Brückenradweg Osnabrück ↔ Bremenbrueckenradweg osnabrem

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ine Reihe von bemerkenswerten Brückenbauwerken aus verschiedenen Epochen gibt dem Radfernweg den Namen, der die beiden historischen Hansestädte Bremen und Osnabrück miteinander verbindet. Die abwechslungsreiche Tour verläuft quer durch die norddeutsche Tiefebene durch Marsch, Moor und Geest, führt durch die Nationalparks terra.vita Naturpark Osnabrücker Land, Dümmer und Wildeshausener Geest sowie über die Höhenzüge des Wiehengebirges und der Dammer Berge. Start- und Zielort sind zwei moderne Großstädte, die ihren historisch gewachsenen Charme bis heute bewahren konnten. Auf dem Routenlogo weist ein kleiner Radfahrer, der auf einer grünen Brücke einen blauen Fluss überquert, den Weg. Dem Radler stehen zwei weitgehend parallel zueinander verlaufende Routen  zur Verfügung. Die östliche 165 km lange Variante führt über Vechta, die westliche 149 km lange Alternative über Diepholz. Kurz vor Bremen vereinigen sich bei Wildeshausen beide Routen. So kann man die vom Tourismusverband Osnabrücker Land gestaltete Tour auch als Schleife befahren. Auch das Springen von einer zur anderen Variante ist durch zwei kurze Verbindungswege möglich.


Charakteristik:

Der Brückenradweg Osnabrück↔Bremen verläuft auf verkehrsarmen und meist asphaltierten oder befestigten Straßen, Wirtschaftswegen und Radwegen. Nur wenige Abschnitte führen über unbefestigte Waldwege.  Die Route ist meist flach, nur im Bereich des Wiehengebirges, insbesondere zwischen Belm und Ostercappeln auf der Ostroute sowie auf der Westroute in den Dammer Bergen ist mit mäßigen Steigungen zu rechnen. Der  Fernradweg ist ausgesprochen familienfreundlich und kann auch auf Rädern mit schmalen Reifen  gut befahren werden.


Ortschaften entlang der Route

Osnabrück / Wallenhorst / Bramsche  / Neuenkirchen-Vörden  / Damme / Steinfeld (Oldenburg) / Lohne (Oldenburg)  / Vechta / Goldenstedt / Harpstedt / Stuhr / Bremen / Bassum / Twistringen / Barnstorf / Diepholz / Lemförde / Bohmte / Ostercappeln / Belm

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Osnabrück

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ingebettet zwischen Wiehengebirge im Norden und Teutoburger Wald im Süden in der wunderschönen Hügellandschaft des Osnabrücker Landes liegt die Stadt Osnabrück. Sie ist die einzige Großstadt, die inmitten eines Naturparks liegt: dem UNESCO Geopark TERRA.vita. Karl der Große gründete um 780 Osnabrück als Bischofssitz an einem Kreuzungspunkt alter Handelsstraßen. Osnabrück entwickelte sich im Mittelalter zu einem florierendem Handelsort und wurde ein führendes Mitglied der Hanse. Das wichtigste Ereignis in der Geschichte Osnabrücks ist aber die Unterzeichnung des Westfälischen Friedens 1648 in den Rathäusern von Osnabrück und Münster. Die Innenstadt wird von Kirchen geprägt: vom Dom St. Peter, der St. Katharinenkirche, der St. Johanniskirche und die St. Marienkirche direkt neben dem Rathaus des Westfälischen Friedens. Sieben Türme, eine Wallanlage und zwei verbliebene Mauern säumen den Stadtring, Relikte der alten Stadtbefestigung. Innerhalb der Innenstadt erstreckt sich die historische Altstadt. Besonders beachtenswert sind die vielen Gebäude des Klassizismus, die Fachwerkhäuser und das Heger Tor. Im Jahr 1998 erstellte Daniel Liebeskind in Osnabrück nahe dem Zentrum das Felix-Nussbaum-Haus. Nussbaum, ein deutscher Maler jüdischen Glaubens, wurde 1904 in Osnabrück geboren und 1944 in Auschwitz ermordet. Die Stadt Osnabrück würdigt das Werk Nussbaums in diesem außergewöhnlichen Museum, denn die Architektur Liebeskinds beinhaltet nicht nur die Museumsräumlichkeiten, sie möchte auch eine Botschaft transportieren, sie ist selber Kunst. Die Architektur tritt in den Dialog mit den in ihr ausgestellten Werken:eine gelungene Symbiose.

Sehenswertes:

Im Rathaus von Osnabrück wurde 1648 der Westfälische Friede geschlossen und damit der 30-jährige Krieg beendet. Das Gebäude war im Jahre 1512 nach über 25-jähriger Bauzeit fertiggestellt worden. Im Friedenssaal des spätgotischen Baus hängen 42 Portraitgemälde. Sie zeigen die Gesandten des Friedenskongresses sowie einige Herrscher jener Zeit. Vermutlich haben allerdings nicht alle der hier abgebildeten Landesfürsten auch tatsächlich dem Friedensakt beigewohnt. Ein großes Modell in den oberen Stockwerken des historischen Gebäudes stellt die Stadt Osnabrück detailgetreu um das Jahr 1633 dar. Außerdem zeigt eine Dauerausstellung den Wiederaufbau der Stadt nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Die Fotodokumentation trägt den Titel „Zerstörung und Aufbau“.
Den ersten Dom weihte Bischof Agilfred im Jahre 785. Doch die Kirche stand nicht lange. Ein verheerendes Feuer brannte sie nieder. Auch der zweite Dom fiel um 1100 einem Brand zum Opfer. Auf seinen Mauerresten wurde schließlich ein drittes Gotteshaus errichtet. Es überstand die Zeiten. Sein mächtiger, achteckiger Vierungsturm prägt noch heute das Erscheinungsbild dieses mächtigen Sakralbaus. In den Jahren 1218 bis 1277 erhielt der Dom sein heutiges, romanisch geprägtes Aussehen. Das bronzene Taufbecken (1225) und das Triumphkreuz im Innern stammen aus dem 13. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde anstelle des anderen Zwillingsturms ein spätgotischer Turm hinzugefügt.
Der jüdische Maler Felix Nussbaum wurde 1904 in Osnabrück geboren. Er starb 1944 im Vernichtungslager Auschwitz. Sein Lebensweg führte ihn über Hamburg und Berlin nach Rom, wo er ein Jahr lang als Stipendiat in der Villa Massimo verbrachte. Er emigrierte in die Schweiz und kam später über Frankreich nach Belgien. Abseits des akademischen Lehrbetriebes und der anerkannten Avantgarde entwickelte sich Nussbaum zum Maler des jüdischen Schicksals. In eindrucksvollen Bildern setzte er sich mit seinen eigenen Erfahrungen als Jude sowie mit der existenziellen Bedrohung des jüdischen Volkes auseinander.

Das Felix Nussbaum-Haus ist Museum und Denkmal zugleich. Entworfen wurde das Gebäude von Daniel Liebeskind, der auch die Pläne für das Jüdische Museums in Berlin und die Neubebauung von Ground Zero in New York gezeichnet hat. Den Osnabrücker Museumsbau hat Liebeskind beklemmend konstruiert. Wände und Fenster sind schiefwinkelig, der Fußboden uneben ausgelegt. Der Besucher soll sich hier bewusst nicht wohl fühlen und spüren, was es bedeutet, verstoßen und heimatlos zu sein, ungeschützt und orientierungslos zu leben. In den Räumen ist eine Dauerausstellung mit 160 Arbeiten von Felix Nussbaum untergebracht. Sie gilt als die größte Sammlung seiner Werke weltweit und umfasst alle künstlerischen Stationen seines Lebens. Besonders ausdrucksstark sind seine Bilder, die er im Exil gemalt hat.

