Römer-Lippe Route

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inst hatten die Römer an der Lippe eine Reihe von befestigten Lagern errichtet, um die Vorherrschaft in Germanien zu sichern. Lange Zeit hatte man vermutet, dass die römischen Truppen an der Lippe zum Teutoburger Wald marschierten, um dort in der Varusschlacht von den Germanen vernichtend geschlagen zu werden. So errichtete man im 19. Jahrhundert das Hermannsdenkmal, um dem germanischen Anführer und Helden Arminius ein monumentales Denkmal zu setzen und gleichzeitig das damals kaum vorhandene deutsche Nationalbewusstsein zu stärken. Nach neueren Erkenntnissen hat nun die Varusschlacht ganz woanders – nämlich im Osnabrücker Land – stattgefunden. Dennoch hatte es an der Lippe eine nachhaltige römische Vergangenheit gegeben. So entstand 1993 mit der Römerroute ein Radfernweg, der die Fundstellen früherer Römerlager und mehrere Museen miteinander verband und damit die römische Vergangenheit Germaniens in den Mittelpunkt stellte. Doch die Tour war auch eine Flussroute entlang der Lippe, die der nördlichste rechte Nebenfluss des Rheins und mit einer Länge von 220 Kilometern immerhin der längste Fluss in Nordrhein-Westfalen ist. So wurde der Radfernweg durch die Kooperationsgemeinschaft Römer-Lippe-Route, einem gemeinsamen Projekt von Ruhr.Tourismus und Lippe Verband, überarbeitet und 2013 als ‚Römer-Lippe-Route‘ mit dem Slogan ‚Geschichte im Fluss‘ neu eröffnet. Fortan widmet sich der nun 298 Kilometer lange Radfernweg als Doppel-Themenroute sowohl dem Flussverlauf der Lippe von der Quelle in Bad Lippspringe bis zur Mündung bei Wesel, als auch den römischen Spuren vom Hermannsdenkmal bei Detmold bis zum Archäologischen Park in der über 2000 Jahre alten Römerstadt Xanten.

 
Detmold und Xanten sind Start- bzw. Zielort der Geschichts- und Naturroute, die unterwegs auch durch die Innenstädte von Paderborn, Lippstadt, Hamm und Lünen führt. Während die Landschaft am Teutoburger Wald noch sehr bergig und ländlich geprägt ist, trennt die Lippe ab Hamm die Industriekultur des Ruhrgebiets im Süden von der münsterländischen Parklandschaft im Norden. Ab Haltern geht es entlang von imponierenden Industriekulissen bis zum Niederrhein. Dort, wo die Lippe im 19. Jahrhundert noch schiffbar war, entsteht gerade mit den renaturierten Lippeauen eines der längsten zusammenhängenden Naturschutzgebiete Deutschlands. Als Logo für den Fernradweg dient ein leicht gekipptes Emblem, das einen weißen Römerhelm auf rotem Grund über einer dunkelblau abgesetzten Wellenlinie, die die Lippe symbolisieren soll, zeigt. Elf thematische Wegeschleifen mit einer Gesamtlänge von 154 Kilometern können alternativ zur Hauptroute genutzt werden. Sie sind mit dem gleichen Symbol ausgeflaggt, besitzen jedoch eine etwas andere Farbgebung, abhängig davon, ob es sich um eine wasserbezogene (blau-weiß) oder eine geschichtliche Themenroute (rot-weiß) handelt. Bereits kurze Zeit nach der Überarbeitung hatte sich die Römer-Lippe-Route zu einer der beliebtesten Radrouten Nordrhein-Westfalens entwickelt.


Charakteristik:

Die Römer-Lippe-Route verbindet die Regionen Teutoburger Wald, die Hellweg-Region, das Münsterland, die Metropole Ruhr und den Niederrhein miteinander. Empfohlen wird der Start in Detmold, um flussabwärts der Lippe bis zur Mündung zu folgen. Die Route ist aber auch in entgegengesetzter Richtung ausgeschildert. Bergig ist es nur am Teutoburger Wald, wo mit einigen Steigungen gerechnet werden muss. Insbesondere der langgestreckte Anstieg zum Hermannsdenkmal, zu dem man ja erst einmal hochklettern muss, um die Route zu beginnen, ist sehr steil und anspruchsvoll. Der Rest der Route ist weitgehend flach und familientauglich und die Streckenführung verläuft fast ausnahmslos auf separaten Radwegen oder auf wenig befahrenen Seitenstraßen. Nur innerhalb der Städte muss mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen gerechnet werden. Die Wege sind überwiegend asphaltiert oder mit wasserabweisendem Schotter belegt. Neben der Hauptroute können alternativ elf verschiedene Themenschleifen gewählt werden, die so eine individuelle Streckenwahl oder einen Rundkurs als Tagesausflug ermöglichen. Der Radfernweg verfügt über zahlreiche Rastplätze und Schutzhütten sowie über eine große Anzahl von Informationstafeln am Wegesrand.



Ortschaften entlang der Route

Detmold / Horn-Bad Meinberg / Schlangen / Bad Lippspringe  / Paderborn / Delbrück / Lippstadt / Wadersloh / Lippetal / Welver / Ahlen / Hamm / Werne / Bergkamen / Lünen / Waltrop / Selm / Olfen / Datteln / Haltern am See / Marl / Dorsten / Schermbeck / Hünxe / Wesel / Xanten

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Detmold

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ie Hochschulstadt und größte Stadt im Kreis Lippe war einst 450 Jahre lang von 1468 an Residenz der Grafen bzw. ab 1789 der Fürsten zu Lippe und nach dem Ersten Weltkrieg immerhin noch Hauptstadt des Freistaates Lippe. 1947 wurde der Freistaat jedoch in das Bundesland Nordrhein-Westfalen eingegliedert. Schillerndste Persönlichkeit Detmolds war Graf Friedrich Adolf, der das Residenzschloss barock umgestalten ließ, das Neue Palais, den inzwischen nicht mehr existierenden Landsitz Friedrichstal und den Friedrichtaler Kanal als Lustwasserstraße errichten ließ.
Detmold war 783 zum ersten Mal als ‚Theotmalli‘ schriftlich erwähnt worden. In diesem Jahr wurde hier das Heer Karls des Großen von den Sachsen geschlagen. Überregional bedeutend und bekannt ist das Hermannsdenkmal am Teutoburger Wald, das im 19. Jahrhundert als Nationaldenkmal zu Ehren des Germanenführers Arminius erschaffen wurde und an die Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr, erinnern soll, obwohl der Schauplatz dieses Gemetzels nach neueren Erkenntnissen relativ weit entfernt liegt. Das 53 m hohe Monument ist das höchste Denkmal Deutschlands.
Detmold wurde glücklicherweise im Zweiten Weltkrieg von Bombenangriffen verschont, so dass die sehenswerte Altstadt mit ihren über 600 denkmalgeschützten Häusern, die zum Teil noch aus dem späten Mittelalter stammen, erhalten blieb. Mittelpunkt des historischen Zentrums ist der Marktplatz mit dem Donopbrunnen. Hier steht das klassizistische Rathaus und mit der Erlöserkirche das älteste Gotteshaus der ehemaligen Residenzstadt.

