der niederländischen Renaissance gebaut und befindet sich inmitten des heutigen Stadtparks. Das zweistöckige Backsteingebäude mit den Zierelementen aus Sandstein besitzt aufwendig gestaltete Jugendstilfenster, einen Turm mit einer geschweiften Haube und einem hübschen verzierten Giebel. Die Villa diente dem Industriellen Anton Laurenz als Wohnsitz und als Gästehaus. Seit 1969 gehört das Gebäude der Stadt Ochtrup. Heute beherbergt sie eine Altenbegegnungsstätte und als Geschäftsstelle der Volkshochschule. Das 11 ha große Parkgelände, das die Villa umgibt, ist heute frei zugänglich. Mit seinen Seen und Bächen, Bäumen und Rasenflächen, lädt es zum Spatzieren gehen ein. Der Stadtpark besitzt ein kleines Wildgehege, ein Bienenhaus, Minigolfplatz und auch einen Kinderspielplatz.

Die Pfarrkirche Johannes Baptist in Langenhorst fällt durch seine bemerkenswerte Bauform auf, die im Münsterland einmalig ist. Mittel- und Seitenschiff sind gleich lang und besitzen die gleiche Scheitelhöhe, der Chorraum beschreibt einen quadratischen Grundriss. Vor dem Gotteshaus fließt die Vechte entlang. Im Mittelalter befand sie sich noch zwischen zwei Vechtearmen und wurde von einem Gräftesystem umgeben, von dem heute aber nichts mehr erhalten ist. Die ehemalige Stiftskirche geht auf ein altes Nonnenkloster zurück. Auf den alten Mauern der Burg Langenhorst entstand Ende des 12. Jahrhunderts ein Augustinerkloster. Der Bau der Klosterkirche zog sich, bedingt durch mehrere Unterbrechungen, von 1180 bis 1230 hin. Im Jahre 1556 brannte bei einem Großfeuer ein Teil des Klosters ab. Betroffen waren die Wirtschaftsgebäude, die Nordostseite des Kirchengebäudes sowie der Nordturm, der erst 1970 wiedererrichtet wurde. Das Nonnenkloster wurde 1576 in ein freiweltliches Damenstift umgewandelt und im Zuge der Säkularisierung im Jahre 1811 aufgehoben. Der Innenraum der Hallenkirche beherbergt die Stiftskammer. In ihr werden Reliquien aus sieben Jahrhunderten aufbewahrt. So ist die Stiftskammer auch gleichzeitig eine Schatzkammer. Die kostbaren liturgischen Gefäße und Geräte sind bei besonderen Feierlichkeiten noch immer im Gebrauch.

Die katholische Lambertikirche wurde zwischen 1866 und 1869 im Neugotischen Stil als Nachfolgebau für das alte romanische Gotteshaus erbaut, da dieses für die steigende Zahl der Gemeindeglieder nicht mehr ausreichte. Der Turm mit einer Höhe von 75m die ist weit in das Umland sichtbar.

Ochtrup bekam im Jahre 1593 eine Stadtbefestigung, die die Stadt während des Spanisch-Niederländischen Krieges sichern sollte. Genutzt hat diese allerdings wenig, denn Ochtrup wurde 1595 und 1598 von den Spaniern eingenommen und gebranntschatzt. Gegen 1820 wurden die erst die Stadttore und später auch die Mauer abgetragen. Das einzige Relikt der Stadtmauer ist der Wasserbär, Stüwwenkopp genannt. Er befindet sich auf dem Westwall und ist Teil einer Brunnenanlage.

Auf dem Ochtruper Berg befindet sich das Wahrzeichen der Stadt, die Kornwindmühle. Sie wurde 1848 als eine der letzten Wallholländer errichtet. 1955 wurde der Betrieb wegen Unrentabilität wieder eingestellt. Mit Hilfe des Heimatvereins wurde die Windmühle umfangreich renoviert und wieder instand gesetzt. Heute kann das Gebäude mit seinem Mahlwerk besichtigt werden. Von hier aus hat man einen eindrucksvollen Weitblick, der bei klarem Wetter bis nach Bad Bentheim reichen kann.

Das kleine Puppen- und Spielzeugmuseum zeigt eine Sammlung von Celluloid-Puppen, Puppenstuben und Puppenkleidung. Auch Teddys und andere Gegenstände, die mit Puppen in Verbindung stehen, werden präsentiert. Das älteste Puppenexemplar stammt aus dem Jahre 1900.

Der imposante Beltmann-Bau diente ehemals der Textilfirma Laurenz als repräsentatives Verwaltungsgebäude. Es wurde 1893 durch den Niederländer Gerrit Beltmann erbaut und erhielt so seine Bezeichnung. Vorbild für das prächtige Gebäude waren die Schlösser der holländischen Renaissance. Allerdings diente das Gebäude nicht lange seiner Bestimmung, denn die Firma wurde bald verkauft. Heute gehört das denkmalgeschützte Gebäude der Stadt Ochtrup, die es als Rathaus nutzen wollte. Ein Umbau steht jedoch noch aus.

Welbergen ist ein altes Dorf an der Vechte mit einer über 1000jährigen Geschichte. Der Ortskern wird geprägt von zwei Kirchen. Die ‚Alte Kirche’ ist ein einschiffiger romanischer Bau aus Blocksteinen und zählt zu den ältesten und besterhaltenen romanischen Bauwerken im Münsterland. Bis zum Jahr 1900 war diente das Gotteshaus als Pfarrkirche, wurde dann aber von der neu im neogotischen Stil erbaute Dionysiuskirche abgelöst. Sehenswert ist der Chor mit seiner spätbarocken Formgebung, der im deutlichen Kontrast zum älteren Mauerwerk der Kirche steht. Auf dem Kirchhof finden sich die Gräber der Familie von Druffel. Diese hatte im 19. Jahrhundert das benachbarte Wasserschloss Haus Welbergen übernommen.


Radrouten die durch Ochtrup führen:

100 Schlösser Route – Nordkurs
Vechtetalroute