Durch das Heger Tor betritt der Besucher die historische Altstadt von Osnabrück. Auch wenn es zunächst den Anschein hat: das Heger Tor war nie ein Teil der städtischen Wehranlage. Die ursprüngliche Wehranlage wurde 1815 weitgehend abgetragen. Im gleichen Jahr fand die berühmte Schlacht bei Waterloo statt, in der Kaiser Napoléon seine vernichtende Niederlage gegen die Engländer erlitt. An dieser Schlacht nahmen auch Soldaten aus Osnabrück teil. Um sie zu ehren, stiftete Friedrich Gerhard von Gülich dieses Tor. Johann Christian Sieckmann hat es entworfen und den antiken Triumphbögen nachgebildet.
Die Geschichte der St. Marienkirche reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück. Sie gründet vermutlich auf einer hölzernen Vorgängerkirche. Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals 1173. Im 13. Jahrhundert erhielt sie als gotische Hallenkirche mit dreischiffigem Langhaus weitgehend ihre heutige Gestalt. Chor und Chorgewölbe wurden im 15. Jahrhundert hinzugefügt. Der Hauptaltar mit den farbigen Szenen der Leidensgeschichte Jesu wurde im 16. Jahrhundert in Antwerpen gefertigt. Aus dieser Zeit stammen auch die „Strahlenmadonna auf der Mondsichel“ und das Taufbecken aus Baumberger Sandstein.

Die St. Marienkirche bildet zusammen mit dem Rathaus und der Stadtwaage eine architektonische Einheit am Osnabrücker Markt. Das Ensemble repräsentiert das ehemals wohlhabende und stolze Bürgertum der Stadt. In der Marienkirche wurden bis in das 18. Jahrhundert hinein die verstorbenen Mitglieder der reichsten Osnabrücker Familien bestattet.

Die St. Katharinenkirche wird erstmals 1248 erwähnt. Ihr Bau zog sich über 200 Jahre bis ins 15. Jahrhundert hin. Da wurden Turm und Gewölbe durch Baumeister Gerd de Meyer von Dornheim fertig gestellt. Der Turm – bei einem Brand 1493 schwer beschädigt – wurde 1511 wieder errichtet und um ein Stockwerk erhöht. Mit seiner Gesamthöhe von 103 Metern ist er das höchste mittelalterliche Bauwerk Niedersachsens. Im Zweiten Weltkrieg wurde das evangelische Gotteshaus schwer beschädigt. Nach seinem Wiederaufbau 1950 stattete Dieter Hausmann die Seitenschiffe 1992 mit moderner Gewölbemalerei aus.
Bischof Detmar gründete 1011 das Stift St. Johann. Der Grundstein für die frühgotische Stiftskirche wurde über zwei Jahrhunderte später 1256 gelegt. Besonders beeindruckt noch heute der hohe, lichte Innenraum der St. Johanniskirche. Im Gotteshaus ist seit dem 14. Jahrhundert auch eine Schatzkammer untergebracht.
Vergleichsweise jung ist die Luther-Kirche, ein nach den Plänen von Christian Friedrich Börgemann 1907 errichtetes schlichtes Gotteshaus. Der Zeit entsprechend wurde der Innenraum mit Jugendstilgemälden ausgeschmückt. Sie waren zwischenzeitlich übertüncht worden, konnten aber bei Sanierungsarbeiten 1985 wieder freigelegt werden. Der 50 Meter hohe Kirchturm besitzt eine Aussichtsplattform auf einer Höhe von 37 Metern.
Die Stadtwaage war im ausgehenden Mittelalter eine öffentliche Einrichtung zum Wiegen von Kaufmannsgütern. Da sich die Gewichtseinheiten von Stadt zu Stadt unterschieden, waren Kaufleute, die auf dem Osnabrücker Markt Handel treiben wollten, verpflichtet, ihre Waren in der Stadtwaage wiegen zu lassen. Die Stadtwaage am Osnabrücker Markplatz wurde 1532 erbaut, brannte aber im Zweiten Weltkrieg völlig aus. Im Jahre 1953 wurde sie nach alten Plänen wieder aufgebaut. Heute beherbergt sie das Standesamt.
In den Gebäuden der ehemaligen Steinkohlezeche Piesberg ist heute das Museum Industriekultur eingerichtet. Die Ausstellung zeigt die industrielle Entwicklung Osnabrücks vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Das 1871 errichtete Haseschachtgebäude wurde zur zentralen Ausstellungshalle umfunktioniert. Hier kann man Dampfmaschinen in Aktion erleben und mit einem gläsernen Fahrstuhl 30 Meter hinab in den alten, wieder frei gelegten Bergwerkstollen einfahren.

Auf der Fläche um das Museum wurde am Piesberg ein etwa 5 Kilometer langer Wanderweg angelegt, der am Rande des canyonartigen Steinbruchs entlangführt. Der Weg ist allerdings nur am Wochenende frei zugänglich. Innerhalb der Woche kann man ihn nur unter Leitung eines vom Museum gestellten Führers beschreiten.

Darüber hinaus ist auch eine Radwanderroute von 13 Kilometern durch die Industriekulturlandschaft Piesberg ausgewiesen. Informationsmaterial darüber erhält man im Museum.

1988 wurde das Museum am Schölerberg Natur- und Umwelt eröffnet. Der Museumsbau ist spiralförmig entworfen und einem Ammoniten nachempfunden. Er beherbergt naturwissenschaftliche Sammlungen. Außerdem werden regelmäßig Ausstellungen zu wechselnden naturwissenschaftlichen Themen organisiert. Zur Anlage gehört auch das 1986 eröffnete Planetarium. Die Dauerausstellung „unter.Welten – das Universum unter unseren Füßen“ informiert als größte europäische Ausstellung über das Thema Boden. Zuletzt wurde noch ein unterirdischer Zoo eröffnet.

Am Südhang des Schölerberges liegt ein 5000 m² großer Nuturgarten. In der idyllischen Anlage wird gezeigt, wie man behutsam mit der Natur umgehen kann.

1667 ließ Ernst August I. von Braunschweig inmitten der Bistumsstadt ein Schloss als repräsentative Residenz errichten. Es sollte das Schloss Iburg ersetzen. Der Fürstbischof konnte das Anwesen aber nur vier Jahre lang nutzen. Dann trat er das Erbe seines Bruders in Hannover an. Lange Zeit stand das Schloss verwaist, bis es im 19. Jahrhundert als Verwaltungsgebäude genutzt wurde. Während der Nazi-Zeit hauste die Gestapo darin. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss bei alliierten Luftangriffen stark beschädigt. Nach dem Wiederaufbau zog 1974 die Universitätsverwaltung in die Schlossräume.

Im Westflügel des Schlosses erinnert eine Gedenkstätte an die Zeit des Nationalsozialismus.

Der Schriftsteller Erich Maria Remarque zählt zu den meist gelesenen deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1929 veröffentlichte er den Anti-Kriegsroman ‘Im Westen nichts Neues’, der ihn auf der ganzen Welt berühmt machte. Remarque wurde 1898 in Osnabrück geboren. Aus diesem Grunde wurde 1996 am historischen Marktplatz das Erich Maria Remarque Friedenszentrum eröffnet. Es wird von der Stadt und der Universität Osnabrück gemeinsam betrieben. Das Zentrum informiert in einer Dauerausstellung unter dem Titel „Unabhängigkeit – Toleranz – Humor“ über Leben und Werk des Schriftstellers. Die angeschlossene Forschungsstelle „Krieg und Literatur“ beschäftigt sich mit dem Problemkreis “Krieg und Literatur“. Daneben ergänzen Wechselausstellungen über „Krieg und Kultur“ den Themenkreis.
In der gotischen Kirche des ehemaligen Dominikanerklosters „zum heiligen Kreuz“ ist heute eine Kunsthalle eingerichtet, in der auf rund tausend Quadratmeter Ausstellungsfläche im Wechsel Werke der Gegenwartskunst gezeigt werden. Das Kloster stammt aus dem 13. Jahrhundert. Als Stifter wird Rembertus Düvelius, Herr zur Düvelsburg, genannt. In den Wirren der Nachreformation plünderte der Pöbel 1543 das Kloster. In der Zeit der Gegenreformation gab Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg dem Kloster seine frühere Rechtsstellung zurück. 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation endgültig aufgelöst. Die leeren Gebäude nutzten später die französischen Truppen sowie die kaiserliche Infanterie als Magazin und Kaserne. Als Kunstmuseum dient die Dominikanerkirche seit 1993.
Dem Schloss Osnabrück gegenüber liegt der 1588 fertig gestellte Ledenhof. Der reich verzierte Renaissancebau diente ursprünglich als Herrenhaus. Heinrich von Leden hatte ihn errichten lassen. Im Treppenturm des Ledenhofes windet sich die älteste Spindeltreppe Norddeutschlands aufwärts. Der siebenstöckige Speicher aus Bruchstein stammt bereits aus dem 14. Jahrhundert und diente einem Steinwerk als Lagerstätte. Heute ist der Ledenhof Sitz der Deutschen Stiftung Friedensforschung und des Literaturbüros Westniedersachsen. Im Renaissancesaal finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt.
Einige Türme der alten Stadtbefestigung sind noch erhalten geblieben: Der Bucksturm aus dem 13. Jahrhundert war ursprünglich mit 28 Metern der höchste Befestigungsturm der Stadt. Im Mittelalter diente er als Gefängnis. Hier wurden auch hochrangige Adlige wie Graf Simon von der Lippe (1305) oder Johann von Hoya (1534) gefangen gehalten. 1534 wurden die Abgesandten der Wiedertäufer im Bucksturm festgesetzt. Zur Zeit der Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert wurde hier eine Folterkammer eingerichtet. Heute informiert eine Ausstellung über die Hexenverfolgung.