Sehenswertes:

Das riesige Monumentaldenkmal am Teutoburger Wald südwestlich von Detmold wurde zwischen 1838 und 1875 durch Ernst von Bandel erbaut. Für Bandel war es sein Lebenswerk, dem er sich fast ausschließlich gewidmet hatte. Das Denkmal besitzt eine Gesamthöhe von 53,5m. Allein die Figur des Hermanns misst stattliche 26,6 m und sein mächtiges Schwert ist 7 m lang. Damit ist das gewaltige Monument die höchste Statue Deutschlands. Zur Zeit ihrer Einweihung war sie sogar die höchste der Welt! Der Sockel besteht aus Sandstein und kann bestiegen werden. Von hier aus, 386m über Detmold, hat man eine wundervolle weite Aussicht über den Teuto und das Eggegebirge. Der Hermann (Mann des Heeres) stellt den Cheruskerführer Arminius dar, der die germanischen Stämme einigte und die römischen Legionen unter Publius Quinctilius Varus in der Varusschlacht im Jahre 9 n.Chr. vollständig vernichtete. Die kolossartige Statue entstand in einer Zeit, in der den nationalen Symboliken aufgrund einer wachsenden deutschen Identität immer größere Bedeutung zukam. Schließlich hatte das Land noch kurz zuvor aus einer unübersichtlichen Vielzahl von Kleinstaaten bestanden. Die Figur, die stolz und entschlossen das Schwert empor streckt, steht für die erste Einigung der deutschen (eigentlich germanischen) Stämme und damit auch als Symbol für eine geeinte und große Zukunft, so wie man sie sich seinerzeit erhoffte. Der Hermann richtet sich aber vor allem gegen den damaligen Erbfeind Frankreich, gegen den er geographisch ausgerichtet ist.

An der Stelle des heutigen Residenzschlosses im Zentrum der Stadt Detmold stand vermutlich bereits im 8. Jahrhundert ein Wirtschaftshof des Paderborner Bischoffs, der im frühen 13. Jahrhundert zur Wasserburg ausgebaut wurde. Im Jahr 1447 wurde die Anlage während der Soester Fehde vollständig zerstört, gleich darauf aber zu einer mächtigen Festung wiederaufgebaut.

Der Renaissancebaumeister Jörg Unkair, der bereits das Schloss Neuhaus bei Paderborn errichtete, wurde im 16. Jahrhundert mit dem Bau eines neuen Residenzschlosses beauftragt. Ab 1549 entstand das prächtige Schloss, das 1673 schließlich in der heutigen Größe vollendet wurde. 1715 wurde die Inneneinrichtung im modernen Stil dieser Zeit barockisiert.

Die Vierflügelanlage gilt als typisches Beispiel für die Weserrenaissance. Die Hauptfassade ist asymmetrisch gegliedert und besitzt auf der linken Seite einen auffälligen Rundturm. In den Winkeln des Innenhofes wurden vier Treppentürme erbaut. Das Residenzschloss wird auch heute noch von der Fürstenfamilie zur Lippe bewohnt, kann aber dennoch im Rahmen einer Führung zum großen Teil besichtigt werden. Sehenswert sind der Rote Salon genannte Empfangsraum mit seinen Stuckornamenten und den Deckenmalereien, der Ahnensaal mit Gemälden der einst regierenden Grafen und Fürsten zur Lippe und ihren Gemahlinnen, der Elisabethsaal, die beiden Empire-Zimmer mit originalem Mobiliar aus dem frühen 19. Jahrhundert, das Jagdzimmer mit der Waffensammlung sowie die Königszimmer mit den großen Schlachtgemälden.

Der Schlossplatz vor dem Hauptgebäude entstand im 18. Jahrhundert als französischer Garten, der im frühen 19. Jahrhundert zum englischen Park umgestaltet wurde. Besonders beeindruckend ist der große, achteckige Springbrunnen mit seiner am Abend beleuchteten Fontäne.

Nach dem Residenzschloss ist das Neue Palais das bedeutendste profane Bauwerk Detmolds. Es wurde zwischen 1706 und 1708 durch Graf Friedrich Adolph erbaut. Als Geschenk für seine Gemahlin gehörte ‚die Favorite‘ als Außengebäude zunächst zum Schlosskomplex. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand ein zum Palais gehörender französischer Garten, der später dem Zeitgeschmack entsprechend zum englischen Landschaftsgarten umgestaltet wurde. Mit seinen Wasserspielen und den seltenen exotischen Bäumen wurde er bereits 1920 unter Naturschutz gestellt. Mitte des 19. Jahrhunderts war das inzwischen ‚Friedamadolfsburg‘ genannte Palais baufällig geworden, so dass es unter Leopold III. renoviert, umgestaltet und dreistöckig ausgebaut wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Hochschule für Musik in das stolze Bauwerk ein.

Das Landestheater Detmold geht auf die Gründung des Hochfürstlich Lippischen Hoftheaters durch Fürst Leopold II. zurück. Heute besitzt das Landestheater in Detmold fünf Spielstätten, darunter das historische Lippische Landestheater gegenüber dem Schloss mit 680 Plätzen und das klassizistische Hoftheater, das immerhin noch 250 Zuschauern Platz bietet. Das Theater gilt durch seine viele Gastspiele als die größte Reisebühne Europas.

Die nur knapp zwei Kilometer lange Wasserstraße wurde 1701 bis 1704 durch Graf Friedrich Adolf, dem wohl schillerndsten Lippfischen Landesfürsten, angelegt. Der Kanal diente lediglich zum Zwecke von Lustfahrten mit Gondeln der adligen Gesellschaft und führte vom Detmolder Residenzschloss bis zum heute nicht mehr existierenden Landsitz Friedrichsthal. Die gesamte Anlage ist ein bedeutendes Denkmal der barocken Wasserbaukunst. Drei Schleusen regelten den Wasserstand. Nachdem bereits 1748 der herrschaftliche Bootsverkehr wieder eingestellt wurde, errichtete man zwei Mühlen, die das Wassergefälle an den ehemaligen Schleusen wirtschaftlich nutzten.