Der „Bürgergehorsam“ ist der jüngste der großen Wehrtürme und wurde zwischen 1517 und 1519 erbaut. Auch dieser Turm diente zwischenzeitlich als Gefängnis. Sowohl der „Plümersturm“ als auch der „Gesperrte Turm“ am Johannistorwall gehören zu der Wehranlage der Neustadt. Der Plümersturm diente wohl als Verstärkungsbau des Neustädter Mauerrings. Der Gesperrte Turm, der durch seine Höhe auffällt, wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Zu den noch erhaltenen Türmen der Osnabrücker Wehranlage gehören weiter der Barenturm im Nordosten und der mehrfach umgebaute Pernickelturm. Der Barenturm galt als der strategisch wichtigste der Stadt, da sich in seiner Nähe die Stauwehre befanden. Darüber hinaus sind noch einige Mauerreste erhalten wie die westlich vom Bucksturm 1280 erbaute Hohe Mauer und die zwischen 1180 und 1250 errichtete Hellingsmauer mit ihren beiden runden Türmen.

Unter dem Namen „Heimattiergarten“ wurde 1936 der Osnabrücker Waldzoo eröffnet. Im Rahmen einer besonders schönen Waldkulisse leben über 2000 Tiere und 300 Arten. Neben einem Tetra-Aquarium mit Terrarium und einer Großvoliere kann der Besucher Elefanten in einem parkartigen Gehege beobachten. Im Menschenaffenhaus lebt eine bedeutende Zuchtgruppe von Klammeraffen.
Osnabrück ist als die Stadt der ‚Steinwerke’ bekannt. Dabei handelt es sich um einen besonderen Osnabrücker Bautypus. Steinwerke aus gelblichem Muschelkalk sollten die gespeicherten Güter vor der permanenten Brandgefahr in der mittelalterlichen Stadt schützen. Das ‚Steinwerk’ ist ein Speicherbau, der rückwärtig an das Fachwerkvorderhaus angefügt ist. Er ist unterkellert. Im Hochpaterre zur Straße hin liegen die Wohnungen. Die anderen Geschosse und der hintere Bereich wurden ausschließlich als Speicher genutzt. Den gelblichen Muschelkalk als Baumaterial holte man vom nahen Westerberg. Die beiden ältesten Steinwerke stehen in der Bierstraße 7 sowie in der Dielingerstraße 13, sie haben ihr ursprüngliches Aussehen weitgehend erhalten, können aber nur von außen besichtigt werden.
TERRA.vita ist ein großer Naturpark, der die Stadt umgibt. Damit ist Osnabrück die einzige deutsche Großstadt, die inmitten eines Naturparks liegt. Das Gelände ist Teil des Europäischen Geopark-Netzwerkes. Damit gehört Osnabrück seit 2004 zu den Gründungsmitgliedern des weltweiten UNESCO Geoparks.

Der Name TERRA.vita bedeutet „Lebenslauf der Erde“, und das beschreibt die Besonderheit dieses Naturparks: 300 Millionen Jahre Erdgeschichte finden sich hier auf einem relativ kleinen Raum in verschiedensten Landschaftsformen wieder. In dieser vielschichtigen Umgebung finden sich Saurierspuren. Und nach neueren Erkenntnissen fand auch die berühmte Varusschlacht vor über 2000 Jahren nicht – wie lange angenommen – im Teuteburger Wald, sondern hier bei Kalkriese statt.

Durch den Naturpark wurden 17 Radwanderrouten, die so genannten TERRA.trails, eingerichtet. Dazu gibt es umfangreiches Karten- und Informationsmaterial.



Radrouten die durch Osnabrück führen:

Friedensroute
Brückenradweg Osnabrück ↔ Bremen




Wallenhorst

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mgeben von Feldern, Wäldern und Flussauen befindet sich im Norden des Osnabrücker Landes die Gemeinde Wallenhorst.
Eingebettet im Naturparks TERRA.vita, einem UNESCO Geoparks, sowie am Rande des Naturparks Nördlicher Teutoburger Wald, geht es hier noch relativ ländlich und beschaulich zu. Wallenhorst wurde 1972 aus den zuvor selbstständigen Gemeinden Hollage, Lechtingen, Rulle und Wallenhorst gebildet. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Alte Alexanderkirche, die stolze Windmühle in Lechtingen, Knollmeyers Mühle im idyllischen Nettetal sowie die Ruine der sächsischen Wittekindsburg.

Sehenswertes:

Auf einer kleinen Anhöhe stehend, überragt die Windmühle Lechtingen die gesamte Umgebung. Der weißverputzte Galerie-Holländer wurde 1887 erbaut und blieb bis 1970 in Betrieb. Zwischenzeitlich wurde zusätzlich eine Motormühle installiert, um an windarmen Tagen einen kontinuierlichen Betrieb sicherzustellen.

Nach ihrer Stilllegung verfiel die Mühle zusehends, bis der Verein Windmühle Lechtingen e.V. die historische Anlage grundlegend restaurierte.

Der alljährlich in ganz Deutschland am Pfingstmontag stattfindende Mühlentag geht auf das Fest der Wiederinbetriebnahme der Windmühle Lechtingen im Jahr 1987 zurück.

Die Alte St. Alexanderkirche ist ein historisches Schmuckstück der Gemeinde Wallenhorst. Der Bruchsteinbau gehört zu den ältesten Kirchen im Bistum Osnabrück und war bis 1881, der Fertigstellung der neuen St. Alexanderkirche, Pfarrkirche des Ortes. Der Legende nach gründete Karl der Große nach seinem Sieg über Sachsenherzog Wittekind in der Schlacht an der Hase an dieser Stelle eine erste Kirche. Die Fundamente eines Saalbaus um 800 konnten tatsächlich nachgewiesen werden. Diese wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach um- und ausgebaut. Zuletzt entstand die heute noch weitgehend so bestehende gotische Hallenkirche und um 1500 der massive Turm. Dieser wird bekrönt von einer über 300 Jahre alten goldenen Henne.

Im Wallenhorster Ortsteil Rulle befand sich einst das Kloster Rulle, Die sagenumwobene Zisterzienserinnenabtei, zeitweilig auch Kloster Marienbrunn genannt, wurde 1230 gegründet, aber erst 1246 nach Rulle verlegt. Im Zuge der Säkularisierung wurde es 1803 wieder aufgelöst. Im denkmalsgeschützten Äbtissenhaus befindet sich heute eine katholische Jugendbildungsstätte und die Wallfahrtskirche St. Johannes wurde als Pfarrkirche übernommen. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer imposanten dreischiffigen Hallenkirche im Heimatschutzstil umgebaut. Gleich neben der Wallfahrtskirche befindet sich der Marienbrunnen. Die Quelle erhielt 1923 ein kleines Häuschen und ist ebenfalls Ziel vieler Wallfahrer.

 

Hinter der Szenerie: Das Blutwunder von Rulle

Die Nonnen des Zisterzienserinnenklosters hatten im Jahre 1347 Gold- und Silberschmuck gesammelt, den sie in einem Hostienbehälter, einer so genannten Pyxis, gemeinsam mit fünf Hostien unterbrachten. Diesen stellten sie auf dem Altar der Kirche ab. Doch ein Dieb stahl das Gefäß mit seinem wertvollen Inhalt und warf die geschlossene Hostiendose, ohne Schmuck aber noch mit den Hostien, auf seiner Flucht achtlos unter einen Dornenbusch. Dort wurde sie später gefunden und zurück in die Kirche gebracht. Man öffnete die Pyxis und stellte mit Erstaunen fest, dass sich die zurückgebliebenen Oblaten blutrot verfärbt hatten. So ließ man an der Stelle des Dornenbusches, wo man den Hostienbehälter gefunden hatte, eine neue Kapelle errichten, die dann zum beliebten Wallfahrtsort wurde.

 

Hinter der Szenerie: Die Sage um die Marienquelle

Um das Entstehen der Marienquelle ranken sich verschieden Geschichten: Eine berichtet, dass einst ein Schafhirte unweit der Klosterkirche von Rulle einen roten Stab aus der Erde gezogen hatte, worauf an dieser Stelle die Marienquelle entsprang. Nach einer anderen Überlieferung war es ein blinder Schäfer, der hier seinen Stab in die Erde setzte, worauf die Quelle aus dem Boden sprudelte und der Hirte durch das Wasser sein Augenlicht wiedererlangte.

Versteckt in einem Waldstück südöstlich von Rulle, einem Ortsteil von Wallenhorst, befinden sich die Überreste der Wittekindsburg. Hier soll sich der Legende nach der berühmte Sachsenherzog Wittekind im 8. Jahrhundert nach der gegen Karl den Großen verlorene Schlacht an der Hase zurückgezogen haben. Schriftliche Belege gibt es hierfür jedoch nicht, doch wird zumindest angenommen, dass die Burg mit den umliegenden Besitzungen den Erben Wittekinds gehörte. Mauerreste aus mehreren Jahrhunderten belegen, dass die Festung über einen sehr langen Zeitraum bewohnt war. Die ältesten nachweisbaren Fundamente stammen noch aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Die ehemalige Wasserburg bestand aus einer großen Haupt- und einer kleinen Vorburg. Sie gilt als eine der größten frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen Niedersachsens. Erdwälle und ehemalige Wassergräben sind heute noch erkennbar. Ansonsten zeugen nur noch einige Fundamente und Mauerreste von der ehemaligen repräsentativen Burganlage.

Im idyllischen Nettetal nahe des Ortsteils Rulle befindet sich mit Knollmeyers Mühle eine der ältesten Wassermühlen im Osnabrücker Land. Bereits 1253 wurden erstmals die Wasser- und Staurechte urkundlich erwähnt. Die zwischenzeitlich verfallene Doppelmühle wurde in den 1980er Jahren originalgetreu wiederhergestellt.

Gleich neben der Mühle befindet sich ein aufregender Kletterpark, in dem Kinder viel Spaß beim Besteigen von Bäumen und Hochplateaus haben.






Bramsche

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ramsche wurde seit dem Mittelalter für lange Jahrhunderte durch die Textil- und Tuchmacherindustie geprägt. Die erst 1972 geschlossene Tuchfabrik am Mühlenort beherbergt heute das Tuchmacher Museum und hält so die Erinnerung an das die Stadt prägende Handwerk wach. Bramsche geht auf eine Kirchengründung Karls des Großen zurück. Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 1097. Erst 1929 erhielt Bramsche das Stadtrecht. Die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern ist sehenswert. Bramsche liegt am Naturpark TERRA.vita und wird vom Mittellandkanal durchflossen. Der nordöstliche Teil des Gemeindegebietes wird durch das Große Moor geprägt. Der Stadtteil Kalkriese gilt als der wahrscheinliche Ort der berühmten und verheerenden Varrusschlacht im Jahre 9. n.Chr., bei der bis zu 20.000 römische Soldaten ihr Leben verloren. Die Schlacht gilt als Wendepunkt in der römischen Geschichte und wird im Museum und Park Kalkriese sehr anschaulich aufgearbeitet. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Wasserburg Alt-Barenaue und das Schloss Neu-Barenaue.

Sehenswertes:

Wo die bedeutende Varusschlacht stattgefunden hatte, wusste man bis vor einiger Zeit nicht. Auch heute ist Kalkriese als Ort für den Kampf nicht vollständig gesichert. Man wusste bis in die 1980er Jahre lediglich aus römischen Quellen, dass die Schlacht im Jahre 9 n. Chr. nahe des Teutoburger Waldes stattfand und dass die Römischen Legionen von den Germanen dabei vernichtend geschlagen wurden. Kaiser Augustus soll in Rom entsetzt ausgerufen haben:  ‚Quintus Varus, gib die Legionen zurück!’. Die Schlacht wurde zum Wendepunkt in der römischen Geschichte.

Ende der 1980er Jahre fand man bei Kalkriese einen römischen Münzschatz. Das Prägedatum dieser Geldstücke ließ den Schluss zu, dass sie bei der Varrusschlacht verloren gegangen sein könnten. Ausgedehnte Grabungen brachten daraufhin viele römische Gegenstände sowie ein Massengrab zutage. Die vielen Utensilien, darunter Waffen, Uniformteile, persönliche Gegenstände und die inzwischen berühmt gewordene römische Reitermaske, waren auf einem relativ großen Gebiet verstreut. Dieses wiederum deutet auf eine riesige Kriegsschlacht mit römischer Beteiligung hin. Heute gilt Kalkriese als wahrscheinlichster Ort der Varusschlacht.

Auf dem Weg ins Winterlager am Rhein wollten die römischen Legionen unter ihrem Heerführer Varus einige aufständische germanische Stämme zur Raison bringen. Arminius, der römisch erzogene Sohn eines germanischen Häuptlings, lockte das riesige Heer an die Stelle in Kalkriese, wo nur ein schmaler wenige Meter breiter Weg zwischen dem Berghang des Kalkrieser Berges im Süden und dem Großen Moor im Norden verblieb. Der Zug umfasste drei Legionen und 6 Kohorten, insgesamt 15.000 – 20.000 Soldaten und ungefähr 5.000 Tiere. Die Römer mussten ihre Formation aufgeben und so schlängelte sich ein 15 – 20 Kilometer langer und ungeordneter Römerzug durch den Engpass. Dort gerieten sie in einen Hinterhalt der zahlenmäßig weit unterlegenen Germanen, die sich längs des Berghanges verschanzt hatten. Die römischen Legionen wurden in dieser geographischen Lage innerhalb von drei Tagen völlig aufgerieben, da es keinerlei Fluchtmöglichkeiten gab.

Im Museum Kalkriese wird der wahrscheinliche Ablauf der Schlacht sehr anschaulich dargestellt. Im Museumsgebäude wird eine ständige Ausstellung gezeigt, in der römische Fundstücke aus der Umgebung präsentiert werden, darunter auch die Reitermaske, die inzwischen als Symbol für die Varusschlacht gilt. Ein Modell macht deutlich, wie riesig die römische Streitmacht gewesen ist und wie schmerzlich die Niederlage für Rom gewesen sein muss. Sonderausstellungen ergänzen das Museumsangebot. Der 40 m hohe Aussichtsturm bietet einen guten Überblick über das Gelände und den Weg der Römer. In den Räumen werden schriftliche Überlieferungen zur Varusschlacht sowie archäologische Forschungs- und Grabungsergebnisse gezeigt.

Im Park kann man den Weg der Römer, der mit Metallplatten gekennzeichnet ist, gut nachvollziehen. Natürlich hat sich der Bereich in der Zwischenzeit landschaftlich stark verändert. Ein kleiner, eingezäunter Bereich wurde aber so rekonstruiert, das sich erkennen lässt, wie das Gelände vor 2000 Jahren ausgesehen haben könnte. So lässt sich nachvollziehen, wie eng der Marschweg der Römer zwischen der Böschung, hinter der sich die Germanen versteckt hielten und dem undurchschreitbarem Moor wirklich gewesen war.