 

Hinter der Szenerie: Der verschwenderische Graf

Der Lippische Graf Friedrich Adolf war nicht gerade ein bescheidener Mensch. Er prägte mit seinen Barockbauten das Bild der Stadt Detmold bis heute. Das Renaissanceschloss ließ er großzügig barock ausbauen, schuf das Neue Palais für seine Gemahlin sowie den inzwischen nicht mehr existierenden Landsitz Friedrichstal und er ließ den Friedrichstaler Kanal als gräfliche Lustfahrwasserstraße anlegen. Auch seine Gemahlin, Amalie von Solms-Hohensolms, galt als ausgesprochen verschwenderisch! Ferdinand Christian, der Bruder des Grafen, sagte einmal: ‚Mein Bruder liebte das Maßlose, aber sie noch mehr!‘ Kein Wunder also, das der Graf und Landeschef ständig in Geldnot war! Trotzdem liebte er es, mit seinen Bauwerken und mit ausschweifenden Gesellschaften und Festen zu protzen! Der von ihm angestrebte Fürstentitel blieb ihm jedoch versagt – diese Würde wurde erst 1789 dem damaligen Regenten Leopold I. verliehen.

Einmal hatte Graf Friedrich Adolf auch den russischen Zaren Peter den Großen zu Gast. Im Hinblick auf den gerade 35.000 Einwohner zählenden Kleinstaat Lippe meinte der Zar zum Grafen süffisant: ‚Eure Liebden sind zu groß für Euer kleines Land!‘


Am Ende des Friedrichstaler Kanals befindet sich die Obere Mühle. Hier stand einst der barocke Landsitz Friedrichstal inmitten einer großzügigen französischen Gartenlandschaft. Zahlreiche Wasserspiele mit Fontänen und Kaskaden, Skulpturen, Laubengänge und Blumenrabatten prägten das Gelände. 1705 entstand die prächtige Löwengrotte. Bevor der Landsitz vollständig fertig gestellt wurde, wurde er im gleichen Jahrhundert bereits wieder abgebrochen. Der Park wurde im damals zeitgemäßen englischen Stil umgestaltet, die Löwengrotte im neugotischen Stil zum Mausoleum umgestaltet. Es dient heute dem Grafen Friedrich Adolf und Fürstin Pauline als letzte Ruhestätte. Geplant ist derzeit, die Struktur des historischen Barockgartens wieder zu rekonstruieren.

Detmold wurde glücklicherweise im Zweiten Weltkrieg von Bombenangriffen verschont, so dass die sehenswerte Altstadt mit ihren über 600 denkmalgeschützten Häusern, die zum Teil noch aus dem späten Mittelalter stammen, erhalten blieb. Mittelpunkt des historischen Zentrums ist der Marktplatz mit dem Donopbrunnen. Hier steht das klassizistische Rathaus und mit der Erlöserkirche das älteste Gotteshaus der ehemaligen Residenzstadt. Hier lohnt es sich, durch die alten Gässchen zu bummeln und in einem der zahlreichen Cafés das historische Flair zu genießen.

Die dreischiffige spätgotische Hallenkirche, die hier in Detmold auch Marktkirche genannt wird, da sie mitten im Zentrum am Marktplatz steht, ist das älteste noch unverändert erhalten gebliebene Bauwerk der Stadt. Vermutlich wurde an dieser Stelle bereits um das Jahr 800 eine erste Holzkirche errichtet. Alte Turmreste konnten auf das 10. Jahrhundert datiert werden. Wesentliche Bauteile der heutigen Teile stammen aus dem 14. Jahrhundert. Nachdem ein verheerender Stadtbrand 1547 große Teile Detmolds vernichtete und auch die Kirche stark beschädigte, wurde sie bis 1592 in der heutigen Form wiederhergestellt. Als 1605 im Zuge der Reformation der evangelisch-reformierte Glaube in der Stadt eingeführt wurde, fiel auch die ehemals dem hl. Vitus geweihte Kirche an die protestantische Gemeinde. Der Innenraum ist der calvinistischen Auffassung nach sehr schlicht gehalten. Bemerkenswert sind der pokalförmige Taufstein von 1579, zwei Epitaphe aus dem 16. Jahrhundert und das spätbarocke Orgelprosekt von 1795. Das Innenleben der Orgel war in den 1960er Jahren erneuert worden.

Das beliebte Freilichtmuseum zeigt auf einer Fläche von 90 ha rund 100 historische Gebäude und gilt damit als das größte seiner Art in Europa. Ziel der Einrichtung ist es, den Wandel des bäuerlichen Lebens anhand von historischen Bauwerken nachvollziehbar zu machen. So wurde neben einer historischen Holländerwindmühle der Westmünsterländische Hof, der die Zeit des späten 18. Jahrhunderts repräsentiert, das ‚Paderborner Dorf‘ (Zeit um 1900) oder das ‚Sauerländer Dorf‘ (1920er Jahre) wiederaufgebaut. Man fühlt sich zurückversetzt in eine lange vergangene Zeit und kann sich so gut vorstellen, wie ein Dorf damals ausgesehen und funktioniert hat. Und auch die 1960er Jahre werden im Museum durch eine alte Landtankstelle vertreten.

Gegenüber dem Fürstlichen Residenzschloss und dem Lippischen Landestheater befindet sich das Lippische Landesmuseum. Mit Stolz verweist man darauf, das größte und älteste Museum in Ostwestfalen-Lippe zu sein. Das 1835 gegründete Museum besitzt insgesamt fünf Häuser mit bedeutenden Sammlungen in den Sparten Naturkunde, Ur- und Frühgeschichte, der Landesgeschichte des ehemaligen Freistaates Lippe, Volkskunde, Völkerkunde, Möbel und Kunst. Darüber hinaus präsentiert die sehr breit gefächerte ständige Ausstellung ein Münzkabinett sowie Spielzeug-, Trachten- und Mineraliensammlungen. Eine weitere Abteilung behandelt den Mythos um die Varusschlacht und den germanischen Helden Arminius, der die germanischen Stämme im Kampf gegen die Römer geeint hatte. Neben der ständigen Sammlung werden auch häufig Sonderausstellungen mit interessanten Themen gezeigt.

Das außergewöhnliche Museum behandelt als einziges seiner Art die Geschichte und die Kultur der Russlanddeutschen und der Russlandmennoniten. Schwerpunkte sind das häusliche Umfeld, das religiöse Leben und die wirtschaftlichen Errungenschaften der Russlanddeutschen in ihrer langen Migrationsgeschichte. Erwähnenswert sind die von Jakob Wedel zur Verfügung gestellten Gemälde und Plastiken. Der 1931 in Kirgisien geborene Künstler erwarb sich international in vielen Ausstellungen Anerkennung und lebt seit 1988 im ostwestfälischen Schieder-Schwalenberg. Wedel gilt als der wohl bekannteste russlanddeutsche Künstler.