Unweit des Schlachtfeldes des Varrusschlacht befindet sich das stolze Schloss Neu-Barenaue. Es wurde in den Jahren 1857 bis 1862 durch die Familie von Bar als Ersatz für ihren alten Stammsitz, der Burg Alt-Barenaue, errichtet. Das zweistöckige prächtige Schlossgebäude wurde im englischen Landhausstil mit neuromanischen Stilelementen erbaut. Rund um das Herrenhaus befindet sich ein 2000 m² großer englischer Garten mit sehr altem Baumbestand. Das Gebäude ist heute in mehrere Mietwohnungen aufgeteilt und wird nicht mehr von der Familie von Bar bewohnt.

Die Wasserburg Alt-Barenaue ist ein flacher, weiß verputzter ehemaliger Adelssitz in Kalkriese. Die Niederungsburg wurde im 13. Jahrhundert auf einer Sandinsel gebaut, damit die Burg auf dem moorigen Untergrund stabil stehen konnte. Der älteste Teil der Wehranlage ist das Torhaus von 1689. Es besitzt ein auffälliges achteckiges Fachwerktürmchen. Die Familie von Bar, die die Wasserburg über die Jahrhunderte bewohnte, zog 1862 in das neu errichtete Schloss Neu-Barenaue um.

Nördlich der Wasserburg Alt-Barenaue befindet sich eine merkwürdig anmutende Lindenallee. Alle Bäume sind nahe gleichmäßig von der Straße weg nach außen geneigt. Grund für das außergewöhnliche Kippen der Linden ist der moorige Untergrund.

An dieser Allee befindet sich auch die Gerichtslinde. Der uralte, teils abgestützte Baum ist heute Naturdenkmal. Vor Jahrhunderten wurde hier regelmäßig Gericht gehalten.

In Bramsche hat das Tuchmacherhandwerk eine Jahrhunderte lange Tradition. Diese hatte der Stadt bereits im Mittelalter einen gewissen Wohlstand eingebracht. In den aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammenden Gebäuden der 1972 geschlossenen Tuchfabrik am Mühlenort befindet sich heute ein Museum, das sich mit dem Handwerk des Tuchmachens beschäftigt. Dabei werden die Abläufe vom Kämmen der Wolle über das Färben und Spinnen bis zum Weben an originalen Gerätschaften demonstriert. Besonders imposant erscheint eine Spinnmaschine mit ungefähr 100 Spindeln.

In dem Museum finden regelmäßig auch andere kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Ausstellungen statt. Im Gebäude befindet sich auch die Tourist Information Bramsche.

Mitten in der Altstadt vom Bramsche befindet sich die St. Martin-Kirche. Sie geht auf eine Kirchengründung Karls des Großen zurück und gilt als die Keimzelle der Stadt. Die heutige Kirche mit ihrem Westturm entstand um 1200. Seit der Zeit der Reformation ist die an kunstgeschichtlichen Gegenständen reiche Kirche evangelisch.

Das ehemalige Benediktinerinnenkloster Malgarten wurde 1175 ursprünglich im oldenburgischen Essen gegründet. Erst 1194 siedelte es nach Malgarten um. Obwohl Bramsche Mitte des 17. Jahrhunderts protestantisch wurde, blieb das Nonnenkloster erhalten und 1738 sogar zur Abtei erhoben. Im Zuge der Säkularisierung wurde es 1803 aufgelöst. Die Klosterkirche St. Johannes verblieb im Besitz der katholischen Kirche und wurde bald darauf Pfarrkirche. Das Gotteshaus wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Saalkirche im frühbarockem Stil erbaut. Mehrfach wurde die Kirche umgebaut. Ihre spätgotischen Fenster erhielt sie Ende des 15. Jahrhunderts. Bei der Inneneinrichtung fällt besonders die Stuckdecke auf. Bemerkenswert ist darüber hinaus das Chorgestühl von 1605 sowie die Kanzel von 1725 mit bildlichen Darstellungen der vier Evangelisten und mehreren Kirchenvätern.

Von den ehemaligen Klostergebäuden ist nur noch ein Flügel erhalten. Er wurde 1230 errichtet und im 18. Jahrhundert wesentlich umgebaut. Inzwischen befindet sich das Bauwerk in privatem Besitz. Unter anderem befindet sich hier heute die ‚Galerie im Kloster Malgarten’, die auch Führungen anbietet sowie ein Restaurant.

Die St. Johanniskirche in Egter wurde ab 1229 als Filialkirche von Bramsche erbaut. Durch die ständigen Überflutungen der Hase und dem tückischem Moorgebiet war es den Gläubigen nicht immer möglich, sonntags nach Bramsche in die Kirche zu kommen. So entstand ein einschiffiges Langhaus im frühgotischen Stil mit romanischen Elementen und einem wehrhaften Westturm. Seit Bramsche in der Zeit der Reformation evangelisch wurde, ist auch die Johanniskirche evangelisch-lutherisch.






Neuenkirchen-Vörden

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ie Gemeinde Neuenkirchen-Vörden liegt am Rande der Dammer Berge in der weitläufigen und waldreichen der Neunkirchener Bergmark. Im Südöstlichen Gemeindegebiet befindet sich das Große Moor. In Campenmoor fand man sechs Pfahlwege, von denen der Älteste bereits 6.800 Jahre alt ist. Damit ist dieser Bohlenweg der Älteste erhaltene von Menschen geschaffene Verkehrsweg der Welt. Das stark durch Moor und Landwirtschaft geprägte Gebiet war noch im Mittelalter ein ständiger Anlass zum Streit zwischen den Bistümern von Osnabrück und Münster. Die Gemeinde besteht heute aus den ehemals selbstständigen Teilen Neuenkirchen und Vörden. Noch in den 1990er Jahren hatte Vörden die kommunale Unabhängigkeit von der damals ‚Neuenkirchen (Oldenburg)’ genannten Gemeinde angestrebt. Als Folge wurde der Ortsname in ‚Neuenkirchen-Vörden’ geändert.

Sehenswertes:

Um sich in der lebensfeindlichen Umgebungdes Moores fortbewegen zu können, hat der Mensch schon früh damit begonnen, so genannte Pfahlwege anzulegen. Die bestanden im unteren Teil aus einer Lage Birken und darüber aus einer Lage Kiefern. Diese Wege, die man in Campemoor entdeckt hat, sind schon äußerst alt. Der älteste Bohlenweg, von Archäologen ‚P31’ getauft, wird auf das Jahr 4.800 v. Chr. datiert. Damit sind die hier gefundenen Pfahlwege die ältesten noch erhaltenen Verkehrswege, die jemals von Menschen geschaffen wurden! Bislang hat man sechs dieser bis zu 5,5 Meter breiten Wege entdeckt. Der jüngste dieser Bohlenwege ist knapp 5.000 Jahre alt. Seit 1991 finden archäologische Ausgrabungen und Untersuchungen statt. Diese sind aber nur nach vorheriger Anmeldung zu besichtigen. Ein Modell, das sich direkt am Brückenradweg befindet, veranschaulicht den Aufbau dieser prähistorischen Straße.

Der aktive Heimatverein Vörden e.V. hat im Campemoor einen interessanten 1300 Meter langen Moorlehrpfad errichtet. Auf 13 Informationstafeln wird Wissenswertes über das Hochmoor, seine Entstehung und die Renaturierung vermittelt. Man erfährt vielerlei über die hier lebenden Pflanzen und natürlich über den Rohstoff ‚Torf’ sowie die verschiedenen Torfstechverfahren.

Die Ackerbürger waren eine soziale Sondergruppe, die sich seit dem 18. Jahrhundert in Deutschland entwickelte. Es waren in der Stadt lebende Bauern mit Bürgereigenschaften. Ihre Häuser waren häufig durch große Toreinfahrten gekennzeichnet. Das 1843 erbaute ‚Stockmanns Haus’ in Vörden ist ein solches Ackerbürgerhaus. Ende der 1990er Jahre wurde das Gebäude umfangreich restauriert und beherbergt heute ein nettes Heimatmuseum, das die ländliche Wohnkultur im 19. Jahrhundert beschreibt und dokumentiert. Im oberen Stockwerk wird eine alte Schuhmacherwerkstatt gezeigt. In der Diele gibt es für die Besucher Kaffee und Kuchen.

Bereits von weitem sieht man die auf freiem Feld stehende  Selingsmühle. Die Mühle vom Typ eines Galerieholländers wurde im Jahre 1824 erbaut und blieb bis 1950 in Betrieb. Das Gebäude steht auf einem achteckigen Grundriss und besteht im unteren und mittleren Teil aus Naturstein, im oberen aus Holz. Die Windmühle erhielt 2007 nach einer umfangreichen Renovierung eine neue Kappe und eine neue Windrose. Auf Anfrage ist die Selingsmühle zu besichtigen.

In den Räumen eines ehemaligen Schlachterbetriebes in Vörden wurde durch den Heimatverein ein Museum eingerichtet. Es präsentiert eine Schlachterei, wie sie um das Jahr 1925 ausgesehen hat. Neben der Ladentheke kann man hier die Räucherkammer, die Kühlräume und die Wurstküche mit den dazugehörigen Maschinen besichtigen.






Damme

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as beschauliche Städtchen Damme liegt am Fuße der Dammer Berge und grenzt im Osten an den Dümmersee. So besitzt der im Naturpark Dümmer liegende Ort einen hohen Freizeitwert und wird von vielen Ausflüglern und Touristen besucht. Der fischreiche Dümmer gilt als Eldorado für Segler und Surfer, seine ansonsten naturbelassenen Uferzonen sind Brut- und Raststätte für eine Vielzahl von Vogelarten. Die bis zu 146 m hohen Dammer Berge laden zum Wandern ein und bieten mehrere Aussichtspunkte, von denen man weit in das Umland schauen kann. Damme selber ist ein Freilichtmuseum. Über 30 Skulpturen wurden an verschiedenen Stellen in der Stadt aufgestellt. Die imposante katholische Kirche St. Viktor wird bei den Einheimischen wegen seiner Größe auch ‚Dammer Dom’ genannt. Daneben lohnt sich ein Besuch der Wassermühle Höltermann mit seiner mühlengeschichtlichen Ausstattung oder die noch funktionstüchtige Ziegelei Stölting.

Sehenswertes:

Die mächtig wirkende Kirche St. Viktor, im Volksmund vielfach Dammer Dom genannt, wurde erst zwischen 1904 und 1906 im Stil der Neogotik errichtet. Die Kirchengemeinde ist aber schon uralt. Bereits im 8. Jahrhundert wurde sie gegründet. Von einer romanischen Vorgängerkirche blieb noch bis heute der Turm aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Seine barocke Haube bekam er erst in späterer Zeit. Aus dem 15. Jahrhundert stammt ein weiterer Vorgängerbau, der aber für die heutige Kirche abgebrochen wurde. Sehenswert in der majestätischen Hallenkirche mit ihrem Querhaus sind die imposanten Fenster, der romanische Taufstein (12. Jahrhundert) sowie das Sakramenthäuschen (15. Jahrhundert).

Die Innenstadt von Damme ist ein großes Freilichtkunstmuseum. Im Jahre 1994 kam der Kunst- und Kulturkreis Damme auf die Idee, im öffentlichen Raum Kunst zum Anfassen zu präsentieren. Seitdem wurden in der Stadt bereits über 30 Skulpturen von namhaften Künstlern aufgestellt. An jeder Ecke trifft man wieder ein neues künstlerisches Werk. Der Skulpturenpfad wird ständig erweitert und ist auch über Damme hinaus zu einer bekannten Freilichtschau geworden.

Der frühere Bahnhof Damme beherbergt seit 1992 das Stadtmuseum. Es zeigt die Entwicklung des Dammer Raumes  seit der Ur- und Frühgeschichte bis zur Jetztzeit. Dabei wird insbesondere auf den 600 Jahre dauernden Konflikt zwischen den Fürstbischöfen von Osnabrück und Münster um den Ort Damme, die Entwicklung des Dammer Karnevals und der Carnevalsgesellschaft von 1614 sowie den Eisenerzbergbau in den Dammer Bergen zwischen 1939 und 1967 eingegangen. Daneben werden interessante Wechselausstellungen zu verschiedenen Themen, die im Bezug zu der Stadt Damme stehen, gezeigt.

Die Dammer Berge sind ein sanft geschwungener, waldreicher Höhenzug im Oldenburger Münsterland, der dennoch dem Radfahrer einige Anstrengungen abverlangt. Immerhin liegt die höchste Erhebung mit dem Signalberg bei 146 Metern. Das ungefähr 25 Kilometer lange Bergland grenzt nördlich an die Stadt Damme im Nationalpark Dümmer und entstand vor etwa 200.000 Jahren während der Saale-Eiszeit als Endmoräne. Die Dammer Berge bilden die Wasserscheide zwischen Weser und Ems. Von den Aussichtstürmen auf dem Steigenberg bzw. dem Mordkuhlenberg kann man herrliche Blicke bis zum Wiehengebirge und weit bis in das Oldenburger Münsterland hinein genießen.

Der Dammer Bergsee im Mittelteil der Dammer Berge ist ein Stillgewässer und gilt als Refugium für viele Tiere und vom Aussterben bedrohter Pflanzen. Ein Lehrpfad am Rand des Sees informiert über die reiche Fauna und Flora.

In der Region fand man bereits früh große eisenhaltige Tonvorkommen, so dass bereits im 17. Jahrhundert erste Ziegeleien entstanden.

Viele Besucher der Dammer Berge zieht es zum Mordkuhlenberg, einer der höchsten Erhebungen des Höhenzuges. Er befindet sich inmitten der Dammer Berge und besitzt einen 22 Meter hohen Holzturm mit drei Plattformen. Von hier aus hat man bei klarem Wetter einen atemberaubenden Blick über den gesamten Dümmersee bis hin zum Wiehengebirge sowie bis weit in das Cloppenburger Land hinein. Seinen martialischen Namen erhielt der Mordkuhlenberg durch eine alte Sage, da sich hier einmal das Versteck einer Räuberbande befunden haben soll.

 

Hinter der Szenerie: Die Sage der Räuberbande vom Mordkuhlenberg

Man erzählt sich, dass sich einst am Mordkuhlenberg eine Höhle befand, in der vier Räuber hausten. Diese üblen Gesellen raubten die Reisenden aus, die sich auf diesem Weg verirrt hatten und brachten die Unglücklichen danach grausam um. Eines Tages verlief sich ein Mädchen auf dem Pfad. Nachdem es von den Räubern gestellt wurde, flehte sie diese an, doch bitte ihr Leben zu verschonen. Sie würde auch alles für die Räuber tun! Das war verlockend, und schließlich willigten die Ganoven ein – unter der Bedingung, dass das Mädchen den Haushalt führen müsse! Die Jahre zogen ins Land und jedes Jahr gebar die junge Frau den Räubern ein Kind. Aber die Neugeborenen wurden allesamt nach ihrer Geburt getötet an Seilen außerhalb der Höhle aufgehängt. Nach sieben Jahren schließlich bat das Mädchen die Räuber, zur Ostermesse in die Stadt gehen zu dürfen. Die Männer ließen sie gehen, aber zuvor musste sie ihnen einen Eid schwören, das sie das Versteck nicht zu verraten und wiederkommen werde. In Damme kaufte sie sich einen Beutel Erbsen und kehrte danach zur Räuberhöhle zurück. Unterwegs verstreute sie die Erbsen auf den Boden, so dass sie eine Spur ergaben. So führte sie die Soldaten, die sie zuvor auf sich aufmerksam gemacht hatte, zu dem Verschlag des Räuberquartetts, ohne ihren Eid gebrochen zu haben. Die Mörder wurden festgenommen und zu Osnabrück am Galgen gehängt, so dass sie dort genauso baumelten, wie zuvor ihre totgeschlagenen neugeborenen Kinder! So erhielt der Mordkuhlenberg seinen unheimlichen und blutrünstigen Namen.

In der Geestniederung südöstlich der Dammer Berge befindet sich der Dümmer, teilweise auch Dümmer See genannt. Er ist nach dem Steinhuder Meer der zweitgrößte See Niedersachsens und mit bis zu 1,5 Metern Tiefe relativ flach. Nur in den Hafenbereichen besitzt der Dümmer eine Tiefe von bis zu 2 Metern. Der Grund hierfür ist die hohe Verschlammung, die aus der Eindeichung in den 1940er Jahren resultierte. Trotzdem besitzt der See einen relativ konstanten Wasserstand. Ein Grund hierfür ist der Zufluss der Hunte im Süden. Der Fluss verlässt den See wieder in Richtung Norden in mehreren Armen, die sich erst später wieder vereinigen. Der Name ‚Dümmer’ übrigens leitet sich möglicherweise vom niederdeutschen  ‚Diup mer’ ab, was übersetzt eigentlich ‚Tiefes Meer’ bedeutet. Darüber streiten aber noch die Gelehrten, so wie auch über die Entstehung des Gewässers. Vermutlich ist der Dümmer vor rund 12.000 Jahren während der Weichsel-Eiszeit entstanden.