Die einstige Höhenburg war zwischen 1190 und 1194 durch die Edelherren zur Lippe, Bernhard II. und seinen Sohn Hermann II. erbaut worden. Während der Eversteiner Fehde im frühen 15. Jahrhundert wurde Herzog Heinrich I. von Braunschweig auf der Burg festgesetzt. Doch Mitte des gleichen Jahrhunderts brannte die Burg nieder. Danach wurde die Wehranlage nicht wieder aufgebaut. Die Anlage der Falkenburg, die einst aus einer Vor- und einer Hauptburg bestand, steht heute als Bodendenkmal unter Denkmalsschutz. Zuletzt konnte die Ruine aufgrund umfangreicher archäologischer Untersuchungen nicht betreten werden.

Im Detmolder Stadtteil Berlebeck befindet sich mit der schon 1939 gegründeten Adlerwarte ein beliebter und vielbesuchter Vogelpark. Rund 200 verschiedene Greifvögel von 46 Arten gibt es hier zu bestaunen, darunter Falken, Adler, Milane, Bussarde, Eulen und Geier. Innerhalb der Saison finden mehrfach am Tage Flugvorführungen statt.

Die Adlerwarte diente auch schon als Kulisse für mehrere Filme, darunter ‚Die Geierwally‘ und ‚Die Schlangengrube und das Pendel‘

Nicht weit entfernt vom Hermannsdenkmal am Teutoburger Wald südwestlich von Detmold befindet sich der Vogelpark Heiligenkirchen. Umgeben von farbigen Blumenwiesen werden rund 1200 einheimische und exotische Vögel aus 300 Arten gehalten, darunter Papageien, Pelikane, Flamingos, Pfauen, Störche und Kraniche. Der Vogelpark engagiert sich verstärkt um die Nachzucht von seltenen Vogelarten.






Horn – Bad Meinberg

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o der Teutoburger Wald in das Eggegebirge übergeht, liegt die Stadt Horn-Bad Meinberg. Mit der ‚Lippischen Velmerstot‘ (441m) und der ‚Preußischen Velmerstot‘ (468m) befinden sich die höchsten Berge des Eggegebirges und mit den Barnacken (446m) auch der höchste Berg des Teutoburger Waldes auf dem Stadtgebiet. Dazwischen liegt das idyllische Felsental des Silberbaches. Mit den Externsteinen befindet sich auch eines der markantesten Naturdenkmäler Deutschlands in Horn-Bad Meinberg. Hier wurden vermutlich schon in vorgeschichtlicher Zeit kultische Rituale vollzogen und auch heute besitzen die 50m hohen Felsen für spiritistische Zeitgenossen eine magische Anziehungskraft. In Bad Meinberg hat sich bereits im 18. Jahrhundert ein Kurbetrieb etabliert. Im barocken Kurpark haben sich noch mehrere Einrichtungen aus dieser Zeit erhalten.
Die Stadt Horn-Bad Meinberg, die in der heutigen Form im Zuge der Gebietsreform 1970 entstand, besitzt ein ausgedehntes Radroutennetz mit 24 verschiedenen Touren. Die Radstrecken besitzen eine Länge von 15 bis 70 km und wurden vom ADFC Lippe zusammengestellt.

Sehenswertes:

Umgeben von einem kleinen Park im Teutoburger Wald befindet sich eine der markantesten Natursehenswürdigkeiten Deutschlands. Die Externsteine bestehen aus mehreren Sandsteinfelsen, die vor rund 70 Mio. Jahren als waagerechter Block entstanden und seitdem durch Erdverschiebungen senkrecht aufgestellt wurden. Durch Erosion erhielten sie dann ihre charakteristische heutige Form. Die fast 50m hohen Felsblöcke, die aus 13 freistehenden Einzelfelsen bestehen, stehen inzwischen unter Kultur- und Naturdenkmalschutz. Man kann die Externsteine über eine Felsentreppe besteigen, die wohl schon mindestens seit dem 17. Jahrhundert besteht.

Die Externsteine besaßen wahrscheinlich bereits in der frühen Steinzeit kultische Bedeutung. Hier ist auch einer der möglichen Standorte der Irminsul, dem höchsten Heiligtum der Germanen. Bis zum heutigen Tage verehren viele esoterisch veranlagte Menschen die Felsengruppe als mystischen Kraftort mit spirituellen Eigenschaften. Zur Walpurgisnacht und zur Sommersonnenwende treffen sich hier Massen an Personen, um gemeinsam zu feiern. Inzwischen ist aber der Verzehr von Alkohol an diesen Tagen verboten – offensichtlich haben es einige doch zu bunt getrieben…

Direkt an der alten Stadtmauer von Horn steht die Burg Horn. Vermutlich entstand sie um die Zeit der Stadtgründung. Die erste urkundliche Erwähnung eines herrschaftlichen Hauses stammt jedenfalls von 1310. 1659 erhielt die Wehranlage mit dem Anbau des Seitenflügels ihre heutige Charakteristik mit den beiden im rechten Winkel zueinander stehenden Gebäudeteilen. Burg Horn hatte lange als Wohnsitz der Edelherren zur Lippe gedient. Heute beherbergt das historische Gemäuer ein Heimatmuseum, das die Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart beleuchtet. Besondere Schwerpunkte der Ausstellung sind die Schleifmühle und die Kupferschmiede. Das Museum ist zwischen Ostern und Allerheiligen geöffnet.

Der über 6 ha große historische Kurpark von Bad Meinberg wurde bereits 1770 als barocke und streng geometrische Gartenanlage angelegt. Seitdem ist er allerdings mehrfach umgestaltet worden. Die Ost-West-Achse des Parks geht im Westen in die zentrale Einkaufstraße des Kurortes über. Im Südwesten besitzt der Kurpark mit dem Schneckenberg einen kleinen Aussichtshügel. Der 1842 erbaute Brunnentempel ist das Wahrzeichen von Bad Meinberg. Daneben haben sich das Bade- und Logierhaus Stern (1773) und das Kurhaus Rose (1775) als historische Gebäude erhalten.

Im Seepark, einem 1915 fertig gestellten Teil der Grünanlage, schießt eine 12m hohe Fontäne aus dem Teich. Der sogenannte Berggarten wurde 1928 als Erweiterung angelegt. Östlich des Kernortes schließt sich das Silvatikum direkt an den Kurpark an. In diesem Länderwaldpark wurden in den 1960er Jahren 36.000 Bäume und Sträucher gepflanzt, die inzwischen bereits eine stattliche Größe erreicht haben. Das Silvatikum ist der größte Park in Horn-Bad Meinberg.