Die Region um den Dümmer See hat sich dem ‚sanften Tourismus’ verschrieben. So bieten die Orte Lembruch und Hüde im Osten sowie Dümmerlohausen in Nordwesten zwar Badespaß und Möglichkeiten zum Wassersport – der See ist ein Eldorado für Segler und Surfer. Dennoch wird der Schutz der Naturgebiete sehr groß geschrieben. Das Gewässer gehört vollständig zum Naturpark Dümmer und liegt zum überwiegenden Teil im Naturschutzgebiet. Es bietet vielen Vögeln ein Refugium zum Brüten und zum Rasten. Der Dümmer ist sehr fischreich und seine Uferbereiche besitzen darüber hinaus eine vielfältige Flora und Fauna.

Mehrere Aussichtstürme befinden sich am Rand des Sees. Von ihnen hat man einen weiten Blick über die naturbelassene Landschaft. Viele Hobby-Ornithologen beobachten von diesen Plattformen aus die bunte Vogelwelt des Dümmers. Ein weitläufiges Wander- und Radwegenetz steht dem Besucher zur Erkundung offen. Dazu gehört auch der 26 Kilometer lange Radwanderweg ‚Rund um den Dümmersee’. Der Rundkurs führt meist etwas abseits des Sees durch die stille Moor- und Wiesenlandschaft des Nationalparks.

Der zum Ort Dümmerlohausen gehörende Olgahafen ist der einzige touristische Zugang am Westufer des Dümmers. Hier im Hafen liegen die Segelboote und erzeugen eine ruhige maritime Stimmung. Im Olgahafen lassen sich Tretboote mieten oder man kann von hier aus mit einem Schiff zu einer Rundfahrt auf dem See aufbrechen. Ein ausgedehntes Wander- und Radwegenetz lädt zu Ausflügen in die naturbelassene Umgebung ein.

Angelehnt an die Bremer Eiswette findet seit 2001 allwinterlich die Dümmer Eiswette statt. Dabei wird geprüft, ob der Dümmer ‚geit’ oder ‚steit’ – ob er also zugefroren ist oder nicht. Im Gegensatz zu der Weser bei Bremen, die seit dem Aushub für die Schifffahrt eine so hohe Fließgeschwindigkeit besitzt, sodass sie seit geraumer Zeit nicht mehr zugefroren ist, ist die Eiswette am Dümmer eine durchaus offene und spannende Angelegenheit. Das feucht-fröhliche Ereignis zieht jeden Winter viele Gäste an.

Der Dümmer ist bekannt für seine artenreiche Flora und Fauna. Das Südufer und weite Teile des Westufers stehen unter Naturschutz. Der See gilt als natürliches Refugium für zahlreiche Vögel, die hier brüten oder auf dem Weg zu ihrem Sommer- bzw. Winterrevier rasten. Mehr als 270 verschiedene Vogelarten wurden hier bereits nachgewiesen. Damit zählt der Dümmer zu den artenreichsten Regionen Deutschlands.

Wer mehr über die verschiedenen Vogelarten erfahren möchte, dem sei das vogelkundliche Informationshaus ‚Dümmer Vogelschau’ in Dümmerlohausen empfohlen. Hier werden annähernd 200 Arten in originalen Präparaten vorgestellt, von der Nachtigall über den Spatz, den Pirol, den Fischadler bis zum riesig wirkenden Schwan.

Unweit des Flugplatzes Damme liegen, versteckt im Wald, die Sierhausen Schanzen, in verschiedenen Quellen auch Römerschanzen genannt. Dabei handelt es sich um zwei Wallanlagen und dazugehörige Gräben. Die größere der beiden Ringwälle befindet sich im Norden. Ihr Durchmesser beträgt ungefähr 100 Meter. Möglicherweise diente diese Verteidigungsanlage der Überwachung der Wege des südlich gelegenen Moores. Obwohl als ‚Römerschanze’ bezeichnet, ist eine genaue zeitliche Einordnung noch nicht zweifelsfrei erfolgt.

Nördlich von Borringhausen steht auf achteckigem Grundriss die Schnatsmühle. Der Galerieholländer wurde 1813 in Ziegelbauweise auf einem Bruchsteinsockel erbaut. Während des Zweiten Weltkrieges nahm das Bauwerk erheblichen Schaden und besitzt seitdem keine Flügel mehr. Eine Sanierung wird derzeit vorbereitet.

Am Mühlenbach läuft heute wieder das Rad der Wassermühle Höltermann. Ihren Ursprung hat die Mühle bereits im Mittelalter. Das Mühlenhaus stammt im Kern noch von 1643, wurde aber im Laufe der Zeit mehrfach erheblich umgestaltet. Ihr heutiges Aussehen verdankt das Gebäude weitgehend einem Umbau von 1801. Nachdem seit 1930 ein effizienterer Elektromotor die Wasserkraft und das Wasserrad ablöste, wurde die Mühle 1964 vollständig stillgelegt. Erst in den 1990er Jahren wurde das Ensemble saniert und wieder instand gesetzt. Heute kann man nach vorheriger Anfrage das Mühlengebäude auch besichtigen. Es beherbergt eine Ausstellung über die Mühlengeschichte der Stadt.

In der Region um die Stadt Damme, insbesondere in den Dammer Bergen, gibt es hochwertige Tonvorkommen mit sehr hohem Eisengehalt. So siedelten sich hier schon früh  mehrere Ziegeleien an. Die unter Denkmalschutz stehende Ziegelei Stölting wurde 1875 erbaut, musste aber bereits 1964 ihren Betrieb wieder einstellen, da der benachbarte Eisenerzbergbau erhebliche Schäden verursacht hatte. Trotzdem ist das Werk noch in relativ gutem Zustand und prinzipiell auch heute noch funktionstüchtig. Die Ziegelei kann nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden.

Ein richtiges Kleinod stellt die Laurentius-Kapelle in Damme dar. Die neugotische Kirche wurde 1905 erbaut und geweiht, nachdem die evangelische Gemeinde immer größer geworden war. Aber die Gemeinde wuchs im letzten Jahrhundert immer weiter und so wurde 1960 die neue und größere Kirche ‚Zum guten Hirten’ errichtet. Die Laurentius-Kapelle diente fortan jahrzehntelang zunächst nur noch für kleinere Andachten und als Leichenhalle.

Heute finden in der hübschen Backsteinkirche jeden Sonnabend wieder Gottesdienste statt. Häufig wird sie auch für Hochzeiten und andere besondere kirchliche Anlässe genutzt.

DammeIn den südlichen Dammer Bergen, nördlich der Stadt Damme, schlängelt sich der Dammer Mühlenbach durch das schmale Bexaddetal. Das Erosionstal zeichnet sich durch eine Vielfalt verschiedener Landschaften und Lebensräumen aus. So findet man hier auf engstem Raum eine erstaunliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Am Rande des Baches finden sich eine Streuobstwiese, Weiden, Waldstücke, Felder und Ackerflächen. Durch diese abwechslungsreichen Landschafträume führen zwei Lehrpfade, an denen dem interessierten Besucher durch mehrere Informationstafeln die Besonderheiten der einzelnen Bereiche näher gebracht werden.






Steinfeld

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n den nördlichen Ausläufern der Dammer Berge liegt die Reitsportgemeinde Steinfeld. Nicht nur lebendige Pferde prägen das Ortsbild. Im Jahre 2004 wurden im Zuge der Aktion ‚Pferdestraße Steinfeld’ 75 farbig bemalte Pferdemodelle in der Kommune aufgestellt, die die Verbundenheit mit dieser Tierart dokumentiert. Schließlich haben große sportliche Erfolge den Ort im Oldenburger Münsterland bekannt gemacht. Die legendären Brüder Alwin und Paul Schockemöhle kommen aus dem Ortsteil Mühlen. Das große Steinfelder Moor begrenzt der Gemeinde im Nordosten. Neben drei alten Wassermühlen besitzt Steinfeld mit der Seefahrerschule, der Lohgerberei und dem Heuerhaus mehrere besondere historische Gebäude, die nach vorheriger Anfrage auch besichtigt werden können.