Das private Traktorenmuseum im Ortsteil Kempenfeldrom zeigt landschaftliche Geräte vom Mittelalter bis in die 1960er Jahre, darunter rund 60 motorisierte Landmaschinen. Die Sammlung wird von Johannes Glitz seit Jahrzehnten liebevoll gepflegt.

Die Kirche, die vor der Reformation Johannes dem Täufer geweiht war, ist eine dreischiffige Hallenkirche aus dem späten 15. Jahrhundert. Der Turm stammt noch von der Vorgängerkirche und wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut. Nach einem Blitzschlag im Jahr 1819 mussten das gesamte Dach und die welsche Haube des Turmes erneuert werden. Zum Inventar gehören das gotische Chorgestühl aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, der Taufstein von 1589, das Orgelprospekt aus dem 17. Jahrhundert sowie fünf Kronleuchter aus dem Jahre 1708.

Eine erste Kirche wurde in Bad Meinberg bereits im 9. Jahrhundert durch Mönche erbaut. Vermutlich handelte es sich dabei um ein Gebäude aus Holz. Das heutige Gotteshaus wurde im 12. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut. Seit der Reformation im Jahre 1541 dient sie der evangelisch-reformierten Kirche als Gotteshaus. Nachdem im späten 18. Jahrhundert der Kurbetrieb begann, stieg die Einwohnerzahl von Bad Meinberg sprunghaft an und das Kirchengebäude wurde für die stetig wachsende Gemeinde zu klein. Mehrfach wurde das Gotteshaus ausgebaut. Heute beschreibt die Kirche im Grundriss eine Kreuzform und fasst bis zu 700 Gläubige. Sehenswert ist das Sakramentshäuschen aus der Zeit um 1500. Einst beherbergte die Kirche ein übergroßes Taufbecken, in dem der Sachsenherzog Widukind getauft worden sein soll.

 

Hinter der Szenerie: Die Taufe Widukinds und der Taufstein von Meinberg

Über den Sachsenführer Widukind gibt es eine Vielzahl von Sagen und Mythen. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichten lässt sich allerdings nur selten belegen. Tatsache ist, dass er der große Wiedersacher Karls des Großen war. Der Kaiser fühlte sich damals genötigt, mit seinem Heer gegen die Sachsen zu ziehen, um das gleichwohl renitente als auch unchristliche Volk zu unterwerfen – was ihm schließlich auch gelang. Als Zeichen seiner Niederlage ließ sich der Sachsenherzog taufen – angeblich in der Kirche von Meinberg, so erzählt es die Sage. Dort hatte es einst einen riesigen Taufstein gegeben, über dessen Verbleib allerdings auch keine wirklich verlässlichen Informationen vorliegen. 1736 soll dieser während der Renovierung des Gotteshauses auf dem Kirchhof als Blumenkübel zweckentfremdet worden sein. Eine andere Quelle behauptet, der Taufstein wurde zerschmettert und die Steine für den Turmbau genutzt. Wie auch immer: nach 1793 verliert sich die Spur der Taufe, und so weiß man heute nichts mehr so genau! Nur das der Sachsenherzog an diesem Orte getauft wurde, das ist vielleicht und möglicherweise ganz, ganz sicher…


Die Naturbühne wird unter den Einheimischen liebevoll die ‚schönste Sackgasse von Lippe‘ genannt. Sie liegt direkt am Waldrand und wird in den Sommermonaten bereits seit den 1960er Jahren von einer Laienschauspielgruppe bespielt. Gegeben werden überwiegend Komödien, Volksstücke und Märchen für Kinder.

Die Zweiflügelanlage am Marktplatz von Horn wurde um das Jahr 1616 im Stil der Weserrenaissance errichtet. Das markante barocke Portal entstand 1680. Lange beherbergte das zweistöckige Gebäude eine Bierbrauerei und eine Brandweinbrennerei, später diente der Hof als Hotel.






Schlangen

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m Rande der Senne liegt die ostwestfälische Gemeinde Schlangen. Teile des Gemeindegebietes liegen im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge, größere Areale werden aber auch vom Truppenübungsplatz Senne eingenommen. Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Oesterholz-Haustenbeck, Kohlstädt und Schlangen. Gleich zwei Heimatmuseen dokumentieren die Geschichte der Region.
Von den ehemals hochherrschaftlichen Gebäuden sind nur noch Fragmente erhalten. Das einstige Jagdschloss Oesterholz wurde bis auf die Meierei abgetragen. Das verbleibende Gebäude beherbergt heute ein Altersheim. Die einstige fränkische Wehrburg in Kohlstädt verfällt seit dem 14. Jahrhundert zur Ruine. Und auch die mittelalterliche Kirche, die womöglich auf das 9. Jahrhundert zurückgeht, wurde im späten 19. Jahrhundert neu erbaut – nur der Westturm aus dem 13. Jahrhundert blieb stehen.
Übrigens: die Einwohner von Schlangen heißen ‚Schlänger‘.

Sehenswertes:

Während die neuromanische evangelische Kirche erst 1878 erbaut wurde, stammt der mittelalterliche Westturm noch von der Vorgängerkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Ursprünge der Kirche gehen aber wohl sogar ins 9. oder 10. Jahrhundert zurück.

Die Faktenlage um die Burgruine, die auch ‚Kleine Herrenburg‘ genannt wird, ist recht dürftig. Wahrscheinlich als fränkische Wehrburg zwischen 1000 und 1200 auf einem Erdhügel erbaut, übernahmen 1365 die Edelherren von der Lippe das Anwesen, nutzten es aber nur für wenige Jahre. Danach verfiel die Burg allmählich, so dass heute nur eine einsturzgefährdete Ruine erhalten blieb. Erkennbar sind noch der quadratische 12 Meter hohe Wehrturm, dessen Mauern eine Tiefe von knapp 2,4 m besitzen sowie die Fundamente mehrerer Nebengebäude.

An der Stelle eines alten Meierhofes errichtete Graf Simon zwischen 1597 bis 1599 ein repräsentatives Fachwerkschloss, das  von einem Wassergraben umgeben war. Nach Beschädigungen im 30jährigen Krieg wurde das Anwesen Mitte des 17. Jahrhunderts zu einem massiven Herrenhaus mit drei Türmen ausgebaut, das als Jagdschloss genutzt wurde. Doch während des 18. Jahrhunderts verfiel die Anlage, so dass man sie 1775 abtrug. Erhalten blieb nur die Meierei, die zunächst als Verwaltungssitz des Forstamtes Horn diente und seit 1929 zu einem Altersheim umfunktioniert wurde.