Sehenswertes:

Das Wahrzeichen der Gemeinde Steinfeld ist ein riesiger Findling, der sich an der Mündung der Handorfer Straße in die Grosse Straße befindet. Der gigantische Stein kennzeichnet den Beginn des Ortszentrums. Er wurde 1932 in der Schemder Heide gefunden und im folgenden Jahr an die heutige Position verbracht. Dort diente er als Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, später auch des Zweiten Weltkrieges.

Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer wurde 1897 bis 1899 im neugotischen Stil errichtet. Ihr Turm mit der spitzen Haube prägt das Ortsbild Steinfelds. Bemerkenswert sind die lichten Farbglasfenster der Kirche sowie die aus Holz geschnitzte Nachbildung des letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci. Die Skulptur gilt als die größte Holzkopie des Mailänder Waldgemäldes.

Es verwundert schon, dass es bereits in den 1830er Jahren ausgerechnet in Mühlen eine Seefahrerschule gab. Schließlich ist die Nordsee noch mehr als 100 Kilometer entfernt. Aber das Gebäude war einst tatsächlich die erste Schule für Nautik im Oldenburger Land. Hier wurden Seeleute auf das raue Leben auf See vorbereitet.

Heute betreibt der Heimatverein Mühlen die Seefahrerschule und gibt Führungen – ich korrigiere: erteilt Seefahrer-Unterricht im Stil des 19. Jahrhunderts.

Das Gebäude der alten Lohgerberei diente nach seiner Fertigstellung 1737 zunächst über 100 Jahre lang als Kirche, bis es 1858 an die Brüder Krapp verkauft wurde. Seit dem war in dem ehemaligen Gotteshaus über 100 Jahre lang eine Lohgerberei untergebracht. Danach verfiel das zweistöckige Fachwerkgebäude immer mehr, so dass es im Jahre 2006 abgetragen und an seinem heutigen Ort wieder neu aufgebaut wurde. Der Heimatverein Mühlen betreibt heute in dem historischen Fachwerkgebäude eine Ausstellung, die das Gerberhandwerk im 19. Jahrhundert dokumentiert. Darüber hinaus befindet sich hier das Heimatarchiv.

In einer großen Kutschenhalle in Holthausen wird die private Kutschensammlung von Hubert Trenkamp präsentiert. Die außergewöhnliche Ausstellung zeigt über 100 sorgsam restaurierte Pferdekutschen, vom Ponywagen bis zum stolzen Landauer. Sie dokumentieren die Geschichte der Fortbewegung mit Hilfe der Pferdekraft. In einer eigenen Abteilung werden darüber hinaus Motorräder, alte Traktoren und anderes landwirtschaftliches Gerät gezeigt. Eine Führung kann nach vorheriger Anmeldung vereinbart werden.

Das Heuerhaus in Mühlen ist ein kleines Museum, das mit seiner ursprünglichen Einrichtung sowie vielen altertümlichen Gerätschaften einen Einblick in die ländlichen Lebensweisen in den letzten Jahrhunderten vermittelt. Als ‚Heuerhäuser’ bezeichnete man früher die zu einem Bauernhof gehörenden Wohngebäude für Bedienstete, die so genannten ‚Heuerleute’. Oftmals waren die Heuerhäuser kleinere Ausfertigungen des eigentlichen Bauernhofes.

Das historische Heuerhaus Herzog wurde vom Heimatverein Mühlen in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Steinfeld saniert und kann auf Anfrage besichtigt werden.

Bereits im Jahre 1556 wurde erstmals eine Wassermühle auf dem Meyerhof urkundlich erwähnt. In ihrer jetzigen Form stammt das Mühlengebäude aus dem Jahre 1834. Bis in die 1950er Jahre besaß die Mühle zwei Wasserräder: eines für den Mahlgang, das andere als Antrieb für ein Sägewerk. Mit Hilfe eines Generators produzierte die Mühle sogar eine Zeit lang Strom, bis 1967 der Betrieb eingestellt wurde. Nach einer umfangreichen Renovierung Mitte der 1990er Jahre ist Meyers Mühle heute wieder betriebsfähig. Das Mahlwerk wurde erneuert, das Wasserrad ausgetauscht und die Teichanlage auf dem parkähnlichen Mühlenhof wurde wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

In der alten Wassermühle in der Bauernschaft Harpendorf-Düpe ist heute ein sehenswertes Mühlenmuseum untergebracht. Das zweistöckige Fachwerkgebäude wurde 1862 erbaut. Im Jahre 1877 übernahm Josef Pöhling die Wassermühle, die sich auch heute noch im Familienbesitz befindet. Zum effizienteren Arbeiten erhielt die Mühle 1907 einen Dampfmaschinen-Antrieb, 1933 einen Dieselmotor und 1970 schließlich einen Elektromotor. Heute betreibt der Müller Pöhlking in dem renovierten Gebäude sein Museum, in dem er zehn historische Mühlenmaschinen und etliches landwirtschaftliches Gerät präsentiert. Das Museum kann nach vorheriger Anfrage besichtigt werden.

Die auch Lübbingsmühle genannte Wassermühle Schemde ist ein Fachwerkgebäude, das in seiner heutigen Form aus dem Jahre 1864 stammt. Aber bereits 1552, so belegen es schriftliche Urkunden, hat es hier bereits eine Wassermühle gegeben. Neben dem Mahlwerk konnte mit den Wasserrädern auch zusätzlich eine Säge betrieben werden. 1958 wurde die Anlage stillgelegt. Der Mühlenteich ist inzwischen versandet, doch die Mühlenbestandteile sind mit Ausnahme des Wasserrades noch erhalten.

Die Gelegenheit zu Eintritt in eine interessante und wunderschöne Parallelwelt bietet sich in Mühlen. Auf einer Fläche von 6.000 m² hat Josef Meyer einen Garten angelegt, der auf der fernöstlichen Gartenphilosophie beruht. Japanische Gärten unterscheiden sich erheblich von den unseren in Mitteleuropa. Sie beschreiben eine Landschaft im Miniaturformat und versuchen, die Natur erlebbar zu machen. Der Kies im Zen-Garten symbolisiert das Wasser, das Geräusch beim Schreiten darüber symbolisiert das sanfte Rauschen der Wellen. Ihre Anordnung richtet sich nach der Wahrnehmung des Betrachters. Überflüssiges wird ausgeschlossen. Die Gärten werden von vier Elementen bestimmt: Stein, Moos, Wasser und Baum. Japanische Gärten sind von einer bestimmten Geisteshaltung bestimmt, sie strahlen Harmonie und Ruhe aus und bestechen durch ihre fernöstliche Eleganz. Das Streben nach Einfachheit führt zur Beruhigung der Seele.






Lohne (Oldenburg)

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ie Stadt Lohne im Oldenburger Münsterland ist ein alter Industriestandort. Bedeutend waren einst die Korkfabrik und die Zigarrenfabrik Clodius. Drei Villen aus der Gründerzeit sowie zahlreiche bürgerliche Backsteinhäuser im Zentrum zeugen noch von dieser erfolgreichen Epoche. Das Industrie Museum am Bahnhof dokumentiert die Industriegeschichte der Stadt. Lohne wird im Osten durch große Moorgebiete begrenzt. Durch die reizvolle Moor- und Geestlandschaft führen zahlreiche Wander- und Radwege. Wahrzeichen der 1907 zur Stadt erhobenen Gemeinde sind der 1908 erbaute Aussichtsturm im Stadtwald sowie die mächtige St.-Gertrud-Kirche.

Sehenswertes:

Mitten im Hopener Wald befindet sich die Burg Hopen. Das ursprüngliche Herrenhaus stammt noch aus dem Jahre 1517 und wurde im 17. Jahrhundert um ein zweites Fachwerkgeschoss aufgestockt. Weitere An- und Umbauten folgten. Ein ehemaliger Burgturm war im 19. Jahrhundert eingestürzt