In einem alten Bürgerhaus aus dem späten 19. Jahrhundert befindet sich heute das Dorfmuseum. Die heimatkundliche Ausstellung beschäftigt sich mit der Geschichte der Großgemeinde Schlangen und zeigt über 5.000 Exponate, die die einstigen Lebensbedingungen und die mühevollen Arbeitsumstände im Handwerk und in der Landwirtschaft beschreiben. Zum Dorfmuseum gehört auch die 1814 erbaute Alte Schmiede, die noch bis 1975 in Betrieb war. Der Name bezieht sich auf den letzten Schmied Richard Mötz. Die originale Ausstattung ist noch immer erhalten.

Im Zentrum des Schlänger Ortsteiles Oesterholz-Haustenbeck steht eine über 200 Jahre alte Hofanlage, in der heute ein Heimatmuseum eingerichtet ist. Themenschwerpunkt ist die 1150jährige Dorfgeschichte der 1939 aufgelösten Gemeinde Haustenbeck, die mit Dokumenten, Bildern und zahlreichen Exponaten umschrieben wird.






Bad Lippspringe

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ie Kurstadt liegt südlich des Teutoburger Waldes und an den Ausläufern des Eggegebirges an der Heidelandschaft der Senne. Hier herrscht ein ausgesprochen reizarmes Heilklima mit ausgeglichenen Feuchtigkeitswerten – so nennt sich Bad Lippspringe auch die ‚grüne Lunge Ostwestfalens‘. Bad Lippspringe ist seit 1982 ‚Staatlich anerkanntes Heilbad‘ und ‚Heilklimatischer Kurort‘. zusätzlich erhielt die Stadt 2005 das Prädikat “Premium Class“ zuerkannt. Gleich drei Kurgärten und der 240 ha große Kurwald laden zum Flanieren, Wandern und Verweilen ein. Berühmt geworden ist Bad Lippspringe durch seine verschiedenen Heilquellen, die die über 175-jährige Bad-Tradition begründeten. Zu ihnen zählen die Arminiusquelle, die Liboriusquelle und die 27,9°C warme Martinusquelle. Papst Pius X. war einst der prominenteste Nutzer der Liboriusquelle. Die größte Quelle aber ist die der Lippe. Sie gehört zu den wasserreichsten Quellen Deutschlands. Der rechte Nebenfluss des Rheines beginnt hier seine 220 km lange Reise nach Westen. An der Lippequelle hielt Karl der Große im 8. Jahrhundert drei Reichsversammlungen ab. In diesem Zusammenhang wurde der Ort erstmals urkundlich als ‚Lippiogyspringiae‘ erwähnt. Die Burg, von der heute nur noch eine Ruine im Kurpark erhalten blieb, entstammt vermutlich dem frühen 13. Jahrhundert. Um 1380 wurde die Stadtmauer um die Altstadt erbaut. Von ihr sind aber nur noch wenige Reste erhalten.
Im Jahr 2017 wird in Bad Lippspringe die Landesgartenschau stattfinden.

Sehenswertes:

Die Ruine der Lippspringer Burg ist eines der Wahrzeichen der Kurstadt und steht heute im Kurpark gleich neben der Lippequelle. Von der einst stolzen Wasserburg, die ursprünglich aus einer Kernburg und einer Vorburg bestand, ist bis auf die Reste des Amtshauses, eine Umfassungsmauer und den historischen Burgkeller nicht mehr viel erhalten. Dort, wo früher das Hauptgebäude stand, befindet sich heute das Kongresshaus. Die Burg Lippspringe wurde 1312 erstmals erwähnt. Damals befand sich das Gemäuer im Besitz des Paderborner Domkapitels und diente als Wohnsitz für Burgmannen, die als Ritter und adlige Ministeriale Verteidigungsaufgaben für die Burggrafen erfüllten. Die Burg wurde bei verschiedenen Fehden immer wieder belagert und beschädigt. Besonders stark wurde sie im Dreißigjährigen Krieg sowie im Siebenjährigen Krieg in Mitleidenschaft gezogen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Burg schließlich endgültig aufgegeben. Die Mauern wurden weitgehend abgetragen und die Wassergräben zugeschüttet.

Gleich neben der Burgruine im Kurpark von Bad Lippspringe befindet sich der Quellteich der Lippe, im Volksmund auch ‚Odins Auge‘ genannt. Denn glaubt man der Sage, so warf hier einst der germanische Gott Odin sein Auge in die trockene Einöde, um diese durch Wasser in eine blühende Landschaft zu verwandeln. Belegt dagegen ist, dass Karl der Große hier im 8. Jahrhundert drei Reichsversammlungen abhielt. Mit einer Schüttung von 740 Litern in der Sekunde gehört die Lippequelle zu den größten Quellen Deutschlands. Von hier aus beginnt der 220 Kilometer lange Weg des Wasserlaufes, der schließlich bei Wesel mit der Mündung in den Rhein endet.

Gerade einmal 25 Meter neben dem Lippequellteich befindet sich die Arminiusquelle. Die warme, rötliche Calcium-Sulfat-Hydrogen-Carbonat-Therme mit einer Temperatur von 20,5°C galt lange als Nebenquelle der Lippe, besitzt aber einen eigenständigen Wasserursprung.

Am Rande des Kurparks befindet sich das zweistöckige, denkmalgeschützte Prinzenpalais. Es war 1855 als Kurhaus erbaut worden, diente aber zunächst als Herberge dem Herzog von Nassau, der regelmäßig in die Senne zum Jagen kam. Im Zuge der Weltausstellung ‚Expo 2000‘ richtete man im Prinzenpalais das Informations- und Dokumentationszentrum ‚Naturschutz und Militär auf dem Truppenübungsplatz Senne‘ ein.

Gleich neben der Kirche St. Martin befindet sich das Haus Hartmann. Es beherbergt neben einem Jugendtreff auch eine heimatkundliche Ausstellung. Das vom Heimatverein betriebene Museum beleuchtet die wechselvolle Geschichte der Stadt Bad Lippspringe. Die Schwerpunkte der Ausstellung gliedern sich in fünf Abschnitte: die Erdgeschichte, Siedlungen in der Steinzeit, das Leben im Mittelalter, die jüngere Geschichte sowie die Geschichte des Bades. Ein Modell zeigt das Rathaus von 1802 und eines die Stadt, so wie sie im Jahre 1600 ausgesehen hat.

In Bad Lippspringe gibt es gleich drei Kurparks. Der 6,2 ha große Arminuspark besitzt einen sehr alten Baumbestand und wurde 1840 in Anlehnung an Pläne des berühmten Landschaftsplaner Peter Josef Lenné angelegt. Im Zuge der ‚Expo 2000‘ wurde das Areal zu einem so genannten ‘Allergologischen Kommunikationspark‘ umgestaltet. Die Lippepromenade führt entlang des Lippequellteiches zur Burgruine. Gegenüber befindet sich die Arminiusquelle.

Im Nordosten schließt sich direkt der 2,5 ha große Jordanpark an. In dem um 1900 angelegten waldartigen Park entspringt das kleine Flüsschen Jordan.

Im Gegensatz zum Arminiuspark und Jordanpark ist der nach Karl dem Großen benannte Kaiser-Karls-Park nicht frei zugänglich. Er wurde 1951 als Ersatzpark im Nordwesten der Stadt angelegt, da der Arminiuspark durch die britische Besatzungsmacht beschlagnahmt worden war. Ein besonderer Blickfang ist die große Wasserfontäne, die am Abend bunt angestrahlt wird.  Der Park ist gärtnerisch sehr aufwändig mit farbigen Blumenrabatten, blühenden Büschen und Brunnenanlagen gestaltet. Besonders im Mai und Juni imponiert der Park, der als der Schönste der drei Kurparks gilt, mit seiner überbordenden Blütenpracht. Fahrräder sind im Kaiser-Karls-Park nicht gestattet.

Teile des Kurparkes und des angrenzenden Kurwaldes gehören zum Kernbereich der 2017 hier stattfindenden Landesgartenschau.

Die Liborius-Heilquelle wird durch ein neugotisches Brunnenhaus eingefasst. Die schmucke Trinkhalle entstand zwischen 1905 und 1910 und fällt durch die reich gegliederte Fensterfront auf. Durch das Glasdach wirkt der innere Saal mit seinen Säulen sehr hell. Über dem Wasserauswurf der Heilquelle steht eine Statue des hl. Liborius. Der Bischof von Le Mans lebte im 4. und 5. Jahrhundert. Seine Reliquien werden in Paderborn bewahrt, was zu der alten Städtefreundschaft zwischen Paderborn und Le Mans führte. Von Paderborn ging die weltweite Heiligenverehrung Liborius aus. Der prominenteste Nutzer der Liboriusquelle war Papst Pius X. (1835 – 1914). Das Wappen prangt noch heute an der Front des Brunnenhauses.

Der uralte Gutshof ist schon rund 1000 Jahre alt. Bereits im Jahre 1036 taucht er in einem alten Dokument auf. Das heutige Herrenhaus wurde um 1600 erbaut. Die Wirtschaftsgebäude entstanden vom frühen 17. Jahrhundert bis  zum 19. Jahrhundert. Das landwirtschaftliche Anwesen befindet sich auch heute im privaten Besitz und kann daher nicht besichtigt werden.



Radrouten die durch Bad Lippspringe führen:

LandesGartenSchauRoute
Römer-Lippe-Route




Paderborn

D
ie Universitätsstadt Paderborn ist das wirtschaftliche, kulturelle und geografische Zentrum des Paderborner Landes. In der ostwestfälischen, katholisch geprägten Großstadt prallen Geschichte und Gegenwart, Mittelalter und Hightech unmittelbar aufeinander. Paderborn entstand vor über 1200 Jahren. Nach der Unterwerfung der Sachsen ließ Karl der Große im Jahre 777 an den Quellen der Pader eine Pfalz und gleich daneben einen Dom erbauen. Hier traf er sich zwanzig Jahre später mit Papst Leo III., um seine Kaiserkrönung zu besprechen. Reste der alten Kaiserpfalz sind bis heute erhalten. Der mächtige romanisch-gotische Dom, der in seiner heutigen Form aus dem 13. Jahrhundert stammt, bestimmt die weitläufige und dennoch gemütliche  Innenstadt. Das Schloss Neuhaus gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Weserrenaissance und diente einst als Residenz für die Fürstbischöfe von Paderborn. Die Innenstadt hat unter den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges stark gelitten. Es gelang dennoch, einige historische Gebäude wieder aufzubauen. So zählen das Alte Rathaus, das Gymnasium Theorianum und die Bartholomäuskapelle zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten Paderborns. Und natürlich gehört auch ein Abstecher zum Paderquellsees zum Pflichtprogramm eines jeden Besuchers. Die Stadt bietet ein breites Spektrum an interessanten Museen, darunter mehrere bedeutende Kunstausstellungen. Ein besonderes musealisches Highlight ist das Heinz Nixdorf MuseumsForum, das momentan größte Computermuseum der Welt.

Sehenswertes:

Stolz, mächtig und stadtprägend steht im Zentrum Paderborns der Hohe Dom St. Maria, St. Liborius und St. Kilian. Er ist die Bischofs- und Kathedralkirche des Erzbistums Paderborn.

Ein erstes Gotteshaus wurde bereits 776 durch Karl des Großen gleich neben dessen damaliger Königpfalz erbaut. Als Karl im Jahre 799 mit Papst Leo III. hier zusammentraf, wurde dabei nicht nur Karls Ernennung zum Kaiser beschlossen, sondern auch das Erzbistum Paderborn gegründet.

Der heutige Dom entstand im Wesentlichen im 13. Jahrhundert, wobei auch Teile des Vorgängerbaus aus dem 11. und 12. Jahrhundert integriert wurden. Die dreischiffige Halle ist über 100 Meter lang und besitzt zwei Querhäuser. Das Langhaus gilt in seiner Ausführung als prägend für die gesamte Region. In der Krypta werden die Gebeine des hl. Liborius aufbewahrt. Mit einer Länge von 32 Metern gehört sie zu den größten Krypten Deutschlands. Daneben befindet sich die 1935 neu errichtete Bischofsgruft. Auffällig ist der 93 Meter hohe, wuchtige Westturm, der von zwei kleineren Rundtürmen flankiert wird. Er überragt die gesamte Innenstadt Paderborns.

Der Sakralbau beherbergt eine Vielzahl wertvoller Einrichtungsgegenstände, darunter das Paradiesportal (vor 1240), die Kanzel (1736) und das Grabmahl des Fürstbischofs Dietrich IV. von Fürstenberg (1618). Zu den sehenswerten sakralen Kunstwerken gehört der gotische Hochaltar (15. Jhd.), die Doppelmadonna (um 1480), eine mittelalterliche Piéta (um 1380) sowie zwei Relieffriese.

Das im 16. Jahrhundert entstandene berühmte Drei-Hasen-Fenster befindet sich im Kreuzgang.

Als man 1964 bei Grabungen auf die Grundmauern der Kaiserpfalz Karls des Großen stieß, handelte sich dabei um eine archäologische Sensation. Die Grundmauern der Pfalzanlage stammten sowohl aus karolingischer als auch aus ottonischer Zeit. Von hier aus wurde einst Weltpolitik betrieben. Die Mauerreste waren so gut erhalten, dass man die historischen Bausubstanz für den rekonstruierten Wiederaufbau nutzte. So kann man heute sehr gut nachvollziehen, wie die originale Kaiserpfalz damals ausgesehen hat. Die Gebäude beherbergen heute ein Museum, in dem Funde aus dem frühen Mittelalter ausgestellt werden.

Die kleine Bartholomäuskapelle an der Kaiserpfalz gilt als bedeutende kunst- und baugeschichtliche Kostbarkeit. Sie wurde 1017 durch Bischof Meinwerk im byzantinischen angelehnten Stil erbaut und gilt als die älteste Hallenkirche Deutschlands. Das Gotteshaus mit dem von Säulen getragene Gewölbe ist bis heute nahezu unverändert erhalten.

Am Zusammenfluss von Lippe, Pader und Alme steht mit dem Schloss Neuhaus eines der bedeutendsten Bauwerke der Weserrenaissance. Die prachtvolle Vierflügelanlage wird von dreigeschossigen Rundtürmen flankiert. Eine Wassergräfte umgibt das Prunkhaus.

Bereits im 11. Jahrhundert hatten die Bischöfe von Paderborn an dieser Stelle ein ‚festes Haus‘ erbauen lassen. 1370 wurde Schloss Neuhaus zur bischöflichen Residenz und blieb dieses bis zum Reichsdeputationshauptabschluss im Jahre 1803. In der Folgezeit wurde das Schloss überwiegend militärisch genutzt, bis die damalige Gemeinde Schloss Neuhaus im Jahre 1957 die gesamte Schlossanlage übernahm, die darin eine Schule unterbrachte. Als Paderborn 1994 die Landesgartenschau ausrichtete, wurde um das Schloss der so genannte ‚Schloss- und Auenpark‘ angelegt, der auch heute noch im Sommer für Open-Air-Veranstaltungen genutzt wird. Das Renaissanceschloss wird heute häufig für Hochzeiten genutzt.

Fürstbischof Clemens August ließ im 18. Jahrhundert die Wirtschaftsgebäude im barocken Stil erneuern. So entstand zwischen 1729 und 1732 der große Marstall, in dem mehr als 100 Pferde Platz fanden.

Bis 1990 wurde das Gebäude noch durch eine britische Garnison genutzt. Nach einer umfassenden Sanierung ist im Marstall heute das Historische Museum untergebracht. Neben archäologischen Fundstücken, Dokumenten und Alltagsgegenständen aus der Geschichte des Stadtteils Schloß Neuhaus geht das Museum auch besonders auf die Fürstbischöfliche Residenz sowie auf die Garnisonsgeschichte des Ortes ein. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die umfangreiche Glas- und Keramiksammlung Nachtmann. Daneben finden auch häufig Sonderausstellungen statt.

Neben dem Kirchturm des Paderborner Domes befindet sich das Erzbischöfliche Diözesanmuseum. Es ist das älteste Museum dieser Art im deutschsprachigen Raum. Bereits 1853 wurde die umfangreiche Sammlung, die aus rund 8000 Werken sakraler Kunst besteht, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Ausstellung beschränkt sich allerdings auf rund 1000 Kunstwerke, die ständig ausgestellt werden. Als wertvollste Skulptur gilt eine Madonna aus der Mitte des 11. Jahrhunderts, die eine der ältesten Madonnendarstellungen in der abendländischen Kunst darstellt. Neben der ständigen Ausstellung werden im Museum auch regelmäßig Wechselausstellungen präsentiert.

Das alte Rathaus von Paderborn wurde zwischen 1613 und 1620 im Stil der Weser-Renaissance erbaut, wobei man  die Bausubstanz des Vorgängergebäudes aus dem 15. Jahrhundert mit einbezog. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Rathaus zweimal umgebaut und vergrößert. Dabei entstanden der große Saal im Obergeschoss und das repräsentative Treppenhaus. Das große Ratsgebäude bot zwischenzeitlich auch Platz für das Zollamt, die Stadtwaage, die Polizei, die Feuerwehr, die Sparkasse und für ein Museum. Nachdem das historische Gebäude im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden war, richtete man es bis 1958 wieder vollständig her. Neben dem Dom gilt das Rathaus als Wahrzeichen der Stadt Paderborn.

Das Abdinghofkloster St. Peter und Paul wurde als Benediktinerabtei im Jahre 1015 gegründet. Mehrfach fiel es während des Mittelalters bei großen Stadtbränden dem Feuer zum Opfer. Letztmalig baute man es im 12. Jahrhundert wieder auf. Nach der Auflösung des Klosters im Zuge der Säkularisierung wurden die Gebäude zunächst als Kaserne genutzt. Später übernahm die evangelisch-lutherische Gemeinde das Gotteshaus als erste protestantische Kirche im ansonsten erzkatholischen Paderborn. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Kirche und die Konventgebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Bis 1952 erfolgte der Wiederaufbau der Abdinghofkirche, die auch heute noch als Hauptkirche der evangelischen Gemeinde Paderborn dient.

Das ehemalige Abdinghofkloster wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Auf den historischen Fundamenten wurde dann die Städtische Galerie errichtet, die im Jahre 2001 durch einen modernen Anbau erweitert wurde. Die Galerie beherbergt eine umfangreiche Sammlung von graphischen und fotographischen Arbeiten aus dem 20. und 21. Jahrhundert, die in regelmäßig wechselnden Ausstellungen dem Publikum präsentiert werden.

Das Museum für sakrale Kunst zeigt die private Kollektion des Künstlers Bernd Cassau in seinem eigenen Haus. In jahrzehntelanger Sammelleidenschaft trug Cassau zahlreiche historische Kelche, Kreuze und Monstranzen zusammen, die durch eigene Werke ergänzt werden. Die würdevolle Ausstellung zeigt die bestechende Schönheit und die beeindruckende Vielfalt in der sakralen Kunst und bietet darüber hinaus einen Ort der Besinnung, der Stille und der Andacht.

Das ‚Theo‘, wie das Gymnasium in Paderborn umgangssprachlich heißt, wurde bereits 799 als Domschule gegründet und gehört damit zu den ältesten noch bestehenden Schulen Deutschlands. Es steht in unmittelbarer Nähe des Rathauses mitten in der Innenstadt. Das heutige Studiengebäude entstand zwischen 1612 und 1614 und diente bis zu 1.000 Schülern gleichzeitig als Lernort. Bedeutende Schulleiter waren der Mathematiker Reinherr von Paderborn (um 1140 – um1190) sowie der spätere Paderborner Bischof und Kardinal Thomas Oliver (um 1170 – 1227).